Titel: Chinesische Tusche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 304/Miszelle 2 (S. 288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj304/mi304mi12_2

Chinesische Tusche.

In seinem letzten Amtsbericht bespricht der brittische Consul in Wuku die Anfertigung chinesischer Tusche. Diese wird lediglich in der Provinz Anhui gemacht. Von dort geht sie nach ganz China und der übrigen Welt. Im J. 1895 führte die Provinz etwa 4000 Pfund im Werthe von 112800 M. aus. Die Tusche wird von Sesam- oder Cazuöl hergestellt; auch braucht man das giftige Oel eines im Yangtzethale und in Japan vielwachsenden Samens dazu. Dann setzt man Firniss und Schweinefett hinzu. Der durch die Verbrennung dieser Substanzen entstehende Russ wird um so feiner, je länger die Verbrennung dauert. Dem Russe wird dann etwas Leim zugefügt, worauf der Teig auf hölzernen Ambossen mit stählernem Hammer geschlagen wird. Zwei gute Hämmerer können 80 Stück Tusche in einem Tage herstellen, von denen jedes Stück ein halbes Pfund wiegt. Etwas Moschus oder Barooskampfer verleiht schliesslich der Tusche den bekannten Geruch. Dann wird die Masse in hölzerne Formen gebracht und bei schönem Wetter getrocknet. Das Trocknen nimmt 20 Tage in Anspruch. 30 bis 32 Stück Tusche gehen gewöhnlich auf das Pfund. Der Preis schwankt zwischen 2 und 140 M. das Pfund. Es gibt etwa 12 verschiedene Sorten. In China, Japan, Korea, Tonkin und Annam brauchen die Eingeborenen fast nur chinesische Tusche zum Schreiben. Sie verreiben sie auf einem Steine. Statt der Feder benutzen sie einen Pinsel von Kaninchenhaaren. Die besten Sorten chinesischer Tusche werden überhaupt nicht aus China ansgeführt, sie bleiben im Lande.

(Papierzeitung.)

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