Titel: Neuerungen in der Tiefbohrtechnik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 169–174)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306049

Neuerungen in der Tiefbohrtechnik.

Von E. Gad.

Mit Abbildungen.

Die XI. internationale Wanderversammlung der Bohringenieure und Bohrtechniker und die IV. ordentliche Generalversammlung des Vereins der Bohrtechniker haben vom 22. bis 25. September 1897 unter reger Betheiligung in Berlin getagt.

Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen wissenschaftlichen Vorträge werden ausführlich im Organ des Vereins der Bohrtechniker von Hans Urban, Wien, zum Abdruck kommen und sind kurzinhaltlich folgende:

1) Oberbergrath Tecklenburg, Darmstadt, besprach: I. Bohrungen nach Mineralquellen; II. Bohrungen nach Kohlensäure; III. die Gebirgsformation beider Vorkommen; IV. Schutz der Heilquellen und zwar: die Vor- und Nachtheile des gegenwärtigen Quellenschutzgesetzes und Anleitung zu einem neuen Schutzgesetz; V. Bohrmaschinen; wobei er sich bei Quellenbohrung gegen die Anwendung der Wasserspülbohrung ausspricht.

2) Ingenieur Thumann, Halle, führte einen zusammensetzbaren Bohrthurm im Modell von ⅛ der natürlichen Grösse vor, den er von der Leipziger Ausstellung zur Versammlung brachte. Der Bohrthurm ist solid und leicht transportabel für die Arbeit mit Spülmethode und trocken, mit festem und hohlem Gestänge, mit Freifall- und Diamantbohrer benutzbar. Die längsten Hölzer, die mit Nagelbolzen an einander gefügt werden, sind 15 m lang. Acht Mann stellen den Bohrthurm in einer Schicht auf; zum Transport genügt ein Röhrenwagen.

Ausserdem besprach der Vortragende noch einige seiner neueren Verbesserungen, darunter besonders ein Fanggestänge zum Links- und Rechtsdrehen ohne Lösung. Darauf zeigte er noch drei verschiedene Arten von Fanggestängen, unter Hinweis auf deren Vor- und Nachtheile.

3) Director Grumbacher, Berlin (Borsig), gab eine Uebersicht über die etwa 200 Arten der Anwendung, welche Druckluft und Druckluftpumpen, besonders in Amerika, zu den verschiedensten Zwecken finden. Von grosser Bedeutung ist die Anwendung in Eisenbahnwerkstätten, bei Geschossen und Torpedos, bei elektro-pneumatischen Signalapparaten, in der Textilindustrie, Celluloseverarbeitung auf seideähnlichen Stoffen, bei Nähmaschinen und anderen Werkzeugen, Rohrpost, automatischen Löschapparaten, Trambahnbetrieb, Locomobilen, beim Tunnelbau, Anstreichen grosser Flächen mittels Sprühapparat u.s.w.

Von besonders tiefbohrtechnischem Interesse ist das Heben von Flüssigkeiten durch Druckluft. Zwei Arten von Druckluftwasserhebungsmaschinen wurden im Modell vorgeführt.

4) A. Fauck, Wien, machte Mittheilung über sein neues zum Patent angemeldetes Bohrinstrument, das stossend Kerne liefert.

5) Tecklenburg zeigte das Magnetometer Craelius' vor, auf welches wir unten zurückkommen werden.

6) Ingenieur L. Benes, Kladno, beschrieb einen Apparat zur Bestimmung des Streichens der Schichten in den Bohrlochtiefsten (vgl. D. p. J. 1896 301 154).

7) Oberbergrath Bilharz, Berlin, hielt einen Vortrag über die Sprengarbeiten am „Eisernen Thor“ (vgl. D. p. J. 1896 302 229).

8) Prof. W. Schulz, Aachen, berichtete über das Verfahren von Honigmann zum Bohren in Schwimmsand ohne Bohr wand. Prof. Schulz glaubt, dass die Beigabe von Thon zum Spülwasser, die Honigmann übt, zwecklos sei, da die Absorption des Wassers dieselbe sei. Das Verfahren wird in zwei Arten angewandt.

Den regelrechten Vorträgen schlössen sich noch folgende Vorführungen an:

1) Mit einer nach dem System Lange von der Duisburger Maschinenfabrik erbauten Diamantgesteinsbohrmaschine wurde in Gegenwart der Theilnehmer ein Kern gebohrt.

