Titel: Neuere Maschinen zur Herstellung von Fahrrädern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1897, Band 305 (S. 97–101)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj305/ar305031

Neuere Maschinen zur Herstellung von Fahrrädern.

Mit Abbildungen.

Der Rahmen.

Bekanntlich besteht der Humber-Rahmen aus dem Sattelstützrohr, in welches die Sattelstange einsetzt, und dem Führungsrohr, in welchem die Steuerradgabel drehbar durchgeführt ist. Beide Rohre werden durch das Scheitelrohr und das untere Verbindungsrohr mittels fester Winkelstücke zu einem Trapez vereinigt, während die aus Doppelstäben zusammengesetzte Hinterradgabel dreieckförmig mittels Zapfen an das Scheitelrohr angelenkt ist. Die Eckverbindungen des Hauptrahmens werden durch besondere Winkelstücke (Fittings) bewirkt, von denen das schwierigste das untere, das Lager für die Kurbelachse liefernde ist. Diese Winkelstücke werden aus Temperguss oder mittels Gesenkschmieden bezieh. aus Pressblech hergestellt. Das Hauptmaterial für die Rahmen, die Rohre, werden entweder aus gewalzten Mannesmann-Röhren gezogen oder als Spiralröhren aus Stahlband gewunden und später hart verlöthet (Premier Cycle Company in Coventry) (vgl. D. p. J. 1895 298 * 101). Früher wurde auch das Rohr aus einem aus dem Vollen gebohrten Stahlkörper auf die gewünschte Wandstärke gezogen bezieh. es wurde aus einem Stahlblech getopft und nach vielfachem Ziehvorgang der Boden ausgeschnitten, der Randboden ausgerieben und das so gebildete Gefäss, die Büchse, zu, einem Rohr in der Rohrziehbank auf die gewünschten Abmessungen gebracht. Verschiedene Gestellrohrtheile werden im Ganzen oder in einzelnen Abschnitten flach bezieh. säbelscheidenartig gebogen und flachgedrückt, so die Vorderradgabel und die Anschlusstheile der Hinterradgabel. Es werden auch Rohre mit eingedrückten Rippen und solche mit Kreuzquerschnitt verwendet. Kein Querschnitt ist aber so günstig, als das kreisrunde oder das Rohr mit länglichem Querschnitte, da es Festigkeit mit Leichtigkeit verbindet. Ein Stahlrohr von 25 mm äusserem Durchmesser und 1 mm Wandstärke besitzt 75,4 qmm Querschnittsfläche, welche einem Vollkreis von 9,78 mm Durchmesser entspricht, wobei ein Stahlrohr gleichen Querschnittes 4,5mal mehr Festigkeit und wohl 10mal mehr Steifigkeit als ein gleich schwerer massiver Rundstab aus gleichem Material aufweist. (Stahl und Eisen, 1897 I * S. 8.)

Warwick's Stahlrohr für Fahrradrahmengestelle.

Von der Warwick Tube Company in Newark, N. J., werden kalt gezogene Stahlrohre für Fahrradgestelle aus schwachen Stahlblechen nach Industries and Iron, 1896 I Bd. 20 * S. 367, in folgender Weise hergestellt. In einem Stahlblechstreifen wird die Mulde a (Fig. 1 bis 5) eingebogen und hierauf das Blech a zu einem Rohr b umgebogen. An den Längsrändern eines zweiten Stahlbleches c sind die Falzleisten d angebogen und dieses Blech ebenfalls zu einem etwas offenen Rohr gebogen. Nun wird dieses zweite Rohr über das erste geschoben (Fig. 4), so dass die Falze in die angebogene Mulde einsetzen, während das Vollblech die Verbindungsstelle des ersten Rohres überdeckt. Der endgültige Schluss der Falzstelle wird durch ein Zieh werk besorgt, so dass ein fertiges Rohr den Querschnitt Fig. 5 aufweist.

Textabbildung Bd. 305, S. 97

Fox' Schraubstock für Rahmentheile.

