Titel: Ueber Dampfkessel und Dampfkesselfeuerungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 202–206)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306056

Ueber Dampfkessel und Dampfkesselfeuerungen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 179 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Wir lassen in Nachstehendem einige neuere Kesselfeuerungen folgen und zwar in ungezwungener Reihenfolge, da wir bei der grossen Mannigfaltigkeit der Feuerungssysteme und bei den vielfachen Berührungspunkten derselben unter einander auf eine sachliche Einordnung verzichten müssen.

Im Allgemeinen dürfen wir wohl bemerken, dass trotz vieler Bemühungen zur Erzielung rauchloser Feuerungen für Dampfkessel das durchaus befriedigende Ziel noch nicht erreicht ist. Allerdings sind erfreuliche Fortschritte und Verbesserungen erreicht worden. Ein besonderes Verdienst darf wohl der sächsische Verein für sich in Anspruch nehmen, der durch Prof. Lewicki sehr bemerkenswerthe Ergebnisse zusammenstellen liess.1)

Textabbildung Bd. 306, S. 202

Rauch verzehrende Regulirfüllfeuerung (D. R. P. Nr. 62043 und Nr. 64902 von C. Reich in Hannover. Das durch den oberen Fülldeckel (Fig. 17) bezieh. durch die Thür T (Fig. 18) in den Schacht eingebrachte Brennmaterial gelangt, stetig vorgewärmt, auf dem unteren Schräg-Treppen- oder gemischten Roste zur vollständigen Verbrennung, nachdem demselben im Schachte A der grösste Theil der Gase entzogen ist.

Die hierzu erforderliche Luft wird durch die seitlich verschieb- oder nach oben aufklappbaren Thüren K dem Roste zugeführt.

Die sich bildende Flamme auf dem unteren Theile des Rostes entwickelt und vermischt sich mit den aus dem Kanal X abgesaugten Gasen der Brennmaterialien. Diese |203| Gase werden fortlaufend und gleichmässig, je nach Einstellung des Schiebers S erzeugt und zwar einestheils durch die strahlende Wärme des in Brand befindlichen Materials auf dem Roste im Schachte A selbst, anderentheils durch die eine Art Retorte bildende Wand zwischen A und B, welche durch die vorbeischlagende Flamme in Gluthitze kommt und eine trockene Destillation des Brennmaterials bewirkt.

Textabbildung Bd. 306, S. 203

Um nun zur vollständigen Verbrennung dieses den glühenden Brenner R durchstreichenden und dabei sich noch erhitzenden Gas-Luft-Flammengemisches die nöthige Nachluft einstellbar zuzuführen, dient das Ventil V. Letztere strömt durch den vorderen Kanal L (Fig. 17 oder 18) durch je einen Kanal seitlich entlang nach den regeneratorartig ausgebildeten Isolirkammern, wärmt sich hier stark vor, indem beim Vorbeistreichen die strahlende Hitze der glühenden Steine aufgenommen wird, wodurch hier sowohl, als auch auf dem späteren Wege, bis zum Austritt aus dem Brenner, das Mauerwerk fortwährend gekühlt wird, was dasselbe gut erhält.

Von den Isolirkammern treten nun die beiden Heissluftströme in die Verbindungskammer M, umspülen dann den Brenner R, um schliesslich durch schräge Kanäle oder Schlitze O in hoch erhitztem Zustande sich so mit dem glühenden Gasgemisch zu vereinigen, dass ein Wirbeln und ein inniges Mischen der beiden Materien stattfindet, wobei vollkommene Verbrennung eintritt, ohne dass, vermöge der centralen Führung der Flamme, letztere weder an die Kessel wände an- noch aufschlagen kann.

Durch die Wirbelung und Fortbewegung der Heizgase wird gleichzeitig bei Flammrohrkesseln ein Ablagern der Flugasche verhindert und ausserdem werden die Flammrohrwandungen durchweg von den Heizgasen umspült, so dass die wasserberührte Heizfläche vollständig zur Ausnutzung gelangt.

Zum Schütze der Rosttheile gegen Verbrennen kann man unterhalb der Feuerung mit Wasser kühlen oder an der tiefsten Stelle Dampf, Wasserdunst oder zerstäubtes Wasser einblasen, was zur Folge hat, dass beim Durchtritt durch die glühende Koksschicht von ziemlich erheblicher und sich nahezu gleichbleibender Mächtigkeit Wassergas gebildet wird, welches erst später, bei Einführung der secundären Luft, also unmittelbar an der Verbrauchsstelle, zur Verbrennung gelangt.

