Titel: Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304 (S. 67–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/ar304017

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren.

Von J. M. Eder und E. Valenta.

(Fortsetzung des Berichtes S. 19 d. Bd.)

Mikrophotographie.

Ueber die Fortschritte der Mikrophotographie schreibt Marktanner-Turneretscher in Eder's Jahrbuch f. Photogr. f. 1897.

E. Czaplewski beschreibt in der Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. 13 S. 147, einen neuen mikrophotographischen Apparat, der in einigen Stücken von dem gebräuchlichen abweicht. Das Wesentliche an demselben besteht in einem innen geschwärzten Kasten, dessen Basis eine sehr schwere Holzplatte von 44 cm Seitenlänge bildet. In der Mitte zweier einander gegenüberliegenden Seitenwände ist je eine eiserne senkrechte Schiene befestigt, und zwar so, dass sie einerseits in der Basisplatte etwas eingelassen sind, andererseits die Kiste um 13 cm überragen. An dem freien Theil ist eine Millimetertheilung angebracht. An der Vorderwand des Kistchens ist ein kreisrundes Loch ausgeschnitten, durch welches das Licht bei der Aufnahme eingelassen wird; die Hinterwand ist eine Thür, durch welche das Mikroskop, auf einem Schubbrett stehend, eingeschoben werden kann. Die Eisenschienen dienen als Träger für eine heb- und senkbare und in jeder Stellung fixirbare Platte, auf welcher die Cassetten und Einstelltafeln in einem passenden Falz aufgelegt werden können. An der Unterseite dieser Platte ist der Balg befestigt, der die lichtdichte Verbindung mit dem Ocular herstellt. Der Balg tritt natürlich durch eine entsprechende Oeffnung im Deckel des Kastchens hindurch.

Em. de Wildemann erörtert in einer Publication, „L'appareil à projection du Dr. Edinger, permettant de dessiner ou de photographier des préparations microscopiques sous un faible grossissement“23), die Verbesserung des im Bd. 8 der Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie S. 179 beschriebenen Edinger'schen Apparates, speciell die Umwandlung desselben in einen photographischen Apparat, der in dieser neuen Form für manche Fälle recht praktisch sein mag.

Der Apparat besteht aus einer als Zeichentisch dienenden Holzplatte, auf welcher sich ein senkrechter Holzaufsatz erhebt, der auf der einen Seite eine Lampe, welche höher und tiefer verstellbar ist, trägt. Auf der anderen Seite befindet sich ein Arm, welcher die Lupe, und ein zweiter, |68| der das abzubildende Präparat trägt; jeder derselben ist für sich in der Höhe verstellbar. Der senkrechte Holzaufsatz trägt zu oberst eine parallel dem Basalbrett laufende metallene Röhre, die eine Condensorlinse und einen gegenüber der Horizontalen um 45° geneigten Spiegel trägt, der das concentrirte Lampenlicht nach abwärts auf das Präparat und weiter durch die Lupe auf die Zeichenfläche wirft.

Wird der Apparat zur Herstellung von Photographien verwendet, so wird auf die Zeichenfläche unter der Lupe ein kleines Kistchen gestellt, das auf der Zeichenfläche aufliegend eine Cassette einzuschieben gestattet, während andererseits auf seiner gegenüberliegenden, also oberen Fläche, ein kleiner Balg die lichtdichte Verbindung mit der Lupe herstellt.

Die bekannte Firma Zeiss in Jena bringt zwei neue mikrophotographische Apparate in den Handel. Der eine derselben, als „Umlegbare Verticalcamera“ bezeichnet, soll einen Ersatz bieten für die kleine Francote'sche Camera und die ebenfalls im Specialcatalog dieser Firma beschriebene kleine Verticalcamera, indem sie sowohl für Aufnahmen bei senkrechter wie bei wagerechter Stellung des Mikroskops eingerichtet ist, und stellt dieselbe auch in technischer Beziehung eine bedeutende Vervollkommnung der beiden angeführten Apparate vor.

