Titel: Gasglühlichtbrenner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 1–6)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306001

Gasglühlichtbrenner.

Mit Abbildungen.

Es lässt sich wohl die Behauptung unbeanstandet aufstellen, dass das Interesse, welches man den Gasglühlichtbrennern entgegen bringt, sich eher verallgemeinert als verflacht hat. Wirthschaftlich ist die Begründung dieser Erscheinung naheliegend; denn selten hat ein doch verhältnissmässig einfaches Erzeugniss den Markt so belebt, einen ähnlichen Umsatz bei grossem Verdienst gezeitigt, wie dieser Brenner. Einfach sind jedoch nur die Herstellung und die Einrichtung; wenn man an eine eingehende Besprechung herantritt, so zeigen sich mancherlei Schwierigkeiten, welche durch die Betheiligung von Laien am Erfinden wirklicher oder vermeintlich neuer Constructionen vermehrt werden, indem oft die angegebenen Mittel zu anderen Wirkungen der getroffenen Einrichtungen als zu den bezweckten führen, und daraus noch eine Verdunkelung der meist verwickelten Vorgänge in oder an einem Brenner erübrigt.

Dass hier insbesondere mit Gas zu speisende Vorrichtungen einer Besprechung unterzogen werden sollen, beschränkt die letztere nicht auf die mit Steinkohlengas arbeitenden Brenner, sondern es können ohne weiters auch die für flüssige Brennstoffe bestimmten Apparate einbegriffen werden, sofern es sich nicht um die Umwandlung der ersteren in gasförmige Körper, sondern lediglich um die Verwendung der bereits vergasten Stoffe handelt. Die Vergaser erfordern eine Abhandlung für sich. Die jeweiligen Brenner für die eine oder die andere Gassorte zurechtzustutzen, gelingt zumeist durch geeignete Dimensionirung, welche das Ergebniss von Versuchen bleibt.

Die Gesichtspunkte anzugeben, nach denen die Brenner auszuführen sind, hält mit Rücksicht auf den Umstand schwer, dass in der Praxis mit wenigen Ausnahmen bestimmte Normen verloren gegangen zu sein scheinen und nur die augenblickliche Stimmung die Ausführungsweise dictirt. Dass das Gas mit nicht russender Flamme vollkommen verbrennen soll, ist selbstverständlich und Bedingung für alle Constructionen. Dies Ziel sollte aber nicht durch Mittel angestrebt werden, welche die anfänglich vielleicht gute Wirkungsweise sehr bald herabsetzen. Nicht genug kann auch bedauert werden, dass so viel billige Dutzendwaare, welche nur für den Augenblick bestimmt ist, dem soliden Erzeugnisse Concurrenz macht.

In Folgendem habe ich eine Eintheilung des Stoffes gewählt, welche es wohl gestattet, die Einzelheiten des Glühlichtbrenners zu würdigen. Die Glühkörper selbst, sowie deren Träger und alle in directer Verbindung mit ihnen stehenden Theile sind von der gegenwärtigen Arbeit ausgenommen und nur so weit berücksichtigt, als es zur Begründung des Charakters der einen oder der anderen Bauweise nothwendig erschienen ist.

Der Gasglühlichtbrenner ist ein Heizbrenner. Es hat nun nahe gelegen, seiner Beurtheilung die zur Verwendung gelangenden Brennstoffe zu Grunde zu legen. Offenbar sind auch Unterschiede in der allgemeinen Ausführung zu verzeichnen, je nachdem ein Leuchtgas-Luftgemisch, Leuchtgas allein, Wassergas o. dgl. die Heizflamme liefert. Indessen überwiegen die Berührungspunkte und es erscheint am zweckmässigsten, die gebräuchlichsten Brenner, welche mit einem Gas-Luftgemisch arbeiten, zu betrachten und die anderen entsprechend einzuordnen.

Es handelt sich also im Wesentlichen darum, eine unter den denkbar besten Verhältnissen verbrennende Flamme zu erhalten, für deren Erzeugung die Gaseinführung, die Mischung mit Luft u.a. von Belang ist.

