Titel: Ueber Ventile und Neuerungen an denselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 76–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306024

Ueber Ventile und Neuerungen an denselben.

Mit Abbildungen.

Der mannigfache Zweck der Ventile veranlasst es, dass stets neue Vorschläge auf diesem Gebiete zu verzeichnen sind. Freilich beziehen sich diese Vorschläge meistens auf Einzelconstructionen und Ausführungsweise, denn die Grundformen der wirkenden Theile sind nicht sehr zahlreich.1) Wenn wir daher im Folgenden einige neuere Bauweisen beschreiben, so sind wir uns bewusst, manches Bekannte bringen zu müssen, oder wenigstens manche Wiederholung in unwesentlich abgeänderter Form.

Eine ganze Klasse von Ventilen ist dazu bestimmt, einen dauernden oder feststellbaren Abschluss zu bilden; zu diesen gehören die

Niederschraub- oder Absperrventile,

deren bemerkenswerthere wir nachstehend beschreiben.

Das Niederschraub- und Absperrventil von Th. Morrin in Jersey City, Nr. 347727 der amerikanischen Patente (Fig. 1 und 2), ist mit einem in den Deckel des Ventiles passenden Schraubenansatz versehen, in dessen quadratische Aussparung eine Spindel eingreift, welche die Schraubenbewegung veranlasst, wobei das Ventil an dem Vierkant der Stange vorbeigleiten kann. Die Spindel ist durch Spiralfeder und Drehstopfbüchse gedichtet.

Textabbildung Bd. 306, S. 76

Von ähnlicher Construction ist das Absperrventil mit auswechselbarem Dichtungsring der Maschinen- und Armaturenfabrik vorm. Klein, Schanzlin und Becker in Frankenthal, Rheinpfalz; dasselbe trägt an dem unteren Ende der in der Stopfbüchse auf- und niederschraubbaren Ventilspindel (Fig. 3) einen Ventilteller mit nach unten vorstehendem Rande. In den durch diesen Rand gebildeten Hohlraum ist ein Dichtungsring aus unverkennbarem Material eingesetzt, der mittels Unterlagscheibe und Mutter leicht auswechselbar festgelegt wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 76

Die Vorzüge dieses und der in Fig. 1 und 2 beschriebenen Ventile bestehen im Wesentlichen in dem Fortfall der Nothwendigkeit einer genauen Bearbeitung des Schlussorganes und der Ventilsitzfläche, sowie in der Anordnung eines billigen, leicht auswechselbaren und von dem eigentlichen Ventilkörper unabhängigen Schliesstheiles, des Einsatzringes.

Da der Dichtungsring aus einem indifferenten Stoff hergestellt ist, so lässt sich das Ventil gleich gut für zur Förderung heisser und kalter Flüssigkeiten bestimmte Leitungen verwenden.

Textabbildung Bd. 306, S. 76

Ein Niederschraub- und Durchgangsventil für Leitungen mit hohem Druck und für Röhren von 10 bis 75 mm lichter Weite führt die Eeastwood Wire Mfg. Company in Belleville, N. J., aus (Fig. 4 und 5).

Der metallene Ventilkörper hat an dem wagerechten Stege zwei Sechskante, senkrecht zu demselben einen Schraubstutzen; über diesen ist die Stopfbüchsenüberwurfmutter gesteckt, welche den Ventilkörper nach oben abschliesst |77| und zugleich die Dichtung der Spindel bewirkt. Diese ist in die Kegelführung lose eingesetzt und wird darin durch den Ring f festgehalten. Am unteren Ende hat die Spindel eine Schraube, welche den kupfernen Kegel c mit der Kegelführung verbindet. Diese ist so ausgedreht, dass der konische Kegel sich fest an die Wandung d anlegen kann, an der er einen genügend kräftigen Rückhalt findet, um sich beim Anpressen an den Ventilsitz b nicht auszubiegen.

