Titel: Neuerungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 222–227)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306060

Neuerungen an Dampfmaschinen.

Mit Abbildungen.

Dampfmaschinen mit Schiebersteuerungen.

Eine kleine, wegen ihrer gedrängten Bauart bemerkenswerthe stehende Zwillingsdampfmaschine mit Coulissensteuerung und dreifacher Expansion des Arbeitsdampfes von Foque et Cie. in Paris zeigen die The Engineer vom 12. Februar 1897 entnommenen Abbildungen (Fig. 1 und 2).

Die Maschine hat Cylinder von 90, 122 und 152 mm Durchmesser für 130 mm Hub und entwickelt mit 400 bis 450 minutlichen Umdrehungen ungefähr 30 i. Das Gewicht der für Motorwagen bestimmten Maschine, die aber auch für andere Zwecke Verwendung finden kann, beträgt 10 bis 11 k/i. Die Cylinder bilden mit den Schieberkasten ein gemeinsames Gusstück. Die Kolben sind, um beide Maschinen möglichst nahe an einander zu bringen, derart angeordnet, dass der Hochdruckkolben der einen Seite oben, derjenige der anderen Seite unten liegt. Zur Dampfvertheilung dienen Kanalschieber. Der Kesseldampf wirkt, wie die rechtsseitige Maschine erkennen lässt, zunächst |223| auf die obere Fläche des Hochdruckkolbens, tritt dann durch den Ausströmkanal des oberen Schiebers in den den unteren Schieber umgebenden Raum, der als Aufnehmer dient, von hier in den ringförmigen Raum zwischen beide Kolben, der den Mitteldruckcylinder bildet, nach dem, behufs nochmaliger Expansion, durch den Ueberströmkanal des unteren Schiebers gegen die untere Fläche des grossen Kolbens und schliesslich durch den unteren Cylinderkanal ins Freie.

Textabbildung Bd. 306, S. 223

Der Kasten, in dem sich der Hochdruckschieber bewegt, ist durch einen auf der Schieberstange sitzenden kleinen Kolben von dem Niederdruckschieberkasten abgedichtet. Während der Dampf im Hoch- und Mitteldruckcylinder der einen Maschinenseite Arbeit verrichtet, findet dies, da die Kurbeln um 90° gegenseitig versetzt sind, während eines Theiles des Kolbenhubes auch auf der anderen Maschinenseite statt. Die auf die Kurbeln übertragenen Arbeitsdrücke gleichen sich demnach nahezu aus und es ist eine gleichzeitige Todtpunktlage derselben vermieden. Die Maschine ist umsteuerbar. Zum Ingangbringen kann der Kesseldampf direct in den Niederdruckcylinder geleitet werden.

Behufs Entlastung der Steuerungsorgane von Dampfmaschinen und Erzielung kleiner schädlicher Räume schlägt E. Hopkinson in Manchester nach Engineering die nachstehend beschriebene, an einer stehenden einfach wirkenden Zweifach-Expansionsmaschine zur Anschauung gebrachte Anordnung vor.

Der nur auf die unteren Kolbenflächen zur Wirkung kommende Dampf wird bei jedem Cylinder durch Kolbenschieber bc (Fig. 3 und 4), die sich, parallel der Kolbenstange, in cylindrischen Gehäusen des unteren Cylinderdeckels auf und ab bewegen, gesteuert. Die Auf- und Abwärtsbewegung der Schieber wird durch einen mittels Excenters e bezieh. e1 in Schwingungen versetzten Doppelhebel d erreicht, an dessen Enden die Schieberstangen gelenkig befestigt sind. Da sich der eine Schieber aufwärts bewegt, während der andere eine abwärts gehende Bewegung ausführt, gleichen sich deren Massenwirkungen vollständig aus. Bei der Bewegung der Kolben werden seitliche Oeffnungen überdeckt und freigelegt, durch welche der Arbeitsdampf, da die Kurbeln um 180° versetzt sind, in den einen Cylinder einströmt bezieh. aus dem anderen entweicht. Bei einer doppelt wirkenden Maschine würden an jedem Ende des Cylinders Kolbenschieber anzuordnen sein. Ihre Lage im vorliegenden Falle – im unteren Cylinderdeckel – gestattet ein Entweichen des durch Condensation entstandenen oder vom Dampfe mitgerissenen Wassers, auch wird eine Abkühlung des in den Cylinder tretenden Arbeitsdampfes, wie es bei gewöhnlichen Dampfmaschinen durch die Wandungen der Kanäle, die vordem zur Ableitung des wirksam gewesenen Dampfes dienten, vermieden. Die Cylinder können auch wagerecht oder um einen beliebigen Winkel gegen die Horizontale geneigt angeordnet werden. Die bewegten Theile der Maschine werden von einem dampfdichten Gehäuse f mit Stopfbüchsen für die durchgehende Kurbelwelle umschlossen. Das Gewicht des grossen Kolbens und seiner Verbindungen lässt sich durch den Druck des unter dem Kolben eines Cylinders g wirkenden Dampfes theilweise ausgleichen. (Englisches Patent Nr. 22193/1895.)