Einführung von Gas und Luft.

Gasdüse. Von wenigen, später zu berührenden Ausnahmen abgesehen, lässt man das Gas von unten axial in den Brenner eintreten. Es ist dies nahezu selbstverständlich geworden und hat seine Berechtigung; denn sowie das Gas die geschlossene Leitung verlassen hat, muss es Arbeit verrichten, indem es Luft ansaugt. Würde der saugende Gasstrahl nach unten gerichtet werden, so würde das gegenüber der Luft geringere specifische Gewicht des Gases auf die Arbeitsenergie des letzteren vernichtend einwirken. Um die gleichen Leistungen bei nach oben und nach unten gerichteten Gasstrahlen zu erzielen, müsste man demnach die letzteren mit grösserer Energie austreten lassen, d.h. das Gas in der Zuleitung unter grösseren Druck stellen. Wenn man einen regelrecht brennenden Bunsen-Brenner mit der Mündung nach unten kehrt, so röthet sich die Flamme und wird lasch, es sei denn, dass die Gegenwirkung die Geschwindigkeit im Mischrohr derart vermindert, dass ein Rückschlag erfolgt.

Die Düse selbst, welche den Austritt des Gases bildet, wird vielfach in ihrer Bedeutung unterschätzt. Zu bedenken bleibt, dass man es mit empfindlichen Apparaten zu thun hat, dass Unregelmässigkeiten von vorherein vermieden werden müssen. Im Durchschnitt rechnet man für einen Brenner 100 l Gasverbrauch in der Stunde; man gelangt so zunächst zu geringen Abmessungen des Gasauslasses, welcher durchaus sorgfältig gearbeitet werden muss. Auch die Form des Auslasskanales hat seine Bedeutung, denn sie ist bestimmend für die Gestaltung des Gasstrahles und dieser wiederum für die Ansaugung der Luft.

Bohrt man ein cylindrisches Loch in die Düse (Fig. 1), so erhält man einen wenig divergirenden geschlossenen |2| Strahl; seine Umfläche ist die denkbar geringste und die Luft hat wenig Gelegenheit, sich mit dem Gase zu vermischen, so dass namentlich bei kurzen glatten Mischrohren, wie solche für Glühlicht hauptsächlich in Frage kommen, an ein zweckentsprechendes Gemisch schlechterdings nicht gedacht werden kann. Geringe Abweichungen der Achsen des Brenners und der Düsenbohrung bewirken schon die Bildung ungleichmässiger Flammen, bringen also Misserfolge.

Textabbildung Bd. 306, S. 2

Wollte man den Auslass in der in Fig. 2 angegebenen Weise gestalten, so würde der Gasstrahl durch die Schneiden stark gestreut werden. Die Streuungsarbeit ist von der Saugarbeit abzuziehen; die letztere wird geringer als im ersten Beispiel ausfallen. Indessen ist auch die praktische Herstellung dieser Düsenöffnung schwierig; eine acurate Massenfabrikation ist hier in Frage gestellt und es sind keine Vorzüge vorhanden, welche eine Vertheuerung berechtigen könnten.

Einen Mittelweg zeigt die in Fig. 3 dargestellte Düse, welche einen langgestreckten Konus aufweist. Man erreicht hier eine stärkere Streuung des Gasstrahles, als mit cylindrischer Bohrung, andererseits ist es aber auch möglich, die Luft dicht an den Gasaustritt heranzuführen, was bei der Ausführung nach Fig. 2 nicht thunlich ist. Einen praktischen Werth hat aber dieser Konus aus nahe liegenden Gründen bisher nicht gefunden. Es liesse sich jedoch seine Bedeutung erhöhen, wenn man in der bei Wasserstrahlgebläsen bekannten Weise eine Spirale einsetzt (Fig. 4), welche eine Drehung des Gasstrahles verursacht; es wird hierdurch einerseits der Weg der Gastheile erheblich verlängert und andererseits bewirkt, dass die inneren Gastheile nach aussen geschleudert werden und hier mit der Luft in Berührung kommen. In Benutzung ist diese Ausführung meines Wissens noch nicht genommen worden. Wahrscheinlich wiegt ihre Bedeutung die auf praktischem Gebiete liegenden Nachtheile nicht auf.

