Titel: Untersuchungen über den Einfluss der Hitze auf metallene Tragkörper.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304/Miszelle 4 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/mi304mi10_4

Untersuchungen über den Einfluss der Hitze auf metallene Tragkörper.

Man macht sich in Europa schwer einen Begriff von der Heftigkeit amerikanischer Brände. A. Reed war Zeuge eines solchen, und seine Mittheilungen haben um so mehr Werth, als er Mitglied der von dem Franklin Institute ernannten Untersuchungscommission ist.

„Ich war Augenzeuge,“ so berichtet er, „einer praktischen Demonstration über die Wirkung der Wärmestrahlung in die Ferne bei dem grossen Brande im April 1889 in New York. Eine grosse Fettraffinerie gerieth in Brand, und das Feuer dehnte sich auf ein grosses Fruchtmagazin, drei Elevatoren und zwei ihrer gedeckten Pontons aus. Seit Jahren hatte New York keine solche Katastrophe gesehen. Als das Feuer seine grösste Hitze entwickelte, kurz bevor die Mauern fielen, fand ich, dass der nächste Punkt zur Beobachtung des Feuers in einer Entfernung von etwa 60 m war, wo ich der Hitze nur Stand halten konnte, indem ich durch die Ritze eines Bretterzauns sah. Die Flamme war wenigstens 45 m breit und 30 m hoch. Obgleich der Wind von der entgegengesetzten Seite kam, entzündete sich der erwähnte Bretterzaun, die Temperatur musste wenigstens 2750° (?) gewesen sein, um eine derartige Wirkung hervorbringen zu können.“

Es ist erklärlich, dass die Amerikaner danach trachten, die besten Mittel ausfindig zu machen, um der Wiederkehr ähnlicher Katastrophen vorzubeugen, nicht indem sie die Gebäude unverbrennlich zu machen, sondern indem sie das Feuer möglichst auf seinen Herd zu beschränken suchen.

Nach dem ersten Bericht, welcher dem Franklin Institute mitgetheilt wurde, scheint es, dass die Versuche bis jetzt nur über den Widerstand von Tragsäulen gemacht wurden, welche in einem dazu construirten Ofen Hitzegraden ausgesetzt wurden, wie sie sie unter Umständen aushalten müssen.

1. Versuch. Viereckige Säule aus Z-förmigem Stahl von den „Carnegie Steelworks“; Querschnitt 300 × 250 mm; Höhe 4,25 m; Bruchbelastung 342 t; Belastung während des Versuchs 48 t; Temperatur 650°. Die Säule krümmte sich nach 1 Stunde 25 Minuten.

2. Versuch. Vierkantige Säule aus flachem und U-förmigem Stahl von denselben Werken; Querschnitt 300 × 102 mm; Höhe 4,28 m; Bruchbelastung 303 t; Belastung während des Versuchs 84,8 t. Die Säule bog sich nach 23 Minuten bei einer Temperatur von 607°.

3. Versuch. Runde hohle Säule von Gusseisen von den „Cornell Iron Works“; Durchmesser 200 mm; Gusstärke 25 mm; Höhe 3,95 m; Bruchbelastung 90,2 t; Belastung während des Versuchs 84,8 t. Die Säule bog sich in 1 Stunde 10 Minuten bei 593° und wurde nicht mit Wasser bespritzt.

4. Versuch. Gusseiserne Säule, wie die vorige; Belastung während des Versuchs 84,8 t. Sie bog sich in 35 Minuten bei 843° und spaltete sich 8 Minuten später in der Mitte, obgleich kein Wasser darauf gespritzt worden war.

5. Versuch. Gleiche gusseiserne Säule und gleiche Belastung; erhitzt bis 252° und dann mit Wasser bespritzt; wieder erhitzt bis 413° und abgekühlt; rothglühend gemacht bei 567° und abgekühlt; bei 704° begann sie sich zu krümmen und wurde dann wieder bespritzt; trotz des öfteren Abkühlens und Wiedererhitzens zeigte sich kein Bruch.

Obgleich die Commission noch keine entsprechenden Versuche gemacht hat, glaubt sie doch die Umhüllung von Eisen, Stahl und Gusseisen mit einer hinreichend dicken Schicht von unverbrennlichem und die Wärme schlecht leitenden Stoffe empfehlen zu sollen. Diese Umhüllung muss so befestigt sein, dass sie weder von der Hitze noch vom Fallen benachbarter Gegenstände beschädigt werden kann.

Nach den gemachten Beobachtungen hat die Ausdehnung bei der Zerstörung von Gebäuden weniger Wichtigkeit, als man bisher glaubte. Die Verbiegungen der eisernen Träger und Balken rühren davon her, dass sie entweder selbst und dass Gegenstände darauf fallen, oder von der Last, die sie tragen, während sie rothglühend werden. Die nämlichen Wirkungen kann man an einer gewöhnlichen Kesselfeuerung constatiren, wenn sie nicht mit feuerfesten Steinen ausgemauert oder der Aschenkasten mit glühenden Kohlen gefüllt ist. Die Blechumhüllung deformirt sich und die Roststäbe biegen sich allein unter der Last des Brennmaterials.

Eine andere Annahme, welche sich nicht bestätigte, ist die, dass rothglühende gusseiserne Säulen sofort brechen, wenn sie von einem Wasserstrahl getroffen werden. Uebrigens haben Gusseisen und Stahl keine Vorzüge vor einander. Das erstere trägt, indem es sich krümmt, noch einen Theil seiner Last, aber es ist dem Bruche ausgesetzt, während der letztere zwar nicht bricht, aber leichter nachgibt. (Zeitschr. f. B., H. und Masch.-Ind.)

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