Auf einem massiven Fundament ruht fest mit ihm verbunden, aber um ihre senkrechte Achse drehbar, die Fussplatte des Mikroskops, in ihrer Höhe und Neigung verstellbar durch drei Stellschrauben. Die Fussplatte trägt vorn eine versetzbare, durch Schrauben fixirte Anschlagleiste für den Fuss des Mikroskops. Beim Gebrauch des Stativs für Mikrophotographie und des Stativs Ia kommt diese Leiste an das vorderste Ende der Fussplatte, bei Anwendung der kleineren Stative IIa und IVa weiter nach hinten zu stehen. An seinem hinteren Ende wird der Mikroskopfuss durch eine über denselben gelegte Metallspange mittels Schrauben festgeklemmt. Die Camera – eingerichtet für 20 × 20 cm grösstes Plattenformat – wird getragen durch eine am Fundament im Scharnier bewegliche, behufs Ablesung der Balglänge mit Centimetertheilung versehene Metallstange, die an ihrem hinteren bezieh. oberen Ende einen Stift trägt, der die Horizontalstellung der umgelegten Camera, eine wagerechte Unterlage vorausgesetzt, garantirt. Der Rahmen für das Stirnbrett und für die Cassette sind auf der Stange in Hülsen verschieblich und durch Schrauben festzuklemmen. Die Camera kann in drei Lagen fixirt werden: in senkrechter, in einer Neigung von 45° und in wagerechter. Am vorderen Ende des Fundaments lässt sich durch einen einfachen Mechanismus ohne weiteres eine optische Bank zur Aufnahme der Lichtquellen, der Lichtfiltercuvette u.s.w. anbringen.

Durch einen einfachen Mechanismus kann das Mikroskop sofort in eine zur Camera und zur optischen Bank centrirte Stellung zurückgedreht werden. Diese Einrichtung ist als ganz besonders praktisch zu bezeichnen.

Als zweite Neuerung führt die Firma Zeiss die sogen. „Consolcamera“ ein, die lediglich zum Gebrauch in Horizontalstellung in Verbindung mit dem bekannten Projectionstisch dieser Firma bestimmt ist und die bei kleineren mikrophotographischen Einrichtungen an Stelle der grossen Camera für Mikrophotographie gebraucht werden kann. Die Camera selbst ist von derselben Grösse und nach demselben Typus gebaut, wie die umlegbare Verticalcamera. Sie ist ebenfalls auf einer mit Centimetertheilung versehenen Eisenstange montirt, die ihrerseits von einem Consolträger gestützt wird, um dessen senkrechte Achse sie in der wagerechten Ebene drehbar ist, so dass die Camera, wenn nicht photographirt, sondern projicirt werden soll, nicht vom Tisch entfernt zu werden braucht, sondern einfach zur Seite geschlagen und in dieser Lage fixirt werden kann.

J. Huntes24) verwendet bei mikrophotographischen Aufnahmen statt des gebräuchlichen, aus einer einfachen Linse bestehenden Condensors einen solchen, welcher aus einer Flint- und einer Crownglaslinse besteht, zwischen denen sich eine Wasserschicht befindet.

Als Hauptvortheile dieses Systems werden genannt: 1) Das ganze Gesichtsfeld ist einheitlich gleichförmig beleuchtet; 2) die Beleuchtungsstrahlen sind parallel; 3) die Ausdehnung der beleuchteten Fläche kann ebenso wie der Oeffnungswinkel je nach dem Object regulirt werden; 4) die Wärmeabsorption ist sehr gross, so dass die Objecte keinen Schaden leiden, und macht die Wasserfüllung des Condensors die Einschaltung einer Cuvette mit Alaunlösung überflüssig; 5) monochromatisches Licht kann durch entsprechende Färbung des Condensorwassers erhalten werden und ist der Condensor somit auch gleichzeitig als Lichtfilter verwendbar; 6) Interferenzerscheinungen fehlen gänzlich und ist die Centrirung dieses Condensors viel leichter als bei dem gewöhnlichen.

Photographie in natürlichen Farben.

Vallot25) stellte Photochromien in natürlichen Farben auf einem neuen Weg her, indem er, angeregt durch die Untersuchungen Wiener's, drei lichtunechte Farbstoffe (Roth, Blau und Gelb) wählte, welche die Eigenschaft zeigten, im weissen Licht gleichmässig schnell auszubleichen. Das blaue Licht bleicht nur den gelben und rothen, das rothe nur den blauen und gelben u.s.w. aus, und man erhält deshalb, wenn man gelatinirtes Papier auf einem Gemisch der Lösungen dieser drei Farbstoffe (0,2 g Anilinpurpur in 50 cc Wasser, 0,5 g Victoriablau in 50 cc Wasser und 10 g Curcuma in 50 cc Alkohol) schwimmen lässt, trocknet und unter einem farbigen Glasbild copirt, ein farbiges Bild (das Copiren dauert 3 bis 4 Tage!).