2) Es wurden die Woltersdorfer Schleuse und die Rüdersdorfer Kalkwerke besucht, an welch letzterem Ort zwei Sprengungen von Kalkstein vorgenommen wurden. Grosses Interesse erregte die Besichtigung der Gletschertöpfe. Auf dem Kalksteinplateau findet man ganz deutliche Spuren des Eisganges durch Schleifen und Ritzen des Kalksteines, sowie Steine, die in Schweden vorkommen, und Kessel (Riesentöpfe), die durch Schmelzwasser erzeugt wurden.

3) Auch die Köbrich'sche Kalibohrung bei Rüdersdorf wurde besichtigt. Nach den Ergebnissen hofft man dort Kalisalze in Abbau würdiger Menge zu finden.

4) In Charlottenburg wurden die Siemens-Werke besucht und dort die technisch vollkommen durchgebildeten Gesteinsbohrmaschinen mit elektrischem Antrieb vorgeführt. Es fanden zwei Bohrungen zur Probe, die eine in Hornstein, die andere in Basalt statt. Zudem erhöhte eine reich illustrirte Festschrift den Besuchern das Verständniss der vorgeführten Apparate.

Zu bemerken ist noch, dass vor und während der Versammlung das in Budapest gewählte Gewinde-Comité unter Vorsitz Thumann's mehrere Sitzungen abhielt, in denen bereits einige bedeutende Beschlüsse zu Stande kamen. Man hofft nach weiteren Sitzungen im Laufe dieses Jahres der nächsten Bohrtechnikerversammlung, die 1898 in Wien tagen soll, endgültige Vorschläge vorlegen zu können.

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Das oben erwähnte Magnetometer von P. A. Craelius ist schon D. p. J. 1897 304 234 besprochen worden. Die hier beigefügte Abbildung (Fig. 1) zeigt den Glascylinder a, der unten durch den Boden b, oben durch den Deckel c wasserdicht verschliessbar ist. Der Deckel trägt den Metallrahmen d und dieser im oberen Theil den Compass e und im unteren den Pendelquadranten f. Der Compassring ist in der Richtung der Magnetnadel um seinen Durchmesser drehbar und feststellbar. Die Metalltheile sind zum Schutz gegen Rost vergoldet. Der Glascylinder erhält als Füllung eine Lösung von 3 g Gelatine in 100 g Wasser. Wegen des Gebrauchs ist auf den oben angezogenen Artikel D. p. J. 1897 304 234 zu verweisen.

Textabbildung Bd. 306, S. 170

Zu bemerken ist noch, dass die Vorgänger des Craelius'schen Instrumentes, die Magnetometer der Schweden Thalén, Tiberg, sowie verwandte Apparate, die im schwedischen Bergbau schon seit hundert Jahren zur Bestimmung magnetischer Erzlagerstätten über Tage wie unter Tage mit grossem Erfolge gebraucht werden, in einer neueren Arbeit von Nordenström1) eingehende Besprechung gefunden haben. Da diese Instrumente zum Verständniss des Magnetometers Craelius beitragen, sollen sie hier nebst ihrem Gebrauch beschrieben werden.

Das grundlegende Instrument ist die schwedische Minenbussole, eine runde Metallbüchse, in der sich eine Magnetnadel wagerecht und senkrecht bewegen kann, die aber über neutralem Boden, d.h. auf einem Terrain, das nur durch den gewöhnlichen Erdmagnetismus beeinflusst ist, wagerecht steht. Dieses einfache Instrument hat in Schweden seit mehr als einem Jahrhundert genügt, um über Tage oder in Gruben magnetische Erzlager nach ihrer Lage und Mächtigkeit annähernd zu bestimmen.

Erst seit Beginn der letzten drei Jahrzehnte hat man durch Vervollkommnung der Instrumente auch eine Vervollkommnung dieser Bestimmungen herbei geführt. Dies geschah vor allem durch die Construction des „Magnetometers“ von Thalén, der „Inklinationswage“ von Tiberg, sowie der Combination beider Erfindungen zu neuen Formen.

Textabbildung Bd. 306, S. 170

Das Magnetometer des Prof. Thalén von der Universität Upsala beruht auf dem Lamont'schen Theodoliten. Es besteht aus der Deklinationsbussole a (Fig. 2 und 3) von etwa 8 cm Durchmesser, deren Limbus in ganze und halbe Grade eingetheilt ist. Senkrecht zu dem Nulldurchmesser befindet sich an dem Bussolenboden der Arm b mit Millimetereintheilung, der den einstellbaren Deviationsmagnet c trägt. Die Wasserwage d, sowie die Diopter e und f gehören noch zu dem Instrument, das auf einem Dreifuss aufgestellt wird.