Der Ventilsitz ist abgeschrägt und wird von oben, unter Benutzung der vier Knaggen als Anschläge für den Schlüssel in den Ventilkörper eingeschraubt. Sitz und Kupferkegel sind steil konisch gestaltet. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass sich beide Theile beim Zusammenschrauben fest auf einander pressen, so dass eine gute Dichtung gewährleistet ist.

Textabbildung Bd. 306, S. 77

Der Gewindetheil der Ventilspindel schraubt sich in dem Gewindeansatz e der Ueberwurfmutter auf und nieder. Der Ansatz e ist aussen so abgedreht, dass die Kegelführung d an ihm einen sicheren Halt findet. Ein Schrägziehen des Kegels ist demnach unmöglich.

Das Absperrventil Duplex von A. Textor in Höchst a. M. (Fig. 6) mit selbsthätiger Entleerung (D. R. G. M. Nr. 53346) für Wasserleitungen soll die bei den seitherigen Absperrventilen aufgetretenen Wasserverluste ausschliessen, ebenso sollen Kellerüberschwemmungen für die Folge nicht mehr stattfinden, da das besagte Absperrventil nur die Wassermenge entleeren kann, welche im Rohrnetz zur Zeit der Entleerung vorhanden ist.

Das Hahngehäuse besitzt bei derselben Baulänge der seither gebräuchlichen Absperrventile unten einen cylinderförmigen Ansatz, in welchem sich ein Kolben mit Manschette auf und ab bewegen kann. Der Ventilsitz ist zum Cylinder ausgebildet, worin sich ein Kolben mit Manschette bewegt, welcher dichten Abschluss ermöglicht, beide Kolben sind unter einander verbunden und führen dieselbe Bewegung wie die Spindel aus.

Textabbildung Bd. 306, S. 77

Ist das Ventil geöffnet, so bleibt der Entleerungsausfluss geschlossen. Wird der Hahn geschlossen, so wird die Entleerungsöffnung bei fortgesetztem Drehen des Handrades erst dann freigegeben, wenn der Rand der oberen Manschette den Ventilsitz erreicht hat.

Fig. 7 und 8 zeigen das Doppelventil von Templer und Ranoe in zwei einander ähnlichen Anordnungen. Die beiden Ventile a und b werden mittels der Schrauben h entweder unmittelbar oder durch den Hebel d und Stein mittelbar geschlossen oder geöffnet.

Das Ventil a ruht auf den Stangen c. Bei der Eröffnung wird zunächst das Ventil b gehoben, die Einströmung findet von unten oder seitlich, die Ausströmung durch k statt. Die Einrichtung ist aus der Zeichnung vollständig zu ersehen.

Textabbildung Bd. 306, S. 77

Absperrventil von R. H. Leaker in Bristol (Englisches Patent Nr. 12666 vom 28. Juni 1893), Fig. 9. Die Ventilspindel c ist in ihrem unteren Theile als Hohlcylinder ausgeführt und hat oberhalb der Trennungswand im Gehäuse eine Anzahl Bohrungen a1. Die Wand b bildet um den Cylinder c eine Stopfbüchse und dichtet letzteren gut ab. Mit seinem unteren Rande setzt sich c auf eine ringförmige Dichtungsplatte im Bodendeckel d auf. Letzterer ist nach Lösen der Verbindungsschrauben leicht abzuheben und mit einer neuen Dichtung zu versehen. Dazu wird lediglich die Schraube d gelöst und die Unterlegscheibe mit dem Dichtungsringe abgehoben.

