Titel: Wasserhaltung mit Druckwasser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 9–10)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306003

Wasserhaltung mit Druckwasser.

Patent Stein (D. R. P. Nr. 78816).

Mit Abbildungen.

Die Anwendung der ohne Bedienung in der Grube arbeitenden Wassersäulenpumpe ist deshalb gegen unterirdische Dampfwasserhaltungen im Vortheil, weil letztere nur langsam laufen, also einen grossen Dampfverbrauch haben, erstere oberirdisch als normal laufende Dampfpresspumpen mit 60 bis 70 Touren weniger Dampf verbrauchen und die oberirdische leicht mit anderen Anlagen zugleich beaufsichtigt werden kann.

Dampfrohre in der Grube und im Rohrschacht fehlen, somit verschwinden die Uebelstände der Condenswasserabführung und der schlechten Wetterführung.

Als Kraftrohre dienen bei den grössten Anlagen 100-mm-Pressrohre, die mit Differenzgewinde und Kupferdichtung ausgestattet sind und leicht verlegt werden können.

Bei der Pumpe des Stein'schen Systems ist der Plungerkolben hohl und schiebt sich über ein feststehendes Rohr, welches am Steuerkasten befestigt ist (Differenzgewinde des Mutterflansches, Kupferrohrdichtung), und von dort je nach der Stellung des Steuerschiebers (Flachschieber oder besser Kolbensteuerschieber mit Liderungsringen, welche durch Manschetten angedrückt werden), mit dem Druckwasser oder dem Abwasser Verbindung hat. Im Plungerinneren hat das Rohrende Mantelschlitze von Dreiecksform und auch der Plungerringraum, welcher der Druckflüssigkeit Eintritt in das Plungerinnere gibt, verringert sich gegen Hubende behufs allmählichen Zurruhesetzens.

Die Vorrichtung gegen Hubüberschreiten beruht darauf, dass am Hubende der Plunger die Dreieckschlitze versperrt, so dass die Druckflüssigkeit nicht mehr hinzutreten kann, da das Rohrende nunmehr verschlossen ist.

Zwei solcher von einander abgewandten einfach wirkenden Pumpen sind in gewohnter Weise durch Zugstangen, welche die Plunger kuppeln, derart verbunden, dass gleichzeitig bei der einen Pumpe Saugen, bei der anderen Drücken herrscht, somit das Ansaugen durch den drückenden Plunger bezieh. dessen Pressdruckwasser mit bewirkt wird.

Damit nun jetzt das im Plunger ohne Druck befindliche verbrauchte Druckwasser abfliessen kann, ist das verschlossene Rohrende mit einem Ventil versehen, das jederzeit durch das Presswasser auf seinen Sitz gedrückt ist, da es sich nur nach dem Innenraum des feststehenden Rohres öffnet; beim Einleiten der Saugperiode tritt also das verbrauchte Wasser zuerst durch das sich nun öffnende Ventil und sobald der Plunger einen gewissen Weg gemacht und die Mantelschlitze freigelegt hat, auch durch diese ins Freie. Voraussetzung ist, dass der Schieber umgesteuert wurde. Würde der Schieber nicht umgesteuert, so könnte an der Pumpe ein Durchschlagen trotzdem nicht eintreten wegen Versperrung der Mantelschlitze.

Dieses Umsteuern des Schiebers kann durch Kuppeln zweier solcher Pumpsysteme zu einer Duplexpumpe und Bewegen jeden Schiebers vom Plunger des zweiten Pumpsystems erfolgen, oder bei einachsigen Pumpen durch einen kleinen, am Hubende angestossenen Katarakt.

Im ersten Falle fassen die die Plunger verbindenden Zugstangen von einem wagerecht liegenden ein- oder zweiarmigen Hebel aus an, der die Schieberstange anfasst, seinen Drehpunkt jedoch in der die Pumpengehäuse verbindenden Kuppelstange findet.

Wegen Vermeidens eines Druckes sind die Schieberstangen beiderseitig nach aussen geführt, liegen aber im Abwasserraum (wegen innerer Einströmung), sind somit leichter zu dichten.

Das im feststehenden Rohre sitzende Ventil v macht bloss bei jedem Hub Wechsel Tick, kann also nicht leicht in Unordnung kommen. Sein geringer Querschnitt muss für das langsame Ingangsetzen sorgen.

Textabbildung Bd. 306, S. 9

Beim Abheben des Pumpendeckels und Lösen der Plungerverbindung a und b kann der Plunger bis an die Pumpenstopfbüchse c zurückgeschoben werden. Sodann bleibt das Ventil v frei und kann sammt seinem Sitz vom feststehenden Rohr abgeschraubt, besichtigt und wieder eingebracht werden.

Die Erzeugung des Presswassers erfolgt mittels oberirdischer Dampfmaschinenpresspumpen, also mit ökonomischen Maschinen; dasselbe wird unter Einschaltung eines Accumulators (Gewichtsbelastung, Federbelastung, Luftdruckaccumulator von Breuer und Schuhmacher u.s.w.) durch Rohre von etwa 70 bis 100 mm l. W. in die Grube geleitet; das Abwasser wird, weil es gefettet ist, zurückgeleitet und stets wieder verwendet.

Die Pumpe kann auch veränderlichen Wassermengen angepasst werden durch Hubverkürzung, wobei die beiden Plunger mittels der mit Schraube und Scala versehenen Verbindungsstangen aus einander geschoben werden und die |10| Angriffspunkte an dem Steuerhebel ebenfalls mittels Schrauben und Scala verstellt werden.

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