Zum Bearbeiten der Rahmenverbindungsstücke mittels Feilen wird nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 10 * S. 251, von der Fox Machine Co., Grand Rapids, Mich., ein Stand mit Stellkopf und Spannfutter gebaut. Derselbe, aus einer freistehenden Hohlsäule mit scheibenartiger Fussplatte bestehend, gestattet bei der grössten Zugänglichkeit jede erwünschte Lagenänderung des Werkstücks und trägt an Seitentischchen die Werkzeuge und Spannfutter für die verschiedenen Eck Verbindungsstutzen.

Lagerung der Fahrradtheile.

Seit einer Reihe von Jahren ist die Spitzensteuerung (Nockensteuerung) gänzlich verschwunden und an Stelle derselben ist die Kugelsteuerung getreten, so dass jetzt sämmtliche reibende Theile auf Kugeln gelagert sind. Die glasharten Stahlkugeln, auf welchen die Achse ruht, liegen zwischen scharf gehärteten Stahlringen (Lagertassen) und laufen stets in Oel, weshalb die Naben als geschlossene Oelbüchsen ausgeführt werden.

Die Tretkurbelachse ist im unteren Hauptverbindungsstück gelagert und trägt ausser den Tretkurbeln die Nabe des Kettenrades. Die Kugeln liegen hier ebenfalls zwischen Achse und Lagertasse.

Die Hinterradnabe ist derartig ausgeführt, dass gehärtete Lagerbüchsen in dieselbe eingesetzt sind, auf welchen die Stahlkugeln laufen, die durch die auf die Tragachse |98| geschraubten Mutterbüchsen an Ort gehalten werden, während die als Zugorgane wirkenden Speichen hakenartig in die Nabenrosetten eingenietet sind.

Wagner-Andreas' dreifache Drehbank.

Textabbildung Bd. 305, S. 98

Nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 11 * S. 273, besteht diese von Wagner und Andreas in Leipzig (Sachsen) gebaute Drehbank aus einer Aufsatzwange a mit dreispindeligem Lagerstock b (Fig. 6), dreifachem Reitstock c und mit drei einfachen auf dem Querschlitten d angeordneten Stahlhaltern e. Die drei Spitzenlinien liegen in einer unter 45° geneigten Ebene, so dass die Stahlhalter e staffelweise nach oben zurückstehen. Indem nun der Antrieb dieser Spindeln von einer gemeinschaftlichen Stufenscheibe f besorgt wird, findet die Schaltbewegung des Hauptschlittens g in der üblichen Weise durch Versatzräder h, Leitspindel i und Zahnstange k statt, wobei selbsthätige Ausrückwerke am Schlittenschild vorgesehen sind. Ausserdem ist eine Einrichtung zum Konischdrehen und zu Formarbeiten vorhanden, deren Leitlineale und Formschienen l an einer in Lagern n stellbaren Walze m angebracht sind. Bei solchen Arbeiten wird selbstverständlich die Schraubenspindel im Querschlitten d ausgelöst und dafür das Gegengewicht p in Thätigkeit gesetzt, so dass die im Querschlitten o angebrachte Leit- oder Druckrolle, die ausserdem anstellbar ist, an die Kante der mittleren Formschiene zur Anlage gelangt. Dass diese Drehbank bei Herstellung von Massentheilen gute Dienste leisten wird, ist zweifellos, und trotzdem die Verwendung ähnlicher dreifacher Drehbänke sehr alt ist, scheint dies Drehwerk eine gute Aufnahme gefunden zu haben.

Tucker's bezieh. Pratt-Whitney's Drehbank zur Herstellung der Radnaben.

Aus vollen Stahlstäben werden die Naben (Fig. 8) mittels Scheibenstähle a und b (Fig. 7) abgedreht, welche in ihrem walzenförmigen Formkörper einen Zahnschnitt besitzen, durch welchen die Schnittkante entsteht, dessen Querschnitt der äusseren Nabenform entspricht. Diese Formstähle a und b sind in je einer Schlittengabel c und d fest eingespannt und kommen durch gegensätzliche Verstellung mittels rechts-linksgängiger Schraubenspindel f zum gleichzeitigen Angriff. Um bei diesem schweren Schnitt Erschütterungen des leichten Werkstückes zu vermeiden, ist der unter Federdruck stehende Gegenhalter g vorgesehen, der in einem Winkelhalter h sich bewegt, welcher ebenfalls unter Federwirkung steht, wodurch der Gegenhalter g ohne weitere Vorkehrungen sich dem Werkstücke anpasst. Im Winkelböckchen d, welches am rechtsseitigen Schlitten angegossen ist, ist ausserdem das Zuleitungsrohr für die Kühlflüssigkeit angeordnet, so dass der Gegenhalter g zugleich die Zuleitung zur Schnittstelle besorgt.

