Titel: Gasglühlichtbrenner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 121–124)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306035

Gasglühlichtbrenner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 97 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Combinationen.

Die Unsicherheit, welche in Bezug auf die Lichtentwickelung seit Einführung des zerbrechlichen Glühkörpers geherrscht hat, zum Theil auch jetzt noch nicht wegzuleugnen ist, hat naturgemäss Bestrebungen gezeitigt, welche dahin zielen, den Glühlichtbrenner beim Ausfall des Leuchtkörpers aus einem Heiz- in einen Leuchtbrenner verwandeln zu können. Es erfordert ja keine schwierigen baulichen Maassnahmen, um in den üblichen Glühlichtbrenner einen Leuchtbrenner einzusetzen und beide durch einen geeignet gebohrten Hahn bedienen zu lassen. Ebenso einfach könnte der leuchtende Argand-Brenner über den Heizbrenner geschoben werden.

Textabbildung Bd. 306, S. 121

In Fig. 111 und 112 ist eine englische, wenig bekannt gewordene Construction83) skizzirt, welche sich dem Argand-Brenner anpasst. Wenn, wie in Fig. 111 angedeutet, das hohle Hahnküken f so gedreht ist, dass die Oeffnungen g geschlossen sind, so geht das Gas aus der Düse d in den Kanälen e zum Rohr k, ohne Luft anzusaugen; es tritt also allein in den Ringbrenner c und leuchtet selbst. Werden hingegen die Durchlässe gi zur Deckung gebracht, so kann der aus der Düse d austretende Gasstrahl durch gi streichen und beim Passiren des Kükens f Luft ansaugen; es wird eine Heizflamme vorbereitet. In dem einen Fall (Fig. 111) ist der Brennerkopf c auf einen tulpenförmigen Körper a aufgesetzt, in dem anderen (Fig. 112) nur mit Armen a1 verbunden, so dass die Luft auch in der Mitte zum Brennerkopf hochsteigen kann. Der Stutzen b dient zur Aufnahme des Glühkörperträgers. Es ist ohne weiteres verständlich, dass hier nur die Luftabsperrung die Umwandlung des Brenners aus dem einen in das andere System bewirkt. Auf eine Anpassung des Kopfes auf die durch die verschiedenen Bedingungen vorgeschriebenen Verhältnisse ist hier nicht eingegangen worden; damit dürfte aber eine Fehlconstruction geschaffen sein.

Eine andere, gleichfalls bedeutungslose Combination zeigt Fig. 113.84) Den Halter bildet eine Kappe a, welche auf dem Ende des Trägers b aufgeschraubt ist. Der letztere ist im Brenner stellbar und ist ein Rohr, welches oben eine Brenneröffnung besitzt, mit dem Fuss c hingegen in das Mischrohr d eingeschraubt werden kann. Ist der Strumpf untauglich geworden, so nimmt man die Kappe a ab, schraubt den Fuss c in das Rohr d und schliesst den Luftzutritt zur Mischdüse, wonach der Brenner in einen Leuchtbrenner verwandelt ist.

Textabbildung Bd. 306, S. 121
Textabbildung Bd. 306, S. 121
Textabbildung Bd. 306, S. 121

Es sei auch der früher in Frankreich ausgebildet gewesenen Vereinigung des Argand-Brenners mit dem Leuchtgas-Sauerstoffbrenner gedacht. Diese von Delaporte85) herrührende Construction (Fig. 114) besteht in dem nur für Leuchtgas bestimmten Ringbrenner d und dem für dieses und Sauerstoff bestimmten Brenner hf. Das Hahnküken g ist derart gebohrt, dass es, abgesehen von der Schlussstellung, die Verbindung des Gasanschlusses e entweder mit dem zum Brenner d führenden Kanal a oder mit der den Brenner f versorgenden Zuleitung b herstellt; in dem letzteren Fall wird gleichzeitig die Sauerstoffleitung c mit dem Rohr d verbunden, welches zum Brenner h führt. Modificirt findet sich diese Ausführung in Fig. 115, wo ein einfacher Schnittbrenner m den |122| Argand-Brenner ersetzt. Die Wirkungsweise dieser Einrichtung ergibt sich ohne weiteres aus der Abbildung in Zusammenhang mit dem Vorhergesagten.