Um in einfacher Weise die Berührungsfläche von Gas und Luft zu vergrössern, hat man den einen Gasstrahl in mehrere zerlegt. Bei normalem Druck ist für 100 l stündlichen Gasverbrauch eine Ausströmöffnung von 1 mm Durchmesser zu rechnen. Angenähert theoretisch kommen für eine Viertheilung Löcher von 0,25 mm Durchmesser in Frage, also Verhältnisse, welche zum Bohren ungeeignet sind. Auer von Welsbach hat deshalb empfohlen, diese feinen Löcher in eine dünne Metallplatte einzustossen. Heutzutage pflegt man nach dieser, von Pintsch ausgebildeten Angabe zu verfahren, indem man die glatt durchgebohrte Düse mit einem Plättchen verschliesst und in diese mittels einer Nadel vier bis fünf im Kreise gruppirte Löcher einstösst (Fig. 5). Die Düse verläuft so, dass die angesaugte Luft in Richtung der Gasstrahlen geführt wird; andererseits ist aber der Luftzulass derart versetzt, dass ein unbeabsichtigter Luftzug von aussen die Gasstrahlen nicht ablenken, sondern sie nur in ihrer Bewegung unterstützen kann. Anstatt in der angegebenen Weise eine gegossene Düse auszubilden, lässt sich dieser Theil offenbar auch aus Blech drücken bezieh. ziehen, gleich ob Messing, Aluminium oder sonst geeignetes Material verwendet wird. Die Schattenseiten dieses Verfahrens fühlt der Installateur, denn beim Einstechen der Löcher bilden sich unregelmässig zerrissene Grate, welche nach einwärts gerichtet sind, die Richtung und Stärke der Strahlen beeinflussen und Anlass zu baldigen Verstopfungen geben. Durch Zuschlagen von Hand und darauf folgendes Ausreiben justirt man in etwas mühsamer Weise die Auslässe.

Die Ausmerzung dieser Misstände streben Friedrich Siemens und Co. in Berlin1) an, indem sie auf die Einlochdüse zurückgreifen und diese sowohl zum geräuschlosen Arbeiten wie zur Bildung eines zweckmässigen Strahles geeignet machen. Die Mündung b der Düse a (Fig. 6) verläuft cylindrisch und ist erheblich weiter, als dem Gasverbrauch entsprechen würde. Ein Stift c bestimmt die Weite des Durchlasses und formt den Gasstrahl flach.

Textabbildung Bd. 306, S. 2

Man hat übrigens auch eine Streuung des Gases dadurch zu bewirken versucht, dass man es energisch ablenkte. Setzt man z.B.2) (Fig. 7) auf die Düse a einen Kegel b, so wird das den Löchern c entströmende Gas gegen den letzteren treffen und gestreut werden. Eine praktische Bedeutung hat diese Ausführung nicht, schon weil die Herstellung der Durchlässe und deren Reinigung in Frage gestellt sind.

Textabbildung Bd. 306, S. 2

Obgleich vom Constructeur nicht insbesondere für Glühlichtbrenner vorgeschlagen, sei doch an dieser Stelle auf die in Fig. 8 dargestellte Einrichtung3) hingewiesen. Durch das Rohr b wird Pressluft zugeführt, welche durch ein Röhrchenbündel l in das Brennerrohr c eintritt. Der Luftstrom dreht ein Flügelrad r, welches die gleichmässige Vertheilung der Luft auf alle Röhrchen l herbeiführen soll. Das Gas gelangt durch das Rohr g in den Brenner c. Man hat es hier also mit einem Apparat zu thun, bei dem erstens Luft und Gas unter erhöhtem Druck zur Verwendung kommen und zweitens die erstere saugend auf das letztere einwirkt. Indessen ist die Möglichkeit ohne weiteres gegeben, die Anordnung normalen Verhältnissen, also Brennern mit unter mittlerem Druck saugendem Gas anzupassen. Eine

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Eigenthümlichkeit sei hier noch erwähnt, nämlich die Regulirbarkeit des Gaszulasses. Der Rohrtheil a ist nämlich im Brennerrohr c verschiebbar angeordnet, so dass durch Einschieben des ersteren in das letztere der Gaszufluss g mehr oder weniger verengt werden kann.