Die indirecten Verfahren zur Herstellung von Photographien in natürlichen Farben wurden mehrfach wieder aufgenommen und von Ives, Lumière, Seile u.a., insbesondere bei Herstellung von Projectionsbildern, damit recht gute Resultate erzielt.

Ives26) stellt seine Projectionsbilder in der Weise dar, dass drei Negative für Roth, Gelb und Blau wie üblich von dem zu photographirenden Object erzeugt werden; nach diesen Negativen werden mit Chromatgelatine ohne Pigment drei Copien gemacht, welche in entsprechenden Farbstofflösungen gefärbt, getrocknet und über einander geklebt werden. – A. und L. Lumière benutzen zur Farbenauslese orangerothe, grüne und violette Lichtfilter und stellten diesen entsprechende orthochromatische Trockenplatten her, deren Sensibilisirungsmaximum der Farbe, welche von diesen Filtern durchgelassen wird, entspricht.27) – Zur |69| Auswahl und Superposition benutzen die Genannten das Chromleim verfahren. Eine Chromleimschicht wird unter dem betreffenden Negativ belichtet, der löslich gebliebene Leim ausgewaschen und das Bild mit entsprechenden Theerfarben gefärbt. Da der Chromleim an und für sich zur Wiedergabe der Halbtöne nicht geeignet ist, setzen die Gebr. Lumière demselben Bromsilbergelatine zu und fixiren vor dem Färben das Bromsilber aus.

Man stellt nun nach einander auf derselben Platte die den drei Negativen entsprechenden Bilder her und trennt dieselben durch Collodionschichten. Das Verfahren ermöglicht es, durch Anwendung mehr oder weniger concentrirter Farbstofflösungen oder durch Auswaschen des überschüssigen Farbstoffes die relative Intensität des monochromen Bildes verschieden zu gestalten, und man kann die Wirkung der drei ersten Schichten durch eine vierte bezieh. fünfte Schicht nach Bedürfniss verändern. Das Zusammenfügen soll leicht durchzuführen sein und wird hierdurch die praktische Verwendbarkeit des Verfahrens eine grössere als jene von anderen ähnlichen Methoden.

Aehnlich wie das oben erwähnte Verfahren von Ives ist dasjenige von Selle in Berlin, welcher seine Bilder ebenfalls mittels Chromleim herstellt, färbt und mit Hilfe eines Uebertragungspapiers auf eine Glasplatte überträgt.28) Es gibt dieses Verfahren unter Umständen sehr befriedigende Resultate.

Orthochromatische Photographie.

Dr. Eberhardt studirte die sensibilisirende Wirkung einer grossen Anzahl von Farbstoffen auf Gelatinetrockenplatten und fand, dass Alizarinblaubisulfit29) (zu beziehen von Dr. Schuchardt in Görlitz sowie von den Farbwerken Durandy Huguenin und Co. in Hüningen, Elsass) ein sehr gut wirkender Sensibilisator für Orange und Roth sei.

Man badet die Platten in folgender Lösung:

Alizarinblaubisulfit (1 : 800 in Wasser gelöst) 4 cc
Ammoniak 1 cc
Silbernitratlösung (1 : 40) 6–10 cc
Wasser 100 cc

Diese Platten besitzen eine hohe Empfindlichkeit für die Gegend der Fraunhofer'schen Linien C–A, das Maximum bei A hebt sich besonders kräftig ab.