Textabbildung Bd. 306, S. 223

Um die bei den gewöhnlichen hin und her gehenden Schiebern auftretenden Stösse herabzumindern, wird bei der Biétrix, Nicolet et Cie. in St. Etienne, Frankreich, unter D. R. P. Nr. 92035 geschützten stehenden einfach wirkenden Zwillingsmaschine mit unter 180° versetzten Kurbeln der Schieber mittels zweier Excenter oder Kurbeln oder eines Excenters und einer geeigneten Führung derart, bewegt, dass alle Punkte desselben eine kreisförmige oder ellipsenähnliche Bahn beschreiben.

Bei der Fig. 5 und 6 ersichtlichen Anordnung wird der auf den Deckeln ab der Cylinder gleitende Schieberei von zwei Excentern ee bewegt, die sich in ringförmig gestalteten Seitentheilen des Schiebers drehen. Der Antrieb der Excenterwellen erfolgt durch Zahnräder von einer centralen Welle f aus, die mittels Kegelräder direct von der Kurbelwelle aus bewegt wird. Die Wellen ee drehen sich in gleichem Sinne und verschieben den Schieber derart, dass die zu einander parallelen Ueberlappungen desselben den Einlass- bezieh. Auslasskanal k der Cylinder in gleicher Weise öffnen und schliessen, wie bei den gewöhnlichen, sich auf einer geraden Linie hin und her bewegenden Schiebern. Die beständige, ohne Wechsel in der Bewegungsrichtung |224| erfolgende Kreisbewegung sichert auch ein vollkommenes Dichthalten des Schiebers. Um den Füllungsgrad der Cylinder beliebig ändern zu können, ist auf dem Rücken des Schiebers cd noch ein Expansionsschieber anzuordnen, der in ähnlicher Weise wie der erstere bewegt wird. Die auf den vier Zapfen h ruhende Platte pr über dem Schieber cd dient zur Versteifung der Wellen ee. Der in der Maschine wirksam gewesene Dampf entweicht durch die Aushöhlung des Schiebers und die Kanäle l ins Freie.