Textabbildung Bd. 306, S. 3

Eine sonderbare Düsenbildung von unklarem Zweck repräsentirt Fig. 9.4) Die beiläufig im Kreise gestellten Gasauslässe werden nach derjenigen Seite, von welcher die Luft zutritt, durch einen Ring a verdeckt; erst über dem Rande desselben können Gas und Luft zusammentreffen. Es ist möglich, dass die feinen Gasstrahlen durch den Ring aus einander gezogen werden, so dass die Luft sie auf grösserer Fläche berührt. Zweifellos ist aber auch eine Gelegenheit für Verstopfung geschaffen; denn der im Ring a sich anhäufende Schmutz ist nicht ausblasbar. Wie später auszuführen sein wird, liesse sich die Luft innerhalb der Gaslöcher einleiten. Im vorliegenden Fall ist die Gasleitung b von oben in die Düse eingesetzt; sie bildet einen Constructionstheil des Brenners, indem sie das Sieb c sichert und dem Glühkörper als Träger dient, und wird von der Flamme erhitzt. Um den Glühkörper aufzusetzen, könnte man annehmen, dass das Rohr b direct über der, dem Mantel als Halter dienenden Mutter mit der weiteren Zuleitung zu kuppeln ist. Uebrigens ist eine abgeänderte Bauweise auch für eine vorher hergestellte Gas-Luftmischung bezieh. carburirte Luft, also nicht als Bunsen-Brenner, zu verwenden.5)

Textabbildung Bd. 306, S. 3

Pintsch6) geht bei seiner Deckenlampe für aufrecht stehende Glühkörper seinen eigenen Weg insofern, als er die Düse nach unten richtet (Fig. 10) und die Mischungskammer für Gas und Luft neben oder seitlich über dem Brennerkopf anordnet; das Zuleitungsrohr für das Gemisch von Gas und Luft mündet seitlich in den Brennerkopf ein. In Folge dieser Anordnung fällt der Brenner nicht höher aus als ein gewöhnlicher Flachbrenner, so dass auch die Schutzglocke nicht grösser zu sein braucht, als die bisher üblichen. Das Gaszuleitungsrohr A tritt gleich unterhalb des Reflectors G der Lampe in die mit den Luftlöchern versehene Mischkammer B ein, in welcher die Mischung des Gases mit der Luft erfolgt. Aus dieser Mischkammer führt das gekrümmte Rohr C in den Brennerkopf D, in welchen es seitwärts einmündet. Ueber dem Brennerkopf D ist ein kurzer Glascylinder E angeordnet, der in bekannter Weise im Reflector G auswechselbar angeordnet sein kann und zur Erhöhung der Leuchtkraft beitragen soll. Derselbe kann auch fortgelassen werden, da eine fast ebenso hohe Leuchtkraft bezieh. Ausnutzung des Gases erzielt wird, indem durch die eigenthümliche Form des Brennerkopfes D in Verbindung mit der Form der Glasglocke J die Verbrennungsluft in derart günstiger Weise dem Glühkörper zugeführt wird, dass der grösstmögliche Lichteffect auch hierdurch schon erzielt wird. Der Schornstein H bildet eine Fortsetzung des Glascylinders. Die Luft tritt bei F in die Glasglocke J ein und wird durch den kurzen Glascylinder E gezwungen, an dem Glühkörper entlang zu streichen.

