Titel: Ueber Putz- und Gasiermaschinen für Gespinnste.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 206–212)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306057

Ueber Putz- und Gasiermaschinen für Gespinnste.

Von E. Pfyffer, Civilingenieur in Zürich.

Mit Abbildungen.

Die mechanische Reinigung und Egalisirung der Gespinnste findet in neuerer Zeit eine immer mehr ausgedehnte Anwendung und Vervollkommnung.

Es lohnt sich daher wohl der Mühe, diesen höchst wichtigen Theil der Textilindustrie etwas näher zu beleuchten und die in Anwendung kommenden Apparate und Maschinen neuerer Ausführung in systematischer Reihenfolge vorzuführen und zu besprechen, dieses um so mehr, da über diesen Theil der Textilindustrie noch sehr wenig veröffentlicht worden ist.

Zur Reinigung und Egalisirung der Gespinnste sind mehrere Vorgänge erforderlich. Zunächst gehört dazu das eigentliche Putzen der Fadenoberfläche, d.h. das Entfernen aller auf der Fadenoberfläche vorhandenen Unreinigkeiten. Diese sind je nach der Natur und dem Ursprung des betreffenden Garnes oder Gespinnstes verschieden und werden verschiedenartig bezeichnet. Gries z.B. sind winzige Knötchen von Fadenstaub, die ziemlich fest auf der Oberfläche des Fadens haften und nur durch energisches Putzen weggebracht werden können. Noppen nennt man eine Ansammlung von kurzen Fasern, welche als kleine Bündel mit dem Faden versponnen oder verzwirnt sind.

Zu den Verunreinigungen zählt man ferner die stellenweise Anschwellung der Fäden, deren Entstehung verschiedene Ursachen haben kann.

Dann gibt es noch eine Menge anderer Verunreinigungen, die, um einen glatten und egalen Faden zu erzielen, entfernt werden müssen.

Ein gründliches Putzen der Gespinnste und Zwirne muss durch Sengen unterstützt werden, da durch das Putzen der Faden wegen der mechanischen Einwirkung auf seine Oberfläche immer etwas rauh wird. Das Sengen hat somit den Zweck, die vorstehenden Faserspitzen abzubrennen und grössere Verunreinigungen, wie die genannten, durch Anbrennen mürber zu machen, so dass eine Entfernung derselben erleichtert wird.

Die Garnputzmaschinen zerfallen in drei Gruppen:

1) Putzmaschinen, bei welchen der zu putzende Faden um leicht bewegliche Rollen, die auf feststehendem Rollenlager senkrecht oder wagerecht drehbar gelagert sind, geschlungen werden und den Rollen eine gewisse Schnelligkeit ertheilt wird.

2) Putzmaschinen, ebenfalls mit leicht beweglichen Rollen, welche sich dadurch kennzeichnen, dass dem Rollenlager eine hin und her gehende (oscillirende) Bewegung ertheilt wird, während der Faden über die Rollen gezogen wird.

3) Putzmaschinen ohne Rollenorgane, die aus Schlitzen, kleinen Oeffnungen oder kantigen Vorsprüngen bestehen, zwischen welche der Faden durchgeführt wird.

Es findet hierbei gewissermaassen ein Abstreifen der Unreinigkeiten statt im Gegensatz zu den Rollenputzmaschinen, wo mehr ein Abscheren der Unreinigkeiten stattfindet.

Die Rollen und die Stifte, um welche sich dieselben drehen, bestehen grösstentheils aus gehärtetem Stahl. Die Vereinigung einer Anzahl solcher Rollen heisst Putzzeug. Der Abstand der einzelnen Rollen von einander wird so gross genommen, dass ein Umschlingen des zu putzenden Fadens um die Rollen leicht mit der Hand vorgenommen werden kann.

Die Rollen haben eine cylindrische oder konische Gestalt.

