Titel: Neue Gasmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 193–198)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306054

Neue Gasmaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 174 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Fig. 36 und 37 erläutern eine Regulirung für das Einlassventil nach der Erfindung der Actiengesellschaft der Maschinenfabriken von Escher, Wyss und Co. in Zürich (D. R. P. Nr. 90033).

Textabbildung Bd. 306, S. 193

Der auf eine Pumpe, einen Schieber oder ein anderes Förderungs- bezieh. Absperrungsorgan A wirkende, im Maschinengestell gelagerte Doppelhebel aa1 erhält seinen die Steuerung bewirkenden Ausschlag von dem auf der Welle e sitzenden Excenter E mittels einer in dem gabelförmigen, freien Ende des Hebels a1 gelagerten Rolle b, während er durch die auf den Hebel a wirkende Feder f zurückgedrückt wird. Die Rolle b wird in ihrer Lage in der Gabel durch zu beiden Seiten der letzteren beweglich angeordnete Klinken cc1 fixirt, d.h. diese Klinken cc1, welche auf einer im oberen Theil der Gabel gelagerten Querwelle c0 befestigt sind, bilden mit ihren unteren, hakenförmig gebogenen Enden die Widerlager für die aus der Gabel herausragende Rollenachse b1, derart, dass die Rolle in der Gabel nicht etwa nach oben ausweichen kann, sondern, sich gegen die Klinken stützend, den Hebel mitnimmt, sobald sie von dem excentrischen Theil der Scheibe E gehoben wird. Diese Klinken cc1 bilden also gewissermaassen Kuppelungsorgane, welche die kraftschlüssige Verbindung zwischen Rolle b bezieh. Excenter E und Doppelhebel aa1 bezieh. Steuerungsorgan A herstellen. Befinden sich die Klinken dagegen umgeklappt, so ist die Verbindung zwischen der Rolle und dem Hebel a1 gelöst, die Rolle wird wohl von dem Excenter E gehoben, nimmt aber den Hebel a1 nicht mit, so dass also auch der Doppelhebel aa1 bezieh. das Organ A unbeweglich bleibt und die Zuführung von frischer Flüssigkeit oder Gas unterbrochen wird. In diese Stellung werden die Klinken durch den an einem regelnden Maschinentheil, im vorliegenden Falle einem passend bethätigten Schwinghebel d sitzenden Stossarm d1 gebracht, welcher mit einer vorstehenden Stosskante d2 gegen eine Nase c2 der hinteren Klinke c1 anstösst, sobald in Folge zu raschen Ganges der Maschine der Hebel d einen seitlichen Ausschlag macht. Ist der normale Gang der Maschine wieder hergestellt, so fallen die Klinken cc1, von dem Arm d1 freigegeben, in ihre Anfangslage zurück und stellen die Rolle b wieder in der Gabel a3 fest, stellen also die kraftschlüssige Verbindung zwischen Excenter E und Steuerungsorgan A wieder her.

Es sei noch erwähnt, dass bei der gezeichneten Ausführung der Hebel a1 mittels einer den Wulst a0 desselben mit einem ⊔-förmig profilirten Theil g umfassenden Stellschraube G wagerecht auf der Achse a2 verschoben werden kann, derart, dass, je nachdem die Zufuhr der Flüssigkeit bezieh. des Gases grösser oder kleiner sein soll, die Rolle auf dem entsprechend abgeschrägten, excentrischen Theil e0 der Excenterscheibe E tiefer oder höher zu stehen kommt, wodurch dann der Ausschlag des Hebels a und damit der Hub des Organes A entsprechend grösser oder kleiner wird.

Soll die Zufuhr dauernd unterbrochen, also die Maschine abgestellt werden, so stellt man die Klinken mittels des am Hebel a1 aufgehängten Sperrhakens h, welcher in einem passenden Ausschnitt c3 der Klinke c eingreifen kann, in ihrer die Entkuppelung der Rolle bewirkenden Stellung fest.