Die neuesten Untersuchungen Dr. Eberhardt's auf diesem Gebiete haben ferner gezeigt, dass Nigrosin B von Beyer in Elberfeld, Bromsilbergelatinetrockenplatten einen hohen Grad von Rothempfindlichkeit verleiht. Die Präparation ist folgende: 1 procentiges Ammoniakvorbad während 1 Minute, dann durch 3 Minuten ein Farbstoffbad von 3 cc Farbstoff (1 : 500), 1 cc Ammoniak und 100 cc Wasser.30)

A. und L. Lumière bringen neuester Zeit in der Emulsion gefärbte Trockenplatten, welche sie „Panchromatische Platten“ nennen, in den Handel31); dieselben sollen für Gelb, Grün und Roth empfindlich sein. (Die speetroskopische Prüfung ergab zwei Maxima der Sensibilisirung, eines im Orangeroth bei C, das zweite bei D bis gegen E; die Sensibilisirung ist ziemlich ähnlich jener, wie man sie mit Vogel's „Azalin“ [Mischung von Chinolinblau und Chinolinroth] erhält. E. u. V.)

In der Praxis wird zum Sensibilisiren der Platten (orthochromatische Platten) meist entweder Eosinsilber oder Erythrosin verwendet. – Kogelmann32) in Graz untersuchte die Einwirkung des rothen Spectrumendes auf Bromsilbergelatinetrockenplatten und kam zu dem Schluss, dass diese Strahlen bis zu einem gewissen Grade die Wirkung des weissen Lichtes bei mit solchem vorbelichteten Platten auszulöschen vermögen.

Collodionprocesse.

Ueber diesen Gegenstand erschien eine Broschüre von Ch. Gamble: „An Introduction to the practice of well Collodionphotographic“ (London 1895).

Ferner erschien über denselben Gegenstand ein ausführliches Werk von J. M. Eder: „Das nasse Collodionverfahren, die Ferrotypie und verwandte Processe“ bei Knapp in Halle a. S. 1896.

Als Ersatz für Collodion stellen Cross und Bevan33) Celluloseproducte dar, welche in Chloroform löslich sind. Man benutzt Cellulosexanthat oder die Lösung von Cellulose in Kupferoxydammoniak und fällt hieraus Cellulosehydrat. Dieses wird mit concentrirter Zinkacetatlösung gemischt, dabei bildet sich eine Art Doppelsalz, welches bei 105° C. getrocknet, mit Acetylchlorid gemischt und mit Wasser gewaschen wird. Danach ist das Product in Chloroform löslich und gibt eine glänzende durchsichtige Haut auf Glas. Diese Schicht ist als Träger der Emulsion, das Product vielleicht auch zu Emulsionen zu gebrauchen.

Banker's34) Vorschlag, das nasse Collodionverfahren zu „verbessern“, besteht darin, dass er Bromsilbercollodion mit unzureichendem Silbergehalt herstellt und die damit gegossenen Platten in Jodkaliumlösung 1 : 30 badet, wodurch unempfindliches Jodsilber entsteht, welches erst durch Baden in 5 procentiger Silbernitratlösung sensibilisirt wird.

Chlorsilbercollodion für Diapositive stellt Teape35) mittels Collodion, Chlorzink und Silbernitrat her. Als Entwickler dient Hydrochinon.

Die Emulsion wird hergestellt, indem man 8 g Collodionwolle in Aetheralkohol (300 cc Aether und 390 cc Alkohol), 10 g Zinkchlorid und schliesslich 23 g Silbernitrat in Alkohol gelöst nach und nach unter Umschütteln zufügt. Die Platten müssen einen Unterguss von Gelatine erhalten.

Als Entwickler wird folgender benutzt:

Hydrochinon 4 g
Bromkalium 28 g
Natriumsulfit 48 g
Wasser 480 g
Natriumcarbonatlösung (10 proc.) 10 g

Ueber Collodionemulsionen für den Auscopirprocess schrieb E. Valenta.36) Für normale Negative, d.h. solche, welche mit den gewöhnlichen Handelssorten von Celloidinepapier gute Copien geben, eignet sich folgende Emulsion:

Lösung A.
Strontiumchlorid 10 g
Lithiumchlorid 5 g
Wasser 30 g
Alkohol 35 g
|70|
Lösung B.
Silbernitrat 22 g
Wasser 30 g
Alkohol 60 g
Lösung C.
Citronensäure 5 g
Alkohol 40 g
Glycerin 6 g