Textabbildung Bd. 306, S. 206

Fig. 1 und 2 zeigen eine einfache cylindrische Putzrolle a mit Lagerung b. Fig. 3 bis 5 zeigen die Construction und Lagerung einer leichten, hohlen, konischen, aus Stahlblech hergestellten Putzrolle, deren Konusse gegen einander gerichtet sind, um ein strammes Zusammenlaufen der Fäden zu bezwecken. Als Lagerung dieser Rollen verwendet man jetzt fast ausschliesslich sogen. Hornleder. Fig. 6 zeigt eine wagerechte Anordnung der Putzwalzen, welche auf einen festen Stift a aufgesteckt sind und zwecks Schmierung dieser Stifte die angedeutete Verschiebung gestatten.

Fig. 7 zeigt eine senkrechte oder hängende Putzrolle mit feststehendem Stifte; bei dieser Anordnung wird aber die Oelung der Stifte sehr erschwert. Diesem Umstände begegnet die von Karl Wütig in Zell, Baden, patentirte senkrechte Putzwalze.

In der Mitte der hohlen Walze a (Fig. 8) ist der Stift b befestigt. Derselbe wird von dem Lager c, in |207| welchem die Oelkammer d ausgespart ist, dicht umschlossen. Die Walze selbst umschliesst den Lagerkörper und bietet dadurch einen vollkommenen Schutz gegen Verunreinigung. Jeweilen vor Beginn des Betriebes erfolgt die Schmierung, wobei die Walze aus dem Lager herausgehoben wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 207

Eine andere Anordnung zeigt die von C. Neumann-Schellenberg in Basel patentirte Putzwalze (Fig. 9). In der Putzwalze a ist die Stahlspindel b fest eingeschlagen. Die untere Hälfte dieser Spindel steckt lose in der Lagerung oder dem Spindelhalter c, welcher durch Mutter e an der Garnputzmaschine befestigt wird, d ist die Oelkammer. Die Spindel b läuft hier fast ohne Reibung in Oel, wodurch die Geschwindigkeit des an den Wälzchen vorbei geführten Fadens bedeutend gesteigert werden kann, somit die Leistungsfähigkeit der betreffenden Putzmaschine erhöht wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 207

Es ist vortheilhaft, um ein besseres Putzen zu erzielen, dass die Wälzchen der Fadenbewegung einen gewissen Widerstand entgegensetzen. Aus diesem Grunde hat sich August Veillon in Basel Putzwälzchen mit Windflügeln patentiren lassen. Diese Anordnung ist in Fig. 10 dargestellt. An einem oder mehreren der in dem Walzensupport a gelagerten Wälzchen b werden kleine Flügel b1 angebracht, welche durch Erzeugung eines Luftwiderstandes die Spannung des Garnes vergrössern. Es empfiehlt sich hierbei, nur die hinteren Wälzchen, also dort, wo der Faden einläuft, mit Flügeln zu versehen.

Um die Wirkungsweise dieser genannten Putzwalzen näher kennen zu lernen, ebenso das Verhältniss ihrer Schnelligkeit, Gewicht und Durchmesser, müssen wir noch Folgendes einschalten.

Das Putzen geschieht entweder auf die Weise, dass die Unreinigkeit mittels des Fadens und der Rolle aus ersterem herausgezogen wird oder durch Anstossen eines beliebigen Punktes auf der Fadenoberfläche auf einem anderen Punkt derselben. Diese zwei Punkte müssen sich in einem gewissen Winkel treffen, wenn eine Wirkung erzielt werden soll. Hieraus resultirt der Walzendurchmesser.

Die Praxis hat gezeigt, dass die Wahl des Rollendurchmessers oder der Angriffwinkel sich in gewissen Grenzen bewegt. Bei zu grossem Rollendurchmesser wird der Garnfaden zu wenig angegriffen, in Folge dessen die Abtrennung der unreinen Punkte, überhaupt die Schlichtung der Fadenoberfläche zu mangelhaft ausfällt, wogegen bei zu kleinem Rollendurchmesser der Faden zu stark angegriffen, wodurch ein Materialverlust herbeigeführt wird, der selbstverständlich aus ökonomischen Gründen vermieden werden muss.

Der Rollendurchmesser schwankt heute je nach Qualität und Stoff von 8 bis 25 mm.