Die Tiberg'sche Neigungsbussole ist seit 1880 im Gebrauch. Das Gehäuse (Fig. 4) ist viereckig und die Gradeintheilung in der Abbildung angedeutet. Auf neutralem Boden steht die Magnetnadel wagerecht, wenn man den Compass auf eine Kante und die Schwingungsfläche der Nadel rechtwinklig zum magnetischen Meridian stellt. Dieses Instrument verwendet man entweder mit einem Messtisch oder aus freier Hand, für welch letzteren Fall es mit einem Haltebügel verbunden wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 170

Das Instrument Fig. 5 zeigt eine Verwendung der Bussole Tiberg, statt deren auch die Bussole von Thalén Verwendung finden kann, da der Stutzen a (Fig. 5) je nach Wunsch die Bussolen Tiberg oder Thalén aufnehmen kann. Bei ersterer passirt die Pivotlinie die Punkte 0°, bei letzterer die Punkte 90°.

Beim Gebrauch dieser Instrumente unterscheidet man die Tangenten- und Sinus-Methode. Im ersten Falle stellt man die Bussole auf 0° ein, während die Deviationsnadel entfernt ist. Dann bringt man die Deviationsnadel auf den Arm und liest den Deviationswinkel α ab.

Textabbildung Bd. 306, S. 170

Bei der Sinusmethode stellt man die Bussole mit dem Deviationsmagneten auf dem Arm auf 0 ein, entfernt dann den Deviationsmagneten und bestimmt darauf den jetzt auftretenden Deviationswinkel α. Diese letztere Methode gibt durch die grösseren Deviationswinkel genauere Resultate, die man besonders bei weiteren Berechnungen vorziehen wird; sie ist aber nicht auf allen nördlich der Lagerstätten gelegenen Punkten anwendbar, weshalb man sich meist mit der Tangentenmethode, die zudem schneller geht, begnügt.

Die Aufnahme einer magnetischen Lagerstätte durch Messung über Tage gestaltet sich nun folgendermaassen: Zunächst stellt man das Magnetometer über einem sterilen Terrain, d.h. ausserhalb des magnetischen Wirkungsbereiches der Erzlagerstätte, auf einen bestimmten Deviationswinkel ein, z.B. von 30°, den man α0 nennt. Dann begibt man sich nach dem magnetischen Grubenfeld, das man durch Pflöcke in Quadrate von etwa 10 m Seitenlänge abgesteckt hat. In jeder entsprechenden Ecke dieser Quadrate misst man nun nach der Tangentenmethode die Deviationswinkel α und trägt diese auf einen Plan, wie in Fig. 6, ab. Die Verbindung der gleichwertigen Winkel ergibt alsdann geschlossene isodynamische Curven, die sich entsprechend um zwei Kernpunkte gruppiren, von denen der eine den Punkt der grössten Abweichung, αmax., der andere den der kleinsten Abweichung, αmin., bezeichnet. Zwischen beiden Curvengruppen zieht sich die offene Linie |171| der gleichen neutralen Winkel α0 hin, die „neutrale Linie“. Die Verbindungslinie über αmax. und αmin. bezeichnet den magnetischen Meridian des Erzlagers, und der Schnittpunkt A dieses Meridians mit der neutralen Linie gibt das Centrum der Massenanhäufung des Minerals an, falls sin . α0 < 3 sin . αmin. ist. In diesem Fall lagert das Mineral mehr oder weniger tief unter sterilen Deckschichten. Anderenfalls wird sich das Mineral näher unter der Erdoberfläche, am Punkte αmin., oder zwischen diesem und dem Schnittpunkt A finden.

Textabbildung Bd. 306, S. 171

Um übrigens bei unebener Erdoberfläche genaue Resultate zu erzielen, muss man die Koten des Terrains mit in Rechnung ziehen.

Diese angegebene Methode lässt sich nicht allein über Tage, sondern auch in Erzgruben während des Betriebes derselben ausüben und hat schon oft dazu gedient, Erzlager wieder aufzuspüren, die durch Verwerfungen oder auf andere Weise verloren gegangen waren.

