Titel: Ueber ein Mittel, die kleinsten Aenderungen im Gang astronomischer Uhren zu erkennen, von G. Bigourdan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302/Miszelle 3 (S. 72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/mi302mi03_3

Ueber ein Mittel, die kleinsten Aenderungen im Gang astronomischer Uhren zu erkennen, von G. Bigourdan.

Auch die besten astronomischen Uhren zeigen, selbst wenn sie auf constanter Temperatur gehalten werden und in einem hinlänglich evacuirten Raum stehen, keinen so gleichförmigen Gang, dass nicht noch eine Verbesserung desselben zur Erzielung genauerer astronomischer Resultate wünschenswerth wäre. Den Grund sucht Verfasser mit Recht in dem Räderwerke, welches bei aller Präcision, mit der es gearbeitet ist, doch im Verlaufe mehrerer Stunden den Gang des Pendels nicht immer in ganz gleichem Maasse beeinflusst. Verfasser schlägt daher vor, die astronomischen Uhren durch ein in constanter Temperatur und in nahezu evacuirtem Gehäuse frei schwingendes Pendel zu controliren. Ein Pendel, welches nahezu Secunden schwinge, behalte, wenn man ihm zu Anfang eine Amplitude von 60 bis 80 Bogenminuten gegeben habe, in einem Raum von etwa 10 mm Barometerstand während 24 Stunden gut beobachtbare Schwingungen bei. Nehme der Barometerstand in den 24 Stunden um 2 bis 3 mm zu, so werde durch die Reduction auf den luftleeren Raum der tägliche Gang immer noch um weniger als 0,01 Secunde falsch gefunden. Die durch Verminderung der Amplitude erfolgende Aenderung des Ganges lasse sich absolut scharf durch Rechnung berücksichtigen. Einer Temperaturdifferenz von 0,1° entspreche eine Aenderung des täglichen Ganges eines Secundenpendels aus Messing um 0,08 Secunden. Es dürfe also nicht schwer halten, den aus mangelhafter Berücksichtigung einer etwaigen geringen Temperaturänderung hervorgehenden Fehler innerhalb 0,02 Secunden zu halten; noch mehr lasse er sich herabdrücken, wenn das Pendel statt aus Messing aus Platin oder Glas hergestellt würde, da deren Ausdehnungscoëfficienten nur die Hälfte von dem des Messings sind. Zur Vergleichung der zu den astronomischen Beobachtungen benutzten Uhren mit dem Pendel sei die Methode der Coïncidenzen anzuwenden, wobei man nach einiger Uebung einen Fehler von höchstens 2 bis 3 tausendstel Secunden mache.

Es sei so gewiss möglich, die Unregelmässigkeiten im Gang einer astronomischen Uhr zu entdecken und ihrer Grösse nach zu bestimmen mit einer Unsicherheit, die im Laufe eines Tages auf höchstens 0,03 Secunden ansteigen würde. (Nach Zeitschrift für Instrumentenkunde.)

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