Titel: Neue Gasmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 174–179)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306050

Neue Gasmaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 150 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die Steuerung von P. Burt und G. Mc Ghee in Glasgow (D. R. P. Nr. 81878) ist für eine eigenartige Gasmaschine mit zwei concentrisch über einander gelagerten einfach wirkenden Cylindern bestimmt. Fig. 22 und 23 zeigen die Maschine.

Die Maschine besteht aus zwei einseitig offenen Cylindern 1 und 2, welche nach dem Tandemsystem angeordnet sind. Die auf gemeinsamer Kolbenstange 18 befindlichen Kolben 19 und 20 sind durch die Pleuelstange 4 mit der Kurbelwelle 5 verbunden. Die Mäntel der Cylinder verlaufen unten in den Ring 6, welcher mit zwei einander gegenüber liegenden verschliessbaren Oeffnungen i versehen und mit der Grundplatte 7 der Maschine verbunden ist. Die Grundplatte hat für die Kurbel 5 eine Vertiefung, welche derselben als Oelbad dient. Beide Cylinder sind oben geschlossen und unten offen.

Die Steuerung der Maschine wird aus dem Vierkolbenschieber |175| gh, gh in den Schiebergehäusen 14 15 und den Ventilen in den Gas- und Mischkammern s und v gebildet. Die gemeinsame Schieberstange j der Kolben gh ist durch die Excenterstange k mit der Excenterscheibe l der Steuerwelle m verbunden, welch letztere im Maschinengestell 6 gelagert ist und von der Hauptwelle 5 durch Winkelräder mit der halben Geschwindigkeit getrieben wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 175

Die Auslassöffnungen o sind mit dem Auspuffrohr verbunden und jede der Einlassöffnungen p steht mit einer Mischkammer v und Gaskammer s, welche mit Ventilen versehen sind, in Verbindung. Die Zündöffnungen stehen mit einer glühenden Rohre innerhalb eines Bunsen-Brenners in Verbindung. Die Gaseinlassventile werden durch Spindeln u, Sperrhaken u1 und Doppelhebel w mittels Excenterstange w1 und Excenter w2 der Steuerwelle m gesteuert.

Die Arbeitsweise des Motors ist folgende: Befinden sich die Arbeitskolben 19 und 20 in ihrer Anfangsstellung, die Kurbel in ihrem oberen todten Punkt, so wird, wenn keine besondere Anlassvorrichtung mit der Maschine verbunden ist, dieselbe für das erste Anlassen von Hand gedreht. Hierbei wird durch den Kolben 19 Ladung eingesaugt und beim Rückgang desselben comprimirt, da die Steuerung der Vertheilungsschieber gh und der Gasventile derart ist, dass, von der erwähnten Kurbelstellung ausgehend, das zu dem Cylinder 1 gehörige Ventil durch die Klinke u1 und Stange u bethätigt wird, während das zu den Cylindern 2 gehörige Ventil geschlossen bleibt. Cylinder 2 steht während dieser Zeit mit der Aussenluft in Verbindung. Die Steuerwelle m hat hierbei eine halbe Umdrehung gemacht und den Vertheilungsschieber in eine solche Lage gebracht, dass bei der jetzt folgenden Ueberschreitung des Todtpunktes die zum Cylinder 1 gehörige Zündöffnung des Schiebergehäuses freigegeben und die hinter dem Kolben 19 und zwischen den Kolbenschiebern gh befindliche Ladung entzündet wird. Der Kolben 19 macht einen Krafthub, während welcher Zeit der Kolben 20 Ladung ansaugt und beim Rückgange comprimirt, sowie die hinter 19 befindlichen Verbrennungsgase ausgetrieben werden, da inzwischen bei der zweiten Umdrehung der Kurbel die Steuerwelle die zweite halbe Umdrehung gemacht hat und so während dieser Zeit für Cylinder 1 die Einströmungsöffnung p, sowie Zündöffnung q geschlossen und die Auspufföffnung freigegeben, für Cylinder 2 aber der Reihe nach die Einströmungsöffnung p und die Zündöffnung geöffnet hat, worauf bei wiederholtem Ueberschreiten der Todtlage die Explosivgase im Cylinder 2 arbeiten.