Die in Fig. 6 punktirt gezeichneten isoklinen Linien werden mit dem Tiberg'schen Magnetometer (Fig. 5) ermittelt. Die magnetische Kraft P des Lagers ist direct proportional zur tg V, d.h. der Tangente des Neigungswinkels. Das Massencentrum des Lagers befindet sich stets unter dem Punkt von Vmax.

Textabbildung Bd. 306, S. 171

Die graphische Methode von Tiberg (Fig. 7) ist besonders für Aufnahme in Bergwerksstrecken bestimmt, kann aber auch über Tage Anwendung finden. In bestimmten Abständen von 2, 3 oder 5 m werden in der Strecke die magnetischen Componenten FI FII FIII des Erzlagers C ermittelt, welche alle nach dem Lager zu convergiren müssen. F ergibt sich aus H und R, wobei H die constante Grösse des Erdmagnetismus und R die aus der Formel errechnete Resultante von H und F ist.

Alle hier kurz berührten Instrumente und Methoden sind natürlich nur bei Vorhandensein von Magnetismus in Mineralien verwendbar; doch trifft diese Bedingung in Schweden nicht allein bei Eisenerzen, sondern auch bei Lagern von Kupfer, Nickel und Kobalt wegen der Beimengung von Magnetiten zu.

Eine sehr schätzbare Erinnerung für die Besucher des Bohrtages 1897 bildet die von Geh. Bergrath Prof. Dr. Berendt gespendete Festschrift: „Der Untergrund Berlins“.2) Es erhellen aus dieser Schrift die Bedenken, die die Stadt Berlin dazu veranlasst haben, die Ausführung des geplanten Berliner Untergrundtunnels (D. p. J. 1897 305 1) vorläufig zu versagen. Schwimmsand ist allerdings ein unsicherer Boden für Hohlbauten, die unter stark bewohnten Stadttheilen Stand halten sollen. Günstiger liegen die Verhältnisse in London, woselbst dem am 22. Mai 1897 mit grossem Pomp eröffneten zweiten Themsetunnel alsbald wohl ein dritter und vierter folgen werden. Wenn der Untergrund der Themse auch von wechselnder Beschaffenheit und mit Wasseradern durchsetzt ist, so gestattet doch die im Ganzen standfeste Lette ein Abbohren mit Druckluft und ein Auszimmern nach bergmännischer Art, dem ein regelrechtes Ausmauern folgen kann.

Auch zu Budapest wird der Untergrund der Donau einem dort geplanten Tunnelbau keine unüberwindlichen Hindernisse in den Weg stellen.

Einen älteren Gegenstand von grösstem tiefbohrtechnischen Interesse hat neuerdings Ed. Lippmann in Paris3) in das helle Licht des Tages gerückt. Es handelt sich um die artesischen Brunnenbohrungen in der Sahara, über die bereits 1856 der Société des ingénieurs civils berichtet wurde, und die auch Tecklenburg in seiner Tiefbohrkunde, Bd. 5 S. 29, behandelt hat.

Diese Sache hat dadurch actuelle Bedeutung gewonnen, dass sich die Colonialverwaltung von Nordafrika auf langjährige Anregung durch Lippmann, Jus, Rolland u.a. entschlossen hat, durch planmässig ausgeführte Tiefbohrungen die wichtige und offene Frage zur Lösung zu bringen, ob die schon vielfach zerstreut erschlossenen unterirdischen Wasser der Sahara dem Wesen nach ihren Lauf von Süden nach Norden oder von Norden nach Süden nehmen. Trifft die erste Annahme, der z.B. Lippmann huldigt, zu, so würde sich die Aussicht eröffnen, durch den ganzen Wüstengürtel der Sahara von Norden nach Süden durch Bewässerung aus der Tiefe eine Culturbrücke bis zu den südlichen Fruchtländern bauen zu können. Rinnen die Flussläufe, wie z.B. Rolland meint, von Norden nach Süden, so möchten sie bald im Untergrunde des Wüstensandes versiegen.

Die Mittheilungen Lippmann's geben eine vollständige |172| geographische und historische Darstellung des arabischafrikanischen Brunnenbohrwesens, wobei die arabische Brunnenbohrtechnik von besonderem Interesse sein möchte, die natürlich durch das französische Maschinenwesen mit leichter Mühe aus dem Felde geschlagen worden ist.