Textabbildung Bd. 306, S. 224

Eine direct wirkende Walzenzugmaschine von aussergewöhnlicher Grösse des Stahlwerkes Mackintosh, Hemphill und Co. in Pittsburg (Nordamerika), die, mit Umsteuerung versehen, normal 10000 i leistet, beschreibt Le Génie civil bezieh. Iron Age vom 5. November 1896. Die Maschine stützt sich, um den heftigen Stössen, welche in Stahlwalzwerken auftreten, genügenden Widerstand zu leisten, unter Vermittelung eines kräftigen Rahmens mit breiten Auflageflächen, dessen Höhe im Allgemeinen 1,3 m, an den Lagern der Kurbelwelle, von Mitte Achse bis zur Basis gerechnet, 1,65 m beträgt, auf das Fundament. Jeder Rahmen besteht aus zwei Theilen, die sorgfältig mit einander verbolzt und verbunden sind. Die Kurbelwelle bildet mit ihrer Kröpfung ein einziges Stück aus geschmiedetem Stahl von 24 t Gewicht; sie läuft in drei Lagern von je 600 mm Durchmesser und 1000 bezieh. 910 mm Länge. Der Zapfen der Hauptkurbel hat 580 mm Durchmesser bei 430 mm Länge. Die auf das eine Ende der Kurbelwelle gezogene Kurbelscheibe aus Gusstahl hat einen Zapfen von 380 mm Durchmesser und 300 mm Länge. Zwischen den beiden Kurbelzapfen in der Mitte der Maschine sitzt ein Schwungrad von 3 m Durchmesser, in welchem, behufs Ausgleichung der Gewichte der Hauptkurbel mit Treibstange, Gegengewichte angebracht sind. Auf diese Weise wird ein ruhiger Gang der Maschine erreicht, wie auch Stösse beim plötzlichen Anlaufen und Anhalten derselben verhütet. Die Treibstangen sind aus geschmiedetem Stahl; ihre Kreuzkopfenden haben starke Stahlbügel, die mit Keilen und Lösekeilen befestigt sind. Das äussere Ende der nach der Wellenkröpfung führenden Treibstange ist, nach Art der Treibstangenköpfe für Schiffsmaschinen, mit einer Kappe versehen, die mittels Bolzen gehalten und auf eine Zwischenlage gepresst wird, während das gleiche Ende der nach dem Zapfen der äusseren Kurbelscheibe führenden Stange einen geschlossenen Kopf mit Stellkeil und Schraubensicherung hat. Die Kreuzköpfe sind aus Stahlguss gefertigt und mit angegossenen Zapfen versehen, deren Rothgusschalen durch Keile und Bolzen in ihrer Lage gehalten werden. Die mit dem Fundamentrahmen durch Schraubenbolzen verbundenen Geradführungen bestehen aus Gusseisen. Die Cylinder von 1270 mm Durchmesser und 1820 mm Hub haben Kolbenschieber, die sich in auswechselbaren Büchsen bewegen; sie sind freitragend am Rahmen befestigt, am hinteren Ende jedoch nochmals unterstützt. Die aus Rothguss gefertigten Schalen der Kurbelwelle sind viertheilig und durch Keile seitlich nachstellbar.

Der Umsteuerungsmechanismus der Maschine ist besonders hervorzuheben. Alle Kräfte wirken in geraden Linien auf die vollkommen entlasteten Einzeltheile. Seitliche Bewegungen der durch hydraulische Cylinder mit Plungerkolben bethätigten Coulissen werden durch Stützstangen verhütet.

Zur Handhabung der Einströmventile für den Arbeitsdampf in die Cylinder sind die Plungerkolben zweier kleiner hydraulischer Cylinder unter sich und mit einer Spindel verbunden, die das Oeffnen und Schliessen der Ventile bewirkt, je nachdem ein kleines, vom Führerstande aus erreichbares Ventil entsprechend eingestellt wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 224

Eine Zweifach-Expansionsmaschine mit concentrisch in einander liegenden Cylindern und zugehörigen Schiebern auf gemeinschaftlicher Stange von H. Cambridge in Cardiff zeigt die Engineering vom 15. November 1895 entnommene Abbildung (Fig. 7).

Der Kesseldampf strömt durch den Stutzen A nach den Enden des Schieberkastens C, in dessen eingesetzten Büchsen E sich zwei auf der Stange a befestigte Kolbenschieber D mit Liderungsringen derart bewegen, dass der Dampf abwechselnd durch Oeffnungen F bezieh. G der |225| Büchsen, sowie Rohre H nach dem einen oder anderen Ende des Hochdruckcylinders 1 gelangen kann. Der Hochdruckcylinder ist von einem Mantel c und dem Niederdruckcylinder P umgeben. J1 ist der Kolben des Hochdruckcylinders. Hat der Dampf in dem letzteren Arbeit verrichtet, so strömt er durch Oeffnungen MM in den Niederdruckschieberkasten N, von da je nach der Stellung des in diesem untergebrachten Kolbenschiebers Q abwechselnd durch den rechts- oder linksseitigen Kanal O des Schieberkastens in den ringförmigen Niederdruckcylinder P, dessen Aussenwandungen mit R und Innenwandungen mit S bezeichnet sind. Der Niederdruckkolben ist ebenfalls ringförmig gestaltet und mit Liderungsringen U bezieh. V umgeben. WW sind die zugehörigen Kolbenstangen. Nach vollbrachter Arbeit im Niederdruckcylinder strömt der Dampf durch die Kanäle O, den ringförmigen, zwischen den beiden Kolben des Niederdruckschiebers liegenden Raum Y und die Oeffnung Z ins Freie. Die Schieberspindel a ist auf einem gewissen Theil ihrer Länge röhrenförmig ausgeführt und mit einer Bohrung b versehen. Damit soll erreicht werden, dass die Spindel durch den durchziehenden Kesseldampf genügend heiss wird, um Wärme an den sie umgebenden Abdampf des Hochdruckcylinders abgeben zu können.