350 Th. 3 procentiges Collodion werden mit 15 cc von Lösung A partienweise versetzt und geschüttelt. Dann werden bei gelbem Lichte 60 cc von B in kleinen Portionen unter Schütteln und hierauf 50 cc C und 50 cc Aether zugegeben. Die Emulsion gibt, auf gutem Barytpapier vergossen, ein Celloidinpapier von einem Umfange der Gradation = 16° des Papierscalenphotometers von Sawyer. Es ist sehr empfindlich und tont in Tonbädern und Tonfixirbädern gut und gleichmässig. Bei flauen, verschleierten oder sehr dünnen Negativen, welche mit Albuminpapier nur sehr schlecht copiren, erhält man noch brillante Bilder, wenn man eine Emulsion verwendet, welcher man vor dem Giessen Chromsäure oder Chromate zugesetzt hat. Setzt man z.B. zu der obigen Chlorsilbercollodionemulsion auf je 200 cc 0,4 bis 0,8 cc einer 10 procentigen Chromsäurelösung, so färbt sich die Emulsion orangeroth, und das mit ihrer Hilfe hergestellte Celloidinpapier copirt um so härter, je mehr die Emulsion Chromsäure enthält. Analog der Chromsäure wirken Chromate, und zwar fand Valenta das Calciumbichromat und Ammoniumbichromat am geeignetsten. Die Papiere werden aber durch den Zusatz von Chromsäure bezieh. Chromaten zur Emulsion in der Empfindlichkeit gedrückt und gehen in Tonfixirbädern stark zurück. Diese Uebelstände werden vermieden und man erhält hart und brillant copirende Celloidinpapiere, wenn man in obiger Normalemulsion das Strontium- und Lithionchlorid ganz oder theilweise durch äquivalente Mengen von Kupferchlorid oder Uranylchlorid ersetzt. Diese Papiere copiren brillant, gehen (insbesondere die Uranylchloridemulsionspapiere) in Tonfixirbädern nur wenig zurück und sind zweimal so empfindlich als Albuminpapier. Sie dürften sich deshalb, wenn es sich darum handelt, mit schleierigen oder dünnen, flauen Negativen brillante Copien zu erhalten, in der Praxis einführen und bewähren.

Vollenbruch37) gibt eine Vorschrift zur Herstellung von mattem Celloidinpapier.

Bromsilbergelatine.

In neuerer Zeit versucht man die Empfindlichkeit der Bromsilbergelatineplatten durch verschiedene Zusätze zur Emulsion zu heben; so empfiehlt P. Scheers38) den Zusatz von Harnstoff zur Emulsion; bei ammoniakalischen Emulsionen soll hierdurch die Wirkung des Ammoniaks gemässigt werden. In der gewaschenen Emulsion soll es das Reifen in der Kälte begünstigen. – Ernst Colby39) nahm ein Patent zur Herstellung von Bromsilbergelatineemulsionen mit einem Zusatz von Acetylchlorid, wodurch die Empfindlichkeit ebenfalls erhöht werden soll. – Nach H. W. Vogel hat die Gelatine einen wesentlichen Einfluss auf die Haltbarkeit der Platten. Der Genannte empfahl seiner Zeit, die Gelatine in der Weise zu prüfen, dass man dieselbe in 10 Th. Wasser löst und mit Silbernitratlösung (1 : 10), welche bis zur Lösung des Niederschlages mit Ammoniak versetzt wurde, erhitzt. Färben sich die Proben hierbei gelb bis braun, so sind sie zur Herstellung von Ammoniakemulsion nicht brauchbar.

R. Guilleminot40) stellt lichthoffreie Platten dadurch her, dass er einen Unterguss von Gelatine, welche Jodsilber enthält, das mit einem Ueberschuss von Jodkalium gefällt wurde, verwendet, welche Schicht empfindlicher Bromsilbergelatine als Unterlage dient. (Die Thomas-Sandell-Platten41) werden schon seit 1894 in ähnlicher Weise hergestellt. Anm. d. Refer.)

Unter dem Namen „Bromarytpapier“ wird von der Neuen photographischen Gesellschaft in Berlin ein Bromsilbergelatineemulsionspapier in „endlosen Rollen“ in den Handel gebracht, welches unter Zuhilfenahme eines sehr sinnreich construirten Apparates gestattet, in wenigen Stunden viele hundert Copien anzufertigen.42) Diese Copien dürften wegen ihrer leichten Herstellung dem Glanzlichtdruck Concurrenz machen und eignen sich sehr gut für grössere Auflagen.