Hierdurch wird auf einfachste Weise ein entsprechender Theil der entfernt liegenden Kokshitze vortheilhafter ausgenutzt.

Damit sichere Zündung erfolgt, ist, namentlich bei kurzflammigem Brennmaterial, der Brenner R womöglich so tief zu legen, dass die Flamme immer noch durchschlagen kann.

Bei Cornwall-Kesseln mit Innenfeuerung und langflammiger, gasreicher Kohle kann schon durch Einbau eines Brenners ins Flammrohr, in möglichst geringer Entfernung hinter der Feuerbrücke, eine wesentliche Verbesserung erzielt werden, sobald dies entsprechend Fig. 19 oder Fig. 20 geschieht.

Bei Fig. 19 tritt die nachfolgende Luft durch die hohlen Roststäbe hindurch, wird dabei vorgewärmt und gelangt durch einstellbare Ventile V, sich noch mehr erhitzend, in den Raum M, um schliesslich durch schräge Kanäle O in hoch erhitztem Zustande so zu dem Gasflammengemische überzutreten, dass wiederum durch die wirbelnde Bewegung die innige Mischung beider Materien vor sich geht, die eine hochvollkommene Verbrennung mit all den schon erwähnten übrigen Vortheilen, namentlich was die Wärmeabgabe anlangt, im Gefolge hat.

Textabbildung Bd. 306, S. 203

Auch wird durch den sogen. Spitzbrenner eine stichflammartige, in der Mitte des Feuerrohres sich lang bohrende Flamme gebildet, in welcher selbst Gase von niederer Temperatur oder feinere Kohlentheilchen noch verbrennen, ohne dass dabei die Flamme an die Wandungen auftreffen kann.

Bei gewöhnlichen Rosten (Fig. 20) wird die secundäre, regulirbare Luft durch ein oder mehrere Rohre unterhalb des Rostes, durch Strahlung der glühenden Asche möglichst vorgewärmt, nach der Kammer M übergeleitet, um das Gleiche zu bezwecken, wie vorher schon erläutert.

In der Zeitschrift für Lüftung und Heizung von Haase, Heft 16 von 1897, wird die Feuerung mit flüssigem Brennstoff |204| von A. Quentin in Brüssel beschrieben, welche, wie Fig. 21 und 22 zeigen, in einem Flammrohrkessel angebracht ist.

Textabbildung Bd. 306, S. 204

Zwischen den Blechcylindern p und p1 von Hohlringen, die von zahlreichen radial eingerichteten engen Röhren durchzogen sind, befindet sich eine Füllung von Eisenspänen, in welche schwer flüssiger Brennstoff durch eine Röhre t eingeleitet wird. Diese ist ziemlich weit in das Flammrohr hineingeführt, um drei Hohlringen Brennstoff zuzuführen. Hierbei wird dieser selbst in der Zuleitung durch Hitze schon ziemlich dünnflüssig, so dass er sich in den Hohlringen rasch über die ganze Füllung verbreitet und diese dünn überzieht. Da die Ringe sich aber im Feuer stark erhitzen und ihre Füllung selbst als guter Wärmeleiter die Wärme leicht aufnimmt, so wird die dünnvertheilte Brennstofflüssigkeit schon in den Ringen selbst verflüchtigt und dringt in flüchtigem Zustande durch die Fugen der Ringe in den Innenraum derselben ein. Die Verbrennungsluft strömt durch eine Oeffnung der vorderen Verschlussthür des Flammrohres und eine Verlängerung o des inneren Cylinders p ebenfalls in den Innenraum der Ringe ein, wobei sie sich rasch hoch erhitzt und mit dem flüchtigen Brennstoff in Vermischung tritt, dabei starke Flammen erzeugend, die nicht nur direct nach hinten ziehen, sondern auch seitlich durch die zahlreichen Querröhren der Hohlringe hindurchschlagen.