Textabbildung Bd. 306, S. 77

Das unter D. R. P. Nr. 91237 von Groignard in Marseille patentirte selbsthätige Absperrventil zeigt folgende Construction. In einem zweitheiligen Ventilgehäuse befindet sich ein von Hand einstellbarer Ventilkörper C (Fig. 9a). Letzterer ist mit zwei Kolben P und p von verschiedenem Durchmesser fest verbunden und befindet sich zwischen den beiden, in offenen Cylindern geführten Kolben. In der gewöhnlichen Offenstellung wird der Ventilkörper C von dem im Gehäuse herrschenden Druck festgehalten, aber beim plötzlichen Bruch des Rohres, nach der Auslasseite zu, schliesst sich das Ventil selbsthätig, weil dann der Druck in dem Raum J plötzlich sinkt.

Textabbildung Bd. 306, S. 77

D. R. P. Nr. 89549 schützt für Alexander Thomson Macfarlane in Glasgow und George Wallace Bryant in Gravesend, Kent, England ein selbstschliessendes Absperrventil.

Ein zum Durchlass des Druckmittels mit Oeffnungen versehener Kolben E (Fig. 10) und eine Ventilscheibe b sind beide von der Führungsspindel B unabhängig beweglich angeordnet, derart, dass bei einer durch einen Rohrbruch u.s.w. veranlassten Druckminderung ausserhalb |78| des Ventils der Kolben E gegen die Scheibe b gedrückt wird und dadurch das Druckmittel absperrt. Die Anordnung kann auch so getroffen werden, dass die Scheibe b an einer hohlen Spindel befestigt ist und der Kolben E durch eine im Innern dieser Spindel drehbar angeordnete Spindel in seinen Endlagen festgelegt werden kann.

Textabbildung Bd. 306, S. 78

Selbstschliessendes Ventil mit oder ohne Nebenauslauf von Joh. Georg Rosenstingl in Wien (D. R. P. Nr. 66245), Fig. 11. Das Ventil k ist mit dem Kolben durch eine hohle Stange verbunden, welche mit Spielraum in die Büchse passt. Der Raum unter dem Kolben steht durch eine Bohrung mit demjenigen unter dem Ventile k in Verbindung. Wenn die Spindel o mittels des Handrades h so gedreht wird, dass sie entweder unmittelbar oder durch ein Nebenventil die Bohrung verschliesst, füllt sich der Raum unter dem Kolben mit Wasser aus dem Hauptrohre und das Ventil k wird geöffnet. Lässt man das Rad h los, so wird es durch sein Gegengewicht g wieder in die ursprüngliche Lage gedreht. Dadurch wird die Bohrung b wieder frei gegeben; das Wasser unter dem Kolben a fliesst ab und das Ventil k schliesst sich.

Textabbildung Bd. 306, S. 78

Das selbstschliessende Wasserleitungsventil mit hydraulischer Bremsung von Lambert Hüll in Cöln (D. R. P. Nr. 67413), Fig. 12, hat zwei ungleich grosse, mittels eines hohlen Kolbenkörpers c verbundene Kolben d und e, von welchem der grössere, die Leitung abschliessende Kolben d mit einem kegelförmigen, die Einströmungsöffnung allmählich verengenden Kopfe versehen ist, während der kleinere, die Bremsung bewirkende Kolben e ein undicht schliessendes Rückschlagventil trägt. Die Füllung der hinter diesem Kolben befindlichen Bremskammer erfolgt beim Niederdrücken des Ventils durch den hohlen Kolbenkörper c hindurch mittels der Einströmungslöcher und des Rückschlagventils.

Eine doppelsitzige Absperrvorrichtung an Dampfventilen für Dampfpumpen von der Foster Engineering Co. in Newark, N. J. (Fig. 13), ist durch die Stange g einerseits mit dem Entlastungskolben h, andererseits unter Vermittelung der Stangen f mit dem Hebel d verbunden. Der letztere spielt in einem Schlitzstücke i und ist durch das Gewicht e so belastet, dass er bei geöffnetem Ventile ungefähr eine wagerechte Lage einnimmt, also im Schlitze sowohl oben als auch unten ganz frei ist. Wenn der Wasserdruck im Druckrohre über eine bestimmte Grenze hinausgeht, wird der Kolben b, da sein Cylinder durch die Leitung a mit dem Druckrohre verbunden ist, in die Höhe gehen und mittels des Schlitzstückes i den Hebel d aufwärts bewegen, dadurch das Ventil schliessen. Dann wird der Dampf abgesperrt und die Dampfpumpe bleibt so lange stehen, bis der Wasserdruck wieder heruntergeht und der Kolben b unter dem Einflüsse des Gewichtes e den Hebel d freigibt.