Die Ventile in den Kammern s und v sind derart zwangläufig gesteuert, dass der Eintritt des Gases am Schlusse des ersten Kolbenhubes des jeweilig zur Arbeit vorzubereitenden Cylinders erfolgt, wobei die Gasventile in den Kammern s durch die Steuerwelle, die Zuführungsventile in den Kammern v durch den betreffenden Arbeitskolben während der Saugperiode bethätigt werden.

Bei der in Fig. 24 dargestellten Steuer- und Regulirvorrichtung von Carpenter und Schulze in Berlin (D. R. P. Nr. 82751) ist am Ende einer Excenterstange e ein Gabelstück g angebracht, welches der Bewegung des Excenters, das gegen die Kurbel um 90° versetzt ist, folgt. Auf dem Zapfen z sitzen zwei gezahnte, mit einander fest verbundene Scheiben s1 und s2, von denen s1 durch eine Klinke n bei jedem Hub um einen Zahn weiter bewegt wird. Die Scheibe s2 zeigt eine derartige Anordnung, dass die Schneide i der Pendelklinke k bei jedem zweiten Hub über eine analoge Schneide i1 der Scheibe s2 hinweggleitet, wodurch bewirkt wird, dass entweder die Klinke k durch den Anschlag i2 mit Hilfe des Hebels h das Auspuffventil öffnet oder geschlossen lässt. Die Steuerung des Auspuffventils erfolgt regelmässig bei gleich schnellem Gang der Maschine. Sollte dagegen der Gang der Maschine sich beschleunigen, so wird die Pendelklinke k so hoch geschleudert, dass der Anschlag i2 die Nase des Hebels l beim Rückgang der Excenterstange nicht mehr fasst. Der Anschlag i2 geht über den Hebel h hinweg und das Auspuffventil bleibt geschlossen, wodurch eine neue Explosion verhindert wird und die Maschine langsamer läuft. Unter Beihilfe der Schraube m wird die Schneide i tiefer oder höher gestellt, wodurch man die Geschwindigkeit der Maschine genau einstellen kann.

Textabbildung Bd. 306, S. 175

Die in Fig. 25 dargestellte Steuerung von Th. Bergmann in Gaggenau und J. Vollmer in Baden-Baden (D. R. P. Nr. 86486) ist für solche Maschinen bestimmt, welche zum Betriebe von Fahrzeugen dienen.

Bei der in der Zeichnung angenommenen Ausführung ist eine Zwillingsgasmaschine vorausgesetzt.

Auf der Steuerwelle s, die durch ein Ketten- oder Zahnrad auf die halbe Umlaufszahl der Maschine gebracht ist, sind verschiedene Nocken e1 bis e5 befestigt, welche ein Gemischventil g, zwei Auslassventile a und zwei |176| Zündventile z1z2 bethätigen. Diese Steuerwelle s oder eine auf derselben befindliche Hülse mit den Nocken gestattet neben einer drehenden Bewegung gleichzeitig eine Längsverschiebung parallel zur Achse bezieh. eine Parallelverschiebung der Hülse zur Steuerwellenachse. Dies hat folgenden Zweck: Der Nocken e1, welcher konisch ausgebildet ist, bethätigt das Gemischventil g oder eine Erdölpumpe derartig, dass durch Längsverschiebung der Achse oder Hülse das Gemischventil oder die Pumpe mehr oder weniger geöffnet wird, je nachdem das Fahrzeug mit einer grösseren oder kleineren Geschwindigkeit betrieben werden soll. Der Nocken e1 könnte auch als abgestutzter Kegel ausgebildet sein, was allerdings nur die Anwendung eines Gemischventils gestattet. Die Bethätigung des letzteren könnte auch unmittelbar mittels eines Regulir- und Bremshebels bewirkt werden. Wird die Steuerwelle s in genügender Weise verschoben, so wird der Nocken e1 keine Hubbewegung des Gemischventils herbeiführen; in dieser Stellung der Steuerwelle gleiten die Rollen der Auslassventilhebel oder auch der gerade geführten Stangen g1g1' auf den Ringen e'2e'5, wodurch die Auslassventile geöffnet bleiben. Ebenso gleiten die Rollen der Präcisionszündschieber z1z2 auf den Ringen e'3e'4, so dass die Schieber p in Ruhe bleiben.