Eine Steuerung für Verbundmaschinen mit nur einem einzigen Kolbenschieber für die Dampfvertheilung beider Cylinder, der auch veränderliche Füllungen des Hochdruckcylinders zulässt, ist E. Müller in Hameln a. W. unter Nr. 89488 im Deutschen Reiche patentirt.

Textabbildung Bd. 306, S. 225

Zwischen dem Hochdruckcylinder a0 (Fig. 8 und 9) und dem Niederdruckcylinder b0 der mit um 180° gegen einander versetzten Kurbeln arbeitenden Maschine liegt der cylindrische Schieberkasten c, in welchem sich der Kolbenschieber d hin und her bewegt. Dieser ist auch um seine Achse drehbar und auf der einen Seite mit Einlassöffnungen c und d für den Kesseldampf versehen, welche denselben in die Kanäle a und b des Hochdruckcylinders a0 leiten, während eine Muschel e den Abdampf des letzteren in den mittleren ringförmigen Raum fg des Schieberkastens führt. Die Einlassöffnungen c und d sind trapezförmig gestaltet, so dass die Deckkanten c1 und d1 einen Keil bilden. Mit diesen Deckkanten laufen die äusseren Kanten a1 und b1 der Kanäle parallel, so dass durch eine Winkeldrehung des Schiebers in dem einen oder anderen Sinne die Einströmung früher oder später abgesperrt werden kann.

In der Schieberfläche des Niederdruckcylinders b0 befinden sich die Einströmkanäle i und k mit zwischenliegender Oeffnung g; an den äusseren Seiten schliessen sich die Ausströmkanäle m und n an. Die Dampfvertheilung wird hier durch drei neben einander liegende Muscheln l, h und l1 bewirkt.

In der Fig. 8 ersichtlichen Lage der Kolben e0 und f0 des Hochdruck- bezieh. Niederdruckcylinders hat der links vor dem Kolben e0 befindliche Dampf seine Wirkung im Cylinder a0 nahezu beendet und entweicht aus diesem, sobald die Muschel e die Verbindung zwischen a und f hergestellt hat. Haben die Kolben ihre Endstellungen erreicht, so strömt der Dampf durch f, g, h und i gegen die linksseitige Fläche des Kolbens f0, gleichzeitig auch, nachdem die Kolbenkante d1 die Kanalkante b1 freigegeben, frischer Dampf gegen die rechtsseitige Fläche des Kolbens e0. Der Abdampf des Niederdruckcylinders entweicht durch den Kanal k in die Muschel l1, von hier durch den Kanal n ins Freie oder in einen Condensator. Dieser Vorgang wiederholt sich auf der anderen Kolbenseite.

Textabbildung Bd. 306, S. 225

Eine schnell laufende, einfach wirkende Verbundmaschine stehender Anordnung, System Heinzmann, zeigt die Revue industrielle vom 22. August 1896 entnommene Abbildung (Fig. 10).

Die stufenförmig über einander auf dem vollständig geschlossenen Kurbelkasten angeordneten Cylinder haben entlastete Kolbenschieber. Der zum grossen Cylinder gehörige Schieber ist mit dem Hochdruckkolben fest verbunden. Der zwischenliegende Raum bildet einen Theil des Receivers R. Aus diesem wird der aus dem Hochdruckcylinder kommende Dampf nach dem Niederdruckcylinder übergeführt. Das Innere des Kurbelkastens steht zur Vermeidung von Druckschwankungen durch ein in den Raum T desselben einmündendes Luftrohr mit der äusseren Atmosphäre in Verbindung. Zur Regulirung dient ein in Folge Ausgleiches der entgegengesetzt wirkenden Kräfte der hin und her gehenden Theile der Maschine sehr empfindlicher Achsenregulator.

Versuche, welche mit einer 10pferdigen derartigen Maschine von 190 bezieh. 270 mm Cylinderdurchmesser und 100 mm Hub auf dem Charlottenburger Werke der Firma Siemens und Halske angestellt wurden, zeigten bei Belastungsänderungen zwischen Leerlauf und der Maximalleistung Schwankungen in der Tourenzahl zwischen 493 und 512. Bei voller Belastung wurde der Riemen plötzlich abgeworfen, ohne dass ein Ueberschreiten der Umdrehungszahl von 512 in der Minute zu bemerken war.