Zur arabischen Brunnenbohrung gehören zwei verschiedene Sorten von Bohrtrupps, die Meallem, d.h. die Gelehrten, und die R'tassin, d.h. die Taucher. Die gelehrten Meallem wissen, wo Wasser zu gewärtigen ist und führen dort die ersten Arbeiten aus. Sie graben Schächte von 60 zu 90 cm Seitenlänge 40 bis 80 m tief, wobei sie sich einer roh gearbeiteten Hacke mit kurzem Stiel, Fas genannt, bedienen. Das Brunnenloch wird mit roh zusammengefügten Rahmen aus längsgespaltenem Palmenholz verzimmert und zur besseren Haltbarkeit mit einem Brei aus Lehm, Dattelkernen und Palmen abfallen verschmiert. Zur Förderung des Bohrschmands dient ein primitives Bohrgerüst, das aus zwei senkrecht eingegrabenen Palmstämmen besteht, die 2 m hoch neben der Brunnenöffnung an zwei diametral entgegengelegenen Punkten hervorragen und über welche ein Palmenrundholz gelagert ist. Ueber dieses Rundholz führt ein aus Palmenbast bezieh. Palmblättern gedrehtes Seil, das einen aus Palmblättern geflochtenen Korb trägt. Diesen Korb haben die Meallem mit dem Schmand zu füllen, den sie mit dem „Fas“ lösen. Treffen sie bei der Abteufung auf schlechtes Wasser, das sich nicht durch Schöpfen bewältigen lässt, so wird die Arbeit an dieser Stelle eingestellt und an einer anderen Stelle neu versucht. Mitunter zwingt auch ein Gestein, das sich nicht mit dem „Fas“ durchbrechen lässt, zum Wechsel der Arbeitsstelle. Charakteristisch für Brunnen der Sahara ist, dass die den unterirdischen Strom deckende Schicht meist ein festes Gestein von geringer Mächtigkeit ist. Der Durchbruch dieser letzten Deckschicht ist insofern mit Gefahr verbunden, als das erschlossene Wasser oft mit starker Gewalt durch die Durchbruchsstelle nach oben dringt und den Arbeiter auf der Brunnensohle mit sich zu reissen droht. Vor dem Durchschlage wird deshalb der Regel nach noch ein Blutpreis, „Le dia“, seitens der Meallem mit den Brunnenbesitzern vereinbart, der je nach der Gefahr von 4,40 bis 880 Francs steigt.

In manchen Gegenden reisst nun das Wasser bedeutende Sandmassen mit nach oben, zu deren Beseitigung alsdann die mühevolle Arbeit der R'tassin, der Taucher, ansetzt. Ein Tauchertrupp besteht meist aus einem Meister und vier Mann. Der Meister bestimmt die Leute der Reihe nach zum Tauchen, was mit grosser Feierlichkeit unter vorgeschriebenen Ceremonien von statten geht. Der Taucher lässt sich an einem Seil in den Brunnen bis zur Sohle herab und füllt dort einen an einem zweiten Seil herabgelassenen Korb, worauf er nach einem unglaublich langen Aufenthalt unter Wasser, nach 2 bis 3 Minuten und darüber, mit Hilfe des Seiles nach oben kommt.

Selbstverständlich wurde es dem einfachsten französischen Bohrgeräth leicht, diese gefahrvolle und mühselige Bohrmethode zu verdrängen, sehr zum Schaden der Meallem und R'tassin, aber sehr zum Segen der übrigen Bevölkerung. Die militärischen Bohrtrupps haben in der Provinz Constantine vom 1. Juni 1856 bis zum 1. Juli 1896, unter Oberleitung des Bohrmeisters Jus, im Ganzen 772 Brunnenbohrungen in 34114 m Gesammtlänge ausgeführt, von welchen 320 übersprudeln. Das Gebiet des Oued Rirh besitzt allein 220 artesische Bohrungen, die im Jahr 164250000 cbm Rieselwasser spenden. Die Gesammtkosten von 844000 Francs würden gedeckt, wenn man kaum 1 Jahr das Cubikmeter mit ½ Pf. berechnete. Wohl bemerkt, bedarf es meist nur der Bewässerung, um an vielen Stellen der Sahara in dem lehmhaltigen Wüstensande blühende Dattelpalmoasen hervorzurufen. Allerdings würde es in Zukunft grösserer Ordnung bedürfen, damit sich die Bohrungen nicht gegenseitig stören, und nicht stellenweise an den Brunnen wegen mangelhaften Abflusses fieberbringende Versumpfungen entstehen.