Textabbildung Bd. 306, S. 176

Der Leergang der Maschine könnte auch allein dadurch erreicht werden, dass die Auslass- und Zündventilnocken in ihrer Längsrichtung nicht verschoben werden, sondern das Oeffnen des Auslassventils bei Leergang direct durch den Regulirhebel mittels elastischen Winkelzuges und besonderer Nasen bewirkt wird. Das Fahrzeug kann somit bei Leergang fortgeschoben werden, ohne dass der Compressionswiderstand in den Cylindern überwunden werden muss. Das Gemischventil g ist nach Art eines regelbaren und vereinigten Misch- und Sicherheitsventils ausgeführt. Die Einlassventile e arbeiten selbsthätig.

Die Zündung geschieht mittels der entlasteten Zündschieber p, welche durch die Röhrchen z'1z'2 mit den Enden r1r2 der Glühröhrchen z1z2 in Verbindung stehen. Die Steuernocken e3e4 der Zündventile z1z2 sind konisch ausgebildet, so dass je nach der Compressionshöhe mehr oder weniger Verbrennungsrückstände im Glührohre abgeführt werden.

Die Verschiebung der Steuerwelle s sowie das Bremsen geschieht durch Vor- und Rückwärtsbewegung eines Hebels. Die Stellung derselben wird in üblicher Weise durch Eingreifen eines Riegels in ein Kreissegment gesichert.

Die in Fig. 26 veranschaulichte Umsteuerung von N. J. C. Wisch in Altona (D. R. P. Nr. 86896) wirkt dadurch, dass beim Zurückgange des Arbeitskolbens nach erfolgter Explosion das Auspuffventil geschlossen gehalten wird, so dass der Kolben von den noch Explosionskraft besitzenden Gasen zurückgedrängt wird und nun die Kurbel in umgekehrter Richtung antreiben muss. Um dies zu ermöglichen, wird das Auspuffventil von einer Coulissensteuerung aus bethätigt, deren Schleife von einem unter Einwirkung der Explosionsgase stehenden Kolben verschoben werden kann.

Die Stange a öffnet das mittels einer Feder y auf seinen Sitz gepresste Auspuffventil a1, sobald dieselbe genügend gehoben wird; diese kann von der Schleife s einer Coulissensteuerung s verschoben werden, deren Excenter bc rechtwinklig zur Kurbel auf der Kurbelwelle w befestigt sind. Der Cylinder cj mit Kolben wirkt mittels Stange e1 auf die Schleife s und steht durch Leitung ff1f2 mit dem Explosionsraum des Arbeitscylinders in Verbindung. Durch einen Hahn oder Schieber g kann der Gasdruck vor oder hinter den Kolben e geleitet werden.

In der gezeichneten Stellung stehen Arbeits- und Steuerungskolben unter Einwirkung der Explosion (das Auspuffventil kann sich nicht öffnen, weil es von den Gasen auf seinen Sitz gedrückt wird), und nachdem die Kurbel m beim weiteren Vorwärtsdrehen in der Richtung des Pfeiles den unteren todten Punkt überschritten hat, hebt das Excenter b mit seiner Stange b1 die Auspuffventilstange a.

Textabbildung Bd. 306, S. 176

Beim Sinken des Druckes im Arbeitscylinder wird der Steuerungskolben nicht in seine Mittellage zurückkehren, einmal weil noch zu viel Gasdruck auf ihn wirkt und ferner weil seine Reibung im Cylinder ihn daran hindert. Die Schleife s wird daher in der gezeichneten Stellung verharren, bis das Excenter b die obere Kreishälfte nahezu durchlaufen hat, und dadurch ein Heben der Stange a mittels der Excenterstange b1 ermöglicht worden ist. Ueberschreitet dann die Kurbel den zweiten oberen todten Punkt, so wird in Folge der Saugwirkung unter Mitwirkung der Feder i der Kolben in seine Mittellage zurückkehren, diese aber nicht überschreiten und darin verharren; in dieser Mittellage findet keine Hubbewegung der Excenterstange b1 statt und das Auspuffventil, welches sich beim Zurückgange des Steuerungskolbens in die Mittellage schloss, bleibt geschlossen.

Beim Ansaugen neuen Gasgemisches ist die Saugwirkung auf den Kolben nicht stark genug, diesen in die entgegengesetzte äusserste Stellung zu verschieben, während die Feder y das Oeffnen des Ventils verhindert; die |177| Schleife s bleibt daher in der Mittellage, welche die Stellung der Excenter beim Beginn der Ansaugperiode darstellt.