Für Vergrösserungen auf Leinwand stellt G. J. Junk43) in Berlin eine mit Bromsilberemulsion überzogene Leinwand her, deren Eigenthümlichkeit darin besteht, dass die matte Schicht durch Zusatz von Stärke zur Emulsion erzielt wird (D. R. P. Nr. 83049).

Nach dem von Balagny44) vorgeschlagenen Verfahren soll sich Bromsilbergelatinepapier an Stelle von Films zu Aufnahmen verwenden lassen. Man entwickelt und fixirt das Bild nach der Aufnahme, wäscht und trocknet hierauf, leimt das Papier mit der Rückseite auf Glas, lässt trocknen und übergiesst die Schichtseite mit Collodionmischung.

Collodionwolle 20 g
Aceton 725 g
Amylacetat 225 g
Ricinusöl 30 g

Nach dem Trocknen schneidet man mit einem Messer alle vier Seiten ein und hebt die Haut ab, während das Papier zurückbleibt.

Entwickeln, Fixiren und Abschwächen des photographischen Bildes.

Hauff in Feuerbach macht auf die verzögernde Wirkung des Fixirnatrons im Metolentwichler aufmerksam45) und empfiehlt, um das Metol in seiner Wirkung dem Pyrogallolentwickler ähnlich zu machen, folgende Vorschrift:

A. Wasser 1000 Th.
Metol 15 Th.
Natriumsulfit 150 Th.
B. Wasser 1000 Th.
Soda 350 Th.
Fixirnatron 1 Th.

Zum Gebrauch werden 20 Th. A mit 10 Th. B und 30 Th. Wasser gemischt. Beim Amidolentwickler wirken kleine Zusätze von Fixirnatron insofern günstig, als das Bild rascher und kräftiger erscheint, während grössere Mengen verzögernd und abschwächend wirken. Dr. Neuhauss.46)

Als Ersatzmittel an Stelle des kohlensauren Alkalis |71| in Entwicklern wird von L. und A. Lumière in Lyon47) das dreibasisch phosphorsaure Natron empfohlen; dasselbe soll insbesondere im Hydrochinonentwickler sehr gut wirken, indem kräftige Bilder erzielt werden und ein Kräuseln der Platten nicht auftritt.

Mercier48) empfiehlt Zusätze von citronensauren Salzen zum Alaunfixirbad, um die Zersetzung des Fixirnatrons durch den Alaun hintanzuhalten. Ein solches Bad ist folgendes:

Fixirnatron 40 Th.
Kaliurnmetabisulfit 4 Th.
Natriumnitrat 1 Th.
Chlornatrium 4 Th.
Kalialaun 4 Th.
Wasser 200 Th.

A. H. Sexton49) hat Versuche über die Lösung von feinvertheiltem metallischem Silber in Fixirnatron gemacht; aus diesen Versuchen geht hervor, dass das Fixirnatron thatsächlich im Stande ist, Silber in metallischer Form zu losen. Dies erklärt das sogen. „Zurückgehen“ der photographischen Silberbilder im Fixirnatron, wenn dieselben längere Zeit mit einer starken Lösung desselben in Berührung waren.

Zur Zerstörung von Spuren Fixirnatrons in Negativen und Papierbildern wurde von verschiedener Seite das von der Chemischen Fabrik auf Actien vorm. Scheering in Berlin unter dem Namen Antion in den Handel gebrachte „überschwefelsaure Kali“, K2S2O8, empfohlen; Olbrich erhielt damit Flecken auf der Bildschicht.

Die meisten der bisher für Positive angegebenen Mittel zur Abschwächung des Bildes hatten den Nachtheil, dass die Bilder durch diesen Process bezüglich ihres Charakters verändert wurden, indem die betreffenden Flüssigkeiten die Halbtöne zu stark angriffen, wodurch statt einer gleichmassigen Abschwächung ein „hartes“ Bild resultirte. Die von E. Valenta seiner Zeit empfohlene Mischung von Urannitrat- mit Fixirnatronlösung zeigt diesen Fehler nicht; desgleichen weist ihn der von Pabst50) gefundene Abschwächer, bestehend aus:

Wasser 100 cc
Fixirnatron 10 g
Ammoniumbichromatlösung 1 : 100 2 cc

nur in geringem Grad auf.

