Titel: Gasmaschinenbetrieb mit Heizgasen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302/Miszelle 5 (S. 24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/mi302mi01_5

Gasmaschinenbetrieb mit Heizgasen.

Wir entnehmen diesem interessanten Artikel von Professor Schöttler nach dem Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt Folgendes: Das Bestreben, das theuere Leuchtgas durch billiges Heizgas zu ersetzen, führte zur Anwendung des Dowson-Gases, so benannt nach dem englischen Ingenieur, welcher dasselbe vor etwas mehr als 10 Jahren einführte. Dowson-Gas ist ein Gemisch von Kohlenoxydgas (Generatorgas), das durch unvollständige Verbrennung von Kohle mit Luft entsteht, mit Wassergas, welches entsteht, wenn man einen Dampfstrom über glühende Kohlen leitet; dieses Gas enthält Kohlenoxydgas und Wasserstoff.

Wassergas eignet sich sehr gut zum Maschinenbetrieb, doch ist seine Herstellung für Motorenbetrieb zu umständlich.

Dowson-Gas besteht aus 41 Proc. Kohlenoxydgas, 21 Proc. Wasserstoff und 38 Proc. Stickstoff.

Die Entwickelung des Gasmotorenbaues hat in neuerer Zeit auf sehr grosse Maschinen geführt, welche sowohl mit Leucht- als mit Dowson-Gas betrieben werden. Die grösste Ausführung ist die eines Motors, gebaut von der Firma Matter und Co. in Rouen, die als 300pferdig bezeichnet ist. Dieselbe ist betrieben mit Dowson-Gas, scheint aber nicht ganz befriedigt zu haben.

Nachstehende Tabelle gibt einen Vergleich zwischen Dampfmaschine und Gasmotor.

Brennstoffverbrauch von Dampf- und Dowson-Gasmaschinen.




Art der Dampfmaschine
Leistung Dampfverbrauch
für 1 -Stunde
Mechanischer
Wirkungsgrad
Verdampfungs-
ziffer
Kohlenverbrauch
für 1 -Stunde
Deutzer Ge-
währleistung
für gleich-
grosse Dowson-
Gasmaschine für
1 -Stunde
Anthra-
cit*

Koks
k k k k
Auspuffmaschine 10 15,0 0,85 7,0 2,5 0,8 1,2
1 stufige Condensations-
maschine

20

10,0

0,85

7,5

1,6

0,7

1,1
2stufige Condensations-
maschine

50

8,5

0,8

8,0

1,3

0,65

0,95
dto. 100 7,5 0,8 8,5 1,1 0,6 0,9
dto. 150 7,0 0,8 9,0 1,0 0,6 0,9
3stufige Condensations-
maschine

1000

5,5

0,8

9,0

0,75


Heissdampfmaschine v.
Schmidt

50

5,0

0,85

8,0

0,7

0,65

0,95

* Einschliesslich Koks für den Dampfkessel.

Schöttler sagt, „dass man dem Dowson-Gas grosse Beachtung schenken muss, um so mehr, als man jetzt von Anthracit, das ja nicht überall billig und bequem zu haben ist, absehen und Gas- oder Grubenkoks verwenden kann. Sicherlich wird es nicht in allen Fällen richtig sein, Gasmaschinen anzuwenden, aber der Fälle, wo man, ohne sich sonst Schaden zu thun, von der grossen Brennstoffersparniss, welche jene gewähren, Nutzen ziehen kann, sind viele.“

Wir fügen dem hinzu, dass mit Rücksicht auf die Preisdifferenz zwischen Koks und Kohle, selbst wenn solche, wie bei den Versuchen benutzt, ziemlich theuer ist, aus der Tabelle hervorgeht, dass die Grenze für günstigeren Betrieb der Gasmotoren schon bei 20 liegt, wenn es sich um den Vergleich mit einer Eincylindermaschine mit Condensation handelt. Wir haben aus eigener Erfahrung diese Grenze für die gleichartige Dampfmaschine bei 35 gefunden.

Die Dampfmaschine mit zweistufiger Expansion liefert stets günstigere Resultate in Bezug auf Brennstoffverbrauch als der Gasmotor, abgesehen von den vielen Vorzügen, welche die Dampfmaschine immerhin besitzt. Die grossen Betriebsvortheile, welche dem mit Leuchtgas betriebenen Gasmotor wegen seiner Bequemlichkeit innewohnen, gehen beim Betrieb mit Dowson-Gas zum Theil verloren.

Für kleine Betriebe bis zu 8 ist die Gasmaschine heut mit Recht die bevorzugte Kraftmaschine.

In dem Bestreben, ein kräftiger wirkendes Heizgas zu finden, als es durch das Dowson-Gas repräsentirt wird, hat ein Franzose, Gardie, den Generator dahin abgeändert, dass er die einzublasende Luft erwärmt und den Verbrennungsprocess unter Druck durchführt. Er erreicht dabei, wie eine Analyse seines Gases ausweist, eine Erhöhung der Beimengung an Kohlenwasserstoffen, die im Dowson-Gas mit ⅓ Proc. enthalten, im Gardie-Gas auf 3,5 Proc. steigen, dagegen wird der sehr wirksame Wasserstoffgehalt von 18,7 Proc. beim Dowson-Gas auf 15 Proc. beim Gardie-Gas reducirt. Die übrigen Bestandtheile sind gleich. Gardie gibt den Heizwerth seines Gases zu 1600 W.-E. für 1 cbm, den des Dowson-Gases zu 1300 W.-E. an. Letztere Angabe dürfte zu niedrig gegriffen sein.

Es ist sehr fraglich, ob die Einführung des Gardie-Gases einen Fortschritt gegen das Dowson-Gas bedeuten wird, da namentlich die Vorwärmung der Luft und die Durchführung des Processes unter Druck sicherlich Schwierigkeiten machen werden. Allerdings geht die Vermehrung der Kohlenwasserstoffe auf Kosten der theerigen Producte, so dass Gardie mit seinem Generator ohne Reinigung des Gases auszukommen glaubt, doch müsste dies erst durch die Praxis bewiesen werden, woran wir jedoch ebenso zweifeln, wie an der dem Verfahren nachgerühmten Möglichkeit, ohne Gasbehälter auszukommen.

Es ist auch öfter die Frage aufgeworfen worden, ob sich die Hochofengase, welche bisher mit einem sehr geringen Heizeffect unter Dampfkesseln verwerthet wurden, nicht auch für Gasmotorenbetrieb eignen.

Die Frage wurde bisher verneint und das Hochofengas als zu schwach für den Betrieb erklärt, so dass die üblichen Constructionen nicht verwendbar seien. Neue Versuche in England sollen ergeben haben, dass auch die gewöhnlichen Typen der Gasmotoren mit Hochofengas gespeist werden können, wenn auch natürlich die absolute Leistung dabei eine weit geringere ist, als sie mit den üblichen Heizgasen erzielt wird. Eine auf solche Weise erzielte bessere Ausnutzung der Hochofengase würde eine hohe Bedeutung für die Roheisenerzeugung haben und der Gasmaschine ein neues weites Feld öffnen.

(Nach Eisenzeitung.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: