Titel: Neue Telephon-, Telegraphen- und Signaleinrichtungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304 (S. 16–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/ar304005

Neue Telephon-, Telegraphen- und Signaleinrichtungen.

Von Conr. Hesse, Ingenieur in Berlin.

Mit Abbildungen.

Eine grosse Anzahl der Neuconstructionen aus dem Jahre 1895/96 – jedoch fast durchweg nur Berliner Erzeugnisse – sind bereits in dem Berichte „Die Schwachstromtechnik auf der Berliner Gewerbeausstellung“1) enthalten.

Bei der weiteren Beschreibung können nur die wesentlichsten Neuerungen, denen zugleich auch ein praktisches Interesse entgegengebracht werden dürfte, Berücksichtigung finden, da die Anzahl derselben eine sehr grosse ist und da ferner von verschiedenen Seiten oft nur geringfügigere Abänderungen an bekannten Constructionen vorgenommen wurden.

Eingetheilt seien die Apparate, Verfahren, Schaltungsanordnungen u.s.w. in die Untergebiete:

Mikrophone, Telephone.

Fernsprechstationen und Zubehöre.

Gesprächszähler.

Fernsprechumschalter (Vielfachumschalter).

Typendruck-, Morse-, Copir-, Schreibtelegraphen.

Commandotelegraphen, Befehlsübertrager.

Feuertelegraphen und Meldeeinrichtungen.

Mikrophone, Telephone.

Bei den meisten neuen Fernsprechgebern werden Kohlenkörner benutzt. Nur vereinzelt findet man noch Neuconstructionen an sogen. Kohlenwalzen oder anderen Geberapparaten. Als geeignetes Kohlenmaterial wird (von B. Münsberg, D. R. P. Nr. 88717) ein Verkohlungsproduct von natürlichen Pflanzensamen, wie Raps, Senfsamen u. dgl. empfohlen. Mit diesen Körnern, deren natürliche Samenform selbst eine geeignete Gestalt der Kohlenkörner bildet, soll das Anhaftvermögen der bekannten Kohlenkörner beseitigt und eine gute Wirkung erzielt werden, da das so hergestellte Kohlenmaterial nach der Carbonisirung sich als sehr mikrophonisch und von sehr geringem Widerstand erweist.

Um das Anhaften und Zusammenballen der Kohlenkörner zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern, sind schon verschiedene Schüttel- u. dgl. Vorrichtungen angewendet worden. So benutzen J. R. Watson und E. C. Parker in London neuerdings einen drehbaren und mit den Körnern oder Kohlenfasern nahezu gefüllten Behälter. Der Behälter besteht aus einem aus zwei Elektrodentheilen D1D1 (Fig. 1 und 1a) zusammengesetzten Metallrohr. Die beiden Elektroden werden durch einen Isolirstoff, wie Goldschlägerhaut E, mechanisch mit einander verbunden. Die um D1D2 herumgewickelte Haut lässt zwischen den inneren Enden dieser Theile einen Zwischenraum D3 (Fig. 1) frei. Der Behälter D ist in Lagern FF an der Rückseite der aus Glimmer bestehenden Schallplatte drehbar befestigt. Die in einem Knopf G endigende Spindel D4 des Behälters wird durch eine Seite des Gebergehäuses hindurehgeführt.

Textabbildung Bd. 304, S. 16

Dem Uebelstand, dass die durch mechanische Abnutzung oder durch Abbrennen sich bildenden Kohlenpulver leicht schädliche Strombrücken zwischen der Schallplatte und der Rückplatte herstellen und so die Lautübertragung beeinträchtigen, soll dadurch abgeholfen werden, dass die Kohlenkörner nicht ganz eingeschlossen werden. Nach dem D. R. P. Nr. 86432 ist zu diesem Zwecke folgende Anordnung getroffen: Die Kohlenkörner sind wie üblich in einem ausgehöhlten Körper untergebracht. Dieser Körper ist mittels kleiner Säulen auf der Fassung der Membran – parallel zu dieser – derart befestigt, dass zwischen der Membran und dem Körnerkörper ein schmaler Zwischenraum entsteht. Letzterer ist so bemessen, dass nur der sich bildende Staub, nicht aber die Kohlenkörner selbst hindurchfallen können. Die Membranfassung und der Körnerkörper bezieh. dessen Säulen sind natürlich von einander isolirt.

Auch die A.-G. Mix und Genest hat in dem verflossenen Jahre einige Neuerungen unter den Mikrophonen zu verzeichnen. Die eine betrifft die pendelnde Aufhängung des bekannten Hohlcylinders aus Filz, eine andere ein neues Mikrophon für transportable Apparate. Bei der erstgenannten Construction ist nach Art der Bell-Blake-Mikrophone ein im einen Ende des Filzcylinders eingebrachtes Kohlenklötzchen mit einer Blattfeder verschraubt und diese ist am Rande der Geberkapsel befestigt. Eine in die Rückseite der Kapsel eingeschraubte und an der Blattfeder anliegende Schraube gestattet eine genaue Regulirung des |17| Mikrophons. Beim Anziehen der Schraube wird das offene und mit Kohlenkörnern theilweise gefüllte Ende des Filzcylinders gegen die Membran gepresst und können hierdurch die Schwingungen der Membran beliebig gedämpft werden. Durch die zweite und in Fig. 2 veranschaulichte Construction soll die Schwierigkeit gelöst werden, Körnermikrophone in allen Lagen zu benutzen und diese so für transportable Apparate verwendbar zu machen. Der für die Kohlenkörner bestimmte Raum wird einerseits von einem konisch ausgehöhlten Kohlenkörper K, andererseits von einer Kohlenmembran M begrenzt, in welcher sich eine, der Aushöhlung des Kohlenkörpers entsprechende, in diesen hineinragende Beule B befindet. Der Raum zwischen B und K ist mit den Kohlenkörnern ausgefüllt.

Textabbildung Bd. 304, S. 17

Eine eigenartige Construction ist die von F. Schneider in Fulda (D. R. P. Nr. 89561). Bei dieser ist eine trichterförmige Membran verwendet, die von einem grösseren gleichartig geformten Hohlkörper umgeben wird; dieser zweite äussere Kölner ist mit einem Ring versehen, der in der Holzplatte des Mikrophongehäuses eingepasst ist. Am Schalloche sind beide Trichter durch einen Isolirring derart verbunden, dass zwischen der Membran und dem äusseren Hohlkörper ein Zwischenraum entsteht. Dieser Zwischenraum ist bis ungefähr ¾ mit Kohlenpulver ausgefüllt. Der Membranentrichter ist an dem, dem Schallloche entgegengesetzten Ende geschlossen, und hier ruht eine Blattfeder, an welche die Stromleitung angeschlossen ist, auf der Membran auf. Der äussere Hohlkörper, der die andere Elektrode bildet, ist an seiner inneren und die Membran an der äusseren, den Kohlenkörnern zugekehrten Fläche in Form von geraden oder krummen Linien mit einer Isolation nach Art einer Perforirung versehen, um bei Drehung der Trichter viele Contactstellen herstellen und eine genaue Regulirung ermöglichen zu können.

Nach einem weiteren neuen Vorschlage werden die Kohlenkörnchen eines Körnermikrophons in einem im Querschnitt ein rechtwinkliges Dreieck bildenden Raume untergebracht, dessen Basis von der Schallplatte, dessen zweite hierzu rechtwinklige Seite durch eine elastische Packung von Baumwolle, Wolle, Seide o. dgl. und dessen dritte Seite durch eine Abschrägung der Elektrode gebildet wird. Bezweckt soll hierdurch werden, dass die Körnchen durch die federnde Packung die schiefe Ebene der Elektrode hinauf gegen die Schallplatte gedrückt werden.

Auch diejenige Art der Körnermikrophone, bei welcher hinter der Membran nicht eine, sondern mehrere Elektroden angeordnet sind, hat durch Ch. Adams-Randale in London eine weitere Ausgestaltung erfahren. Hierbei sind acht röhrenförmige, elastisch gelagerte, mit Kohlenpulver theilweise gefüllte Elektroden verwendet worden. Als zweckmässig wird angegeben, jede Elektrode mit einer besonderen Inductionsspule und einer besonderen Stromquelle zu verbinden. Die secundären Wickelungen der Spulen sind parallel geschaltet und die primären Wickelungen in sonst bekannter Weise mit den Elektroden und den Zinkpolen der Batterien verbunden. Die Kohlenpole der Batterien werden zu einer gemeinsamen Klemme geführt, die mit dem Ring der Membran in Verbindung steht. Die Lautwirkung soll durch diese Einrichtung erhöht werden. Allerdings geschieht dies auf Kosten des dadurch sehr vertheuerten Mikrophons.

Bei einem in Fig. 3 in seinen wesentlichen Theilen abgebildeten neuen 'Körnermikrophon von Carbonnelle in Brüssel ist m die Membran, k ein an dieser festgeklebtes hohles Kautschukrohr und M der Körnerbehälter. Der letztere besteht aus den beiden Kohlenscheibchen p1p2 und einem elastischen hautartigen Rohr JJ, welches über p1p2 geschoben ist. Das Stromschlussblättchen D ist an die Membran m angelöthet, das Blättchen E von dieser isolirt. Spiralförmig gewundene Drähte ff1 verbinden die Blättchen DE mit den Kohlenscheibchen p2p1 des Körnerbehälters M. Die Membran mit den Blättchen DE wird in einer Fassung gehalten und in den Stromkreis eingeschaltet.

Textabbildung Bd. 304, S. 17

Durch ein neues Mikrophon der Firma R. Stock und Co. in Berlin (D. R. P. Nr. 90424) sollen die Vortheile der Körner- und der Walzenmikrophone vereinigt werden. Aehnlich wie bei den Walzenmikrophonen die beiden Kohlenklötze, so sind zwei zu einem Rahmen vereinigte Ebonitklötze parallel im Abstand von einigen Centimetern angeordnet. In den zwei Bohrungen der Ebonitklötze sind dünnere Kohlenstäbe seitlich frei beweglich gelagert; jeder dieser Kohlenstäbe trägt eine Anzahl (sechs) Kohlenscheiben, die auf den Stäben lose aufgehängt sind. Dieses ganze System ist, wie ohne weiteres verständlich, unter bezieh. hinter der Membran des Mikrophons untergebracht. Die Einschaltung in den primären Stromkreis ist derart, dass der Strom in den einen Kohlenstab eintritt, in Parallelschaltung durch die sechs Kohlenscheiben zu der Membran übergeht, von dieser zur zweiten Serie der sechs Kohlenscheiben und zu dem zweiten Kohlenstab gelangt und von hier seinen Weg zurück zur Primärspule und Batterie nimmt. Durch eine geeignete Stellvorrichtung kann die Membran mehr oder weniger gegen die Kohlenscheiben gedrückt werden. Beim Schwingen der Membran sollen die Scheiben eine Drehbewegung machen und so immer neue Stromschlusstellen zum Anliegen kommen. Wie ich höre, wird mit diesem Mikrophon eine vorzügliche Lautwirkung erzielt.

Von C. J. Schwarze in Adrian (Nordamerika) ist eine Fernsprecheinrichtung angegeben, nach welcher die Telephonspulen gleichzeitig zur Signalgebung ausgenutzt werden sollen. Zu diesem Zwecke sind die Telephonspulen als drehbarer Anker N ausgebildet; dieser kann in bekannter Weise durch eine Kurbel gedreht und so ein Anruf bewirkt werden. In Normalstellung stehen die Pole des Ankers N vor der Membran G und dem Anker h des Läutewerks ikl.