Es ist einleuchtend, dass durch einmaliges Passiren des Fadens um eine oder mehrere hinter einander angebrachte Rollen der Garnfaden noch nicht vollkommen gereinigt werden kann. Es befinden sich auf der Oberfläche des Fadens noch verschiedene Punkte, die nicht mit einander in Berührung gekommen sind, und ist man daher in der Praxis zu der naheliegenden Einsicht gekommen, dass der Faden je nach Reinheit mehrere Mal die Rollen zu passiren habe, wenn eine gründliche Reinigung der Fadenoberfläche stattfinden soll.

Aus einer Vermehrung der Rollenanzahl resultirt selbstverständlich auch eine Vermehrung der Putzpunkte und somit eine erhöhte Wirkung des ganzen Putzzeuges.

Textabbildung Bd. 306, S. 207

Der Faden muss unbedingt mit einer gewissen Spannung über die Rollen laufen; dadurch wird der Faden gezwungen, sich mehr an einander zu schmiegen, wodurch dann eine gründliche Reinigung eher zu Stande kommen kann.

Es ergeben sich somit die Hauptfactoren, nämlich der Rollendurchmesser, die Spannung und die Anzahl der auf ein Putzzeug kommenden Rollen; diese Factoren stehen in einem gewissen Verhältniss zu einander.

Die Spannung des Fadens ist umgekehrt proportional dem Rollendurchmesser. Durch die grössere Wirkung der kleinen Rollen wird natürlich auch die Reibung erhöht; durch dieses und die stärkere Biegung um die Rollen wird eben die Spannung gesteigert.

Ferner ist die Spannung des Fadens direct proportional dem Gewicht und der Anzahl der Rollen und ebenfalls direct proportional der Schnelligkeit, mit welcher die Gegenstände um die Rollen laufen. Es sind also Mittel |208| und Wege genug geboten, um eine beliebige Spannung zu erhalten.

Textabbildung Bd. 306, S. 208

Die Maximalspannung nimmt man gewöhnlich 30 Proc. unter der Bruchfestigkeit des betreffenden Garnfadens. Es soll eben das Garn ohne viel zu brechen über die Rollen laufen.

Verminderung des Rollengewichtes erlaubt bei gleicher Spannung die Anzahl der Rollen zu erhöhen, wodurch die Gesammtwirkung sich steigert.

Da die Schnelligkeit des Fadens ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Reinigung desselben ausübt, so wird immer die äusserste unter den bestehenden Verhältnissen zulässige Schnelligkeit angenommen. Mit der erhöhten Schnelligkeit steigert sich auch die angesammelte Arbeit, daher wird die Wirkung auf ein im Wege stehendes Hinderniss nur um so grösser.

Leichte, hohle Stahlrollen erlauben eine grössere Schnelligkeit, wenn die Spannung eine regelmässige sein soll. Geht nun die Drehung des Fadens oder Zwirns über eine gewisse Grenze hinaus oder vergrössert sich der Durchmesser des Fadens, so muss unbedingt, wenn der Faden rein werden soll, dem Putzzeuge eine hin und her gehende oder oscillirende Bewegung ertheilt werden, wobei die Schnelligkeit des Fadens reducirt werden muss.

Die Putzmaschine Fig. 11 kennzeichnet eine Putzmaschine mit feststehendem Putzzeug und Fig. 12 eine solche mit beweglichem, senkrecht hin und her gehendem Putzzeug.

In Fig. 11 ist a die abzuziehende, mit unreinem Garne gefüllte Spule, b das feststehende Putzzeug und c die aufwindende Spule; d ist ein Kanal zur pneumatischen Abführung der beim Putzen sich ergebenden Abfälle, e Fadenführung.

Textabbildung Bd. 306, S. 208

Fig. 12 zeigt eine Putzmaschine mit beweglichem Putzzeug mit gleicher Bezeichnung der einzelnen Theile wie bei der obigen Maschine.

Die Putzzeuge b werden hier durch die Excenter e und Stangen f in eine rasche auf- und abwärts gehende Bewegung versetzt.

Textabbildung Bd. 306, S. 208

Fig. 13 und 14 sind Putzmaschinen mit oscillirenden Putzzeugen für gröbere Garne, a ist die abzuziehende Spule, b der Putzapparat, c die aufwindende Spule. In Fig. 13 sind d0d1d2 Frictionscylinder, um die Fadenspannung zu reguliren, gleichbedeutend mit den Spannhaken f in Fig. 14, e Excenter zur Hervorbringung der oscillirenden Bewegung der Putzzeuge.

Textabbildung Bd. 306, S. 208

Eine andere Anordnung einer Putzmaschine mit bewegtem Putzzeug zeigt die Maschine von Neumann-Schellenberg, Basel, deren hauptsächlichsten Theile in Fig. 15 und 16 dargestellt sind.

Die Putzrollen d2 sind an den schräg am Putzrollenträger d angebrachten Stiften d0 aufgesteckt zum Zwecke, dieselben jederzeit gut zum Oelen abnehmen zu können.

Die Antriebsvorrichtung des Putzrollenträgers oder Schlittens d besteht in einem mittels Kurbel bb2 auf fester Zahnstange c1 bewegbaren und in Eingriff mit einer Zahnstange d1 des Schlittens stehenden Zahnrades b3.

Fig. 17 und 18 zeigt ein anderes bewegliches Putzzeug mit zwei Reihen Rollen. Patent von Schellenberg in Basel. Hier sind die Rollen c auf den Stiften k durch die Ausschnitte l1 eines aufklappbaren Bügels l zurückgehalten, daran sich vorn am Ende der Rollen befindliche Vorsprünge c1 legen. Durch diese Anordnung wird ermöglicht, dass nach Aufheben des Bügels sämmtliche Rollen leicht von den Stiften genommen und geölt werden können.

An gleicher Maschine befindet sich noch eine wesentliche Verbesserung. Bei den anderen Putzmaschinen ist die Spannung des von den Putzrollen ablaufenden Fadens eine sehr ungleiche, weil die vor dem Aufwickelspuler angeordnete Fadenführung sich auf- und abwärts bewegt und folglich der von den Putzrollen ablaufende Faden |209| einen stets veränderlichen Winkel mit den Putzrollen bildet. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, fällt bei dieser Maschine die Fadenführung weg und die aufwindenden Spulen erhalten eine auf und ab gehende Bewegung.

Albin Kientzy in Bussang, Frankreich, liess sich einen beweglichen Putzapparat patentiren, dessen Antriebsvorrichtung wesentlich von den früher angeführten abweicht. Fig. 19 zeigt diese Vorrichtung.

Textabbildung Bd. 306, S. 209

Auf einer Welle a befindet sich die auf ihrem Rande mit Leder oder Kautschuk überzogene Scheibe b. Diese Scheibe verursacht durch Friction die Drehung einer Scheibe c, welche durch eine Feder oder ein Gewicht auf erstere gedrückt wird. Die Scheibe b ist auf ihrer Achse so verschiebbar, dass sie an irgend einem Punkte des Radius der Scheibe c angreifen kann und auf diese Weise der Scheibe c und Welle d, auf welcher letztere sitzt, eine Geschwindigkeit verleiht, welche je nach dem Angriffspunkte verschieden ist.

Am oberen Theile der Welle d befindet sich die Scheibe e mit Excenter e1. Letzteres überträgt seine Bewegung auf den Stab f, an welchem die Putzrollen i angebracht sind. Der Ausschlag, d.h. die Grösse der Hin- und Herbewegung von f, ist also nach Maassgabe des Excenters veränderlich und dessen Geschwindigkeit ist wieder verstellbar je nach der Lage der Scheibe c, die von dem Angriffspunkt der Frictionsscheibe b abhängig ist.

Putzapparate ohne Rollen. Thread Co. in Fall-River, Nordamerika, liess sich die in Fig. 20 bis 23 veranschaulichten Reinigungsapparate patentiren.