Bei der Steuerung für einfach wirkende stehende Dampfmaschinen von Otto Grünwald in Ilmenau (D. R. P. Nr. 89635) |226| wird, behufs Erzielung einer möglichst einfachen Dampfvertheilung, der hier angeordnete Kolbenschieber von der Stange des Arbeitskolbens in der Weise bethätigt, dass der Dampf nach vollbrachter Arbeit im Cylinder durch das Gewicht des Kolbens aus dem letzteren herausgetrieben wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 226

Ist der Kolben, wie in Fig. 11 durch die punktirten Linien angegeben, in seiner tiefsten Stellung angekommen, so strömt durch den geöffneten Kanal a so lange Kesseldampf unter denselben, bis ein an der Kolbenstange angeordneter Knaggen c den Schieber d mitnimmt und den Kanal a abschliesst. Es tritt jetzt Expansion des Arbeitsdampfes ein und der Kolben gelangt in seine obere Endstellung. Die Oeffnung e des Schiebers steht dann mit dem Auslasskanal f in Verbindung, so dass, wenn sich der Kolben nun wieder nach abwärts bewegt, der wirksam gewesene Dampf durch e und f ausströmen kann. Sobald der obere Knaggen i der Kolbenstange auf den Schieber trifft, schliesst derselbe den Kanal f und öffnet den Kanal a. Das Spiel beginnt dann von Neuem. Um den Schieber vollständig zu entlasten, tritt während der Einströmperiode Frischdampf durch den Kanal g unter den Schieber. Die Steuerung soll namentlich für stehende Dampfmaschinen zum Antrieb von Pumpen dienen. In solchen Fällen wirkt auch das Gewicht des Pumpengestänges, sowie dasjenige des angesaugten Wassers treibend auf den austretenden Dampf, so dass dieser schnell durch den Kanal f in die Atmosphäre gelangt.

Die elektrische Beleuchtung der Stadt Bolton (England) ist ein städtisches Unternehmen, dessen Verwaltung der Gasdeputation der genannten Stadt obliegt.

Wie Engineering vom 1. Januar 1897 S. 5 berichtet, wurde die elektrische Kraftstation zu Bolton im J. 1894 mit zwei stehenden Verbunddampfmaschinen ohne Condensation von 160 e und einer ebensolchen Maschine von 80 e eröffnet. Die von J. and E. Wood in Bolton erbauten Maschinen treiben mittels Seile zwei Wechselstrommaschinen von je 100 Kilo-Watt der bekannten Mordey-Victoria-Type (1888 270 * 115, 1891 279 * 101, 1894 291 136) und eine desgleichen von 50 Kilo-Watt. Die Wechselstrommaschinen sind von der Brush Electrical Engineering Company geliefert. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1895 machte sich die Beschaffung einer weiteren Kraftmaschine nöthig, die der Firma Hick, Hargreaves and Co., Limited, in Bolton bezieh., was die Dynamo betrifft, der Firma de Ferranti, Limited, in Hollinwood in Stärke von 270 e in Auftrag gegeben wurde. Da diese Maschine mit zwischen den Cylindern direct auf der Kurbelwelle sitzender Schwungraddynamo von 200 Kilo-Watt zufriedenstellend arbeitete und die Strombedarfsziffer ein immer weiteres Anwachsen vermuthen liess, wurde den vorgenannten Firmen die Lieferung einer gleichen Maschine für das Jahr 1896, einer dritten Maschine für das Jahr 1897 und einer vierten Maschine für das Jahr 1898 übertragen.

Die bisher eingestellten neuen Maschinen arbeiten ebenfalls ohne Condensation mit 157 minutlichen Umdrehungen und 8,44 at Spannung des Arbeitsdampfes. Die Cylinder haben 406 bezieh. 686 mm Durchmesser für 457 mm Hub. Der Hochdruckcylinder arbeitet mit einem Kolbenschieber, der von einem auf der Kurbelwelle sitzenden Flachregler mit frei beweglichem Excenter bethätigt wird. Die Dampfvertheilung des Niederdruckcylinders regelt ein Flachschieber.

Die kastenförmigen Bockgestelle beider Maschinenseiten sind behufs bequemer Zugänglichkeit zu den gangbaren Theilen vorn mit Oeffnungen versehen, über welche sich in Scharnieren drehbare Thüren legen.