Textabbildung Bd. 304, S. 17

Bei dem in Fig. 4 veranschaulichten Apparat sind ferner A permanente Magnete und F die Magnetschenkel; G ist der Empfänger, E die Erd- und L die Fernleitung. Damit nun der Anker auch stets die richtige Stellung einnimmt, ist das eine Ende der Armaturwelle mit einer |18| Scheibe versehen, an der ein Hebel excentrisch befestigt ist. Ein in dem Hebel angeordneter Schlitz führt sich auf dem Stift einer Stange, die aus dem Gehäuse der Fernsprechstation herausragt. Die Stange wird durch eine Spiralfeder nach oben gezogen. Beim Drücken auf die Stange wird nach erfolgter Drehung des Ankers der letztere in die Normalstellung gebracht. Somit hat N gleichzeitig einen dreifachen Zweck, als Anker zum Anruf, als Spulen eines magneto-elektrischen Telephonapparates und als Spulen des Läutewerkes.

Fernsprechstationen (Schaltung – Zubehöre).

Eine Schaltungsanordnung zum Hintereinanderschalten einer grösseren Anzahl Telephonstationen in eine Telegraphen- u. dgl. Leitung wurde von G. Zwilling in Berlin angegeben.2) Diese Anordnung besteht darin, dass Inductionsspulen mit vier Wickelungen benutzt werden, von denen eine Wickelung mit stärkerem Draht und dementsprechend verhältnissmässig geringem Widerstand bei einer grösseren Windungszahl in die Linienleitung eingeschaltet wird. Zur Regulirung der Inductionswirkung dieser Wickelung a soll eine zweite dienen, welche in der Abbildung Fig. 5 mit v bezeichnet ist. Neben dem Morse-Apparat M ist ein Condensator C angeordnet. Die Linienleitung L führt über hinter einander geschaltete Inductionsspulen der verschiedenen Telephonstationen zu dem ebenso geschalteten zweiten Morse-Apparat, welcher bei d an Erde liegt. Der Anruf bei den Telephonstationen erfolgt mittels eines Selbstunterbrechers U, der nebst der Batterie B und Taste R an Stelle des Mikrophons mit der dritten, hier primären Wickelung p verbunden ist. Das Telephon zum Empfang des Rufzeichens ist in die, die vierte Wickelung bildende Secundäre s eingeschaltet.

Textabbildung Bd. 304, S. 18

Die Wickelung v ist in Ruhestellung des Apparates über den Telephonhaken kurz geschlossen und wird in diesem Stromkreis von sehr geringem Widerstand durch die Inductionswirkung des ankommenden Rufstromes ein hinreichend starker Strom erzeugt, um einen hörbaren Anruf bei einer grösseren Anzahl hinter einander geschalteter Stationen (nach Angabe des Erfinders 20) zu erlangen. Die angerufene Station unterbricht beim Abheben des Telephons den Stromkreis v, um während des Gespräches im Empfangstelephon die volle Inductionswirkung zu erhalten. Aus diesem Grunde bleibt während des Hörens der Mikrophonstromkreis bei T geöffnet und wird nur durch Niederdrücken dieser Taste beim Hineinsprechen in das Mikrophon geschlossen.

Die Sprachübertragung mittels einer einfachen Spule bezweckt eine Anordnung der A.-G. für Fernsprechpatente (Nr. 86853).

An die Linienleitung L der Fig. 6 denke man sich noch eine zweite ebenso eingerichtete Station angeschlossen. Bei den so geschalteten Apparaten geht, solange die Stromstärke in den Hauptstromkreisen unverändert bleibt, kein Batteriestrom über die verbindenden Leitungen, da die letzteren bei beiden Stationen an den gleichen Polen der Batterien liegen. Wächst nun die Stromstärke im Hauptstromkreise des einen (linken) Apparates, so wird bei der anderen (rechten) Station der Strom seinen Weg über R nehmen, da auf dem Wege über M die elektromotorische Kraft der Batterie entgegenwirkt. Bei abnehmender Stromstärke im Apparat links wird der nach rechts gehende Stromimpuls so gerichtet sein, dass er mit der elektromotorischen Kraft der rechten Batterie in gleichem Sinne wirkt. Es bedeutet in Fig. 6 K den positiven Pol der Batterie, T das Telephon, M das Mikrophon, R die Selbstinductionsspule und B die Batterie. Bei der praktischen Ausführung soll der Hauptstromkreis der Station (B M R) beim Abheben des Telephons T durch den Umschaltehaken geschlossen und gleichzeitig an dem einen Ende von R über das Telephon mit der Leitung L verbunden werden.

