Titel: Farböl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304/Miszelle 3 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/mi304mi10_3

Farböl.

Die bisher bekannten Oelfarben sind mechanische Gemenge aus einem feinpulverigen mineralischen Farbkörper und dem als Bindemittel dienenden Leinöl. Eine chemische Verbindung beider Theile findet nicht statt und trennt sich in den bisher bekannten Oelfarben in kurzer Zeit der specifisch schwerere Farbkörper von dem leichteren Oel. Ersterer sinkt bei ruhigem Stehen der streichfertigen Masse zu Boden und bildet besonders bei specifisch schweren Farbkörpern eine derartig feste Schicht, dass dieselbe nur schwierig aufgerührt und vertheilt werden kann. Ein öfteres Aufrühren ist daher unerlässlich, wenn nicht die Haltbarkeit der mit solcher Farbe hergestellten Anstriche beeinträchtigt werden soll. Dieses Aufrühren wird von den Arbeitern nicht immer mit der nöthigen Sorgfalt vorgenommen oder öfters ganz vernachlässigt. Dies bewirkt, dass der Anstrich ungleichmässig ausfällt. An der einen Stelle ist er ölreicher als an einer anderen, so dass an der trocken gewordenen Anstrichdecke ungleichmässige Spannungen entstehen, die sich bei einer nur massig höheren Temperatur oder durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen bedeutend vergrössern. Ein Zerreissen der Decke wird hierdurch herbeigeführt und die zu schützende Unterlage den atmosphärischen Einflüssen preisgegeben.

Diese Gefahr soll bei dem Farböl, das von der Firma S. H. Cohn in Berlin S., Cottbuser Damm 70, hergestellt und durch D. R. P. Nr. 81187 geschützt ist, nicht bestehen. Es ist der Firma gelungen, eine derart innige Verbindung des mineralischen Farbkörpers mit dem Bindemittel herzustellen, dass eine Trennung ausgeschlossen ist und die Farbe dünnflüssig und streichfertig bleibt. Die damit hergestellten Anstriche sollen daher eine hohe Elasticität zeigen und den Ausdehnungen und Zusammenziehungen der Unterlagen bei Temperaturschwankungen folgen, ohne zu reissen.

Diese Angaben finden ihre Bestätigung durch die königl. mechanisch-technische Versuchsanstalt in Charlottenburg, die bekundet, dass in dem Farböl weder nach wochenlangem ruhigem Stehen noch nach dem Ausschleudern eine Trennung |240| zu beobachten war, während dieser Uebelstand bei einer gleichzeitig untersuchten, aus Firniss und Bleimennige bestehenden Oelfarbe sofort auftrat.

Nach diesen Ergebnissen ist man sicher, bei Verwendung des Farböls einen vollkommen gleichmässigen Anstrich zu erhalten, und ist in dieser Beziehung von der Aufmerksamkeit der Arbeiter unabhängig.

Ein fernerer Vorzug dieser Oelfarbe besteht darin, dass sich an der Oberfläche des Oeles bezieh. des Anstriches schnell eine metallhaltige Haut bildet, welche das weitere rasche Eintrocknen und das Hart- und Sprödewerden der darunter befindlichen Oelschicht verhindert und daher die letztere stets elastisch hält.

Nach den Charlottenburger Versuchen ist der Aufwand an Material des Farböles ausserordentlich gering gegen den von Bleimennigfarbe. Für einen zweimaligen Anstrich von 1 qm Eisenblech waren erforderlich 26 g Farböl und 247 g Bleimennigfarbe; von letzterer somit über neunmal mehr. Das Farböl deckt in der dünnsten Schicht vollkommen. Es besitzt die gleiche Trocknungsfähigkeit wie ein Bleimenniganstrich. Der erste Anstrich trocknet in 7, der zweite in 6 Stunden in beiden Fällen. (Ar. in der Badischen Gewerbezeitung.)

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