Regelung des Gaszutrittes. Um den Gasverbrauch bei wechselndem Druck in der Leitung gleichmässig zu erhalten, würden die bekannten Gasdruck- bezieh. Gasconsumregler ohne weiteres zu verwenden sein. Daneben kann man eine Einstellung von Hand durch Drehung des Gashahnes oder eines anderen Absperrorganes bewirken. Doch hat man auch das Bedürfniss empfunden, den Gasaustritt direct zu beeinflussen, unbeschadet des Druckes vor demselben. Mit Rücksicht darauf, dass die Flammenbildung mehr oder weniger schon von der Form und Stellung der Gasdüse abhängig und eine absolute Gleichmässigkeit in der Wirkung der Brenner desselben Systems nicht zu erzielen ist, erscheinen diese Bestrebungen nicht grundlos, obgleich die Praxis ihren Werth nur bedingungsweise anerkannt hat.

Textabbildung Bd. 306, S. 3
Textabbildung Bd. 306, S. 3
Textabbildung Bd. 306, S. 3

Am öftesten trifft man die Regulirspindel an, welche als konische Nadel in den Gasdurchlass eingeschoben wird und diesen entsprechend verengt. Eine Schattenseite dieser Einrichtung ist die Schwierigkeit, Oeffnung und Nadel gegen einander so zu centriren, dass der Gasstrahl seine Richtung nicht ändert; jedenfalls vertheuert die hier nothwendige Handarbeit den Brenner. Als Vorzug hingegen wird hervorgehoben, dass man in bequemster Weise die Verstopfung der Löcher zu beseitigen, ja die letzteren erforderlichen Falles auszuweiten vermag.

Clamond (Fig. 11) setzt in die Düsenkammer k einen von aussen zu drehenden Trieb t mit Stange s, an welcher ein Kreuz a befestigt ist; dieses führt sich in der Düse und trägt Nadeln b, welche die Gasauslässe c beeinflussen. Es ist ersichtlich, dass durch Drehen des Triebes t auch die Lochweiten verändert werden. Die feste Büchse d dient nur dazu, Trieb und Zahnstange zusammenzuhalten.

Eine abgeänderte Form weist die in Fig. 127) dargestellte |4| Regelung auf. Hier soll nur das mittlere Loch a geschlossen oder geöffnet werden. Die Nadel b sitzt fest in einem Cylinder c, welcher sich in der glatt durchgebohrten Düse führt. Eine Schraube d fasst mit einer Nase e in den Cylinder c, so dass beim Stellen der Schraube d nach der einen oder der anderen Seite der Cylinder c und damit die Spindel b gehoben bezieh. gesenkt wird.

Umgekehrt werden bei der Einrichtung nach Fig. 13 die Spindeln entgegen dem Gasstrome von oben in die Löcher eingeschoben. Die Spindeln a sitzen an einem Cylinder b, welcher sich im Mischrohr c führt. Eine Schraube d, an welcher der Cylinder b festsitzt, lässt sich in einem Schlitze der Saugkammer verschieben, wodurch auch das Stellen der Regulirspindeln möglich wird. Dass die Gasstrahlen hier anders geformt werden als in den vorherigen Ausführungen, ist erkenntlich; das Gas sprüht aus einander. Etwas praktisch Bedeutendes liegt aber nicht vor; die Centrirung ist hier fast unmöglich gemacht.

Textabbildung Bd. 306, S. 4

Bei einer früheren Gelegenheit habe ich an dieser Stelle auch jener Regulirweisen gedacht, bei denen auf der Düse eine gelochte Platte verdrehbar ist, welche je nach Stellung der Düsenlöcher mehr oder weniger drosselt. Diese Drosselung hat allerdings den Uebelstand, dass ein Ablenken der Gasstrahlen in uncontrolirbarer Weise und damit eine schädliche Beeinflussung der Flamme stattfindet. Dies will Mason8) (Fig. 14) umgehen, indem er in die Düse a längliche Löcher b einarbeitet. Die mittels Griffes d drehbare Regulirplatte c hat der Anzahl der Löcher b entsprechende Gruppen kleiner Durchlässe e. Befinden sich alle Löcher e über den Oeffnungen b, so lassen sie das Gas gleichmässig durch; zwecks Abstellung genügt es, die Platte zu drehen, bis nur drei, zwei u.s.w. Löcher e über je einem Durchlasse b zu stehen kommen.