Während des Abdrehens der Nabe wird durch ein besonders angetriebenes Bohrwerk gleichzeitig die Nabe ausgebohrt, wozu Spiralbohrer mit Oelzuführungsröhren in Anwendung kommen. Das Fertigdrehen der Nabe und das Anschneiden der Gewinde (Fig. 9) wird auf einer Stichelthurmdrehbank gewöhnlicher Bauart durchgeführt.

Textabbildung Bd. 305, S. 98

Bemerkenswerth ist bei der vorbeschriebenen und in American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 11 * S. 211, vorgeführten Fahrradnabendrehbank die nach den Schnittstellen unter starkem Druck (10 at) erfolgte Oelzuleitung und die verhältnissmässig hohe Betriebsleistung des 152 mm breiten Antriebriemens, welcher auf eine nur zweistufige Scheibe von 280 mm grösstem Durchmesser aufläuft und dabei 5 bis 6 in die Maschine führt.

Garvin's Formstähle zur Herstellung von Radnaben.

Garvin's Verfahren zur Herstellung der Radnaben aus einer Stahlstange mittels Formstähle (vgl. D. p. J. 1895 298 * 126) setzt eine Ausgleichung der Schnittkräfte voraus, indem zwei gegenübergestellte Schneidwerkzeuge gleichzeitig zur Wirkung kommen. Diese Formstähle sind prismatisch gehobelte, glasharte Stahlplatten von gegebener Querschnittsform an der etwas schrägen Schleiffläche, die so lange ohne Querschnittsänderung nachgeschliffen werden können, als Material zum Festspannen übrig bleibt. In Fig. 10 ist nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 10 S. 252, a die abgedrehte Nabe, b der Vordrehstahl und c das Schlichtwerkzeug, welches zwar gleichzeitig mit dem Schruppstahl a wirksam ist, zuletzt aber nach erfolgter Ausrückung von a allein die Vollendungsarbeit übernimmt.

Textabbildung Bd. 305, S. 98

Diese beträchtliche Schnittleistung kann nur in einer stark gebauten Drehbank mit (127 mm) breiten Antriebriemen geleistet werden, deren Hohlspindel mit 89 mm Bohrung im vorderen Lager 146 mm Durchmesser bei 178 mm Länge misst. Je nach den Abmessungen werden |99| in 10stündiger Arbeitszeit 80 bis zu 200 Stück Radnaben aus dem Rohstab aussen abgedreht, welche Bearbeitung kaum die Kosten der Gesenkschmiederei merklich überschreitet. Die durch eine Hubsäge abgetrennten Naben werden in einer stehenden vierfachen Bohrmaschine glatt ausgebohrt und später die Nabenstirnflächen, sowie die Locherweiterungen in einem Drehwerk mit zwei gegensätzlich gestellten Stichelthurmschlitten, welche gegen einen kreisenden Futterkopf wirken, gleichzeitig und achsenrichtig angearbeitet.