Textabbildung Bd. 306, S. 209

Das zu putzende Garn wird in die Nuth e der Scheibe d eingelegt und der Knotenfänger oder Reiniger g so eingestellt, dass der Faden in unmittelbarer Nähe dieser Vorrichtung läuft, jedoch nicht in Berührung mit derselben kommt (Fig. 20 und 22). So lange der Faden die gewünschte Beschaffenheit und Stärke hat, bewegt er sich ungehindert von g, da schon eine sehr kleine Reibung hinreicht, das Rad d zu drehen. Bringt aber der durchlaufende Faden eine Ungleichmässigkeit irgend welcher Art, so hebt diese den Faden aus seiner normalen Lage empor und bringt ihn mit dem Knotenfänger g in Berührung, so dass ein Stillstand erfolgt (Fig. 21 und 23). Bei dieser Maschine ist noch eine selbsthätige Ausserbetriebsetzung vorgesehen. Hierfür ist der Arm f derart drehbar gelagert, dass, wenn die auf die Scheibe d ausgeübte Kraft zu stark ist, dieser Arm sich dreht, eine Fangvorrichtung in Bewegung setzt und den Aufwindeapparat ausschaltet.

Textabbildung Bd. 306, S. 209

Derartige Maschinen eignen sich selbstverständlich nicht für feine Garne.

Der von Henry Offroy und Charles C. Pfeiffer in Malaunay, Frankreich, patentirte Reinigungsapparat für Baumwollgarne kennzeichnet sich durch Folgendes: Das zu reinigende Garn wird zwischen zwei flache gegen einander liegende Backen hindurchgeführt, von denen die eine mit Hilfe eines verstellbaren Gewichtes oder einer regulirbaren Feder an die andere angepresst erhalten wird, so dass der durchgehende Faden die gewünschte Spannung erhält, während die zweite Backe in Bezug auf die erste Backe eine auf und ab gehende Bewegung ausführt und dadurch eine scherende Wirkung hervorbringt, welche das Ablösen und Entfernen der Knötchen zur Folge hat.

Die Abschervorrichtung für Mule-Feinspinnmaschinen von Arthur Platt, Higgins, England, ist in Fig. 24 bis 27 dargestellt; diese Vorrichtung dient zum Abstreifen von Knötchen u. dgl. vom Garn. Die Fäden passiren beim Aufwinden auf die Spindel durch Schlitze einer mit dem Gegenwindedraht g2 oder dem Aufwindedraht verbundenen Abstreifschiene h.

Eine andere Vorrichtung zum Reinigen von Gespinnstfäden bei Spulmaschinen ist der Louis Drach, Gebweiler, patentirte Putzapparat. Dieser besitzt zwei gezahnte Backen a und b (Fig. 28 und 29), deren Zähne beliebig in einander greifen können, und zwischen welchen der Faden im Zickzack durchgeführt wird. Je nach Nummer, Qualität und Spannung werden die Backen einander genähert bezieh. entfernt. Zur Führung des Fadens ist die Backe b mit einem Haken c versehen.

Textabbildung Bd. 306, S. 209

Beim Vorbeigehen des Fadens an den geschärften Kanten der Zähne werden die Unreinigkeiten, Strohtheile, bewegliche Fasern, todte Baumwolle u.s.w., herausgeschabt und schwache Stellen des Fadens zerrissen.

Der selbstschliessende Seidenputzstock von J. Flügli-Graf in Zürich, hat den Zweck, an einem durch denselben geleiteten Seidenfaden die vorkommenden Knoten und Unreinigkeiten aufzuhalten oder abzustreifen. Derselbe besteht aus einer beweglichen und einer unbeweglichen Klinge aus Stahl.