Textabbildung Bd. 304, S. 18

Im Ruhezustande bei angehängtem Telephon ist letzteres somit ausgeschaltet und die Leitung L über die Spule R mit der Erde E in Verbindung. Als Selbstinductionsspule sollen die Spulen des Läutewerkes benutzt werden.

Eine weitere Schaltungsanordnung, welche hier kurz zu nennen ist, betrifft den Verkehr von Zwischenstellen mit Endstellen nach P. M. Justice in London. Zwei Endstellen sind durch drei Leitungen bezieh. zwei Leitungen und Erde, beispielsweise abc, mit einander verbunden. Die Leitung a endigt auf der linken Station offen in einem zweiarmigen Umschalter und auf der rechten Endstelle unter Abzweigung zu einem eben solchen Umschalter am Apparat. Bei Leitung b ist dasselbe in umgekehrter Folge der Fall, während Leitung c die Endstellen ohne irgend welche Abzweigung direct verbindet. Die Zwischenstellen sind von den Linienleitungen ab abgezweigt.

Beim Anruf einer Zwischenstelle melden beide Endstellen, und ein Gespräch findet ohne Benutzung der genannten Umschalter über die Linien ab statt. Wollen die Endstellen in Verkehr treten, so schalten sie sich gegenseitig mittels ihrer Hebelumschalter zuvor in die Linie ein und verkehren über die Leitung ac bezieh. bc. An Stelle von Leitung c kann auch die Erde treten.

In Bezug auf constructive Ausführungen ist zu bemerken, dass insbesondere die Miniaturtelephonstationen sehr beliebt und modern geworden sind. Diese werden hauptsächlich als Tisch- oder transportable Stationen gebaut. Bei ersteren ist vielfach eine Uhrständerform, bei letzterer Ausführung eine Dosen- oder Birnenform gewählt.

Zu diesen liefern interessante Beiträge die Firmen Töpffer und Schädel und Franz Müller und Co. in Berlin.

Die äussere Gestalt der letztgenannten Apparate entspricht den in der Haustelegraphie bekannten Birnen. In einem kleinen aus Hartgummi verfertigten und aus zwei Theilen zusammengesetzten Gehäuse ist ein Mikrophon, Telephon und Morse-Taster untergebracht. Der das Mikrophon und den Taster enthaltende obere und niedrige Theil steht durch eine Leitungsschnur mit dem das Telephon |19| aufnehmenden anderen Theil in leitender Verbindung, von welchem seinerseits eine Leitungsschnur zur Batterie und Fernleitung führt. Beim Aufstecken des Mikrophontheiles auf die Telephonkapsel wird ein Stift niedergedrückt, wodurch während des Ruhezustandes die Mikrophonbatterie aus- und in bekannter Schaltungsweise das Läutewerk eingeschaltet wird.

Auf die Mikrophonmembran ist eine durchlöcherte Metallscheibe zum Schütze der Membran aufgesetzt. Das Mikrophon besteht aus einer mit Erhöhungen versehenen und mit körniger Füllmasse gefüllten Kohlenscheibe. Das Telephon besitzt einen aufrecht stehenden kräftigen Hufeisenmagneten, auf dessen Polenden die Drahtspulen festgeschraubt sind. Die Ausführung der Firma Franz Müller und Co. weicht im Wesentlichen von der vorbeschriebenen Töpfer und Schädel'schen Construction durch die Anordnung der Schnüre, Ausbildung und Unterbringung des Morse-Tasters, Telephons und Mikrophons ab. Ein Ring zum Aufhängen der Birnenstation steht gleichzeitig mit dem Umschalter zum Ein- und Ausschalten in Verbindung. Sodann befinden sich Telephon und Taster in dem einen und das Mikrophon in dem anderen, mit dem Ring und Umschalter versehenen Theil der Birne. Beide Theile sind ebenfalls durch eine Schnur verbunden.

