Titel: Neuer Accumulator (Stromsammler) von Gülcher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302 (S. 288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/ar302059

Neuer Accumulator (Stromsammler) von Gülcher.

Die vorliegende Erfindung (D. R. P. Nr. 80527) betrifft die Herstellung von Bleielektroden für Stromsammler, welche nach dem neuen Verfahren in der Weise geschieht, dass man die wirksame Masse nicht auf Platten aufträgt oder in Gitter einpresst, wie dies bisher meist gebräuchlich war, sondern dass man dieselbe auf und zwischen die Fasern von gewebten, gewirkten oder in ähnlicher Weise hergestellten Stoffen einbringt. Die Fasern können hierbei sowohl natürlichen als auch künstlichen Ursprunges sein.

Man erreicht dadurch einerseits, dass die wirksame Masse von den Fasern des Stoffes festgehalten wird und die so gebildete äusserst poröse wirksame Schicht trotz ihrer Biegsamkeit eine grosse Festigkeit erhält. Andererseits kann die elektrolytische Flüssigkeit vermöge der Capillarität leicht in das Innere eindringen, so dass auf diese Weise eine gleichmässige Wirkung aller Theile der wirksamen Masse erzielt wird.

Das Verfahren beruht darauf, dass man auf und zwischen sämmtlichen Fasern des Stoffes Bleischwamm auf chemischem Wege erzeugt. Zu diesem Zwecke wird der Stoff in Form und Grösse der herzustellenden Elektroden mit schwefelsaurem Bleioxyd imprägnirt. Man erreicht dies dadurch, dass man den Stoff zuerst mit einer concentrirten Lösung von essigsaurem Blei tränkt und ihn dann in ein Bad von verdünnter Schwefelsäure bringt. Hierbei wird auf und zwischen den Fasern des Stoffes schwefelsaures Bleioxyd niedergeschlagen. Die mit schwefelsaurem Bleioxyd imprägnirten Stoffe werden nun zwischen Zinkplatten von entsprechender Grösse gelegt und etwas schräg in ein Bad eingestellt. Letzteres besteht aus einer Kochsalzlösung oder aus Wasser, welches mit Schwefelsäure schwach angesäuert ist. In diesem Bade verwandelt sich alles schwefelsaure Bleioxyd je nach der Dicke der Stoffe innerhalb eines oder mehrerer Tage in Bleischwamm, welcher in äusserst fein vertheiltem Zustande an den verwendeten Stoffen sehr fest anhaftet. Die negativen Elektroden sind jetzt gebrauchsfertig, während die positiven einfach der oxydirenden Wirkung des Stromes ausgesetzt zu werden brauchen.

Gülcher1) verwendet bei der praktischen Herstellung des Gewebes zur Kette Bleidrähte, während der Schuss aus äusserst feiner und elastischer Glaswolle besteht. Das Gewebe wird auf Webstühlen von besonderer Construction durch einfachen Tuchbund in der Breite der Elektroden und in beliebiger Länge hergestellt und dann in Theile von der Länge der Elektroden zerschnitten. Die Enden der Bleidrähte werden blossgelegt und die Elektrode in eine Giessform eingelegt, in welcher geschmolzenes Blei um die freistehenden Bleidrahtenden und um die beiden Seitenkanten des Gewebes rahmenartig herumgegossen wird.

Zur Isolirung der Elektroden von einander sind sie mit loser Glaswolle umwickelt. Hierdurch wird ausser einer vorzüglichen Isolation auch eine elastische Lagerung der Elektroden gegen einander erzielt. Diese Isolation soll auch den inneren Widerstand der Sammler nicht vergrössern und gestattet, die Elektroden in kleinen Zwischenräumen von einander aufzuhängen.

Die beschriebene Construction der Elektroden ermöglicht es, dieselben dünn und leicht zu machen, während der kleine Abstand der Platten von einander das Gewicht der einzelnen Zellen auch günstig beeinflusst, so dass eine grosse Capacität der Gewichtseinheit erzielt wird. Ein aus acht positiven und acht negativen Platten bestehendes Element wiegt 10,7 k und hat bei 12stündiger Entladung 100 Ampère-Stunden Capacität. Die Elemente werden in drei verschiedenen Grössen hergestellt.

Nach den zur Zeit vorliegenden Versuchsresultaten ist mit der Anfertigung dieses Sammlers ein wesentlicher Fortschritt in der Construction derselben zu verzeichnen. Sollte er sich mit der Zeit bewähren, so würde diese Erfindung für den Betrieb von elektrischen Strassenbahnen von grösster Wichtigkeit sein.

Rr.

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Elektr. Z., 1896 S. 675.

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