Anstatt runde Löcher vorzusehen bezieh. dieselben in gleichen Abständen von der Achse anzuordnen, hat man auch Schlitz-, Kreuz- und andere Formen für die Düsenauslässe gewählt, wenngleich ein besonderer Vortheil von dieser Wahl wohl nicht erwartet werden kann. Eydman9) in Delft hält jedoch gerade diese Ausbildung zur zweckmässigen Regelung für besonders geeignet. Das aus o (Fig. 15 bis 17) austretende Band lässt sich in seiner Breite oder in seiner Stärke einengen. Die letztere zu verändern, bietet viele Schwierigkeiten und ist auch weniger richtig, da die Regulirung nur in einer Richtung (nämlich der Stärke des Gasbandes) stattfindet, nach welcher Richtung ohnehin wenig Raum zur Regulirung vorhanden ist; dagegen bietet die zweite Anordnung Gelegenheit zu einer genaueren Regulirung. Zur Bildung des Gasbandes wird entweder ein so dünner Schlitz, wie er praktisch nur irgend ausführbar ist, oder statt dessen eine Reihe von neben einander stehenden möglichst feinen Löchern (Fig. 18) gewählt. Die Länge des Schlitzes oder der Lochreihe kann nach Belieben durch ein direct unterhalb derselben im Brenneruntertheil B befindliches Regulatorküken K verringert werden, dessen Durchgangsloch k an der nach der Ausströmung zugekehrten Seite die Form eines sich nach unten erweiternden Trapezes oder Dreieckes hat (Fig. 19). Der Schlitz oder die Löcherreihe o bilden eine so lange Oeffnung, dass, wenn die Basis des Trapezes oder Dreieckes sich unterhalb derselben befindet, auch bei dem niedrigsten, in der Praxis vorkommenden Gasdruck noch immer genug Gas durchgeht; sobald aber das Regulatorküken gedreht wird, verringert sich die Ausströmungsöffnung und demzufolge die ausströmende Gasmenge, ohne an ihrer Anfangsgeschwindigkeit einzubüssen. Da immer eine Minimalöffnung nothwendig ist, so ist die Anordnung des Schlitzes oder der Löcher o in Kreuzform zulässig, wobei der kurze Arm des Kreuzes die Länge der Senklinie des Trapezes oder Dreieckes haben darf (Fig. 20). Da der Brenner, wie bereits angedeutet, für den niedrigsten, in der Praxis vorkommenden Gasdruck angefertigt wird, so braucht bei steigendem Druck nur die Breite des Gasbandes verringert zu werden, um genau dieselbe Gasmenge ausströmen zu lassen. Ring R dient zur Regelung der Luft.

Textabbildung Bd. 306, S. 4

Es erinnert diese Construction an den Erdmann'schen Hahn (Fig. 21), welcher mehrere Gasdüsen beherrscht. Das hohle Küken a ist mit einer entsprechend begrenzten Aussparung b versehen, deren Kante bei Drehung des Kükens die einzelnen Düsen c nach einander verdeckt.

Textabbildung Bd. 306, S. 4

Der Vollständigkeit halber sei die in Fig. 2210) dargestellte Bauweise angeführt. Hier werden die aus a austretenden feinen Gasstrahlen durch eine aufgesetzte Düse b zusammengeführt, so dass ein geschlossener Strahl, offenbar verlangsamt, nur träge saugend auf die Luft zu wirken vermag. Eine fest sitzende Schraube c dient in der Weise zur Regelung, dass sie durch Verschieben des Brenners mehr oder weniger in das Rohr b eindringt. – Gleichfalls |5| beiläufig, weil für die für Gasglühlicht geltenden Verhältnisse belanglos, könnte auf jene selbsthätigen Verschlüsse hingewiesen werden, welche bei plötzlichem Anwachsen des Gasdruckes in Wirksamkeit treten. In Fig. 2311) ist a die Düse, welcher durch das Rohr c Gas zugeführt wird. Der Gasstrom umspült eine Kugel b, welche von einer Stellschraube d getragen wird. Ein Stoss des Gasstromes hebt die Kugel gegen das Düsenloch und sperrt dieses theilweise ab.