Mit letzterem Abschwächungsmittel lassen sich übrigens nur Chlorsilbercopien, nicht aber Entwickelungsbilder abschwächen; man kann dieses Verfahren daher zur Prüfung von Silberdrucken auf die Art ihrer Herstellung verwenden.

Abziehen von Gelatinenegativen.

Das Abziehen von Gelatinenegativen ist eine Aufgabe, welche in der Praxis an den Reproductionsphotographen häufig gestellt wird. Vorschriften zur Durchführung derselben wurden von verschiedenen Seiten gegeben. Am einfachsten gelingt das Ablösen der Gelatineschicht mit Hilfe von Formaldehyd.

E. Valenta empfiehlt zu diesem Zweck folgendes Verfahren:

Das betreffende Negativ wird in Formalin (unter diesem Namen bringt die Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikate eine 40 procentige Formaldehydlösung in den Handel) 1 : 5 – 10 mit Wasser verdünnt, während 10 Minuten gebadet, dann trocknen gelassen und auf einem Nivellirgestell vollkommen in wagerechte Lage gebracht. Sodann werden die Platten mit schwach lauwarmer Gelatinelösung von folgender Zusammensetzung 2 mm hoch übergossen:

Gelatine 75 g
Wasser 500 g
Glycerin 10 g

welches Gemisch vorher durch Flanell filtrirt wurde.

Die Platten werden nach dem Erstarren stehend getrocknet.

Das mit Gelatine übergossene, bereits trockene Negativ wird in eine Mischung von Glycerin (50), Alkohol (50) und Wasser (1000) gelegt und nach einiger Zeit (10 bis 15 Minuten genügen gewöhnlich) wird die Haut vom Glase abgezogen, was sehr leicht geht.

Um ein Verkrümmen beim Trocknen zu vermeiden, wird eine sorgfältig gereinigte Spiegelglasplatte von der Grösse des Negativs mit 5 procentigem Ledercollodion übergössen, in wagerechter Lage trocknen gelassen, die trockene Collodionschicht 1 bis 2 mm vom Rand am Umfang der Platte entfernt, nun das Hautnegativ mit der Gelatineseite feucht aufgelegt und aufgequetscht. Nach dem Trocknen schneidet man die Ränder rund herum ein und zieht die Haut vom Glase ab, was sehr leicht gelingt und ein ebenes Hautnegativ, welches keine Verkrümmungen zeigt, liefert.51)

Photographische Papiere mit Silbersalzen.

Sehr brauchbare Rohpapiere für matte Emulsionscopirpapiere bringt die Firma G. und H. Beneke in Löbau, Sachsen, in den Handel. Diese Papiere sind mit einer rauhen Barytschicht überzogen und geben beim Aufgiessen von Collodionemulsionen, deren Gehalt an Collodion kein zu grosser ist, sehr gute Mattpapiere, deren Schicht nicht reisst und abblättert, sondern sehr fest an der Unterlage haftet und sich gut retouchiren lässt.

Bühler in Schriesheim bringt zwei neue Sorten Gelatinepapier auf den Markt. Concordiapapier für glänzende Bildschicht und Photocrayonpapier für matte Drucke.

Herdicka in Wien erzeugt ein für flaue Negative bestimmtes Papier, welches er Rembrand-Papier nennt. Dasselbe besitzt eine orangerothe Schicht und ist ein chromathaltiges Celloidinpapier, ähnlich wie dasselbe von E. Valenta beschrieben wurde.

Die Eigenschaft des Silberchromates, in der Schicht von photographischem Silberpapier mit flauen Negativen contrastreiche Copien zu geben, benutzt auch H. Wade52) zur Herstellung brillant copirender Salzpapiere.

Mehrere Firmen erzeugen neuerer Zeit Celloidinpapiere, welche eine Zwischenschicht von Gelatine o. dgl. enthalten, so dass das Bild durch Behandeln mit warmem Wasser von der Unterlage getrennt und anders wohin übertragen werden kann (abziehbares Celloidinpapier). Ein sehr gutes derartiges Papier bringt die Firma Schütze und Noak in den Handel.