E. J. Mc Cullen's Formdrehbank.

Textabbildung Bd. 305, S. 99

Diese Drehbank ist hauptsächlich zur Bearbeitung von Fahrradtheilen bestimmt, was mittels je eines Satzes Schrupp- und Schlichtstähle besorgt wird. Nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 5 S. 146, wird das abgedrehte Werkstück einstweilen an der Rohstange belassen und dasselbe zwischen Backen und ausserdem weiter in einem Lager geführt, so dass das freigewordene letzte Werkstück mittels einer Wippsäge abgetrennt werden kann. Hierdurch ist der Vortheil einer grösseren Standfestigkeit des Werkstückes an der Drehstelle erlangt. Bei der in Fig. 11 und 12 dargestellten Drehbank liegt die Stufenscheibe a an der Seitenwelle, von der die Hohlspindel c durch ein Stirnradpaar b getrieben wird. Ein Klemmfutter f mit Differentialschraube hält den Rohstab k, welcher an seinem fertig gedrehten Ende in dem Klemmbackenlager g geführt ist, dessen Backen h Schlitten artig ausgebildet sind. Auf der Rückenplatte des Klemmlagers g ist ein zweites Führungslager i vorgesehen, welches ein anderes fertig gedrehtes Werkstück stützt, wodurch das frei vorragende Stück k mit einer Kurbelsäge sicher abgetrennt wird. Ist dies erfolgt, auch die Dreharbeit beendet und das Spindelschloss gelüftet, so wird mittels des Zahnstangengetriebes l dem Lager g eine Rechtsschiebung ertheilt, deren Hubgrösse durch Anschlagringe m begrenzt wird, womit die Rohstange d um den Betrag der Werkstücklänge ausgezogen wird. Hierauf folgt Schluss des Spindelkopfes f, Lüftung der beiden Führungsbacken h und i, ferner Linksstellung des Schlittens g, Schluss der Lagerbacken h und i und Anstellung der Drehstahlsupporte. Diese sind auf einem Schlitten n der Stange o, und zwar der Schlitten p mit den wagerecht angeordneten Schruppstählen vorn und der Winkelschlitten q mit dem beinahe lothrecht angelegten Formstahl r hinten angebracht. Mittels einer Links-Rechtsgangspindel s erfolgt die gegensätzliche Verstellung der beiden Stahlhalter zum Schnittangriff selbstthätig durch das Schneckentriebwerk t, dessen Auslösung durch Anschläge u besorgt wird. Mit der Handkurbel v erfolgt die Rücklage der Stahlhalter, während die feine Einstellung der Schruppstähle durch Verdrehung der Spindelmutter w möglich wird. Dadurch, dass die sonst üblichen Abstechstähle beseitigt sind, können die Drehstähle nahe an das Spindelfutter gebracht werden. Zwar wird durch die Kurbelsäge x keine fertige Nabenfläche erzielt, doch ist die Bearbeitung derselben auf Vollendungsdrehbänken auch sonst kaum zu umgehen.

Dreses-Mueller's Stichelthurmdrehbank.

Bei dieser von Dreses, Mueller und Co. in Cincinnati, Ohio, gebauten und nach Am, Mach., 1896 Bd. 19 Nr. 49 * S. 1121 in Fig. 13 bis 17 in den Einzelheiten vorgeführten Drehbank sind das Wendetrieb und der Stichelthurm bemerkenswerth. Der Bolzen a ist excentrisch in die Hebelhülse b eingesetzt, welche in einem Auge c der Wange drehbar sitzt. Am Hebelzapfen d läuft das Zwischenrad f, welches beständig in das Rad g eingreift, auf dessen langer Nabenhülse die Gewindpatrone aufgesetzt ist. Wird nun der Hebelgriff b nach abwärts gedreht, so rückt das Zwischenrad f in das Spindelrad h; wird derselbe dagegen aufwärts gebracht, so rückt das grosse Rad g in das Spindelrad h. In der Mittellage des Handhebelssind dafür beide Räder f und g ausser Eingriff mit h.

Textabbildung Bd. 305, S. 99

An der Wange i ist das Lagerauge k für die Patronenhebelstange angesetzt und auf der anderen Seite eine Führung für die Ausrückschiene vorgesehen. Auf |100| der Wange ist ein schmaler Schlitten für die Abstechstähle und der Thurmschlitten (Fig. 15 bis 17) aufgesetzt. Am Unterschlitten l ist ein Querschlitten m, darauf eine Drehplatte n mit Winkelführung für den Thurmschlitten p, auf welchem der Stahlhalterthurrn q um den eingeschraubten Mittelbolzen r im vollen Kreise verdreht werden kann. Mit der Handradspindel s findet die Anstellung des Thurmschlittens, mit der Hebelstange t die Verschiebung desselben im Arbeitsgange und durch den Hebel u die Auslösung der Sperrschiene statt.