Textabbildung Bd. 306, S. 5
Textabbildung Bd. 306, S. 5

Luftzulass. Die Kammer, in welche die Luft vom Gas eingesaugt wird, wird allgemein in der bereits in Fig. 5 skizzirten Weise ausgeführt. Die Luftlöcher liegen etwas unterhalb des Gasaustrittes und sind so gross bemessen, dass bei einem Gasdruck von etwa 25 mm Wassersäule gerade die richtige Luftmenge angesaugt werden kann. Walther12) baucht die Kammer aus (Fig. 24), allerdings nur zu dem Zwecke, den Fuss des mittels Bajonnetverschlusses o. dgl. am Untersatz festzustellenden Brenners so erweitern zu können, dass man den Brenner aufzustellen vermag. Auf die Luftbewegung würde diese Ausbauchung lediglich verlangsamend wirken, wahrscheinlich wird auch ein Theil der Kammer als ein todter Raum ausgeschaltet bleiben. Ein Gegenstück gibt der Lewis'sche, eine aufgesetzte Platinkappe a erhitzende Brenner (Fig. 25), bei welchem das zugespitzte Gaszuleitungsrohr b glatt in das Brennerrohr eingesetzt ist und die allenfalls vorgewärmte Luft, erforderlichenfalls unter Druck, seitwärts durch Rohr c eingeführt wird. Das Verhältniss von Gas zu Luft soll ungefähr 1 : 2 bleiben. Die Construction dürfte für Gebläse geeigneter als für Gasglühlichtbrenner sein.

Textabbildung Bd. 306, S. 5

Eine vielleicht zu reichliche Luftzufuhr erzielt die in Fig. 26 dargestellte Vorrichtung. Bei dieser tritt das Gas durch ein Rohr A in eine gewölbte Gaskammer G, welche von Luftröhrchen R durchdrungen und in die Saugkammer M eingesetzt ist. Das aus den Löchern S austretende Gas saugt Luft durch die Durchbrechungen von M und durch die Röhrchen R ein. Gleich hier wird auf die Siebe npr von steigender Feinheit und den Rost H hingewiesen, welche das Mischen von Gas und Luft besorgen sollen. Interessanter ist die Ausführung von Farkas (Fig. 27), welcher nur eine centrale Luftzuführung von unten voraussetzt. Es ist a die Gasdüse, welche nach Art eines Argand-Brenners ausgebildet, wohl auch durch diesen zu ersetzen ist. Die Düse wird durch das abschraubbare Brennerrohr b verdeckt, so dass das Ganze nach aussen abgeschlossen erscheint.

Ein paar englische Vorschläge, welche insbesondere auf die Gas- und Luftbewegung gemünzt sind13), müssen hier erwähnt werden, unbeachtet ihrer geringen Bedeutung. Das eine Project geht dahin, durch den Gasstrom einen Ventilator treiben zu lassen, welcher seinerseits die Luft ansaugt und sie gleichzeitig dem Gase beimischt. Wegen des letzteren Factors wird auf eine ähnliche Einrichtung später zurückgegriffen und auch die Richtigkeit der hierbei gemachten Voraussetzungen in Betracht gezogen werden müssen. Der andere Vorschlag will die Gas- und Luftgeschwindigkeit erhöhen. Es werden Gas und Luft getrennt zum unteren Theile des Brenners geführt; ein aus transparentem Material (Glas) auf den Brenner gesetzter Cylinder (Schornstein) saugt im Betrieb Luft und Gas und kann mit dem Hausschornstein verbunden werden. Saugen wird allerdings der Cylinder eines jeden Brenners, bei welchem von der Düse ab keine weitere Luft zur Flamme treten kann.