Die härtende Wirkung des Formaldehyds auf Gelatine wird von der Chemischen Fabrik auf Actien vorm. Scheering |72| in Berlin bei Herstellung von Chlorsilbergelatinepapier benutzt, welches in Folge dieser gehärteten Schicht gegen den Einfluss lauwarmen Wassers unempfindlich ist und daher wie Celloidinpapier behandelt werden kann. Diese Papiere kommen unter den Namen Gelatoidpapier und Universalpapier in den Handel.53)

Tonen von Silbercopien.

Bromsilberdrucke lassen sich mit Hilfe von Uran und Eisensalzen in verschiedenen Farben tonen, welche Tonung Namias, Florence u.a. des öfteren beschrieben haben. Lösungen von Urannitrat, Eisenchlorid und Ferricyankalium werden von französischen Firmen als Virage Panchromatic zu obigem Zweck in den Handel gebracht. Nach E. Valenta54) enthalten die drei Lösungen, durch deren Mischung in den in der Gebrauchsanweisung angegebenen Verhältnissen Bäder für braune, rothe, grüne und blaue Tonungen von Copien auf Bromsilberpapier erhalten werden,

A. 5 g Urannitrat in 500 cc Wasser,
B. 3–4 g Ferricyankalium in 500 cc Wasser,
C. 4 g Eisenchlorid in 500 cc Wasser.

R. Barnstaple55) empfiehlt zur Tonung von Copien auf Chlorsilbergelatinepapier ein Tonbad, welches neben dem gebräuchlichen Goldsalzgehalt noch Kaliumplatinchlorür enthält.

Dasselbe besteht aus:

Rhodanammoniumlösung (1 : 10) 20 cc
Kaliumplatinchlorürlösung (1 : 100) 1 cc
Goldchloridlösung (1 : 100) 13 cc
Wasser 500 cc

und es reicht dieses Quantum zum Tonen der auf einem Bogen Aristopapier copirten Bilder.

Ueber die Behandlung der für den Auscopirprocess bestimmten Emulsionspapiere schrieb E. Valenta ein Buch56), in welchem der Autor dieses Gebiet sehr ausführlich unter Quellenangabe behandelt.

(Schluss folgt.)

|67|

Bull. de la Soc. de Microscopie, Bd. 21 S. 132.

|68|

Journ. Royal. Micr. Soc., 1896 S. 248.

|68|

Moniteur de la Photographie, 1895 S. 417.

|68|

St. Louis Photogr., 1895.

|68|

Mitgetheilt der französisch. Akad. d. Wissensch., 1895.

|69|

Oesterr. Patent vom 30. November 1895.

|69|

Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1896, S. 448.

|69|

Photogr. Corresp., 1896 S. 116.

|69|

Revue Suisse, 1895.

|69|

Deutsche Photogr.-Ztg., 1896 S. 25.

|69|

Photogr. Wochenbl., 1895 S. 298.

|69|

Photogr. Wochenbl, 1895 S. 758.

|69|

Photogr. Corresp., 1896 S. 258.

|69|

Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1896, Atelier des Photogr. 1895 und 1896.

|70|

Deutsche Photogr.-Ztg., 1895 S. 311.

|70|

Bull. Assoc. Belge Photogr., 1896 S. 47.

|70|

Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1896, S. 475.

|70|

Bull. de la Soc. franç., December 1896.

|70|

Siehe unser Referat 1895 295.

|70|

Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1896, S. 478.

|70|

Siehe unser Referat 1896 300.

|70|

Helios, 1895 S. 302.

|70|

Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1896, S. 485.

|70|

Photogr. Rundschau, 1895 S. 293.

|71|

Photogr. Rundschau, 1895 S. 105.

|71|

Photogr. Rundschau, 1895 S. 312.

|71|

The Amat. Photogr., 1896.

|71|

Photogr. Corresp., 1895.

|71|

Photogr. Corresp., 1896.

|71|

Photogr. News, April 1895.

|72|

Photogr. Bundschau, 1895 Heft 9.

|72|

Photogr. Corresp., 1896.

|72|

Photogr. News, Januar 1896.

|72|

”Die Behandlung der für den Auscopirprocess bestimmten Chlorsilberemulsionspapiere.“ Verlag von W. Knapp, Halle an der Saale 1896.

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