Textabbildung Bd. 306, S. 172

Auf einem von diesem weit entfernten Gebiete, bei Baku, ist neuerdings die für die Technik der Tiefbohrung wichtige Thatsache hervorgetreten, dass dort auch die sonst ausserhalb Amerikas so wenig glücklich gewesene pennsylvanische Seilbohrmethode jetzt sehr beachtenswerthe Ergebnisse aufweist, weshalb diese Methode stellenweise vor anderen, nicht nur für Baku, sondern auch für Galizien u.s.w. als besonders geeignet gepriesen wird. Dazu lässt sich sagen, dass zu einem abschliessenden Urtheil wohl bisher zu wenig positive Daten vorliegen, diese aber leicht aus der Zusammenstellung möglichst vieler Bohrjournale gewonnen werden könnten. Allerdings müsste man dann aber auch alle einschlagenden Verhältnisse in Betracht ziehen und nicht etwa z.B. die Formation der zu durchsinkenden Gebirge ausser Acht lassen. Dass die an sich vortreffliche pennsylvanische Seilbohrmethode bei guter Bedienung auch in Galizien, bei Baku u.s.w. noch häufiger günstige Bedingungen für ihre Verwendung finden mag, braucht nicht bezweifelt zu werden, nur scheint gleichfalls festzustehen, dass diese Bedingungen nicht überall zutreffen. Was Baku anbelangt, so ist dort noch hervorragend die Bohrmethode von O. Lenz am Drahtseil mit selbsthätigem Freifall im Gange. Diese Bohrung wird gewöhnlich mit 65 cm Bohrlochsweite begonnen und nach Bedarf stufenweise um je 5 cm Durchmesser verengt. Die Verrohrung ist unabweisbare Regel und die eingebrachten Röhrentouren dürfen nur so weit wiedergewonnen werden, dass kein Theil der Bohrlochswand unbekleidet bleibt. Je nach der Standfestigkeit des Gebirges lässt sich je eine Röhrentour gleicher Weite 30 bis 100 m tief herunterbringen. Die Bohrungen werden je nach dem Felde 200 bis 500 m tief. Ein Meissel von 65 cm wiegt etwa 320 k, die Schwerstange 500 bis 650 k, und dieses Schwergewicht von 800 bis 1000 k erhält durch eine Zweicylindermaschine von 20 bis 30 |173| – mitunter auch durch einen Erdölmotor – 20 bis 35 Schläge in der Minute von 50 bis 85 cm Hub. Der Bohrfortschritt von 2 m in 24 Stunden gilt als günstig und die Kosten einer etwa 400 m tiefen Bohrung schwanken von 80000 bis über 100000 M. Ob sich mit einem Manilaseil günstigere Resultate erreichen lassen als mit dem Drahtseil, kann nur die Erfahrung lehren.

Textabbildung Bd. 306, S. 173

Zur Hebung erbohrter, nicht übersprudelnder Flüssigkeiten hat A. Fauck ein Pumpenwerk (Fig. 8) gebaut, das sich in Galizien bei 250 m tiefen Oelbrunnen bereits bewährt hat. Kennzeichnend ist, dass das Steigrohr a zugleich als Pumpengestänge dient, während bei anderen Pumpen ein zweites Pumpengestänge innerhalb des Steigrohres zur Verwendung kommt. Der Pumpenstiefel b wird mit dem Saugrohr c mittels eines alten Meisselblattes d – oder auch anders – in der Art an einem Bohrlochsabsatz oder auf dem Brunnenboden festgestellt, dass er auch gegen seitliche Drehung gesichert ist und die Flüssigkeit bequemen Zufluss von unten hat. Das Steigrohr bewegt sich mit dem Druckventil e, dessen Gehäuse durch Rippen leicht geführt wird, in dem Pumpenstiefel auf und ab, und passirt dabei die Stopfbüchse f, die sich oben an den Pumpencylinder anschliesst. Auf dieser Stopfbüchse ruht, an Stelle des fehlenden Pumpenkolbens, der Wasserdruck der über den Flüssigkeitsstand im Bohrloch gehobenen Flüssigkeitssäule. Der Pumpenantrieb geschieht z.B. durch das Feldgestänge g, wobei das Gegengewicht h auf dem Schwänze des Bohrschwengels die Gestängelast ausgleichen kann. Der Ausfluss aus dem Ausflusstutzen i, der mit dem Gestänge auf und nieder geht, findet beim Niedergehen statt. Es empfiehlt sich, die Nachlassschraube k anzubringen, um die Stellung des Druckventils reguliren, sowie ein besonderes Nachziehen der Stopfbüchse schnell bewirken zu können.

Textabbildung Bd. 306, S. 173

Diese neuen Pumpen mögen ihrer Billigkeit und Betriebssicherheit wegen, bei geringerem hydrostatischen Ueberdruck von z.B. 10 at, sicher zu empfehlen sein, und können vielleicht auch bis zu 30 at Ueberdruck gute Dienste thun.

Ein bemerkenswerthes Verfahren, um Schwefel in flüssigem Zustande aus Lagerstätten zu gewinnen, die durch Tiefbohrung aufgeschlossen sind, haben Pattillo Higgins und George W. Carroli in Beaumont, Tex. (Amerikanisches Patent Nr. 581479), aufgestellt. Es führt hierzu eine weite Röhrentour bis zur Fundstätte und in dieser Röhrentour eine engere, durch die eine heisse Flüssigkeit zum Mineral gepresst wird, welche mit dem gelösten Mineral gesättigt den Raum zwischen den beiden Röhrentouren füllt. Aus diesem Raume wird die Lösung mittels dünner Röhren aufgepumpt.

Eine neue Einrichtung zum Einlassen von Brunnenröhren in Brunnenschachte hat Thomas M. Smith in Stanton, Tex. (Amerikanisches Patent Nr. 580737), Fig. 9, getroffen. Der Führungsrahmen a wird an Ketten zur Centrirung des Rohres in den Schacht eingelassen. In wagerechter Stellung gestattet die Rahmenweite das Passiren der Muffen, während der Rahmen in schräg gezogener Stellung das Rohr anklemmt. Der Hebel b über Tage lässt gleichfalls in wagerechter Stellung zwischen seinen beiden Stiften das Rohr mit den Muffen passiren, klemmt aber in schräger Stellung mit den Stiften das Rohr fest.

Textabbildung Bd. 306, S. 173

Um ein Rohrgefüge im Innern von Bohrlöchern zu entschrauben, hat George P. Tadder in Millerstown, Pa. (Amerikanisches Patent Nr. 577812), das Geräth Fig. 10 und 11 gebaut. Der cylindrische Metallkopf a wird am Rohrgestänge b, mit Linksgewinde an ihm verschraubt, zur Arbeitsstelle eingeführt. Der Kopf nimmt drei hinten mit den Schäften lose zusammenstossende, vorn gezahnte Werkstücke c auf. Zur Arbeit werden die Werkstücke mittels des Dornes d, der am Gestänge von oben zwischen die Schäfte getrieben wird, durch Schlitze am Kopf gegen die innere Rohrwand gedrückt, wodurch die zum Schrauben erforderliche Reibung erzielt wird.

Von dem oben genannten Erfinder ist auch ein beweglicher Abschluss für Oelbrunnen (Amerikanisches Patent Nr. 577811) zu nennen.

Eine zweckmässige Art von Verrohrungskopf zum Einhängen von Steigrohrgestänge in Oelbrunnen gibt Abraham F. Wolfe in Toledo, Ohio (Amerikanisches Patent Nr. 580442), Fig. 12 und 13 an. Der Verrohrungskopf a trägt in der oberen Schulter das Kugelsegment b, das dem Brunnenrohr c als Träger dient. Der Träger geht oben in den konischen Schraubenzapfen d über, über den die zur Fortleitung der Flüssigkeit ausgehöhlte -Muffe c geschraubt wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 173

Besonders für unterseeisches Bohren ist der Hohlbohrmeissel von Thomas Symons in Leominster, Mass. (Amerikanisches Patent Nr. 580351), Fig. 14, eingerichtet. Der an das Bohrrohr a geschraubte Hohlmeissel besteht aus drei mit einander verschraubten Theilen, dem Meisselstück b, dem Cylinder c und dem Ventilstück d. Der Bohrschlamm tritt zwischen den Schneiden hoch in den Cylinder und von diesem durch das Kugelventil zu den oben befindlichen Ausschnitten e, woselbst er seinen Ausweg findet. Der Bohrer reinigt sich mithin bei der Arbeit selbsthätig.

