Titel: Gasglühlichtbrenner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 97–100)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306029

Gasglühlichtbrenner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 73 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 306, S. 97
Textabbildung Bd. 306, S. 97

Von den Ausführungsbeispielen des Brenners von Horwitz und Saalfeld62) sei hier eines erwähnt (Fig. 90). Das Gas-Luftgemisch wird von Röhren c zu dem Raum a geführt, welcher von dem oben gelochten Ring b abgedeckt ist. Ins Innere des Flammenringes gelangt die Luft durch die Löcher d. Der Glühkörper ist übrigens auf einer Platte i (aus Asbest, Glimmer o. dgl.) aufgehängt. Sugg (Fig. 91)63) setzt in primitivster Weise in den Brennerkopf a Luftzuleitungsrohre b ein, welche in den senkrechten Stutzen c einmünden; d ist ein Zündrohr. Martini64) stellt in gleichfalls nicht neuer Weise die Verbindung des Brennerkopfes a mit dem Brenneruntertheil b durch Röhrchen c her. In den Brennerring a ist eine Hülse d eingesetzt. welche die Luft durchlässt und mittels Siebes den Glühkörperträger hält. Der Argand-Brenner, welcher einen Ring von Röhrchen trägt, ist hier anzuschliessen.65)

Textabbildung Bd. 306, S. 97
Textabbildung Bd. 306, S. 97

Es erübrigt noch, einiger unwesentlicher, von der Praxis nicht aufgenommener Brennerkopfformen zu gedenken, welche nur eine Berechtigung haben, wenn die Erzielung grösserer Mäntel der Flammen bei gleichbleibenden Volumina derselben ihr Zweck ist. Für Heizgase im Allgemeinen flachen Schumann und Küchler in einer alten Construction66) (Fig. 93) die Brennerdüse d flach ab und bilden den Austritt b als Schlitz aus. Ein Steg a soll das Gas gleichmässig auf den Schlitz vertheilen. Oft ist auch der Schmetterlingsbrenner für Glühlichtzwecke in Vorschlag gekommen, wie in der in Fig. 94 skizzirten Ausführung, bei welcher die Verwendung carburirter Luft zum Heizen gedacht wird. Die Pariser Société anonyme des brevets étrangers de l'héliogène (irradiateur à gaz)67) verbindet zur Erzeugung eines Flachbrenners den Schnittbrenner als Gasdüse mit einem platt gedrückten Brenner, an sich bekannte Elemente.

Textabbildung Bd. 306, S. 97
Textabbildung Bd. 306, S. 97
Textabbildung Bd. 306, S. 97

Der Schwalbenschwanzbrenner ist im Falle der in Fig. 95 und 96 dargestellten Ausführungsform in einen Rohrstutzen eingeschraubt, der mit der Gasleitung verbunden ist. Der äussere Theil dieses Rohrstutzens ist mit Schraubengewinde versehen zum Aufschrauben der Mischkammer B. Letztere hat ungefähr die Form eines zusammengeknifften Kugelabschnittes. In die innen hohle Mischkammer strömt die Luft durch die Oeffnungen b ein. Am oberen Theil C verengert sich die Mischkammer, so dass ein schmaler Schlitz von überall gleicher Weite gebildet wird, welche dem Gasverbrauche des Brenners proportional ist. Wenn der Brenner z.B. 25 l bei einem Druck von 10 mm verbraucht, muss der Schlitz bei einem Druck von 4 mm genügend breit sein, um das Vierfache dieses Volumens durchtreten zu lassen. Solche Brenner setzen natürlich, flache Glühkörper voraus. Mehr als die Herstellung bereitet aber das Anpassen derselben an die jeweiligen Flammenformen Schwierigkeiten und damit ist schon das Schicksal dieser Flachbrenner entschieden. Das Nämliche gilt von |98| dem Flachbrenner nach Bandsept (Fig. 96a).68) Hier bilden die Oeffnungen eine Zange, welche vom Sieb m nach innen abgedeckt ist. Seitlich tritt noch Luft zu, b ist die Flamme. Interessant ist noch der Vorschlag Bandsept's, in die Brennermündung eine Schraube a (Fig. 96b) bezieh. eine Schraube a und Mutter b (Fig. 96c) mit entgegengesetzten Windungen einzusetzen, wodurch eine sich drehende und den Glühkörper bestreichende Flamme gebildet werden soll.