Textabbildung Bd. 306, S. 78

Der selbsthätige Verschluss für Hauswasserleitungen von Carl Fromm in Stuttgart (Fig. 14 und 15) dient gleichzeitig zur Wasserentnahme und zur selbsthätigen Entlüftung der Leitung beim Schliessen des Haupt- und Oeffnen des Ablasshahnes.

Während bisher nach dem Schliessen des Haupthahnes stets Zapfhähne geöffnet werden mussten, um die Leitung zu entlüften, ist dies bei Verwendung des neuen Verschlusses nicht mehr nöthig.

Der Verschluss besteht aus dem Gehäuse A, das an ein Kniestück der Wasserleitung angeschraubt wird. Im unteren cylindrischen Theile des Gehäuses A führt sich das oben geschlossene Rohr B, das oben mit seitlichen Oeffnungen b versehen ist. Das Rohr trägt oben eine Platte D mit Lederdichtung, die sich bei niedergesunkenem Rohr B auf den Ventilsitz des Gehäuses A legt und den Wasserauslass bezieh. Lufteinlass absperrt.

Textabbildung Bd. 306, S. 78

Das Rohr B trägt zwei Bünde b1b1, zwischen welche die Zapfen des das Rohr gabelartig umlassenden, an Armen des Gehäuses A um einen wagerechten Zapfen drehbaren Hebels C greifen. Der Griff dieses Hebels ist so schwer, dass er das Rohr B durch sein Gewicht hochhebt. Für gewöhnlich, bei geschlossenem Haupthahn, wird das Rohr B durch den Wasserdruck niedergedrückt, so dass die auf dem Ventilsitz liegende Platte D den Ausfluss verschliesst. Will man Wasser entnehmen, so ist der Handhebel niederzudrücken, wodurch das Rohr B gehoben wird. Dabei werden die seitlichen Oeffnungen b des Rohres frei und das Wasser kann durch sie und das Rohr ausfliessen. Sobald der Hebel losgelassen wird, drückt das Wasser das |79| Rohr B wieder nieder, wodurch die Oeffnungen b geschlossen und der Wasserausfluss abgesperrt wird.

Als Entlüftungsventil wirkt der Verschluss in folgender Weise: Wenn der Haupthahn geschlossen und der Ablasshahn geöffnet wird, so wird das Rohr B vom Wasserdrucke befreit. In Folge dessen wird es durch das Uebergewicht des Hebelgriffes hochgedrückt, die Oeffnungen b werden frei, so dass durch sie Luft eintreten und die Leitung sich entleeren kann. Es ist daher ein Einfrieren der Leitung ausgeschlossen.

Ein Ventildurchlauf- und Haupthahn mit selbstthätiger Entleerung ist der Actiengesellschaft für Metallindustrie F. Butzke und Co. durch D. R. P. geschützt worden; dasselbe gestattet einerseits einen langsamen rückschlagfreien Schluss, andererseits aber findet bei der Schlusstellung des Hahnes eine selbstthätige und sichere Entleerung der Leitung statt. Auch ist die Möglichkeit gegeben, dass selbst bei einer nur geringen Oeffnung des Hahnes ein Verlust an Druckwasser durch die Entleerung nicht eintritt.