Während der Compressionsperiode (wenn bei weiterer Drehung aus der Mittellage die Kurbel den unteren todten Punkt überschreitet) befinden sich Kolben d und Schleife s in der Mittellage, so dass die Ventilstange a nicht gehoben werden kann und das Ventil a1 geschlossen bleiben muss; erst wenn die Entzündung erfolgt, werden Kolben d und Schleife s wieder in die gezeichnete Stellung gebracht in Folge der Einwirkung der Explosionsgase.

Während der Auspuffperiode geht der Steuerungskolben nicht in seine Mittellage zurück, während bei dem Ansaugen des Gases der Kolben diese Mittellage einnimmt, weil im ersteren Falle der Druck bezieh. die auf den Steuerungskolben ausgeübte Kraft um so viel grösser ist als im letzteren Falle.

Textabbildung Bd. 306, S. 177

Wird nun bei dieser Drehrichtung vor erfolgter Explosion mittels Hahnes g der Druck durch Rohr f2 geleitet, so wird während der Explosion Schleife s weiter gezogen. Die Ventilstange a kann jetzt, während das Excenter b die obere Kreishälfte durchläuft, nicht verschoben werden, der Arbeitskolben trifft die explodirten Gase im Arbeitscylinder und wird von diesen zurückgeschleudert, so dass jetzt die Kurbel zurückdrehen muss, worauf durch die Excenterstange c1 das Auspuffventil geöffnet wird.

Diese Umsteuerung eignet sich auch für Schiffsmaschinen und macht eine Einrichtung zum Verstellen der Schiffsschraubenflügel während der Fahrt unnöthig.

Von J. W. Hartley und J. Kerr in Kilmaroock, Schottland (D. D. P. Nr. 78273), wird eine Regulirvorrichtung angegeben, bei welcher durch fächerartig stellbare Daumen die Menge der Ladung regelbar ist. Fig. 27 und 28 erläutern die Einrichtung.

Die hierzu bisher vorgesehenen Curvenscheiben sind entweder mit verschieden gestalteten Stufen versehen worden, an welchen sich eine auf dem Gashebel befindliche Rolle derart entlang bewegt, dass sie bei jedem Geschwindigkeitswechsel von einer entsprechenden Stufe beeinflusst wird, oder auch aus gegen einander beweglichen Theilen zusammengesetzt, wie z.B. beim D. R. P. Nr. 73754.

Der Zeitpunkt, in welchem der Gaszutritt beginnt, kann nach vorliegender Erfindung geändert werden, ohne dass sich dabei die Gasventilrolle und die dieselbe bethätigende Curvenscheibe gegen einander zu verschieben brauchen.

Nach der Erfindung wird zur Regelung der Geschwindigkeit von Gas- und ähnlichen Maschinen eine Schnecke oder ein Schraubengewinde benutzt, welches längs der Curvenschubwelle verschoben werden kann. Diese Schnecke ist auf einem Gleitstück angeordnet, welches in einer Keilnuth der Curvenscheibenwelle gleitet. Sie ist in einen Schlitz der Curvenscheibe eingepasst und veranlasst, dass ein Theil oder mehrere Theile der Curvenscheibe auf der Welle umlaufen, wenn die Schnecke axial längs der Welle durch den Regler hin und her bewegt wird.

Die mit Nuthen versehene Muffe i ist mit dem Gleitstück h verbunden, welches eine Schraubenfläche erhält (Fig. 27). Muffe und Schraubenfläche werden durch den Regler unter Vermittelung des Hebels i0 und der Federverbindung i1 längs der Welle k verschoben.

Der Centrifugalregler wird von der Curvenscheibenwelle durch Kegelräder angetrieben. Die Reglermuffe bewegt einen Winkelhebel, der den Hebel i0 stellt. Die Verbindung zwischen dem Hebel i0 und der Stellstange erfolgt durch eine Federeinrichtung i1 in elastischer Weise, derart, dass die Kugeln des Reglers sich heben und die Stellstange bewegen können, selbst wenn die Muffe i in einer Lage festgekeilt ist.