Textabbildung Bd. 306, S. 98

In Wechselwirkung mit dem Kopfe oder auch unabhängig von demselben beeinflusst auch die von dem Zugglase eingesaugte, zur Verbrennung bestimmte Luft die Flamme. Die Geschwindigkeit des Luftzuges im Cylinder bezieh. am Glühkörper ist nicht ohne Belang; ein starker Zug zieht die Flamme in die Länge, formt sie schlank und reisst den Glühkörperrand auf; ein schwacher Strom lässt mehr den Brennerkopf allein wirken. Es ist deshalb in Fig. 97 der Luftzulass von unten, wie es ja üblich ist, durch eine mit Durchlässen a versehene Hülse b verdeckt; die ersteren können durch einen Regulirschieber c mit Grifft nach Belieben verkleinert werden. Deimel69) (Fig. 98) ordnet den Cylinder B am Gestell verstellbar an; Klammern d dienen zum Feststellen. Es soll ermöglicht werden, Luft zum Brennerkopf seitlich zuzulassen.

Textabbildung Bd. 306, S. 98

In einer anderen Ausführung70) (Fig. 99) setzt Deimel noch ein zweites Glas A um den Cylinder B. Abgesehen davon, dass hierdurch ein Windstoss in seiner Wirkung abgeschwächt wird, wird die Luft nicht zum ganzen Brennerkopf, sondern nur etwa zur Flammenwurzel zugelassen. Im Uebrigen ist das Gestell c mit einem Schutzdach a abgedeckt. Der Glühkörperhalter b ist verstellbar am Gestell c. Die Schlitze s des Brennerkopfes verlaufen gekrümmt. Auch Schott71) lässt von unterhalb der Krone keine Luft zum Brenner; dieselbe tritt vielmehr durch am Umfange des Cylinders angeordnete Löcher, deren Gesammtquerschnitt gleich der Hälfte desjenigen des Zugglases ist. Ob dadurch die Wirkung bis auf eine Hefner-Kerze für 1 l Gasverbrauch gesteigert wird, mag dahingestellt bleiben. Unklar ist aber der Zweck des von Howard angegebenen Einsatzes a (Fig. 100).72) Derselbe besteht aus gefärbtem oder ungefärbtem Glas, ist aussen konisch und gerippt oder sonstwie verziert, innen dagegen glatt cylindrisch; er soll den Luftzutritt verengen, so dass auch plötzlich stark bewegte Luft (Luftzug) nicht in das Innere übertragen wird. Der Erfinder vergisst, dass, wenn der Glühkörper zwischen den Einsatz a und den Brenner b eingehängt wird, gerade der Rand des Mantels in einen verstärkten Zug gelangt, also bald aufreissen dürfte.

Textabbildung Bd. 306, S. 98

Steigerung der Flammentemperaturen.

Für die Steigerung der Flammentemperatur eines Brenners stehen im Wesentlichen zwei Mittel zur Verfügung, nämlich die Vorwärmung der Verbrennungsstoffe und das Gebläse.

Textabbildung Bd. 306, S. 98

Gas und Luft vorzuwärmen, hat man namentlich in der Zeit des Magnesia- und Zirkonlichtes versucht. Da die Anfangstemperatur der Medien die Verbrennungstemperatur beeinflusst, andererseits aber die Flammenhitze mit dem Grade des Glühens der Leuchtstoffe in Beziehung steht, so sind die gemachten Versuche zu rechtfertigen, selbst wenn sie zu praktisch verwerthbaren Ergebnissen nicht geführt haben. Ausser den bereits mitgetheilten Constructionen73) sei als eine ältere die von Clamond74) herrübrende erwähnt (Fig. 101). Hier ist D das Luft-, E das Gaszuführungsrohr; um Magnesia-, Kalk- oder Zirkonkörper zum Leuchten zu bringen, ohne Anwendung von Sauerstoff, soll die Luft auf etwa 1000°, und zwar durch directe Beheizung der Leitung vorerhitzt werden. Zu diesem Zweck besteht der zur Anwendung kommende Apparat zunächst aus dem centralen Leitungsrohr C für die intensive Erwärmung der Verbrennungsluft. Dasselbe ist in Abtheilungen getheilt, welche der durch Rohr D eintretende Luftstrom passiren muss; dadurch wird die Luft mit den heissen Wandungen des von aussen geheizten Rohres C in vielfache Berührung gebracht. Zur Erhitzung dieses Rohres dienen mehrere Hilfsbrenner M. Dieselben sind gleichfalls in Kammern N getheilt und werden von je einem Gas- und Luftzuführungsrohr L bezieh. K durchzogen. Beide sind unten geschlossen und besitzen seitliche Oeffnungen o und p für jede der Kammern N, so dass |99| aus den Oeffnungen s der letzteren Flammenbündel herausschlagen, welche die Erhitzung des Rohres C bewirken. Das Rohr C trägt unten einen ringförmigen hohlen Körper R, in welchen das Gas durch Rohr G geleitet wird; dasselbe mischt sich hier mit der aus Rohr C tretenden heissen Luft und trifft, aus der unteren Oeffnung S als äusserst intensive Flamme heraustretend, den zu erhitzenden, ins Glühen zu versetzenden Magnesiakörper I. In einer anderen, abgeänderten Ausführung wird die Einrichtung für einen Magnesiakörper getroffen.

Weniger umständlich, aber ebenso unglücklich verfährt Somzée75) (Fig. 102), welcher in das vom Gas durchflossene Rohr B ein zweites C einsetzt und in dieses einen Brenner L. Letzterer soll während des Betriebes brennen und das Gas zwischen B und C erhitzen. Die Verbrennungsproducte werden naiver Weise dem in die Mischkammer A durch O eintretenden Gas und der durch l eingesaugten Luft beigemischt. Die Kammer A besitzt überdies weitere, durch Regler P versehliessbare Lufteinlässe und in den Brennerkopf sind Röhrchen eingesetzt.

Textabbildung Bd. 306, S. 99

Rationeller erscheint die Vorwärmung durch die Betriebsflamme selbst, sei es durch die Wärme der abziehenden Verbrennungsproducte, sei es durch Leitung. In Fig. 10376) erhitzt der Brenner a den aus Fäden bestehenden Glühkörper b. Er wird von einem theils metallenen, theils gläsernen Doppelmantel de umschlossen, durch welchen die Luft streichen muss, die von dem aus Rohr c tretenden Gas angesaugt wird. Offenbar könnte ebenso gut der Schornstein das Saugen bewirken, an dessen Stelle aber auch ein Ventilator treten, der die Luft einpresst. Die mit der Erwärmung steigende Ausdehnung von Gas und Luft wird als Hinderniss stets zu beachten sein. Durch Leitung soll Gas vorgewärmt werden, indem zwischen Düse a (Fig. 104)77) und Leitung b ein metallener Erhitzer c eingeschaltet wird, welchen das Gas auf dem durch die Pfeile angedeuteten Wege durchstreichen muss. Bei dem Brenner nach Fig. 10578) ist in den Kopf selbst ein Recuperator B in Sternform, als Spirale o. dgl. eingesetzt, welcher das Gas-Luftgemisch erhitzt. Ein Konus K soll die Flamme nach aussen treiben.

Textabbildung Bd. 306, S. 99

Mit günstigeren Factoren kann die Pressgasbeleuchtung rechnen, bei welcher Gas oder Luft (bezieh. andere Mittel) allein oder beide gemeinsam unter übernormalen Druck gesetzt werden. Durch hydraulische, elektrische oder andere Maschinen angetriebene Ventilatoren geben hierfür geeignete Hilfsmittel ab.79) Die Popp'che Beleuchtung hatte auf diesem Wege in früheren Zeiten Bemerkenswertes geleistet. Pintsch u.a. haben das Verfahren später für die Glühkörper Auer'scher Art verwendet. Neuerdings benutzt man zur Erzeugung des Ueberdruckes die bekannten Wasserstrahlpumpen, welche von der Hauswasserleitung bedient werden. Eine Combination zeigt Fig. 106.80) Es bläst der Ventilator a Luft durch die Düse b des Injectors c; dieser saugt seinerseits Gas durch die Uhr d an und das Gemisch fliesst in die Leitung e, an welche gewöhnliche Brenner f für De Mare und ähnliche Glühkörper angeschlossen sind.

Textabbildung Bd. 306, S. 99
Textabbildung Bd. 306, S. 99
Textabbildung Bd. 306, S. 99

Von den der Pressgasbeleuchtung dienlichen Brennern selbst sei die Construction von Cougnet81) angeführt (Fig. 107). Die Pressluft tritt durch das Rohr v, das Gas durch das Rohr C ein. Da wo das Luftrohr v in das Gasrohr C ausmündet, treffen noch seitliche Luftrohre o auf, durch welche zur Vervollständigung der Mischung noch Luft angesaugt wird. Auf der Kappe d sitzt der eigentliche Brenner, der wie ein Bunsen-Brenner eingerichtet sein kann, de Brouwer stellt die Luft- und Gasrohre gemäss Fig. 108 her. Der Cylinder a, welcher sich an der Basis verbreitert, ist an der Unterseite durch eine mit Löchern d versehene Wand abgeschlossen. Durch die Mitte dieser Wand führt ein Rohr b, welches die Luft zuführt und dicht oberhalb derselben mündet. Das Gaszuführungsrohr c tritt seitlich durch den Cylinder a ein wenig oberhalb der Ausmündung des Rohres b so ein, dass beide Rohre nach Art eines Zerstäubers rechtwinkelig zu einander stehen. Der Luft- und Gaszufluss wird auf bekannte Weise durch Abstellhähne oder auf andere Weise geregelt. Der Glühkörper wird in dem oberen Theile des Brenners auf bekannte Weise angeordnet. Auf die an dieser Stelle bereits besprochenen Brenner von Lewis sei beiläufig hin |100| gewiesen. Hierher gehört auch ein eigenartiger, wenig bekannt gewordener82) Gas-Luftbrenner. Derselbe (Fig. 109 und 110) besteht aus dem gusseisernen Schlitzrohr a mit Ventilatorlufteinführungsrohr b, den Rohrträgern c und dem Gaseinführungskörper d mit dem durchlöcherten schmiedeeisernen Rohr e als Achse. d hat auf den senkrecht gerichteten Flächen kleine Löcher, durch welche das Gas in das Schlitzrohr a tritt. Das perforirte Rohr e ist auf der einen Seite offen, auf der anderen Seite ist ein der Länge nach durchbohrter Zapfen eingesetzt, auf welchem die Riemenscheibe sitzt. Die Lagerung in den Rohrträgern c ist durch Packung und Stopfbüchse abgeschlossen.

Textabbildung Bd. 306, S. 100
Textabbildung Bd. 306, S. 100

Die eine Stopfbüchse ist behufs Anschlusses an die Gasleitung stutzenförmig ausgebildet. Im Innern des schmiedeeisernen Rohres e liegt ein dünnes kupfernes Schieberohr f und mit demselben correspondirend der Aussenhebel g, durch dessen Drehung die Flammenbreite regulirt wird. Durch Rotation des Einströmungskörpers d im Sinne des eingezeichneten Pfeiles überwindet das Gas in Folge der centrifugalen Schleuderung den Ueberdruck vom Ventilator und Nachdruckgebläse und tritt in das Schlitzloch ein. Der Gaseinführungskörper dient aber auch gleichzeitig als mechanisches Rührwerk, indem er das Gas mit der Luft innig vermischt. Dieses Product von Gas und Luft gelangt zum Ausströmungsschlitz, wo es, entzündet, eine intensive Stichflamme gibt.

(Fortsetzung folgt.)

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Schw. Patent Nr. 8723.

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Brit. Spec. Nr. 6870/1895.

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Brit. Spec. Nr. 13658/1896.

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Brit. Spec. Nr. 14942/1896.

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D. R. P. Nr. 33152.

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D. R. P. Nr. 86451.

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Bulletin de la société d'encour., 1896 S. 494.

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D. R. P. Nr. 88839.

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Brit. Spec. Nr. 16642/1895.

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Cosmos, 1897 S. 226.

|98|

Brit. Spec. Nr. 7955/1896.

|98|

Vgl. Gentsch, Gasglühlicht.

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D. R. P. Nr. 16640.

|99|

D. R. P. Nr. 27484.

|99|

Brit. Spec. Nr. 5354/1887.

|99|

Brit. Spec. Nr. 15268/1895.

|99|

Brit. Spec. Nr. 6690/1895.

|99|

D. R. P. Nr. 29420.

|99|

Brit. Spec. Nr. 11820/1895.

|99|

D. R. P. Nr. 12441.

|100|

D. R. P. Nr. 37905.

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