Wohl angeregt durch die Goldfunde von Klondyke mehren sich in Amerika die neuen Goldwaschapparate. |174| Ein solcher von Carrol D. Galvin in Chicago, III. (Amerikanisches Patent Nr. 578816), zeigt einen mit einem Trichter versehenen Thurm, von dessen Höhe Rohrgestänge mit Schleusen und Sieben zum Erdboden führen. Charles F. Pike in Philadelphia, Pa., bringt drei Formen (Amerikanische Patente Nr. 581035, 581036 und 581037), von denen die letzte in Fig. 15 abgebildet ist. Alle Spielarten ordnen auf einem grossen Wagengestell mit Rollrädern einen Baggerriemen ohne Ende a an, der den Goldschlamm durch eine Rinne b führt, in der ein kräftiger Wasserstrahl unterhalten wird. Diese Methode ist besonders für schwachen Wasserzufluss bestimmt.

Textabbildung Bd. 306, S. 174

Hierher gehörig ist auch der Bohrbagger (Fig. 16) von Peter F. Gildea in San Francisco, Col. (Amerikanisches Patent Nr. 580269), der am hinteren Ende eines Prahms ein senkrechtes Saugrohrgestänge trägt und zugleich zur Seite des Prahms eine Baggervorrichtung besitzt, die das grobe Geröll mit Steinen vor dem Munde des Saugrohres aufnimmt, damit sich dieses nicht verstopft.

Textabbildung Bd. 306, S. 174

Ein Erweiterungs-Erdbohrer von Andrew Lee in St. Paul, Minn. (Amerikanisches Patent Nr. 581677), bietet nicht viel Neues.

Wenn neuerdings wieder mehrfach von elektrischen Tiefbohrungen in Amerika die Rede ist, so handelt es sich dort doch nur um Ersatz der Dampfkraft zum Maschinenbetriebe durch Elektricität, nicht aber um Ersatz des mechanisch wirkenden Bohrgeräthes durch direct an der Bohrstelle wirkende Motoren. Dagegen werden Schrämmaschinen vielfach elektrisch direct wirkend betrieben, und von diesen haben Charles E. Davis und Frank N. Slade für die Independent Electric Co. in Chicago (Amerikanische Patente Nr. 583406 und 583409) zwei neue Formen aufgestellt, die sich als Maschinen kennzeichnen, deren Messer an einer beweglichen Kette wirken (D. p. J. 1896 300 5).

An Gesteinsbohrapparaten, wie sie von der Sullivan Co. in Claremont und Chicago mit Dampf und Druckluft betrieben werden, hat Thomas Officer drei Verbesserungen (Amerikanische Patente Nr. 580461, 580462 und 580463) ausgeführt, die sich auf den Vorschub und den Umsatz des Stossbohrers durch Sperrad und Feder beziehen.

Textabbildung Bd. 306, S. 174

Warren Wood in Paterson, N. J., richtet den Kopf eines Gesteinsbohrers mit einer austauschbaren Hülse zur Führung des Bohrers (Amerikanisches Patent Nr. 582109) ein; Thomas Symonds in Leominster, Mass., schlägt für Gesteinsbohrung einen neuen fünftheiligen Sternmeissel, Fig. 17 (Amerikanisches Patent Nr. 580352), vor, Thomas Carrig in Walkers Mill., Pa., einen zweitheiligen -Meissel, Fig. 18 (Amerikanisches Patent Nr. 583358), Thomas Umband in Edwardsville, Pa., einen Kohlenbohrer mit zwei nach einander wirkenden Bohrspitzen (Amerikanisches Patent Nr. 581558).

Textabbildung Bd. 306, S. 174

Merkwürdig sind schliesslich noch zwei combinirte Bergwerksgeräthe von Alfred Strum in Wickes, Mont. (Amerikanisches Patent Nr. 580235), und James W. Bray in Aspen, Col. (Amerikanisches Patent Nr. 582112), die an einem in der Art von Messerscheiden geschlitzten Schaft verschiedenes Bergwerksgeräth, wie Hacken, Besatzeisen u.s.w., für Aus- und Einschnappen angeordnet tragen.

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L'industrie minière de la Suède en 1897 par G. Nordenström, professeur à l'école des mines, Stockholm. Imprimé aux frais du „Jernkontor“. Stockholm 1897. P. A. Norstadt & S.

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Von dieser Festschrift sind noch Exemplare à 4 M. durch die Redaction des „Organs des Vereins der Bohrtechniker“, Wien, zu beziehen.

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„La technologie sanitaire“, Brüssel 1897, Nr. 2 und 3; vgl. auch: „Mémoires des travaux de la société des ingénieurs civils de France“, Bulletin de Novembre 1896.

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