Die feststehende Klinge a (Fig. 30 bis 32) ist mittels |210| Schrauben aufrecht gegen die senkrechte Aussenfläche der winkelförmigen Fusstücke c befestigt. Die bewegliche Klinge b ist in aufrechter Stellung um die Fusschraube d drehbar, so dass sie mit der Fadenführungsfläche der feststehenden Klinge a in seitliche Berührung gebracht werden kann. Sie ist als Flügel ausgebildet und besitzt auf einer Seite zwei Lager, durch welche die Schraube d geht. Zwischen beiden Lagern ist eine Spiralfeder aufgeschoben, die bestrebt ist, die Klinge b stets nach einer Richtung zu drehen. Die Stellung der beiden Klingen, ist aus Fig. 31 ersichtlich. Um eine leichte Entführung des Fadens in den Putzstock zu gestatten, sind beide Klingen oben nach auswärts abgerundet. Wird nun ein glatter Faden durchgeleitet, so legt sich die bewegliche Klinge durch die Wirkung der Spiralfeder so eng an die unbewegliche, dass der Faden knapp passiren kann, ob derselbe stärker oder schwächer sei. Bringt der Faden jedoch Unebenheiten, Knoten, Knäulchen u.s.w., so passiren dieselben erst einen Theil der unbeweglichen Klinge und üben nun an derselben einen Zug aus nach der Richtung des Fadenlaufes, wodurch sich die bewegliche Klinge b in ihrer senkrechten Achse zu drehen sucht und den Faden dadurch festklemmt. Durch Rückwärtsziehen des Fadens löst sich derselbe von selbst wieder und die Reinigung kann leicht und gründlich geschehen.

Textabbildung Bd. 306, S. 210

Durch diese Einrichtung fällt das zeitraubende Weiter- und Engerstellen der Klingen mittels Schrauben weg, somit ist die Arbeit vereinfacht.

Putz Vorrichtung für Gespinnste von Charles Leslie Través in Minneapolis, Nordamerika. Diese Maschine, die in den Fig. 33 bis 36 dargestellt ist, dient hauptsächlich zum Reinigen von Wergfäden. Dieses Material enthält immer sehr grosse Mengen von Verunreinigungen, Schaben in Holzfasern, kurzen Fasern, welche in Form von Ringen die Fäden umgeben und sogen. Nester bilden.

Das Gespinnst wird hier der Einwirkung von Messern oder Schneidzeugen unterworfen, welche in der Längsrichtung der Gespinnste wirken und dadurch die Nester und Schaben beseitigen, ohne den eigentlichen Faden zu beschädigen. Durch diese Schneidzeuge werden auch die stärker und loser gezwirnten Theile schwächer gemacht und erhalten die normale Stärke des Gespinnstes.

Nach dieser Manipulation wird das Gespinnst gebürstet, um die losgelösten Unreinigkeiten zu beseitigen.

Die Messer 4 und 6 stecken auf der Welle 3, dabei wird das Messer 4 auf der Welle durch eine Schraube 8 befestigt, während das Messer 6 sich mit der Welle dreht, aber auf der Welle verschiebbar ist. Dieses Messer ist mit einer Nuth 10 versehen, in welche ein Stift 12 auf der Welle greift. Eine Feder 14 tritt mit einem festen Bund 16 auf der Welle in Eingriff und legt sich auf den oberen Theil des Messers 6, um dasselbe gegen das Messer 4 zu drücken. Eine Platte 13, welche als Führung dazu dient, die Entfernung der Messerblätter zu bemessen, tritt um ein kurzes Stück zwischen diese Messer. Diese Platte ist in Form einer Scheibe ausgebildet, welche eine Nuth 15 an der Kante erhält und lose auf einen Zapfen 12 aufgesteckt ist, wie aus Fig. 35 ersichtlich ist, so dass sie sich auf diesem Zapfen drehen kann.

Eine Bürste 29 ist auf einer Spindel so angebracht, dass sie in die Bahn des Gespinnstes reicht, nachdem dasselbe die Messer verlassen hat. Die Bürste wird ebenfalls von der Welle 3 angetrieben. Die feste Führung 35 dient dazu, das Gespinnst dem Messer bezieh. der Bürste zuzuführen. Dieses geschieht in der Weise, dass die Bürste von dem Faden unter einem Winkel getroffen wird, wie aus Fig. 33 ersichtlich, wodurch das Gespinnst eine rollende Bewegung erhält, während es der Einwirkung der Bürste unterliegt, somit alle Materialtheile entfernt werden, die von den Messerblättern lose gemacht worden sind.

Textabbildung Bd. 306, S. 210

Das Sengen der Garne geschieht, um denselben ein glatteres und mehr glänzendes Aussehen zu geben. Dasselbe hat auch, wie schon früher angedeutet, den Zweck, den Reinigungsprocess der Garne durch Anbrennen der Verunreinigungen zu unterstützen.