Textabbildung Bd. 306, S. 122

Aus der Zeit der Platinglühkörper rührt ein Vorschlag her, demgemäss Gas und Elektricität zu abwechselnder Wirkung herangezogen werden sollen.86) Der Glühkörper ist dann als elektrischer Widerstand in zeitweilig zu schliessenden Strom eingeschaltet. Die Einrichtung ist so getroffen, dass bei Abstellung des Gaszuflusses der elektrische Strom geschlossen wird, welcher den Glühkörper zum Leuchten bringt. Solche Einrichtungen unterliegen derselben Beurtheilung, wie die von Gülzow87) angegebene, welcher lediglich die Verwerthung vorhandener Gegenstände zu Grunde liegt. Ist z.B. eine Hängelampe mit dem Erdölbassin B (Fig. 116) vorhanden, so wird, um. mit der Erdöllampe eine Gasflamme zu betreiben, auf das Bassin ein Zwischenstück A geschraubt, welches als Fuss für den Gasbrenner D dient. In Fig. 117 ist eine Lampe mit dieser Vorrichtung und der Gaszuleitung angegeben. Solche und ähnliche Maassnahmen sind hin und wieder aufgetaucht. Sie sind bezüglich ihrer Verwerthbarkeit von Fall zu Fall zu prüfen, meist wohl aber nicht von Bedeutung.

Elastische Befestigung der Brenner.

Textabbildung Bd. 306, S. 122

Der gerade, im kalten Zustande spröde und empfindliche Glühkörper ist gegen Stösse zu schützen; seine Lebensdauer wird um ein Erkleckliches verlängert, wenn Erschütterungen, welche der Brenner erleidet, nicht auch auf die Aufhängestelle des Mantels übertragen werden. Man hat es in der Hand, von dem Brenner, welchen man aus zwei gegen einander verschiebbaren Theilen herstellt, das Obertheil nicht auf eine feste, sondern auf eine federnde Unterlage aufsitzen zu lassen, so dass die senkrecht wirkenden Stösse abgefangen werden. In Fig. 11888) stützen sich die am oberen Theile befestigten Arme a auf einen Ring b, welcher seinerseits durch Federn c mit dem am Brenner festen Ring e verbunden ist; d sind Führungsstifte. Es ist eine schwer zu erfüllende Voraussetzung, dass alle Theile gegen einander spielen können, ohne dass ein Klemmen oder ein Klappern stattfände. In Wiborg (Finnland) soll für Strassenlaternen die Anordnung im Allgemeinen derart getroffen werden, dass man aus dem Gasrohr über dem Abschlusshahn ein 25 mm langes Stück ausschneidet (Fig. 119) und durch ein entsprechendes Stück Gummischlauch a ersetzt.89) Das in der Hülse b geführte Zündrohr c gibt den nöthigen Halt. Für Aufhängelampen kommt eine in Glauchau gebräuchliche Aufhängung in Betracht.90) Die Gasleitung wird hier gleichfalls unterbrochen (Fig. 120); die beiden Theile ab derselben werden mit Kreuzstücken cd abgeschlossen und durch eine Feder e mit einander verbunden. Ein Schlauch f leitet das Gas aus dem einen Rohrtheil in den anderen. Bei einer englischen Construction91) wird die Kuppelung selbst elastisch gemacht (Fig. 121). Der eine an der Gasleitung zu befestigende Stutzen a hat einen Flansch b, welcher den an der Büchse c hängenden unteren Theil d trägt; nachgiebige Zwischenlagen ef gestatten der Büchse c ein geringes Spiel.