Textabbildung Bd. 306, S. 79

Die durchbohrte Hahnspindel (Fig. 16) ist an ihrem unteren Theile erweitert. In diese Erweiterung ist ein Gusstück c, welches mit Bohrungen d und z, sowie dem Ventilsitz f versehen ist, eingeschraubt. Auf den Sitz f wird durch die Feder h das Ventilchen i aufgepresst, wodurch verhindert wird, dass im geöffneten Zustande des Hahnes Druckwasser sich entleeren kann. Beim Niederschrauben der Hahnspindel wird das Lederventil k auf seinen Sitz l gepresst und sperrt den Zutritt des Wassers ab. Gleichzeitig wird Ventil i mit der Dichtung g, welches mit k in fester Verbindung steht, von seinem Sitz f abgehoben, und das aus der Gebrauchsleitung zurücktretende Wasser findet seinen Ausweg durch d hindurch in den erweiterten Spindeltheil und von da durch die Spindelbohrung H in die Abflussleitung.

Textabbildung Bd. 306, S. 79

Dieser Selbstentwässerungshahn lässt sich besonders bei Zapfstellen auf Höfen u.s.w. mit Vortheil verwenden, indem man denselben innerhalb des Gebäudes anbringt, da alsdann der Auslauf vor dem Einfrieren durch die selbsthätige Entleerung geschützt ist.

Ein Niederschraubventil von Hugo Schnoring in Barmen-Wupperfeld mit vom Hauptventil geöffnetem Rückschlagventil (D. R. P. Nr. 81077) zeigt folgende Construction: Beim Oeffnen des Hauptventils b (Fig. 17) wird das Rückschlagventil d durch einen an der Ventilspindel des ersteren befestigten Kegel c ebenfalls geöffnet, beim Schluss des Hauptventils aber selbsthätig durch den Dampf- bezieh. Flüssigkeitsdruck geschlossen, zum Zweck der Erzielung eines sicheren Abschlusses der Leitung und Entlastung des Hauptventils.

Textabbildung Bd. 306, S. 79
Textabbildung Bd. 306, S. 79

Unter Nr. 54296 ist E. Biega in Breslau ein Wasserleitungsventil patentirt, bei welchem ein doppelter Abschluss dadurch bewirkt wird, dass ein Glockenkolben d (Fig. 18) mit seinem Rand über einen Vorsprung g des Einlaufstutzens e sich schiebt, während auf dem Rand des letzteren die Decke des Glockenkolbens sich aufsetzt.

Bei dem Niederschraubventil mit regelbarem Hub und getheilter Spindel von Theod. Lüsebrink in Hagen i. W. (D. R. P. Nr. 87399) ist die Spindel des Niederschraubventils getheilt und der eine Theil C (Fig. 19) in einer im anderen Theil B verschraubbaren Büchse D längsverschieblich gelagert, und zwar so, dass der Hub verändert werden kann.

Das neue von Schaeffer und Oehlmann in Berlin construirte einstellbare Regulirventil (Fig. 20) ist für Heizungsanlagen berechnet und kann sowohl für Warmwasser-, als für Dampfheizungen Verwendung finden.

Textabbildung Bd. 306, S. 79

Das Ventil wird von zwei selbständigen Ventilen gebildet, deren Kegel einen gemeinschaftlichen zweiseitigen Kegelsitz haben. Jedes dieser Ventile ist für sich unabhängig vom anderen in Bezug auf den Durchgangsquerschnitt regulirbar. Das untere Ventil wird bei der Inbetriebsetzung des Heizkörpers ein für allemal so regulirt, dass nicht mehr Dampf (oder warmes Wasser) passiren kann, als die Maximalcondensation oder der grösste Wärmeverbrauch des Körpers erheischt. Nachdem das untere Ventil eingestellt ist, wird das Vierkant desselben durch die runde, am Rande geriffelte Kapsel verschlossen, womit das Ventil für den Nichtfachmann unberührbar gemacht ist. Die Insassen des Zimmers, in welchem das Ventil aufgestellt ist, sind lediglich auf die Benutzung des oberen Ventiles angewiesen. Dasselbe kann mittels Handrades bethätigt |80| und dem jeweiligen Wärmebedarf entsprechend eingestellt werden, ohne dass dadurch die Regulirung und Thätigkeit der Gesammtanlage irgendwie beeinflusst werden könnte.

Zur Erleichterung der Einstellung ist auf dem Handrad eine Ziffernreihe eingegraben und über der unteren Mutter sitzt ein fester Zeiger, welcher das Einstellen des Handrades auf eine beliebige Zahl ermöglicht. Bei einer zweiten Ausführungsform ist das Handrad durch einen zeigerartig ausgebildeten Griff ersetzt. Die Scala befindet sich in diesem Falle auf der durch zwei feste Stützen gehaltenen obersten Platte.

Es mögen hier noch einige andersartige Ventile Erwähnung finden:

Textabbildung Bd. 306, S. 80

Die Fig. 21 veranschaulicht ein selbsthätiges Lufteinlassventil, das sich (nach Metallarbeiter) Otto Borkmann in Berlin durch D. R. G. M. Nr. 17059 hat schützen lassen. Das Ventil soll für Badeöfen, Destillationsblasen u.s.w. Verwendung finden, um darin die Entstehung eines Unterdrucks oder einer Luftleere zu verhüten; das Ventil hindert aber die Bildung eines beliebig hohen Druckes nicht.

Das Ventilgehäuse, das mit einem Schraubenstutzen in bekannter Weise an der Wandung des Gefässes befestigt wird, besteht aus zwei Theilen, nämlich aus dem vasenförmigen a und dem deckelartig darübergeschraubten Theil b. In dem Untertheil a ist schräg nach abwärts gerichtet der Kanal d angeordnet. Dieser Kanal ist unten mit der Aussenluft in Verbindung und bildet oben den Ventilsitz, worauf eine Gummiplatte c liegt. Diese liegt ferner in einer den Ventilsitz umgebenden, pfannenartigen Erweiterung. Die Pfanne verhindert, dass die Gummiplatte seitlich von dem Ventilsitz herabfällt. Die Gummiplatte muss ferner nach oben genügend Spielraum haben. Beim geringsten Unterdrück in dem Gefässe hebt der äussere Ueberdruck die Platte c, so dass Luft eintritt und der Ueberdruck beseitigt wird. Wächst der Druck im Innern des Gefässes, so wird die Platte c fester gegen ihren Sitz gedrückt, und es ergibt sich ein dichter Abschluss nach aussen.

Bei diesem Ventil ist es wichtig, dass der Ventilsitz und die Gummiplatte c leicht zugänglich sind, indem man nur nöthig hat, den Obertheil b abzuschrauben. Die Mündung e des Kanals nach aussen hat ferner eine so günstige Lage, dass der Eintritt von Schmutz bestens verhindert wird. Das Ventil ist ferner gegenüber den bisher bekannten Ventilen sehr einfach, indem Hebel, Federn und dergleichen Hilfsmittel ganz fehlen.

Textabbildung Bd. 306, S. 80

Ein leicht einzubauendes Ventil, bei welchem auch das Nachsehen bezieh. Auswechseln leicht zu bewirken ist, hat die Belknap Mfg. Co. in Bridgeport, Con., angegeben. Wie Fig. 22 zeigt, ist dasselbe zwischen zwei Flanschen eingeschraubt. Das Anschlusstück führt entweder in derselben Richtung weiter oder ist als Winkelstück angeschlossen. Fig. 23 zeigt dasselbe Ventil zwischen Schraubenmuffen eingespannt.

Textabbildung Bd. 306, S. 80

Ein sehr einfaches Rückstauventil mit Kupferschwimmerkugel (Fig. 24), welches allen Anforderungen eines selbsthätigen Rückstauventils entspricht, ist G. Kettmann in Berlin SW. als Gebrauchsmuster Nr. 31517 geschützt. Die Grössenverhältnisse sind so gewählt, dass eine Verstopfung oder Versagen ausgeschlossen sein soll. Die Querschnitte des Ventils sind folgende: Ventilsitz 38 qc, Ventilkammern 170 qc, Ausgang der Ventilkammern 104 qc, Schwimmerkugel 48 qc. Die Schwimmerkugel wird aus starkem Kupferblech hergestellt, abgedreht und geschliffen.