D. E. Mac Carthy's Stahlhalter für die Radnabenbearbeitung.

Einige amerikanische Fahrradfabrikanten wenden zum Andrehen der Nabenstirnflächen das in Fig. 18 bis 23 dargestellte Werkzeug an, welches im Stichelthurm einer Drehbank eingesetzt wird. Am Gabelhalter a sind die Taschen b mit Schrauben c befestigt, in welchen die Formstähle d in versetzter Lage mit Schrauben f eingespannt sind. Zur Feineinstellung der relativen Lage beider Werkzeugtaschen b dienen die Griffschräubchen g, welche mit ihrer Rändelscheibe in eine ausgefräste Nuth des Gabelhalters eingreifen und dadurch den Stützpunkt für die Verschiebung erhalten. Ebenso wirken die Schräubchen h zur Feineinstellung der Stähle in radialer Richtung. In Fig. 23 ist ein Fräsewerkzeug i zur Erzeugung der Schneidkante des Formstahls d gezeigt. (Am. Mach., 1896 Bd. 19 Nr. 51 * S. 1175.)

Textabbildung Bd. 305, S. 100

Diamond's Schleifmaschine für gehärtete Nabenlaufringe.

Die Diamond Machine Co. in Providence, R. I., baut Schleifmaschinen, mittels welcher die in einem kreisenden Kopf gespannte Nabe an ihren beiden gehärteten Kugelbüchsen zweiseitig geschliffen werden. Dies hat gegen das früher übliche Arbeitsverfahren mit einer Schleifspindel den grossen Vorzug, dass beide Schenkel nach einer und derselben geometrischen Achse abgerichtet werden, was ein genaues Rundlaufen zur Folge hat. Nach Am. Mach., 1896 Bd. 19 Nr. 5, trägt die Schleifwange nebst einem gewöhnlichen Spindelstock zwei Schleif werke zu Hohl arbeit bekannter Bauweise, zwischen welchen der kreisende Futterkopf mit der Fahrradnabe angeordnet ist. Dieser in Fig. 24 besonders gezeichnete Futterkopf besteht aus dem geschlossenen Gabellager a mit Verbindungssteg b, in welchem die Riemenscheibe c gebt, die auf eine Büchse d mit konischer Bohrung gesteckt ist. Rothgussbüchsen f mit Stirnscheiben g vervollständigen die Lagerung der Futterbüchse d, in welche ein zweitheiliger, die Radnabe i umspannender Klemmkopf h passt. Gegen die Kugelbüchsen l werden nun die Schleifscheiben k mittels Handradspindel angestellt und durch Handhebel axial verschoben. Im linksseitigen Spindelstock werden einzelne Konusbüchsen oder Ringe geschliffen, indem die Schleifspindel des linksseitigen Schleif Werkes um 180° verdreht wird. Das Klemmfutter (Fig. 25 bis 27) besteht aus der geschlitzten Kegelbüchse m, welche in die cylindrische Führungsbüchse n geschraubt ist. Diese wird mittels vier Schrauben o, die durch Längsschlitze des Futterkörpers q reichen, mit der Muffe p verkuppelt. Durch den Handhebel r wird die Muffengabel und damit der Muffenring p verstellt, wodurch die federnde Klemmbüchse m zum Verschluss in die kegelförmige Ausbohrung des Futterkörpers gedrückt wird. Zur Sicherung gegen das Losschrauben der Klemmbüchse m dient der in der Führungsbüchse n spielende Federstift s (Fig. 27). Bei der neuesten Ausführung dieses Schleifwerkes läuft die Konusbüchse d (Fig. 24) in Kugellagern, während die Antriebscheibe c von einer Reibungsscheibe betrieben wird, die in einem Schwinghebel lagert, der mittels Handhebel angestellt werden kann.

Textabbildung Bd. 305, S. 100

Lozier's Schleifwerk für Kugelbüchsen.