Zum Sengen verwendet man grösstentheils kleine Gasflammen. Die Hauptsache ist, dass das angewendete Gas rein ist, damit es leicht durch die kleinen Ausströmungsöffnungen strömt und dieselben weniger verstopft. Wassergas wird mit Vortheil angewendet.

Textabbildung Bd. 306, S. 210

Die Garnsengmaschinen bestehen der Hauptsache nach aus einem Gasbrenner, zwei Stahlrollen, welche, je nachdem der Faden 2- bis 6mal durch die Flamme geführt werden soll, dementsprechend Einkerbungen besitzen. Zwecks Entfernung des Fadens von der Flamme sind entweder die Leitrollen oder dann die Flammen ausrückbar.

Das Gas strömt bei d (Fig. 37) durch eine feine Oeffnung aus und mischt sich in der Röhre e mit der durch die seitliche Oeffnung f einströmenden Luft, mit welcher es in die eigentliche Mischkammer g einströmt, um schliesslich an den schief gebohrten, in 2 bis 4 Reihen angeordneten Reihen von Löchern zur Verbrennung zu gelangen.

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Dieses wäre das eine System des jetzt gebräuchlichen Brennens.

Das andere System arbeitet mit schwach comprimirter Luft, die ausserhalb des Verbrennungsraumes geholt wird. Es ist nämlich nothwendig, dass die Sengflammen stets blau oder blaugrün brennen, weil nur eine solche Flamme keine russigen oder fettigen Ablagerungen auf dem Garnfaden erzeugt und der letztere seine ursprüngliche Farbe behält. Dieses ist bei dem zuerst angeführten Brennen schwer auf die Dauer zu erfüllen, weil der beim Sengen und Putzen sich entwickelnde Staub eben zum Gase kommt und dort mitverbrennt. So lange die feinen Oeffnungen, durch welche Gas in die Mischkammer eingeführt wird, und die Oeffnungen, aus welchen das in diesen Kammern mit Luft gemischte Gas ausströmt, frei von Staub, bezieh. geputzt sind, brennt das Gas blau. Sobald jedoch Staub von der in die Mischkammer eintretenden Luft mitgerissen wird, verstopfen sich die Oeffnungen mehr oder weniger; dadurch ändert sich das Mischungsverhältniss zwischen Luft und Gas, so dass die blauen Flammen sich allmählich in gelbe umwandeln. Um diesem Uebelstande zu begegnen, geht man vielerorts zu den erwähnten geschlossenen Brennern über, bei welchen kein Staub in die Mischkammern eintreten kann und daher die Flammen stets blaugrün brennen. In Fig. 38 ist ein solcher Brenner dargestellt, a ist die Gasausströmung, b die Luftzuführung. Beide, Luft und Gas, stossen beim Eintritt in die Kammer c gegen eine Platte d, wodurch das Mischen beider unterstützt wird, wonach dieselben vereinigt durch einen Schlitz ausströmen und verbrennen. Die Luft wird durch irgend welche Saugvorrichtung unter Anwendung eines Windkessels, mitunter auch durch ein Filter aus dem Freien herbeigeführt, wobei noch der Vortheil vorhanden, dass eben frische, mehr Sauerstoff enthaltende Luft zur Verbrennung gelangt. Durch Hähne lässt sich das Mischungsverhältniss zwischen Gas und Luft genau reguliren. Diese Art Maschinen gewähren eine ganz bedeutende Gasersparniss.

Textabbildung Bd. 306, S. 211

Wie beim Putzen, so auch hier ist es von grosser Bedeutung, mit welcher Schnelligkeit und wie vielmal der Faden durch die Flamme läuft. Mit zunehmendem Fadendurchmesser wird die Schnelligkeit reducirt und umgekehrt erhöht. Das richtige Verhältniss kann nur die Praxis finden. Die dabei in Betracht kommenden Factoren sind: Material, Qualität, Fadendurchmesser, Drehung und Spannung. Ein zu starkes Sengen, und noch unter hoher Spannung, schadet dem Faden ungemein, indem es ihn hart und brüchig macht und jede Elasticität verloren geht.