In der Patentschrift Nr. 86115 ist eine Regulirvorrichtung erläutert, durch welche am Anfang und Ende des Saugespiels dem Cylinder nur reine Luft zugeführt wird, in der Mitte dagegen verdünntes, zündfähiges Gemisch, um durch Verdünnung der Ladung durch Luftzuführung den Gang der Maschine zu beeinflussen. Da nun atmosphärische Luft die Maschine stark abkühlt, so ist es zweckmässiger, die Abgase, welche in dem Ansaugespiel noch einen hohen Wärmegrad besitzen, für den angeführten Zweck nutzbar zu machen. Zu diesem Zwecke wird nach |194| der in Fig. 38 dargestellten Erfindung von G. Knorr in Berlin (D. R. P. Nr. 87985) das Auspuffventil d so gesteuert, dass dem eintretenden Gemisch aus der Auspuffleitung verbrannte Gase zugeführt werden können. Das Ventil a, welches zwischen Saugventil b und Auspuffventil d einerseits und dem Cylinder andererseits angebracht ist, wird derartig gesteuert, dass es zu Anfang des Auspuffspiels angehoben und erst gegen Schluss des Saugespiels geschlossen wird, so dass es sowohl als Auspuff wie als Saugeventil wirkt. Der Kegel a erhält hierbei eine nach oben hin geschlossene Hohlform, um den ausströmenden Abgasen eine Beheizungsfläche zu bieten und zu gleicher Zeit als Zerstäuber wie Erwärmer für das angesaugte Gemisch zu dienen. Es wird hierdurch den sonst ungenutzt ins Freie entweichenden Abgasen Wärme entzogen und dieselbe für die Maschine wieder nutzbar gemacht. Saugewie Auspuffventil wirken vollständig selbsthätig. Es ist hierbei erreicht, dass nur durch ein gesteuertes Ventil sowohl Anfang des Auspuffes wie Ende des Saugespiels eingestellt werden können. Zur Zündung dient die unter dem Kegel a angeordnete Glocke g, welche beim Anlassen der Maschine von einer Löthlampe erhitzt wird. Ist die Maschine im Betrieb, so wird die Lampe fortgenommen und arbeitet die Maschine durch Selbstzündung weiter. Indem man die Glocke des Ventilkegels a in der Ansaugeperiode mehr oder minder nahe auf die untere Glocke g führt, kann letztere auf einem beliebig gewünschten Wärmegrad gehalten werden, so dass das Gemisch zum Zweck einer genauen Zündung stets die gleiche Temperatur erhält.

Textabbildung Bd. 306, S. 194

Die Maschine arbeitet im Viertacte und die Steuerung wird durch ein Excenter bethätigt. Um hierbei das Ventil a länger als eine ganze Kurbelumdrehung offen zu halten, was wegen der Voreilung für den Auspuff erforderlich ist, ist der Hebel h mit einer Anschlagklinke k versehen, welche zugleich die Viertactsteuerung vermittelt. Der Gang der Maschine ist aus den vier Figuren ersichtlich. In Fig. 38 hat die Kurbel den todten Punkt des Auspuffspiels überschritten und saugt die Maschine durch das Ventil b Gemisch an, wobei durch directe Einstellung oder unter Vermittelung eines Regulators das Ventil d dem angesaugten Gemisch verbrannte Gase zur erforderlichen Verdünnung zuführen kann. Hierbei ist die Nase n1 durch die Feder f1 so weit nach oben gedrückt, dass die Nase n über die Nase n2 hinweggleitet. Kurz vor der Endstellung der Kurbel nimmt die Nase n der pendelnden, beweglich getheilten Excenterstange die Nase n1 der Klinke k mit, so dass Klinke k, welche sich um den Punkt p dreht, vom Anschlag q abgleitet und das Ventil a unter Beihilfe der Feder f im todten Punkt geschlossen wird, die Compression also beginnt. Durch Verlegung des Anschlages q kann die Steuerung für jeden Viertactmotor Verwendung finden und die Pendelklinke als Pendelregulator ausgebildet werden.

Wird entweder der Auslass oder der Zulass gesteuert, so muss, falls der Arbeitskolben Luft und Gas durch ein belastetes Ventil einsaugt, eine atmosphärische Verdünnung und somit ein Kraftverlust eintreten, wobei das Luftventil bezieh. Luft- und Gasventil auch dann bewegt wird, wenn ein Einströmen von Gas in den Cylinder nicht stattfindet. Wird das Gasgebeventil vom Regulator gesteuert, so wird der Auspuff auch während der Regelung geöffnet. Saugt die Maschine nur Luft an, so wird diese beim Rückgang des Kolbens verdichtet. Dadurch, dass das belastete Ventil bei der Verdichtung aufgestossen werden muss, wird die Maschine einen Kraftverlust erleiden. Ebenso wird bei der Verdichtung der Luft durch die Undichtheit des Arbeitskolbens oder der Ventile ein Kraftverlust eintreten. In allen Fällen müssen die Ventile hinter einander unnütz arbeiten, dabei Kraft aufzehren und Abnutzung erfahren.

Diese Nachtheile sollen bei der Erfindung von W. v. Pittler in Gohlis-Leipzig (D. R. P. Nr. 84402) aufgehoben werden; es bestehen deren Hauptmerkmale im Wesentlichen darin, dass, wie Fig. 39 zeigt, die Luftzuführung offen und der Auspuff geschlossen bleibt, wenn die normale Geschwindigkeit überschritten wird, wodurch die Verdichtung der Luft aufgehoben wird. Hierbei bleiben alle Ventile ausser Thätigkeit. Verdichtung und Arbeiten der Ventile findet nur dann statt, wenn explosible Stoffe eingesaugt worden sind.

Textabbildung Bd. 306, S. 194

Der Hebel h stösst das vereinigte Gas- und Luftventil mm1 auf, der Kolben saugt Gas und Luft in den Raum d, in welchem die Mischung verdichtet und zur Explosion gebracht wird, wobei die verbrannten Gase durch das Auspuffventil austreten; dieses bleibt dagegen stets geschlossen, wenn der Kolben nur Luft einnimmt. Ueberschreitet die Maschine eine bestimmte Tourenzahl, so gibt der Geschwindigkeitsregler, welcher in bekannter Weise angeordnet ist, dem Hebel a eine Verdrehung, welche den Hebel g zwingt, sich zu verschieben, wobei sämmtliche Hebel, welche auf die Ventile der Maschine wirken, abgelenkt und die Ventile, z.B. mpn, von den immerwährend arbeitenden Hebeln hil nicht getroffen werden. Dagegen wird der Hebel h das Luftventil m1 treffen, welches vom Sperrhaken a0 aufgefangen wird, wodurch die Luft frei ein- und ausgestossen wird |195| und nicht zur Verdichtung gelangen kann, wobei alle Ventile ausser Thätigkeit bleiben. Trifft dagegen der Hebel h das Speiseventil m, so wird der Sperrhaken a0 seitlich abgelenkt und kann derselbe das Luftventil m1 nicht zurückhalten, welches beim Niedergange des Hebels h sich schliessen wird. Hierbei sind die Hebel hil durch den Lenker g so gestellt, dass die Ventile von den immerwährend arbeitenden, von den Curvenscheiben l0 bewegten Hebeln getroffen werden.

Es kann mithin, sofern das Luftventil m1 aufgefangen wird, keine Verdichtung eintreten, indem die eingesaugte Luft wieder ausgestossen und eingesaugt wird. Ebenso bleiben alle Ventile ausser Thätigkeit, so lange, bis das Speiseventil m getroffen wird, mithin auch das Luftventil m1. Der Kolben kann alsdann die Mischung frei ohne Widerstand einsaugen, die Verdichtung findet statt und der Lenker g beeinflusst die Hebel, welche sämmtliche Ventile zur Wirkung bringen. Es wird hiermit erreicht:

1) dass das Einsaugen der Luft bezieh. Mischung frei ohne belastete Ventile geschieht;

2) dass eine Verdichtung, sofern nur Luft eingesaugt wird, ausgeschlossen ist;

3) dass alle Ventile ausser Thätigkeit gestellt bleiben, wenn nur Luft eingesaugt wird.

Der Regulator von J. M. Grob und Co. in Eutritzsch-Leipzig (D. R. P. Nr. 81392) benutzt den Widerstand einer Scheibe in einer Flüssigkeit.

An der auf und nieder gehenden Stange a (Fig. 40) ist um c drehbar ein Winkelhebel mit den Schenkeln f und d befestigt. An der Stange a befindet sich ferner ein Arm b, welcher an seinem Ende eine Feder u trägt. Die Feder u trägt den Schenkel f des Winkelhebels, an den bei s gelenkig die Stange g mit der Scheibe h angehängt ist. Der Schenkel d hat die Aufgabe, auf die Stange e, welche die Stange eines Ventils oder die Kolbenstange des Zulasses ist, veränderlich einzuwirken. Das Gefäss m, welches mit der Schraube i lose in die Stütze k eingeschraubt ist, ist entweder leer, also mit Luft gefüllt, oder kann auch, wie gezeichnet, mit irgend einer Flüssigkeit n oder auch mit flüssigem Metall (Quecksilber) angefüllt sein.

Textabbildung Bd. 306, S. 195

Während des Auf- und Niederganges der Stange a wird bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit der Widerstand, den die Scheibe h durch die Luft oder die Flüssigkeit n im Gefäss erleidet, von der Feder u überwunden, so dass der Arm d des Winkelhebels mit seiner Schneide w die Nase v der Stange e treffen und den Zulass bewirken kann.

Wird die Geschwindigkeit der auf und nieder gehenden Stange a und damit der Stange g und der Scheibe h so gross, dass der Widerstand der Flüssigkeit n o. dgl. grösser als die Spannung der Feder u ist, so wird die Scheibe h etwas zurückbleiben und den Arm d des Winkelhebels so ablenken, dass die Schneide w die Nase v des Zulassstempels e nicht mehr treffen kann und dadurch auch kein Erdöl gefördert bezieh. das Gasventil nicht geöffnet wird.

Wenn hier nur die Massen in Betracht gezogen würden, wäre die bisher beschriebene Einrichtung im Wesentlichen dieselbe wie bei der Patentschrift Nr. 17906. An die Stelle der Massenwirkung tritt jedoch hier die Wirkung des Widerstandes, den die Scheibe bei der Bewegung im Gefäss findet. Die Benutzung des Widerstandes bietet aber andererseits die Möglichkeit, die Regulirung in eigenartiger Weise für verschiedene Geschwindigkeiten einzustellen.

Durch Drehen des Gefässes m nach rechts oder links wird dasselbe durch die Schraube i gehoben oder gesenkt, also die Lage der Scheibe h im Gefäss und mit dieser der Widerstand verändert, wodurch die Umlaufszahl beliebig zu verändern ist. Die Aenderung der Lage der Scheibe h und damit die Zahl der Umdrehungen der Maschine lässt sich auch durch Heben und Senken dieser Scheibe, oder endlich durch Zu- und Ablassen von Flüssigkeit verändern.

Die Kappe q soll den Stab v vom Gefäss m abhalten.

Die Erfindung von C. W. Rump in Metelen, Westfalen (D. R. P. Nr. 79254), bezweckt die Handeinstellung von Gasmaschinen mittels eines leicht steuerbaren Gelenkhebels.

Bei Maschinen, die zum Zwecke der Regelung mit veränderlicher Gemischansaugung im Cylinder arbeiten, ist es nöthig, das Einlassorgan, wenn es aus einem sich nach dem Cylinderinnern zu öffnenden Tellerventil besteht, nach dem Schlusse durch eine Feder oder sonstige Belastung fest auf seinen Sitz zu drücken, da es sich sonst beim Weiterbewegen des Kolbens durch das im Cylinder entstehende Vacuum heben würde. Bei dieser Hebung würde aber wieder Gemisch angesogen und dadurch die Regelung beeinträchtigt bezieh. ganz unmöglich gemacht werden. Da die Belastung des Ventils von seiner Steuerung mit überwunden werden muss, so werden für Steuerungen, die unmittelbar vom Regulator beeinflusst werden, unverhältnissmässig schwere Regulatoren und starke Oelbremsen als Widerstand gegen die rückwirkende Kraft der Ventilbelastung nothwendig.

Um diesen Uebelstand zu vermeiden, ist von C. Wigand in Hannover (D. R. P. Nr. 86897) ein entlastetes Doppelventil verwendet, wie solches bei Dampfmaschinen üblich ist. Dasselbe ist jedoch in viel höherem Maasse als sein Sitz den verbrennenden Gasen, also einer hohen Temperatur ausgesetzt, was eine ungleiche Ausdehnung des Ventils und Ventilsitzes zur Folge hat, wobei ein dichter Abschluss nicht vorhanden ist.

Textabbildung Bd. 306, S. 195

Durch das Tellerventil wird ein Abschluss nach dem Innern des Cylinders gebildet und so das Doppelsitzventil oder der Kolbenschieber vor der ungleichen Erwärmung geschützt, während sich andererseits bei Vacuum im Cylinder das unbelastete Tellerventil für sich etwas hebt und so bei dem durch das Doppelsitzventil oder den Schieber bewirkten Abschluss des Einlasskanals ein Druckausgleich zwischen dem Innern des Cylinders und dem Raume zwischen beiden Ventilen erreicht wird.

|196|

In der Patentzeichnung sind verschiedene Einrichtungen im Durchschnitt dargestellt. In Fig. 41 führt sich das Tellerventil a frei beweglich in einem Auge der Rippen b des Doppelsitzventils c. Bei geschlossenem Doppelsitzventil c kann sich das Tellerventil a zwanglos auf seinen Sitz im Ventilkasten legen, und gestattet die Hubbegrenzung d nur eine kleine Hebung von a, wenn das Doppelsitzventil c geschlossen ist. Diese geringe Hebung tritt bei Vacuum im Cylinder ein und damit auch der Druckausgleich zwischen dem Innern des Cylinders und dem inneren Raum zwischen den Sitzflächen des Doppelsitzventils c. Da letzteres fast ganz entlastet ist, so ist für sein Zuhalten nur eine ganz geringe Spannung der Feder g und daher auch eine geringe Rückwirkung bei Bethätigung der Steuerung erforderlich. Bei Hebung des Doppelsitzventils c durch die Steuerung wird das Tellerventil a von den Rippen b des Ventils mitgehoben.

Bei einer zweiten Einrichtung ist c ein entlasteter Kolbenschieber und der Ventilteller a mit dessen Rippen fest verbunden. Die Abschlusskanten des Schiebers greifen so weit über die seines Sitzes, dass die geringe Hebung des Tellers a, welche beim Druckausgleich stattfindet, keine Oeffnung des Schiebers zur Folge hat.

In der dritten Einrichtung ist das Tellerventil a nur über der mittleren Oeffnung eines Doppelsitzventils angeordnet. Hierbei wird zwar der obere, ringförmige Theil des Ventils und ein entsprechender Theil seines Sitzes den verbrennenden Gasen ausgesetzt, doch bleiben die Ausdehnungsverhältnisse zwischen Sitz und Ventil dieselben.

Die übliche Regulirungsweise durch Veränderung der Ladungsmenge oder der Gemischzusammensetzung bei Explosionsmaschinen mittels Drosselklappe hat den grossen Nachtheil, dass die richtige Zusammensetzung des Explosionsgemisches bei Verstellung der Klappe zwischen gewissen Grenzen wechselt, wenn nicht bei jeder Ladungsverminderung oder Vermehrung durch Nachhilfe am Lufthahn das Gemisch wieder auf seinen höchsten Wirkungsgrad gebracht wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 196

Zur Begegnung dieses Uebelstandes dient nach der Construction von Th. Bergmann in Gaggenau und J. Vollmer in Baden-Baden (D. R. P. Nr. 88151) das zwischen dem selbsthätigen Einlassventil und dem Gaserzeuger eingeschaltete Doppelventil, das sozusagen als passiver Widerstand in der Leitung aufzufassen ist.

Fig. 42 zeigt dasselbe in zwei senkrecht zu einander stehenden Verticalschnitten.

Durch Druck mittels der Regulatorbüchsenbewegung oder durch die Hand (wie es bei Motorfahrzeugen vorkommt) auf die Ventilspindel v wird das Gasventil s, sowie das Luftventil l0 auf gleichen Hub bethätigt und bleiben beide in bestimmter Stellung geöffnet; es gelangt also durch die Saugwirkung der Kolben am Ventil s das drucklose Gas oder die mit Kohlenwasserstoff geschwängerte Luft und am Ventil l0 durch die Längsschlitze l die Luft in der mittleren Kammer zur innigen Mischung und das explosible Gemisch durch den Kanal m durch ein vor dem Einlassventile liegendes Davy-Sieb und durch ersteres in den Cylinder. Das Luftventil l0 ist passend in den Stegen r geführt und wird bei bestimmtem Hub einen gewissen Theil der Längsschlitze l zum Lufteinlasse freigeben. Diese letzteren sind in ihrer Breite derartig geformt, dass sie bei jedem beliebigen Hub ihre freiwerdenden Oeffnungen jeder Zeit ins richtige Verhältniss zu derjenigen Oeffnung des Gaseinlassventils s bringen, also so, dass stets der höchste Explosionsdruck des Gemisches erzielt wird.

Zur praktischen und genaueren Ausführbarkeit der Einstellung des Doppelventils ist es Bedingung, einen möglichst grossen Hub beider Ventile zu erzielen.

Dies ist jedoch beim Gasventil s mit gewöhnlichem Ventilgehäuse nicht erreichbar, weil die Hubhöhe mit Rücksicht auf die Durchgangsweite eine begrenzte Grösse ist und so klein ausfällt, dass eine Einstellung praktisch unmöglich wird. Um nun trotzdem bei einem brauchbaren grossen Hub beider Ventile die Durchgangsweiten proportional den einzelnen Ventilhuben zu machen, ist das das Gasventil s umschliessende Gehäuse der mittleren Kammer derartig paraboloidisch oder ähnlich ausgebildet, dass erst beim grössten Hub des Ventils s auch der grösste Gasdurchlass erreicht wird. Es wachsen also die um das Gasventil in ihrer Projection als concentrische Ringe ausgebildeten freien Oeffnungen proportional zum Ventilhube von Null bis zum Ventilquerschnitte.

Die Veränderung der Ladungsmenge wird mithin durch mehr oder weniger Oeffnen des Doppelventils mit stets richtiger Zusammensetzung der Ladung erzielt.

Zur Einstellung des richtigen Gemischverhältnisses dient an Stelle des Lufthahnes der Drehschieber h, der durch Drehung die Längsschlitze l mehr oder weniger verdeckt.

Durch Versäumung der richtigen Einstellung des Gemisches nach dem Anlassen kommt es vor, dass in Folge Gas oder luftarmen Gemisches die Verbrennung so langsam vor sich geht, dass es im Laderaum sogar noch nach Beginn des nächsten Ansaugespiels frischen Gemisches brennt, so dass eine Entzündung des letzteren möglich ist, was bei geöffnetem Einlassventil einen Rückschlag in die Gemischzuleitung herbeiführen kann. Andererseits kommt es häufig vor, dass ein Rückschlag eintritt, wenn glühende Rückstände im Laderaum mit frischem Gemisch des nächsten Ansaugespiels zusammentreffen. In diesem Falle würde das hinter dem Einlassventile liegende Davy-Sieb zunächst die Feuergase tödten und das in x vom Gasventil s getrennte Luftventil l0 durch die Explosivkraft des Rückschlages in die punktirte Stellung l1 verdrängt werden, also die Druckerhöhung in der Explosionsgemischzuleitung in der durch punktirte Pfeile angedeuteten Weise ausgleichen.

Das Ventil, welches nach der Erfindung von J. W. Hartley und J. Kerr in Kilmarnock, Schottland (D. R. P. Nr. 78913), in Fig. 43 dargestellt ist, soll besonders zur Steuerung des Niederdruckcylinders von Gasverbundmaschinen Anwendung finden.

|197|

Das Auslassventil a wird durch die Spindel a1 bethätigt, wobei die Abgase in den Raum unter dem Ventilteller gelangen. Dieser Raum wird von zwei weiteren Ventilen b und b1 beherrscht, von denen b mit einer Muffe, welche die Hauptventilspindel a1 umschliesst, verbunden ist. Mittels eines an diese Muffe angegossenen Armes b3 wird dem die Oeffnungen d1d2 des Auslasskanales d beherrschenden Ventile b die erforderliche Drehbewegung zugeleitet. Das Ventil b1 gleitet über Luftzuführungsöffnungen b4 und wird dadurch bethätigt, dass das Ventil b, nachdem es die Kanäle d1d2 geschlossen hat, in dem durch Pfeil angedeuteten Drehsinne gegen das Ventil b1 stösst und die Lufteinlassdurchbrechungen b4 aufdeckt.

Textabbildung Bd. 306, S. 197

Die Luftzuführungsöffnungen b4 sind geschlossen und die Gasauslasskanäle d1d2 geöffnet, so dass, wenn das Hauptventil a durch die Spindel a1 angehoben wird, die Abgase von dem Cylinder in den Exhaustkanal gelangen. Führt der Kolben einen todten Hub aus, so wird das Ventil b im Sinne des Pfeiles gedreht und stösst, nachdem es die Kanäle d1d2 überdeckt hat, mit seiner Stirnfläche gegen das Ventil b1 und öffnet die Luftzulasskanäle b4. Die Luft tritt nunmehr beim Vorwärtshube des Kolbens in den Niederdruckcylinder c ein und ermöglicht eine dauernde Verbrennung des Gemisches in demselben.

Das Ventil kann gleich vortheilhaft auch an den gewöhnlichen Gasmaschinen verwendet werden, indem es auch bei diesen den Auslass der Gase und den Zutritt der erforderlichen Luft bewirkt.

Textabbildung Bd. 306, S. 197

Für Gasmaschinen mit langsamer Verbrennung dient der in Fig. 44 dargestellte Druckregler der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-Actiengesellschaft in Dessau (D. R. P. Nr. 86572).

Es wird bezweckt, Zündsicherheit und Regelung der Heizflammenwirkung bei Gasmaschinen mit langsamer Verbrennung durch stets gleiche Gemischzusammensetzung dadurch zu erreichen, dass unter Vermeidung, fertiges Gemisch anzusammeln, die Drücke der beiden noch getrennten Gemischbestandtheile (Luft und gespannte Gase und Dämpfe) unabhängig von der Verbrauchsmenge auf willkürlich einstellbarer, dann aber unveränderlicher und einander gleicher Grösse erhalten werden.

Dem Druckregler strömen bei a und a1 die beiden Gemischbestandtheile aus Behältern oder unmittelbar von den Compressionspumpen unter im Allgemeinen verschiedenen Drücken zu, um durch die eigentlichen Regelventile b und b1 bei c und c1 nach der Maschine zu unter gleichem Drucke wieder abzufliessen. Die letzteren werden von den Schwimmerglocken d und d1 getragen, welche gemeinsam an dem freischwingenden Wagebalken e angeschlossen sind, so dass ein Steigen des einen Schwimmers ein Schliessen des einen Regelventils und ein Oeffnen des anderen Regelventils zur Folge hat.

In den beiden Schwimmerbehältern f und f1 herrscht derselbe Druck vermöge der beiden Verbindungen g und g1 für die Flüssigkeitsfüllung und für die Luft, welche die übrigen Räume h und h1 anfüllt. Durch die bei i eintretende Pressluft wird dieser beliebig hohe Druck vor oder während der Inbetriebnahme erzeugt. Dieser Druckregler wirkt folgendermaassen:

Beim Niederschrauben der Ventilspindel K drückt die Feder l auf die Mitte des Wagebalkens c und wird bei einem von den Grössenverhältnissen der Organe abhängigen Druck im Stande sein, die beiden Ventile b und b1 zu öffnen. Dadurch füllen sich die Schwimmerräume d mit Luft und d1 mit Gas. Die hervorgerufenen Auftriebkräfte müssen sich mit Hilfe des gemeinsamen Balkens e und der Flüssigkeitsverbindung ins Gleichgewicht setzen.

