Titel: Torfmull als Wärmeschutzmittel bei Eishäusern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304/Miszelle 2 (S. 46–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/mi304mi02_2

Torfmull als Wärmeschutzmittel bei Eishäusern.

Ein im J. 1894 in Arnsberg erbautes Eishaus besteht über Erdgleiche in seinen Umfassungen aus zwei Doppelbrettwänden, deren 10 cm breite Hohlräume mit locker eingestampftem Torfmull ausgefüllt sind. Die beiden Doppelbrettwände haben zwischen sich einen 50 cm weiten Luftraum, welcher – weil gänzlich unbeweglich – vollständig isolirend wirkt. Auch unter dem flachen, mit Rasen belegten Holzcementdach ist für eine isolirende Luftschicht gesorgt, indem etwa 1,50 m unter Dach eine Holzzwischendecke angebracht ist. Dieselbe ist unterhalb der Balken mit einer Schalung aus gefederten Brettern geschlossen. Die Fugen dieser Schalung sind von obenher mit Holzcement gedichtet; unterhalb ist die Schalung abgehobelt und mit Carbolineum gestrichen. Die Zwischendecke ist in Form eines Satteldaches so eingebaut, dass die Fugen und Längsfasern der Bretter mit der Dachneigung parallel laufen. Die sich ansetzenden Schwitzwassertropfen können daher nicht auf das Eis herabfallen, sondern ziehen an der Decke entlang nach den seitlich angebrachten Abflussrinnen. Die Zwischendecke ist oberhalb zunächst mit Dachpappe bespannt, |47| dann mit Schwarten belegt und schliesslich mit einer 25 bis 30 cm dicken Torfmullschicht bedeckt.

In der Erde bestehen die Umfassungen aus 70 cm starken Bruchsteinmauern. Innerhalb dieser Mauern ist rings herum ein 1,5 m breiter, 2,5 m hoher Bierlagergang angelegt, welcher nach dem Eisraume hin durch Holzwand und kräftige Holzdecke abgeschlossen ist. Auch hier ist das dem Eingang gegenüber liegende Stück Holzwand als Doppelwand mit Torfmullausfüllung hergestellt. In der Holzwand sind Klappen angebracht, um die Temperatur regeln zu können; dieselbe beträgt im Sommer wie im Winter 1,5° R.

Der Fussboden des Eishauses (Eisraumes) besteht aus einer 80 cm dicken Schicht Steinkohlenasche; darüber befindet sich eine Lage von Reisigbündeln (Faschinen) und auf dieser sind dicht an einander gelegte alte Eisenbahnschwellen aufgebracht. Durch Drainrohre, welche unter der Kohlenasche eingelegt sind und in einem Sammelrohr endigen, sollte für eine möglichst rasche Ableitung des Schmelzwassers gesorgt werden; es hat sich jedoch, selbst in den heissesten Monaten, noch keine Spur von Schmelzwasser im Sammelschacht bemerkbar gemacht. Der Schmelzprocess ist ein kaum nennenswerther; es muss daher angenommen werden, dass die geringe Menge von Schmelzwasser im Erdreich versickert. Zur Zeit ist noch vorigjähriges Eis unten im Eisraum vorhanden und es ist an demselben nur ein geringes Abschmelzen wahrzunehmen.

Somit dürfte der Torfmull bei richtiger, sachgemässer Anwendung als ein ausgezeichnetes Wärmeschutzmittel zu erachten sein. (Tonndorf in der Deutschen Bauzeitung.)

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