Die Curvenscheibe besteht aus vier Theilen: einem Theil l, welcher auf die Welle k festgekeilt ist, und drei Theilen l1l2l3, die lose auf der Welle sitzen, aber durch die feste Scheibe m gegen Längsverschiebung geschützt werden. Durch diese Vorrichtung kann die Leitkante der Curvenscheibe nach vor- oder rückwärts bewegt werden, um den Gaseintritt früher oder später zu vermitteln. Der Theil l, welcher auf der Welle festgekeilt ist, bewirkt, dass die Scheibe stets das Gasventil zur geeigneten Zeit schliesst; der andere Theil oder die anderen Theile werden durch die Schraubenfläche des Gleitstückes h gedreht, folgen einander um die Welle k und bilden so eine continuirliche Curvenscheibe bezieh. ein Excenter, wobei die Excenterrolle, welche den Gasventilhebel bethätigt, genügend breit ist, um in der Breite die Gesammtheit der Theile ll1l2l3 zu umfassen. Der Theil l1 der Curvenverbundscheibe ist derart ausgebildet, dass die Schraubenfläche auf h hineinpasst, und es sind Schlitze in den Theilen l2l3 und l hergestellt, um diese Schraubenfläche freizulassen. Der Theil l1 enthält einen Stift c, der in einem Schlitz von l2 läuft und die Bewegung desselben zu geeigneter Zeit veranlasst, und der Theil l2 hat einen Stift d, der in derselben Weise in einem Schlitz des Theiles l3 läuft. Wenn die Muffe i in der einen Richtung bewegt wird, so gehen die Scheibentheile l1l2l3 aus einander und nehmen die aus Fig. 28 ersichtliche Lage ein, wobei der Scheibentheil l sich in einer Richtung bewegt, welche durch den Pfeil in Fig. 28 angegeben ist und die Theile l2l3 nach einander mitnimmt. In dieser Lage wird das Gas voll zugelassen. Wenn der Regler die Muffe i verschiebt, um die Gaszuführung zu verhindern, so wird der Scheibentheil l1 durch die Schraubenfläche zurückgebracht, bis er sich mit dem Theil l2 deckt; darauf bewegt sich der Theil l2 mit zurück, bis beide den Theil l decken, worauf auch dieser Theil sich zurückbewegt, wenn der Gaszutritt noch weiter verhindert werden soll, bis endlich alle Theile l1l2l3 den Theil l decken. In dieser Lage ist die Gaszuführung auf das Mindeste beschränkt worden.

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Wenn die Geschwindigkeit der Maschine abnimmt, so wird der Theil l1 in Richtung der Pfeile durch den Regler auf das Gleitstück h mit der Schraubenfläche bezieh. Schnecke nach vorwärts bewegt. Der Stift c des Theiles l1 bewegt sich dann von einem Ende eines Schlitzes in dem Theil l2 (Fig. 29 und 30) nach dem anderen; dagegen wird der Theil l2 erst bewegt, wenn der Regler eine weitere Bewegung der Stange i0 veranlasst, wonach der Stift c den Theil l2 mitnimmt und den Theil l3 (Fig. 31) blosslegt. Der Stift d in dem Theil l2 bewegt sich alsdann von einem Ende eines Schlitzes in dem Theil l3 (Fig. 30 und 31) nach dem anderen. Eine weitere Bewegung des Reglers ist Veranlassung, dass der Stift d den Scheibentheil l2 bewegt und der Stift e (Fig. 31 und 32), welcher an dem festen Theil l befestigt ist und in einem Schlitz des Theiles l3 läuft, verhindert, dass der Theil l3 zu weit herumgenommen wird. Fig. 29 stellt die Curvenscheibe bezieh. das Excenter in geschlossener Lage dar, während Fig. 30 bis 32 verschiedene Stellungen des fächerartig aus einander gebreiteten Excenters veranschaulichen.

Der Theil l1 wird in Richtung der Umdrehung der Welle vorbewegt, wenn die Geschwindigkeit der Maschine abnimmt, so dass das Gasventil s immer früher bei dem Hube geöffnet wird, bis es den ganzen Hub über offen gehalten wird.

Die Spreizung der Curvenscheibe in ihrer äussersten Lage ist in Fig. 32 in etwas übertriebenem Maasse gezeichnet, um die Wirkungsweise deutlicher zu machen. Die Curvenscheibe hält in dieser Spreizung das Ventil s etwas länger, als für eine Viertelumdrehung der Welle k nothwendig ist, offen, so dass die voll aus einander bewegte Curvenscheibe etwa ¼ des Umfanges eines Kreises ausmacht. Diese Einrichtung setzt voraus, dass die Welle k, wie gewöhnlich bei Viertactmaschinen, für zwei Umdrehungen der Kurbelwelle eine Umdrehung macht.