Textabbildung Bd. 306, S. 122
Textabbildung Bd. 306, S. 122
Textabbildung Bd. 306, S. 122

Zimmerling92) baut seine Ausführung auf die folgende Betrachtung auf: Wird z.B. der Glühkörper an einem Brennerkopf befestigt, der sich in senkrechter Richtung auf dem Untertheil des Brenners führt und mit demselben |123| federnd verbunden ist; so schwächen die Federn zwar senkrechte Schwingungen, sie vermögen aber nicht die seitlichen Bewegungen des Brenners zu beseitigen. Diese Bewegungen tragen aber erfahrungsmässig am meisten zur Zerstörung des Strumpfes bei. Wird die ganze Lampe an einer Feder aufgehängt, so wird der Einfluss der Erschütterungen allerdings beseitigt, aber es ist nunmehr nöthig, das Gas durch einen besonderen Schlauch zuzuführen, eine Einrichtung, welche sowohl für Strassenlaternen als auch für Lampen in offenen Bäumen aus Gründen der Sicherheit nicht anwendbar ist und sich von selbst verbietet, sobald die Gaszuführung von oben erfolgt. Die geschilderten Uebelstände werden nun in einfacher Weise bei der vorliegenden Gasglühlichtlampe dadurch beseitigt, dass das Gaszuleitungsrohr selbst als ein federndes Rohr in Form einer Spirale o. dgl. so ausgebildet ist, dass es alle Erschütterungen und Stösse ausgleicht. Eine derartige für eine Strassenlaterne bestimmte Gasglühlichtlampe ist in Fig. 122 in Seitenansicht dargestellt. Von dem Gaszuleitungsrohr a geht die hohle Rohrspirale b aus, welche in die Kammer c einmündet, von welcher das Gas dem Brenner d zugeführt wird. Die Erschütterungen der Laterne werden auf diese Weise von der Spirale b aufgenommen, so dass sie nicht auf die Brenner d bezieh. die Glühkörper übertragen werden können. Anstatt einer einzigen Rohrspirale kann man auch deren mehrere anordnen, so dass der Gesammtdurchflussquerschnitt entsprechend vergrössert wird. In Fig. 123 ist eine Wandlampe dargestellt, bei welcher das Gaszuleitungsrohr ebenfalls in eine Rohrspirale b übergeht, welche den Brenner trägt. Anstatt die federnden Rohrspiralen so anzuordnen, dass sie den Brennerkopf von unten unterstützen, so dass sie auf Druck beansprucht werden, können sie auch bei Hängelampen, Kronleuchtern u. dgl. so angebracht werden, dass die Lampe bezieh. der Kronleuchter an der Rohrspirale bezieh. den Rohrspiralen hängt, so dass diese auf Zug beansprucht werden. Diese Anordnung hat noch den Vortheil, dass das bisher erforderliche Kugelgelenk überflüssig wird. Abgeändert finden wir diese Aufhängung in der Weise wieder, dass die Rohrspirale um den Abzug der Verbrennungsproducte gelegt ist und somit eine Erwärmung des Rohres und des Gases stattfindet.93)

Textabbildung Bd. 306, S. 123

Eine nicht empfehlenswerthe, wenngleich naheliegende Bauweise ist in der Fig. 12494) dargestellt. Der Brenner d ist durch ein Schlauchstück c mit dem Gasrohr a verbunden, gleichzeitig aber auch durch Federn g an irgend welchem festen Gegenstande angehängt.

Nach Moeller95) wird die Uebertragung der Erschütterungen auf das Brennerrohr dadurch besser vermieden, dass zwischen letzterem und dem Gaszuleitungsrohre eine Flüssigkeit eingeschaltet ist, welche die getrennt von einander gehaltenen beiden Rohre gasdicht verbindet. Fig. 125 zeigt eine Aufhängevorrichtung für Strassenlaternen und Fig. 126 eine solche für Kronen u. dgl. In Fig. 125 ist a ein Träger, auf welchem der Brenner b angebracht ist. Dieser Träger a ist mittels gebogener, also elastischer Drähte c an dem Boden einer Röhre d aufgehängt, welche ihrerseits von einer elastischen Schraubenfeder e am Obertheil f der Laterne gehalten wird. Die Röhre d dient zum Schütze der Feder e gegen die heissen Verbrennungsgase und wird deshalb zweckmässig aus einem die Wärme schlecht leitenden Material, wie Glas, Thon u.s.w. hergestellt.

Textabbildung Bd. 306, S. 123
Textabbildung Bd. 306, S. 123

Diese Aufhängungsart ist an sich nicht neu. Unterhalb des Brenners b ist das Gaszuführungsrohr, das bei Strassenlaternen natürlich nur kurz ist, angebracht und endigt in eine Glocke n. In diese Glocke ragt das unterhalb angebrachte Gaszuleitungsrohr m so hinein, dass zwischen beiden Rohren ein Spielraum vorhanden ist, und zwar in senkrechter Richtung wie nach den Seiten. An dem Zuleitungsrohre m befindet sich eine Schale p, welche die Glocke n mit Spielraum umfasst, und diese Schale p wird mit Flüssigkeit, Oel, Glycerin u.s.w., so weit angefüllt, dass die Glocke n zum Theil in diese eintaucht. |124| Hierdurch wird eine vollständig gasdichte Verbindung zwischen den beiden Röhren hergestellt, wobei jede gegenseitige Berührung ausgeschlossen ist, so dass sämmtliche vom Zuleitungsrohre oder dem Aufhängepunkte kommenden Stösse oder Erschütterungen unschädlich gemacht werden. Die in Fig. 126 dargestellte Aufhängevorrichtung für Kronen u. dgl. bedingt einige Aenderungen in der Anordnung, da hierbei die Zuleitung des Gases von oben erfolgt. In Folge dessen ist die Glocke n am Gaszuleitungsrohre m und die Schale p am Brennerrohre k angebracht. Die Aufhängung des Brennerrohres bezieh. der Krone geschieht mittels einer Anzahl Federn e1, welche die Stösse und Erschütterungen auffangen.

Fritz96) schliesst die Brennertheile von der elastischen Lagerung aus und lässt nur den Glühkörperträger mit Mantel federn. Nach Fig. 127 ist in den Brennerkopf eine Spiralfeder f eingesetzt, welche den Halter t aufnimmt, auch mit der Spitze nach unten gerichtet sein kann. In Fig. 128 ist eine Doppelfeder ff1 zu gleichem Zweck angenommen. Der Annahme von Fritz, dass mit dieser Erfindung eine wesentliche Verbesserung verknüpft ist, kann nicht beigetreten werden. Es ist aus naheliegenden Gründen besser, von schweren Theilen Stösse abzufangen als von leichten. Im vorliegenden Falle müssen ausserordentlich feine Federn zur Verwendung gelangen, welche schon bei einmaligem Durchschlagen der Flamme durchbrennen.

(Schluss folgt.)

|121|

Brit. Spec. Nr. 23150/1895.

|121|

Brit. Pat. Nr. 1577/1895.

|121|

D. R. P. Nr. 36727.

|122|

Brit. Spec. Nr. 4771/1881.

|122|

Kraft und Licht, 1897 Nr. 10.

|122|

Brit. Spec. Nr. 9070/1895; vgl. auch Schweiz. Patent Nr. 11278.

|122|

Schill Journ., 1896 S. 738.

|122|

Schill. Journ., 1897 S. 206.

|122|

Brit. Spec. Nr. 18777/1896.

|122|

D. R. P. Nr. 91084.

|123|

Journ. of Gasl., 1896 Nr. 1730.

|123|

Amerikanisches Patent Nr. 555732.

|123|

D. R. P. Nr. 91037.

|124|

D. R. P. Nr. 87980.

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