Selbsthätiges Rückstauventil. Es kommt sehr häufig vor, dass bei Hochwasser oder plötzlichen starken Regengüssen die Sielstauwasser durch die Hausleitungen in die Wohnungen eintreten. Als Schutzmittel gegen derartige Unfälle bringt die Fabrik sanitärer Artikel von C. Behn ein selbsthätiges Rückstauventil für Entwässerungsanlagen in den Handel.

Die Sielabschlüsse versagen bekanntlich vielfach oder erfordern bei Eintreten der Wassersgefahr ein Zuschrauben mittels Aufsteckschlüssels. Vorausgesetzt, dass die Gefahr rechtzeitig bemerkt und die Schliessung der Schieber vorgenommen wird, so ist man noch nicht sicher, dass derselbe auch abschliesst, denn in den meisten Fällen sind die Schieber eingerostet. Sodann setzen sich gewöhnlich fremde Körper unter die Schieber, so dass ein sicherer Abschluss nicht zu erreichen ist.

Diesen Uebelständen hilft in einfacher Weise das Rückstauventil von C. Behn in Hamburg (D. R. P. Nr. 71776) ab.

Textabbildung Bd. 306, S. 80

Fig. 25 und 26 zeigen das Ventil, a ist das Sielrohr aus Gusseisen, dessen Einlauf eine Verengung b besitzt; c ist die um einen Zapfen drehbare, aus Hartgummi hergestellte, mit einem Dichtungsringe e versehene Abschluss-Klappe, welche durch Stauwasser gegen die Verengung b gepresst wird; f ist ein Hohlraum, welcher bewirkt, dass beim Eintritt des Wassers das Ventil sich leicht hebt und dem abfliessenden Wasser mit den darin enthaltenen Substanzen leichten Durchgang gestattet. Bei dem Eintritt des Stauwassers kann die Klappe nicht in schwimmende Lage kommen, es befinden sich zu dem Hohlraum f zwei Oeffnungen, welche das Eindringen des Wassers gestatten und die Klappe derartig beschweren, dass sie stets in geneigter Richtung bleibt und beim geringsten Druck des Abflusswassers sich öffnet bezieh. beim Gegendruck des Stauwassers sich schliesst. Das Ventil arbeitet selbsthätig, sowohl beim Durchlassen des Wassers, als auch beim |81| Abschluss gegen Stauwasser, und sind Verstopfungen ausgeschlossen. Zugleich wird das Eindringen der schädlichen Sielgase in die Haussielleitungen verhindert und ein sicherer Schutz gegen die Rattenplage erzielt.

Sämmtliche Befestigungs- und Verdichtungsschrauben sind aus Messing hergestellt und daher leicht zu öffnen.

Textabbildung Bd. 306, S. 81

Das Rückschlagventil a der Crane Company in Chicago, III. (Fig. 27 und 28), ist kolbenförmig und hat nur in der cylindrischen Fläche Oeffnungen zum Durchgange der Flüssigkeit. Es ist mit der Kurbel c durch die eigenthümlich geformte Stange b gelenkig verbunden und wird vom Gewichte d am senkrechten Hebel in der geschlossenen Stellung gehalten. Wenn der Druck der Flüssigkeit unter dem Ventile a steigt, wird dieses gehoben, wobei es einen im Verhältnisse wachsenden Durchgangsquerschnitt bietet, damit die Flüssigkeit (Dampf, Wasser u.s.w.) nach oben entweichen kann.

(Fortsetzung folgt.)

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Vgl. Bach's Maschinenelemente S. 659.

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