Es war bisher erforderlich, für Explosionsmaschinen von verschiedener Kraftleistung und für verschiedene Betriebsstoffe verschieden grosse Mischventile anzuwenden. Das nach der Erfindung von B. Zeitschel in Berlin (D. R. P. Nr. 83597) eingerichtete Ventil ist so regulirbar, dass dasselbe für jede Art von Explosionsmaschinen, gleichviel ob dieselben mit Gas oder Erdöl oder Benzin u.s.w. betrieben werden, zur Anwendung gelangen kann. Ebenso lässt sich das neue Ventil für Maschinen von verschieden grosser Kraftleistung – 1, 2, 3, 4 u.s.w. – anwenden bezieh. einstellen.

Das Ventil ist in Fig. 33 durch einen Verticalschnitt dargestellt. In dem Ventilgehäuse a ist der Ventilkegel b mit der hohlen Ventilstange c angeordnet. Eine Schraubenfeder d drückt das Ventil b beständig gegen seinen Sitz b1. Der Hohlraum der Ventilstange c ist oben bei c1 geschlossen. Unten besitzt die Ventilstange c die Luftdurchströmungsöffnungen e. In ihrem mittleren Theil, wo sie durch die verengte Gehäusewandung a Führung erhält, sind die Lufteinströmungsschlitze f vorgesehen. Die Schlitze f liegen abwechselnd rechts und links über einander, erstrecken sich in ihrer Breite auf etwa die Hälfte des Umfanges der Ventilstange und steigen nach Art eines Schraubenganges schräg an. In dem zur Führung dienenden Theil der Gehäusewandung sind die Schlitze g angebracht, welche genau so gross und gestaltet sind wie die Schlitze f und diese bei geschlossenem Ventil b vollständig decken. Auf diesem Theil der Gehäusewandung ist die Stellhülse h mit geriffeltem Handgriff h1 aufgeschoben, deren Luftschlitze i den Schlitzen f und g genau entsprechen. Wenn die Hülse h die in der Zeichnung angegebene Stellung hat, so sind die Schlitze f und g vollständig geschlossen; die Aussenluft ist gänzlich abgesperrt. Wird die Hülse um 180° gedreht, so decken sich die Schlitze fgi; die Aussenluft kann durch die volle Breite und Höhe der Schlitze eindringen. In den Zwischenstellungen sind die Luftschlitze sowohl nach ihrer Breite als auch nach ihrer Höhe je nach Bedarf mehr oder weniger geschlossen bezieh. geöffnet. Statt der schrägen Lufteinlässe fgi können auch deren gerade angewendet werden, so dass bei Verstellung der Hülse h nur die Breite, nicht auch die Höhe der Schlitze f und g verändert wird. Der Erfinder gibt indessen den schrägen Schlitzen auf Grund von Versuchen den Vorzug. Um die Luftschlitze herum wird zweckmässig noch eine drehbare Luftschallhülse angeordnet, welche als nebensächlich nicht mitgezeichnet ist.

Textabbildung Bd. 306, S. 178

An dem Ventilgehäuse a sitzt seitlich das Zerstäubergehäuse k, welches oberhalb mit dem Zuführungsstutzen k1 für das Betriebsmittel (Gas, Erdöl, Benzin u.s.w.) versehen ist und mit der Düse l in das Gehäuse a einmündet. Auf k ist die Kappe m verstellbar aufgeschraubt. Dieselbe ragt mit einer zweiten Düse n in die Düse l hinein. Die Düsen l und n besitzen verschiedene Verjüngung. Die Zerstäuberluft tritt bei o in die Düse n und bei pp in die Kappe m ein. Der Luftzutritt kann durch die Schraubenspindel q regulirt werden, während der zwischen den Düsen l und n stattfindende Zufluss des Betriebsmittels durch Verschrauben der Kappe m regulirt wird.

Wird die Ventilscheibe b durch den Arbeitskolben angesaugt und geöffnet, so wird einmal rein atmosphärische Luft durch igfce und a und ausserdem zerstäubtes Betriebsmittel durch kl und a in den Arbeitscylinder eingesaugt und mit einander gemischt. Durch entsprechende Wahl der Schraubenfeder d kann der Hub des Ventils b so bemessen werden, dass im letzten Moment des Hubes |179| die Schlitze f sich unterhalb der Schlitze g befinden, die Luftzufuhr also abgesperrt ist. In Folge dessen wird in diesem Moment der Arbeitskolben seine saugende Wirkung nur auf den Zerstäuber ausüben und dadurch eine besonders kräftige Zerstäubung und innige Mischung bewirken.