Um allfällig mangelhafte Arbeit der mechanischen Putzmaschinen zu controliren, werden gegenwärtig meistens Controlmaschinen angewendet. Das Princip dieser Maschine besteht darin, eine grosse Anzahl, 10 bis 30 und mehr Fäden vor dem Auge des Arbeiters über eine schwarze Tafel laufen zu lassen, wobei der Arbeiter bei Auffindung von Fehlern es in der Gewalt hat, die fortschreitende Bewegung der Fäden mit dem Fusse einzustellen und die Unreinigkeit zu entfernen. Oder dann wird bei einem anderen System von Controlmaschinen die Bewegung desjenigen Fadens, der einen Fehler aufweist, automatisch aufgehoben und dem Arbeiter Gelegenheit gegeben, den Fehler gut zu machen. Da diese Art Maschinen keine eigentlichen Putzmaschinen sind, so wollen wir hier nur kurz darauf eingehen. Fig. 39 zeigt einen Controlhaspel. Von der ablaufenden oder zu putzenden Spüle a laufen die Fäden etwas zusammengedrängt über eine schwarze Fläche b vor den Augen des Arbeiters vorbei zu den Haspeln c und d. Diese schwarze Fläche ist so gross gewählt, dass das Auge sie übersehen kann. Findet sich in den Fäden eine Unregelmässigkeit, so hebt der Arbeiter den auf einem Abstellhebel ruhenden Fuss etwas auf, worauf die Fäden still stehen und somit dem Arbeiter Gelegenheit geboten wird, die Unregelmässigkeit zu beseitigen oder einen fehlerhaften Faden auszubrechen. Ist genug Garn mit den Haspeln aufgewunden, so wird dieses durch ein Läutewerk angezeigt, das Garn abgenommen und die Manipulation beginnt von Neuem. Die Schnelligkeit, womit die Fäden die Tafel passiren, richtet sich nach der Reinheit und Gleichmässigkeit derselben. Diese Vorschubgeschwindigkeit schwankt zwischen 10 und 50 m in der Minute.

Textabbildung Bd. 306, S. 211

Die pneumatische Abführung der Abfälle. Bei der Reinigung der Garnfäden ergeben sich ziemlich viel Abfälle. Der grösste Theil hiervon ist der sogen. Putz- oder Gasierstaub, das sind winzige Fäserchen, welche sich zu einer lockeren, weichen Masse zusammenhängen. Dieser Staub muss von den arbeitenden Theilen der Maschine, dem Putzzeug, fortwährend entfernt werden, sonst treten sofort Störungen ein.

Um diese Abfälle von den Putzrollen fern zu halten, werden unterhalb der Putzzeuge Luftkanäle angelegt, in welchen ein auf die Arbeitsorgane saugender Luftstrom circulirt und die leichten Abfälle von der Maschine weg an einem hierfür geeigneten Orte deponirt.

Lucius Dimock in Leeds liess sich eine derartige Einrichtung patentiren (Fig. 40 bis 42). In den Blechröhren a und b wird die Luft mittels eines Ventilators in der Richtung der Pfeile vom Patzzeug her angesogen und hält letzteres ein. Die senkrechten Putzrollen c sind mit einem Deckel d zugedeckt, der nur geöffnet wird, wenn Fadenbruch eintritt. Um sich von der richtigen Wirkung des Luftzuges zu überzeugen, und ferner um nachzusehen, ob auch die bestimmte Anzahl Rollen vom Faden umschlungen worden ist, wird jetzt der obere Theil des Deckels aus Glas hergestellt.

Diese Luftkanäle lassen sich bei allen feststehenden Putzzeugen anbringen. Bei oscillirenden oder hin und her gehenden Putzzeugen halten sich die Rollen durch die |212| rasche Bewegung nahezu rein. Die Staubkanäle münden gewöhnlich in eine Staubkammer, wie sie vom Verfasser in D. p. J. 1893 289 224 beschrieben worden sind.

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