Textabbildung Bd. 306, S. 204

Für das Eisenwerk „Kraft“ des Grafen Guido Henckel-Donnersmarck auf Neudeck ist nach dem Entwurf von Grau eine Dampfkesselanlage gebaut worden, die zur Verwerthung der Hochofengase dienen soll, jedoch auch für die directe Heizung als Stechkessel eingerichtet ist. Bei gewöhnlichem Betrieb mit Hochofengasen wird der Rost mit Platten oder Steinen bis auf ⅔ zugedeckt und dann auf dem offenbleibenden mittleren Drittel ein schwaches Feuer von Kleinkoks oder Kokslösche unterhalten, damit die Hochofengase stets mit Sicherheit sich entzünden können. Hinter dem Rost liegen drei in Gitterwerk hergestellte Mauern, deren Anordnung aus den Fig. 23 und 24 zu ersehen ist. Diese Gitterwerke haben den Zweck, den Gasen und der Verbrennungsluft ein Hinderniss zu bieten, an dem sie sich gründlich zu mischen vermögen und deren glühendes Mauerwerk dem Rest von Kohlenoxyd genügende Entzündungswärme bietet. Die Feuerung hat sich, wie Stahl und Eisen mittheilt, in Oberschlesien bestens bewährt. Mit den dortigen nassen Kohlen wurden auf je 1 qm Heizfläche 19 l Wasser stündlich verdampft, wobei letzteres eine Speisetemperatur von 15° und der Dampf eine Spannnung von 4,5 at hatte, während die abgehenden Gase eine Temperatur von 380° und einen Sauerstoffüberschuss von nur 2 bis 3 Proc. und keine Spur von Kohlenoxyd hatten.

Textabbildung Bd. 306, S. 204

Die ausziehbare Vor- oder Unterfeuerung von Wilhelm Lönholdt in Berlin (Nr. 87306) besteht aus dem Füllschacht a (Fig. 25), welcher sich an den Verbrennungsraum b anschliesst, und durch den breiten Schlitz c mit der Flammensammelkammer d in Verbindung steht. Der Verbrennungsschlitz c reicht im Allgemeinen über die ganze Breite der Heizvorrichtung und kann der Höhe nach durch eine Stellvorrichtung l verändert werden, so dass die Feuerung für Oefen verschiedener Grösse verwendbar ist. Die Flammensammelkammer d, in welche die Feuerbrücke k hineingebaut ist, hat eine besondere regelbare Luftzuführung n.

Die nach aussen liegenden Wandungen der Flammensammelkammer sind durchbrochen und die Oeffnungen durch Deckel m verschlossen.

Von demselben Erfinder ist der Vorschlag zu einer Kesselfeuerung mit durchschlagender Flamme in dem D. R. P. Nr. 90796 gemacht worden. Eine mittlere Steinzunge |205| a (Fig. 26) in Gemeinschaft mit den seitlichen Rostwänden bildet die Widerlager der aus zwei Gruppen angeordneten Roststeine b, die sich mit ihren zugekehrten Enden in schwacher Steigung treffen oder gegen eine durchgehende Mittelrippe c legen. Der am Fuss der Zunge a befindliche Secundärluftkanal f steigt hinten in der den Beschickungsraum abschliessenden Kopfwand e auf, um die Luft durch seitwärts abfallende gebrochene Kanäle g in dieser Wand zu dem den Rost bb . . . nach unten durchziehenden Feuergasstrom zu leiten.

Textabbildung Bd. 306, S. 205

Unter D. R. G. M. Nr. 43385 und Nr. 43430 ist Philipp Loos in Offenbach a. M. ein stehender Dampfkessel mit rauchverzehrender Feuerung und Dampfüberhitzer zur Erzeugung eines Dampfes von 300° Wärme patentirt worden. Die rauchverzehrende Feuerung ist in folgender Weise angeordnet:

Auf einem schrägliegenden Roste, der oben in einem Rostlager und unten auf einem im Sockel befestigten Stabe ruht, werden unter genügendem Luftzutritt von aussen die Heizgase erzeugt. Gleichzeitig wird durch einen in den Verbrennungsraum mündenden, gegen die schädliche Einwirkung des Feuers isolirten Kamm Luft von aussen angesaugt und in den Verbrennungsraum geführt, wo sich dieselbe mit den Heizgasen innig mischt und eine vollständige Rauchverbrennung bewirkt. Die nachgesaugte Luft muss ihren Weg durch eine am Sockel angebrachte Schieberöffnung nehmen, woselbst deren Zutritt beliebig regulirt und dem Bedürfniss entsprechend eingestellt wird. Auf ihrem Wege durch Sockel und Kamm wird dieselbe soweit vorgewärmt, dass sie nicht mehr schädlich auf die Kesselwandungen einwirken kann. Das Brennmaterial wird durch einen Fülltrichter mit einem leicht zu handhabenden Schieberverschluss aufgegeben. Der Dampfüberhitzer besteht im Wesentlichen aus einer in das Rauchrohr eingehängten spiralförmigen Rohrschlange. Der sehr nass erzeugte Dampf tritt ausserhalb des Kessels in die Schlange ein, wird in spiralförmiger Richtung nach unten und in gerader Richtung wieder nach oben geführt, wobei derselbe den grössten Theil der noch in den abziehenden Heizgasen enthaltenen Wärme aufnimmt und dann das Rauchrohr mit einer Temperatur von etwa 300° verlässt. Der so überhitzte Dampf bietet beträchtliche Ersparnisse, die nur durch Verwendung der sonst verlorenen Wärme der abziehenden Heizgase erreicht werden. Durch die hohe Temperatur ist jedes Condensiren (und damit verbundene Verluste durch Niederschläge) ausgeschlossen. Eine besondere Bedienung der Vorrichtung ist nicht erforderlich.