Um die unveränderliche Höhe der Drücke in d und d1 zu erklären, werde angenommen, dass durch geringes Abströmen des Inhalts von d der Innendruck daselbst gestiegen sei. Also wird die Flüssigkeitsfüllung unter der Glocke vielleicht bis zum Spiegel m austreten und durch Pressungsübertragung die Luft in h und h1 etwas comprimiren, so dass der entstandene Ueberdruck von h1 gegenüber dem Schwimmerinhaltsdruck von d1 ein Einströmen der Flüssigkeit daselbst vielleicht bis zur Höhe von m1 zur Folge hat. Nun herrscht zwar überall wieder gleicher Druck, aber der grössere Auftrieb des Schwimmers d hebt jetzt diesen unter einem stärkeren Durchbiegen der Feder l, schliesst in Folge dessen etwas das Ventil b, der Druck unter d sinkt daher etwas, der Flüssigkeitsspiegel hebt sich, der Auftrieb von d vermindert sich wieder, während die durch Balken e entgegengesetzte Bewegung des Schwimmers d1 das Ventil b1 etwas öffnet und durch Verdrängen von Flüssigkeit aus d1 den alten Zustand zu erreichen mithilft, so lange, bis die Schwimmauftriebe wieder gleich und ihre Summe der eingestellten Federspannung bei l gleich ist.

Ebenso würde ein Sinken des Druckes unter einem Schwimmer der Feder l eine Kraftäusserung und Schwimmerbewegung im Sinne der Ventilöffnung und Druckerhöhung gestatten.

Die Anschliessung zweier Schwimmer an den gemeinsamen gleichschenkeligen Wagebalken mit federndem Mitteldrehpunkt innerhalb zweier mit einander verbundener geschlossener Gefässe bedingt also einen unveränderlichen Druck von eingestellter Höhe der beiden der Gasmaschine zuströmenden Gemischbestandtheile.

Steuerung und Regulator vom Gasmotor, System Forward (Fig. 45 bis 47). Der Motor wird neuerdings mit dem Lanchester-Regulator versehen. Bei diesem sind auf |198| der Steuerwelle t die Hebel a und b (Fig. 47) befestigt, von denen der erste das Einlass-, der zweite das Auslassventil bethätigt, ausserdem steuert der Hebel a das Luftventil c, welches sich bei jeder Hebelbewegung öffnet. Das Gasventil wird durch den Hebel e gesteuert, welcher am Hebel a seine Drehstelle hat und an seinem hinteren Ende mit einer Anschlagplatte o versehen ist. Diese Platte bildet den eigentlichen Regulator. Sie wird nur dann bethätigt, wenn in Folge normalen Spiels gewisser Organe der Anschlag m (Fig. 45) mit seiner Schneide auf die Auskehlung in der Anschlagplatte o zu liegen kommt und diese nach unten drückt. Läuft dagegen die Maschine zu schnell, so treffen beide Theile (m o) nicht auf einander und kann demgemäss auch kein Gas in die Maschine eintreten.

Textabbildung Bd. 306, S. 198

Die Platte m rotirt um den Stift i im Support k und wird in ihrem oberen Theil durch eine Spiralfeder, deren Halteschraube die Regulirung der Federspannung gestattet, um den Stift i verdreht. Die Folge dieser Drehung ist eine Einwärtsbewegung der Anschlagplatte m in Richtung der Platte o, welche Bewegung durch einen Stift n am Pendel f begrenzt wird.

Wenn nun der Hebel b in Folge der erhaltenen Bewegung nach links verdreht wird, so folgt sein Haken g und schiebt den Hebel f vor sich her. Der Stift n nimmt gleichfalls an dieser Bewegung theil und durch ihn auch der Anschlag m, d.h. m wird von o abgedrückt. Sobald aber g das Pendel f freigibt, ertheilt die Feder s, welche bestrebt ist, das obere Ende der Platte m nach links zu drücken, dem unteren Ende von m eine Schwingbewegung nach rechts, d.h. in Richtung auf die Platte o zu. Hat nun die Maschine ihre normale Tourenzahl beibehalten oder eine Geschwindigkeit angenommen, welche kleiner ist als die normale, so erfolgt die eben erwähnte Bewegung so, dass das Stück m mit der Platte o in Contact kommt, kurz bevor der Hebel a seine Bewegung ausführt. Es öffnet sich daher das Gasventil zur selben Zeit wie das Luftventil und wird demgemäss dem Cylinder ein explosionsfähiges Gemisch zugeführt. Wenn dagegen die Maschine zu schnell läuft, so bleibt das Gasventil geschlossen und es kann sich daher kein Explosionsgemisch bilden.

(Fortsetzung folgt.)

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