Die Grösse und Querschnitte der Arbeitsorgane und Durchlässe sind für die grösste der zu betreibenden Maschinen zu bemessen. Will man z.B. dasselbe Mischventil für 1- bis 5pferdige Maschinen anwenden, so sind jene Grössenverhältnisse für die 5pferdige Maschine zu berechnen und für kleinere Maschinen durch die Stellvorrichtungen hm und q entsprechend zu verringern.

Bei der Regulirvorrichtung von J. Waibel in Ludwigshafen a. Rh. (D. R. P. Nr. 86374) wird der Auspuff während der Regelung geschlossen gehalten.

Textabbildung Bd. 306, S. 179

Bei Gasmaschinen, deren Gang dadurch geregelt wird, dass bei überschrittener normaler Umlaufszahl der Maschine das Auspuffventil geschlossen bleibt, tritt der Nachtheil ein, dass die heissen gespannten Gase der der Auspuffperiode mit geschlossenem Ventil voraufgehenden letzten Zündung nicht entweichen können, vielmehr für die Dauer der Regelung verdienet werden und wieder expandiren. Dieser Umstand wirkt zwar sehr günstig auf den gleichmässigen Gang der Maschine, indem mit dem Regeln durch Verdichtung der verbrannten Gase Arbeit verbraucht wird, welche aber bei der folgenden Expansion zum grössten Theile wieder an die Maschinenwelle abgegeben wird. Es erfolgt also bei zu grosser Kraftäusserung sofort eine Bremsung, deren Kraftverbrauch aber später wieder an die Welle abgegeben wird.

Der Nachtheil dieses Regulirungsverfahrens liegt darin, dass durch die fortwährende Verdichtung der heissen Gase das Schmieröl aus den Fugen zwischen Cylinder und Kolben ausgetrieben und Cylinder und Kolben sehr stark erhitzt werden, da eine Saugperiode während der ganzen Dauer der Regelung nicht erfolgt. Die in den Gasen enthaltene Wärme findet nämlich genügend Zeit, in den Kolben und die Cylinderwandungen überzugehen, was nebenbei selbst bei Leergang einen grösseren Kühlwasserbedarf bedingt.

Um einerseits letztere Uebelstände zu vermeiden, ohne andererseits die Vortheile der Regelung mit geschlossenem Auspuffventil zu verlieren, ist ein Kanal b angeordnet.

Fig. 34 gibt eine Ansicht einer mit Kanal b versehenen Maschine. Cylinder c ist theilweise im Schnitt gezeichnet, wodurch Kolben k in seiner tiefsten Stellung sichtbar wird. In dieser Lage gibt der Kolben Kanal b frei, welcher alsdann eine freie Verbindung zwischen dem Cylinderinneren und der äusseren Atmosphäre bildet. w ist der Kühlwasserraum, a das Auspuffventil. Fig. 35 stellt ein Diagramm dar, bei welchem die Druckveränderungen im Cylinder während der Regelung angezeigt wird. Die heissen Gase werden also stark verdichtet, und aus dem abnehmenden Verdichtungsdruck ist zu erkennen, dass die Wärme allmählich in die Cylinderwandungen und den Kolben übergeht. Der Druck der verbrannten Gase geht so weit zurück, bis die weitere Verdichtung in der Hohe erfolgt, welche beim Verdichten des frischen Gemisches erzielt wird.

Fig. 35 gibt ein Diagramm einer mit Kanal b ausgerüsteten Maschine. Bereits nach der der Regelung folgenden dritten Umdrehung der Maschinenwelle ist die Spannung in der Maschine verschwunden und die weitere Verdichtung erfolgt nur bis zur Höhe der normalen Betriebsspannung. Wäre Kanal b grösser, so wäre der Ueberdruck noch schneller, etwa nach einer Umdrehung verschwunden. Um einen gleichmässigen Gang zu erzielen, wird der Kanal b entsprechend eng gewählt. Soll am Ende der Saugperiode ein Ausströmen der angesaugten Gase verhütet werden, so kann durch Anbringung eines nach aussen sich öffnenden Rückschlagventils am Kanal b dieser Uebelstand beseitigt werden.

(Fortsetzung folgt.)

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