Oft müssen die Luftlöcher verdeckt werden, sei es um den irritirenden Luftzug abzulenken, sei es um Staub u.a. abzuhalten. Für den ersteren Fall lässt sich, wie schon früher gezeigt, eine Kapsel o. dgl. um die Einlasse legen, welche die Luft erst auf Umwegen heranführt. Kommt stark bewegte Aussenluft, z.B. bei im Freien brennenden Apparaten, in Frage, so wird, wenn nicht die gebräuchliche geschlossene Laterne zur Benutzung gelangt, dieser Schutz zur Nothwendigkeit.

Textabbildung Bd. 306, S. 5

Einen eigenen Windschutz, welcher zugleich die zur Flamme ziehende Verbrennungsluft beeinflusst, hat Hubert (Fig. 28)14) angegeben. Auf eine nach unten geschlossene Schaale a ist ein Cylinder b gesetzt, welcher oben das Zugglas aufnimmt und Aussparungen c besitzt. Ein engerer Cylinder d bildet mit b einen Ringraum, in dem die durch c eintretende Luft nach unten zur Düse abfällt. Die Verbrennungsluft gelangt durch die Löcher e zum Brenner. Um nicht in der weiteren Abhandlung auf die Construction zurückgreifen zu müssen, weise ich ohne Commentar auf die Mischkammer hin; hier saugt eine Gasdüse f durch Löcher g Luft an und das Gemisch saugt wieder, aus der Düse h austretend, Luft durch die Oeffnungen i an. Ein in geeigneter Weise stellbar gemachter Keil& erweitert oder verengt die Düse h. Auch die von dem Sieb s und der nach oben gewölbten Platte l verursachte Mischung, sowie die durch den Konus m hervorgerufene Luftführung seien beiläufig erwähnt, weil ähnliche Vorkehrungen Gegenstände späterer Betrachtungen bilden sollen.

Um das Eindringen von Verunreinigungen in die Saugkammer zu verhindern, hat man schon in frühester Zeit gelochte Schutzhülsen verwendet. So bringt man z.B. einen |6| metallenen Korb a nach der in Fig. 29 dargestellten Weise an. Der Korb ist erheblich weiter als die Kammer, so dass der Luftzutritt nicht verengt wird. Diese und ähnliche Umhüllungen sind dieserhalb besser, als die von Duke15) u.a. gewählten, welche die Sauglöcher dicht umgeben und diese verengen; dasselbe gilt von dem innen eingesetzten Schutzsieb. Auf gleicher Stufe steht die Hülse von Crowe16) (Fig. 30), welche indessen abnehmbar ist. Sie besteht aus zwei Theilen, welche um den Stift a drehbar sind; eine Feder f sucht sie zusammen zu halten. Drückt man die Verlängerungen b der Hülsentheile gegen einander, so schwingen die letzteren um den Stift a und können abgenommen werden.

Textabbildung Bd. 306, S. 6

(Fortsetzung folgt.)

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D. R. P. Nr. 90358.

|2|

Brit. Spec. Nr. 26305/1896.

|2|

Brit. Spec. Nr. 600/1878.

|3|

Brit. Spec. Nr. 15423/1895.

|3|

Brit. Spec. Nr. 3424/1895.

|3|

D. R. P. Nr. 80270.

|3|

Brit. Spec. Nr. 18283/1896.

|4|

Brit. Spec. Nr. 22122/1896.

|4|

D. R. P. Nr. 86452.

|4|

Brit. Spec. Nr. 6690/1895.

|5|

Amerikanisches Patent Nr. 436865.

|5|

D. R. P. Nr. 83645.

|5|

Brit. Spec. Nr. 420/1883.

|5|

Brit. Spec. Nr. 13365/1894.

|6|

Brit. Spec. Nr. 7233/1896.

|6|

Brit. Spec. Nr. 19889/1896.

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