Die Verbrennung unmittelbar innerhalb des Wassers erfolgen zu lassen, versucht aufs Neue John Haskins Ladd in London mit seiner geschlossenen Dampfkesselfeuerung (D. R. P. Nr. 87495), Fig. 27. Aus einem durchlochten Rohre m strömender Brennstoff wird in Berührung mit dem Kesselwasser verbrannt, indem das durch Rohr c kommende Gas zunächst in einer im Wasser des Kessels liegenden Kammer b verbrannt wird, welche durch Rohr d mit der Atmosphäre in Verbindung steht, um die mit feuerfestem Material ausgekleidete Kammer so hoch zu erhitzen, dass das durch dieselbe streichende Gas entzündet und ein zufälliges Erlöschen der Flamme verhindert wird.

Die so erhitzte Kammer b wird nun durch Oeffnen des Hahnes e des Vertheilungsrohres m mit dem Kesselwasser in Verbindung gesetzt und zugleich Rohr d geschlossen, so dass das Gas nach seiner Entzündung in der Kammer b durch die Oeffnungen des Rohres m in das Kesselwasser dringt.

Textabbildung Bd. 306, S. 205

Ueber Erfolge dieser Einrichtung ist bisher nichts Sicheres zu unserer Kenntniss gelangt.

Die Feuerung von K. Marek in Wien (D. R. P. Nr. 91984) zeigt einen über dem Rost auf einem mit Luftzuführungskanälen versehenen Einbau, auf diesen ist ein schräg ansteigender Feuerschirm aufgebaut; ausserdem sind oberhalb der Verbrennungszone des Feuerungsraumes Dampfstrahldüsen angeordnet, deren Richtung den Feuerzug hauptsächlich von der Seite trifft, so dass die dem Feuerungsraum zugeführte erhitzte Secundärluft behufs Mischung mit den Verbrennungserzeugnissen durch die Wirkung der Dampfstrahlen in eine wirbelnde Bewegung versetzt und ein Verzug im Abziehen der Heizgase behufs Rauchverzehrung bewirkt wird. Um die Wirkung der Dampfstrahldüsen während der Zeit des Einbringens des Brennstoffes durch Oeffnen der Heizthür selbsthätig ausser Wirkung setzen zu können, kann ein Dampfventil von der Feuerthür aus durch ein Hebelwerk derart bethätigt werden, dass die Dampfleitung abgeschlossen wird, wenn die Feuerthür geöffnet wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 205

Bemerkenswerth ist die Dampfkesselfeuerungsanlage (Fig. 28) von Fritz Kaeferle in Hannover (D. R. P. Nr. 75462). Der Füllschacht f endigt in dem Kastenrost r, mit welchem Stutzen b verbunden ist; letzterer kann mit einem um den Füllschacht angeordneten Vorkessel e oder unmittelbar |206| mit dem Dampfkessel k in Zusammenhang stehen. Um dem Brennmaterial die Luft in hinreichender Menge zuzuführen, ordnet man im Hohlraum e noch eine Anzahl Rohrstutzen l an, wodurch man einerseits die Rostfläche bedeutend vergrössert, andererseits eine bessere Verbrennung erzielt.

Das Speisewasser für den Kessel lässt man zunächst in den Kastenrost r eintreten, so dass dieser stets auf niedrigster Temperatur gehalten wird; von dort gelangt es durch Stutzen b in den Hohlraum e und dann durch Stutzen c nach, Kessel k.

Zwischen Kastenrost und Feuerthür ist noch eine Stellklappe g drehbar und stellbar angeordnet, die bei entsprechender Stellung mehr oder weniger Luft von vorn zur Verbrennungsstelle gelangen lässt.

(Schluss folgt.)

|202|

Rauchfreie Dampfkesselanlagen s. S. 24 d. Bd.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: