Titel: Die elektrische Anlage des „Fram“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1896, Band 302/Miszelle 4 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj302/mi302mi08_4

Die elektrische Anlage des „Fram“.

Bekanntlich wurde Nansen's Schiff Fram mit einer elektrischen Beleuchtungsanlage versehen, bestehend aus einer Dynamomaschine der Elektricitäts-Actiengesellschaft vorm. Schuckert und Co., einer Accumulatorenbatterie, einer Bogenlampe und 18 Glühlampen. Zum Antrieb der Dynamo konnte die Schiffsmaschine, eine Windmühle oder ein Gangspill benutzt werden. Der Elektriker der Nordpolexpedition war Bernhard Nordahl. Die Elektroteknisk Tidskrift vom 18. September brachte einen interessanten Artikel über die elektrische Einrichtung des Schiffes, dem wir Folgendes entnehmen.

Die Dynamo konnte direct mit der Achse der Dampfmaschine im Maschinenraum verbunden werden, doch, als Fram im Eise festlag, wurde die Maschine nicht benutzt und die Dynamo nur durch den Windmühlenapparat getrieben. Nordahl benutzte jeden Augenblick, wenn der Wind sich regte, um die Accumulatoren zu laden, und es gelang ihm, den Strom für das elektrische Licht zu unterhalten, bis man es im Mai v. J. entbehren musste.

In der starken Kälte gefroren die Accumulatoren bis zum Boden, aber das Säure enthaltende Eis erwies sich als ausgezeichnetes Elektrolyt: die Accumulatoren functionirten trotzdem ebenso gut. Bei festlichen Gelegenheiten gab Nordahl eine Bogenlampe im Salon zum Besten. – Nansen verwendete auch mitunter diese Lampe, um bei deren Licht zu malen oder zu photographiren. Tagtäglich konnte man sich eine so luxuriöse Beleuchtung nicht gestatten. Am Abend vor Nansen's Verlassen des Fram, um seine beispiellose, kühne Fahrt mit Lieutenant Johansen anzutreten, hatte Nordahl durch Anbringen einer Glühlampe in einem Kranze von Papierblumen ein Transparent mit der Inschrift „God tur“ arrangirt, und als Nansen und Johansen das Schiff verliessen, hisste man die Bogenlampe an die Spitze des Grossmastes.

Die ganze Lichtanlage – Dynamo mit allen Nebenapparaten, Accumulatoren und Windmühle – functionirte die ganze Zeit vorzüglich, und Nordahl konnte sie in jeder Beziehung nur loben. Die Accumulatorenbatterie diente nicht nur dazu, Elektricität aufzuspeichern, sondern auch die Unregelmässigkeiten des Lichtbetriebes durch den Windmotor auszugleichen. Es zeigte sich jedoch, dass der Regulator, mit dem der Windmotor versehen war, zufriedenstellend regulirte, auch ohne Anwendung der Accumulatorenbatterie.

Das Göpelwerk war wie ein gewöhnliches Göpelwerk für Pferdebetrieb construirt, nur mit dem Unterschied, dass die Fahrstangen durch vier Handspeichen, passend für ein bis zwei Mann für jede Speiche, ersetzt waren. Das Göpel werk wurde nicht verwendet, namentlich aus dem Grunde, weil zu viele Leute nöthig waren, um brauchbares Licht herzustellen. Das Göpelwerk wurde, im Beisein von Sverdrup, von Frognerkilen's Fabrik mit einer der gewöhnlichen Dynamo der Fabrik geprüft; und erzielte man Strom für eine 16-NK-Glühlampe für jeden Mann, der an dem Göpelwerk zog.

Die Elektricität fand übrigens bei der Fram-Expedition auch noch andere Verwendung, als für die Herstellung von Licht zu sorgen; sie half dem Fram aus dem Eise. Mit Hilfe einer Batterie von 6 Leclanché-Elementen und eines Kabels wurde die Mine entzündet, welche den Fram vom Eise befreite. (Elektrotechnische Zeitschrift.)

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