Die Kurbelwelle läuft in zwei Lagern, deren Schalen mit Weissmetall ausgegossen und behufs selbsthätiger Einstellung der Welle kugelförmig ausgebildet sind. Die Kurbeln sind durch Gegengewichte ausbalancirt. Kolben- und Schieberstangen sind behufs Abdichtung nach aussen mit Metallpackungen versehen.

Das aus zwei Hälften gebildete Schwungrad der Maschine hat 3,125 m Durchmesser und wiegt 8,5 t; es trägt die Feldmagnete und wird mittels Schrumpfbänder, die über die Nabe gezogen sind, auf der Welle gehalten.

Die Elektricitätswerke der Insel Malta im Mittelländischen Meere sind zur Stromerzeugung ebenfalls mit fünf Wechselstrommaschinen der Mordey-Victoria-Type versehen, die nach The Engineer vom 2. April 1897 S. 343 mit stehenden Verbunddampfmaschinen mit Condensation direct gekuppelt sind. Drei von den Maschinen leisten je 166, eine 84 und die andere 40 i. Die Umdrehungszahlen in der Minute sind 231 bezieh. 273 bezieh. 300.

Die Hochdruckcylinder haben Kolbenschieber, die Niederdruckcylinder gewöhnliche Flachschieber. Zur Geschwindigkeitsregulirung dienen Schwungradregulatoren, die je ein Drosselorgan bethätigen, ausserdem kann die Füllung der Niederdruckcylinder, auch während des Ganges, durch je eine Hackworth-Steuerung verändert werden.

Von den Dynamos leisten drei je 100, die beiden anderen entsprechend 50 und 25 Kilo-Watt. Die Anker sind feststehend, während sich die Feldmagnete wieder drehen. Der erzeugte Strom hat eine Spannung von 2000 Volt. Zur Dampferzeugung dienen drei Babcock and Wilcox-Wasserrohrkessel mit einem Arbeitsdruck von 10,54 at.

Einige mit den zugehörigen Dynamos ebenfalls direct gekuppelte stehende Eincylinder- und Verbundmaschinen der am 15. Februar 1897 eröffneten Ausstellung in New-castle-on-Tyne beschreibt The Engineer vom 16. April 1897 S. 388.

Die von Ernest Scott and Mountain in Newcastle-on-Tyne erbauten Maschinen dienten theils zur Beleuchtung des Ausstellungsplatzes, theils waren sie nicht in Betrieb. Zu den ersteren gehörten zwei Verbundmaschinen; die mit 500 minutlichen Umdrehungen Strom von 300 Ampère und 105 Volt auf je einer Dynamo erzeugten.

Jede Maschine arbeitet mit einem zwischen beiden Cylindern liegenden Kolbenschieber, der, von einem Excenter der Kurbelwelle bethätigt, die Dampfvertheilung des Hochdruck-, wie auch des Niederdruckcylinders regelt. Die Maschinen sind vollständig eingekapselt und ihre gangbaren Theile erst nach Wegnahme grosser Verschlussdeckel, die über Oeffnungen in der vorderen Wandung des Maschinengestelles liegen, zugänglich.

Die Dynamos liefern den Strom entweder für 500 Glühlampen |227| von je 16, oder für 60 in zwei Reihen geschalteter Bogenlampen von je 2000 Kerzenstärken.

Eine andere ausgestellte kleine Dampfdynamo eignet sich namentlich zur Aufstellung in begrenzten Räumen (Schiffen o. dgl.). Sie hat einen Cylinder von 152 mm Durchmesser, 127 mm Hub und ist mit einer Dynamo für 50 Lampen von je 16 Kerzenstärken direct gekuppelt.

In einem besonderen Gebäude hinter dem Kesselhause war ferner eine Dampfdynamo von 305 mm Cylinderdurchmesser und 254 mm Kolbenhub ausgestellt, deren Dynamo Strom für 500 16kerzige Glühlampen lieferte.

Auch eine stehende, umsteuerbare Verbundschiffsmaschine – für ein Torpedoboot 3. Klasse bestimmt – war auf der Ausstellung ersichtlich. Sie hat Cylinder von 171 bezieh. 298 mm Durchmesser, 203 mm Hub und soll mit 400 minutlichen Umdrehungen ungefähr 100 entwickeln.

(Fortsetzung folgt.)

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