Auf eine praktische Maassnahme der Firma Hardegen und Co. sei hier hingewiesen. Um die alten, für Gleichstromwecker eingerichteten Gehäuse der Wandstationen auch für Wechselstromläutewerke weiter verwenden bezieh. aufbrauchen zu können, wurde über der grossen Glockenschale des Gleichstromweckers, welche, wie bekannt, aus dem Gehäuse zum Theil herausragt, im Inneren des Gehäuses eine zweite, kleinere Glockenschale angeordnet, zwischen welchen Schalen der Klöppel des seitlich sitzenden polarisirten Elektromagneten schwingt.

Besondere Aufmerksamkeit haben Siemens und Halske auch der Ausbildung ihrer Fernsprechapparate geschenkt. Hier sind besonders die Stationen für Bergwerksgruben, Tunnels u.s.w. zu nennen, welche gegen mögliche Beschädigungen der verschiedensten Art, als durch Feuchtigkeit, durch chemische Einwirkung von Gasen und durch mechanische Verletzungen weitgehendsten Schutz erhalten haben. So wird unter anderem das Gehäuse ganz in Gusseisen ausgeführt. Der Hakenumschalter reicht nicht seitlich, sondern unten aus dem Gehäuse hervor; die Contacte dieser Umschalter sind als Schleifcontacte ausgebildet. Die Glockenschalen des Wechselstromweckers sind durch ein Drahtnetz geschützt. Bei Apparaten mit Inductoranruf sind in das Gehäuse ein bis zwei Hellesen-Trockenelemente für das Telephon einmontirt. Die doppeladrige Leitungsschnur für den Fernhörer ist von einem Gummischlauch umgeben. Reiche Ausstattungen haben die Tischstationen dieser Firma erhalten. Bei einer Anzahl der letzteren Fernsprechstationen ist auf einem kastenartigen Unterbau von geringer Höhe, einseitig versetzt, ein Trommelgehäuse aus Bronzeguss befestigt, über welchem ein Mikrotelephon liegt. Dies Trommelgehäuse ist dazu bestimmt, den aus dem Kasten sonst hervorstehenden Inductor zu verdecken. Hierdurch konnte der Stationskasten niedriger gestaltet werden und eine geschmackvollere Form erhalten.

Die neueren Constructionen der A.-G. Mix und Genest lehnen sich an die bekannten schwedischen Ausführungen an. Besonders zu nennen ist eine kleine Wandstation für Hausanlagen, deren Fernhörer in Dosenform auf die Fassung des Mikrophons abnehmbar aufgesteckt und unterhalb des Läutewerkes auf einem schön profilirten Brett montirt ist. Das Körnermikrophon ist mit einer Schüttelvorrichtung und die Station mit einem selbsthätigen Umschalter ausgestattet.

Eine neue Fernsprechstelle mit Linienwähler construirte die Tucher Electrical Construction Company in New York unter dem Namen Autotelephonsystem.

Durch diese in Fig. 7 und 7a dargestellte Construction wird der Electrical Review in New York nach hauptsächlich angestrebt, einen möglichst compendiösen Linienwähler für eine grosse Anzahl von Anschlüssen herzustellen. Die Hebel mit den zugehörigen Contacten sind wagerecht angeordnet (Fig. 7) und federnd gelagert. Zur Herstellung einer Verbindung wird der zugehörige obere Hebel in den der Stationsnummer entsprechenden Einschnitt gebracht und hier dann durch einen im Ring ausgestanzten Haken festgehalten. Nach Schluss des Gespräches wird der Hebel freigelassen und bleibt ausgelöst in einer beliebigen Stellung stehen. Bei der Einrichtung nach Fig. 7 dient der obere Hebel für die Anschlüsse 1 bis 14 und der untere für die Stationen 15 bis 28.

Textabbildung Bd. 304, S. 19

Nach Fig. 7a ist die Wandstation nach Fig. 7 zu einer Tischstation ausgebildet und, wie zu ersehen, ist hier nur ein Hebel angeordnet. Die übrige Einrichtung beider Stationen kann als im Wesentlichen bekannt vorausgesetzt werden.

(Fortsetzung folgt.)

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D. p. J. 1896 301 * 61. * 76. * 182.

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D. R. P. Nr. 89676.

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