Um eine genaue Achsenlage sämmtlicher Nabentheile zu erhalten, wird in der Fahrradfabrik von Lozier in Toledo, Ohio, die Radnabe erst nach dem Einsetzen der beiden gehärteten Kugelbüchsen aussen fertig gedreht. Dabei wird aber die Nabe nicht zwischen Spitzen gespannt, sondern zwischen Kugelscheiben gehalten, die der Grösse und Zahl der Kugeln nach jenen entsprechen, welche im wirklichen Fahrrade vorkommen. Dadurch wird eine möglichst centrische Lage der Aussennabe zum wirklichen späteren Kugellager erzielt. Erst dann werden auf Grund der genauen äusseren Nabenfläche die Kugelspuren in den Einsatzbüchsen ausgeschliffen, wozu ein kreisender Futterkopf |101| dient, welcher um 180° verdreht wird, um beide Büchsen zu bearbeiten. In Fig. 28 bis 30 ist nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 21 * S. 517, eine Hinterradnabe a mit Kugelbüchsen b und Schlussmuttern c d mit Kugelspur vorgeführt, wobei der Abstand der beiden Kugelebenen 82,5 mm beträgt. Das Schleifwerk zum Abrichten der Aussenfläche der Einsatzbüchsen, sowie zum Anschleifen der Ringspur an den Schlussmuttern ist in Fig. 31 und 32 vorgeführt, wobei zur Lagerung der Trag- und Schleifspindel ebenfalls Kugellagerung (Fig. 31 rechts) vorgesehen ist. Sowohl der Lagerstock a für die Tragspindel b mit Antriebscheibe c, als auch der Spindelstock d mit Scheibe f für das Schleifrad besitzen Kreisstellung, der letztere zudem Querverstellung durch die Handradspindel g, während die zum Schleifen selbst erforderliche Längsbewegung des Schleifwerkzeuges mittels des Handhebelwerkes h hervorgebracht wird, indem der ganze Spindelstock d bewegt wird.

Textabbildung Bd. 305, S. 101

In Fig. 33 und 34 ist der bereits erwähnte kreisende Futterkopf zur Aufnahme des Nabenkörpers behufs Ausschleifens der Ringspuren für die Lagerkugeln in den Einsatzbüchsen ersichtlich gemacht. Auch hier kreist die Lagerbüchse i mit der Reibungsscheibe k in Kugellagern, welche in den eingeschraubten Seitenringen l enthalten sind. Der eigentliche Lagerkörper m ist um eine Kreisplatte n drehbar, welche an die Bettung angeschraubt ist. Der Antrieb erfolgt mittels eines in einem Schwinghebel lagernden Reibungsgetriebes, welches an die Scheibe k angedrückt wird. Weil bei Lozier nur eine Einsatzbüchse auf einmal ausgeschliffen wird, so wird bei zurückgelegtem Reibungsgetriebe der Futterkopf genau um 180° verdreht, wozu der federnde Stellstift o vorgesehen, während p eine federnde Klemmbüchse für verschiedene Durchmesser der getheilten Klemmringe ist.

C. H. Metz' Naben- und Speicheneinsetzmaschine.

Textabbildung Bd. 305, S. 101

Von C. H. Metz in Waltham, Mass., ist die in Fig. 35 vorgeführte Maschine zum mittelachsigen Einsetzen der Speichennabe in den Radreifen ersonnen worden. Nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 16 S. 420, ist am Dreifusständer a eine Scheibe b angegossen, an welcher eine konische Randleiste c angedreht ist, die zur Mittelschraube d mittelpunktsrichtig steht. Das Gleiche gilt für die an Drähten f hängende Oberscheibe g mit der Konusschraube h. Nun wird das frei montirte Speichen rad zwischen die Randleisten der Scheiben b und g geklemmt, indem die Radnabe durch die Konusschrauben centrirt wird. Um nun die Uebereinstimmung beider Scheiben b und g zu sichern, sind vier Kegelbolzen i vorhanden, welche nach erfolgter Einpassung in die Oberscheibe durch die Vorsteckstifte k die Verbindung beider Scheiben besorgen. Werden nun mittels der durch Hand bethätigten Räderwerke l, m und n die vier Schraubenmutterräder o betrieben, so wird der Radreifen zwischen die Randscheiben b und g festgeklemmt und zu den Konusschrauben centrirt, worauf die frei vorragenden Speichenenden umgenietet werden können.

(Schluss folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: