Titel: Ueber Kachelpressen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 249–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306068

Ueber Kachelpressen.

Mit Abbildungen.

Obwohl die Handarbeit bei der Fabrikation von Ofenkacheln ein gutes Product liefert, ist man doch, um die Production zu erhöhen, in verschiedenen Fabriken zur Maschinenarbeit übergegangen, da diese den Vortheil bietet, dass man die Kacheln aus einem gleichmässig steifen, sogen. wasserharten Material von durchaus gleichem Feuchtigkeitsgehalt herzustellen vermag, während bekanntlich bei der Handarbeit Thone von verschiedenem Feuchtigkeitsgehalt zur Verwendung kommen. Dagegen sollen Kachelpressen den Nachtheil zeigen, dass das Kachelblatt nicht die erforderliche Homogenität erhält und dadurch später Veranlassung zu Vertiefungen in der Glasur gibt.

Bereits in den 60er Jahren kam in der Feilner'schen Fabrik in Berlin eine Kachelpresse zur Anwendung, bei welcher eine Doppelform derart angeordnet war, dass beim Schliessen der einen Form die andere sich öffnete. Sie gab Anregung, die mühsame und lästige Handarbeit durch Maschinenarbeit zu ersetzen.

Die neueren Kachelpressen zeigen meistens das gemeinsame Merkmal, dass die Kacheln ohne Beschädigung ihrer Unterschneidungen freigelegt werden können.

Die H. Ruder in Bitterfeld unter Nr. 447 patentirte Presse lehnt sich bezüglich ihres Gesammtaufbaues an die Construction der Nachpressen an. Der Presskolben wird in bekannter Weise durch einen Kniehebelmechanismus auf und ab bewegt und der Pressraum durch eine zweitheilige Pressform abgeschlossen. Diese wird durch ein Hebelsystem geöffnet und geschlossen.

Der die Kachelöffnung bildende Kern wird von oben in die Form eingesetzt und durch einen Hebel festgehalten. Damit sich die Formtheile während des Pressvorganges nicht verschieben können, werden sie durch Griffe zusammengehalten.

Den Typus der Nachpresse zeigt ferner die Kachelpresse von F. Quasebarth in Perleberg (D. R. P. Nr. 64885).

Textabbildung Bd. 306, S. 249

Durch eine Bewegung des Hebels f (Fig. 1) nach abwärts wird der über den Formkasten c geschobene Pressbalken o nach abwärts und die Bodenplatte d mit der Form e nach aufwärts gepresst. Der Thon wird hierbei in die Form gepresst und erhält die Kachelform. Der Hebel v dient dazu, die Kachel aus dem Formkasten in die Höhe des Tisches zu heben. Die Form e (Fig. 2) besteht aus den Formtheilen e1, welche in der Diagonalen zusammenstossen, und aus dem eisernen Bodenrahmen e2. |250| In diesen Formtheilen befindet sich die eigentliche Form aus Gyps e3, aus welcher sich die Kachel leicht ablösen lässt. Nachdem sich die Form mit dem Tische in gleicher Ebene befindet und der Hebel v festgestellt worden ist, zieht man die eine Hälfte der Form ab, wodurch die Kachel zur Wegnahme freigelegt wird.

Neuerdings hat man auch versucht, Kacheln mittels der Strangpresse herzustellen, indem man an das Mundstück dieser Presse mittels Gelenkbolzen und Falzführung einen Formkasten befestigt, in welchen die Presse den Thon hineindrückt. Die fertige Kachel schneidet man dann vom Thonstrange ab.

Textabbildung Bd. 306, S. 250

Eine Vorrichtung, um nach diesem Verfahren Kacheln herstellen zu können ist unter Nr. 58592 E. Fröhlich in Schwerin (Mecklenburg) patentirt. Sie zeigt folgende Einrichtung:

In dem Formkasten b (Fig. 3) wird die Form durch die auf Gehrung zusammenstossenden Kernstücke d und die Patrone c gebildet. Schlitze i dienen dazu, die Luft während des Pressvorganges entweichen zu lassen. Sobald der Thon durch die Schlitze i auszutreten beginnt, stellt man die Presse ab, löst die Schraube k und schneidet das Formstück, indem man mittels eines Drahtes an der hinteren Fläche des Formkastens entlang fährt, von der übrigen Thonmasse ab. Nach Lösung der Patrone c und Herausnehmen der Kernstücke d kann man die Kachel aus der Form entfernen.

An die soeben beschriebene Vorrichtung schliesst sich eng der unter Nr. 86 545 Max Petrick in Randers (Dänemark) patentirte Apparat an. Er ist als eine besondere Ausführungsform der vorbeschriebenen Vorrichtung zu betrachten und unterscheidet sich von ihr dadurch, dass die Kachel nicht mit dem Rumpfe, sondern mit der Ansichtsfläche nach vorn liegend gepresst wird. Zweck dieser Anordnung ist, die Kachel mit Verzierungen bezieh. Mustern auf mechanischem Wege versehen zu können.

Textabbildung Bd. 306, S. 250

Die Formplatte c (Fig. 4 bis 6), welche in den Formkasten b eingesetzt wird, besteht aus einem flachen Metallkasten, der die Gypsform des Kachelmusters aufnimmt. Auf den Metallkasten c wird der Kernrahmen d gesetzt, der aus vier auf Gehrung und gelenkig zusammengefügten Theilen besteht, welche hohl gegossen, durch Rippen abgesteift und innen nach dem Kachelrumpfprofile ausgebildet sind. Die Herstellung der Kachelhöhlung erfolgt durch Anordnung eines Kernstückes am Mundstück der Presse. Die Arbeitsweise mit dieser Vorrichtung vollzieht sich in gleicher Art wie mit dem vorbeschriebenen Apparat.

Es folgt nun eine Anzahl von Pressen, bei welchen der Pressdruck von oben erfolgt, die aber mit ihren Vorgängern das Merkmal der mehrtheiligen Form gemeinschaftlich haben.

Textabbildung Bd. 306, S. 250

Zur Besprechung komme zunächst die Max Salomon unter Nr. 16776 patentirte Presse, bei welcher das Neue und Wesentliche lediglich in dem Aufbau der Form und in dem Mechanismus zum Bewegen der Formtheile zu erblicken ist.

Die Form besteht aus dem Rahmen h (Fig. 7 und 8), in welchem eine aussen kreisrund und innen excentrisch ausgedrehte Scheibe b drehbar angeordnet ist. Mit dieser Scheibe ist durch Gelenkhebel x der aus vier Theilen bestehende Rahmen a verbunden. In die am Boden der Scheibe b angebrachte Verzahnung greift ein durch Kurbel k in Umdrehung versetztes Zahnrad ein. Das Oeffnen und Schliessen der Form vollzieht sich in folgender Weise: Durch eine Umdrehung der Kurbel nach links führt die Scheibe b eine Achtelumdrehung aus und zieht dabei mittels der vier Hebel x die Wandungen des Rahmens a geradlinig aus einander, wie dies in Fig. 8 durch punktirte Linien angedeutet ist. Durch eine umgekehrte Umdrehung der Kurbel wird die Form wieder geschlossen.

Textabbildung Bd. 306, S. 250

Um die Form zu füllen, nimmt man den Deckel e und den Kasten c aus der Form und schüttet das Thonpulver |251| auf den Boden d. Hierauf setzt man den Kasten c ein und füllt den Raum zwischen diesem Kasten und dem Rahmen a ebenfalls mit Pulver aus. Schliesslich setzt man den Deckel e auf. Die Kachel wird dann durch einen auf den Deckel ausgeübten Druck fertig gepresst. Zur Bloslegung der Kachel genügt es, Deckel e und Kasten c wieder abzuheben und durch Umdrehung der Kurbel die Form zu öffnen.

Textabbildung Bd. 306, S. 251

Bei der Kachelpresse von August Krüger in Wittenberge (D. R. P. Nr. 58809) werden die beiden Formhälften e (Fig. 9) mittels der Kurbeln g und der Stangen f von durch Scheiben k und durch einen gekreuzten Riemen l zu entgegengesetzt gerichteter Drehung veranlassten Wellen h aus geöffnet und geschlossen. Die Bewegung des Presstempels wird durch Kniehebel bewirkt, die durch Umdrehung einer mit Rechtsund Linksgewinde ausgerüsteten Spindel r gestreckt werden. Auch bei dieser Presse sind die das Profil der Kachel bildenden Theile aus Gyps hergestellt. Die an einander geschobenen Formhälften e werden in der Schlusslage durch Sperrhaken gehalten. Die Arbeitsweise dieser Presse geht aus der Zeichnung hervor.

Textabbildung Bd. 306, S. 251

Die Kachelpresse von R. Münich in Reichenbach (D. R. P. Nr. 59983) ist dadurch gekennzeichnet, dass die Form, von der Bodenplatte abgesehen, durch vier Profilleisten gebildet wird, welche auf zwei sich rechtwinkelig kreuzenden Schiebern befestigt sind. Die Profilleisten schliessen in einer bestimmten Stellung der Schieber derart eine Platte ein, dass sie eine dem herzustellenden Gegenstande entsprechende Form bilden (Fig. 10 und 11). Der Presstempel g trägt eine Platte h zum Abdecken der Form während des Pressens und wird mittels einer Schraube auf und ab bewegt.

Eine Kachelpresse von H. Schultz in Berlin mit mehrtheiliger Form ist Gegenstand des D. R. P. Nr. 63738. Bei dieser ist eine Einrichtung vorgesehen, um in den Hohlraum der Kachel Luft einzuleiten, damit man die Kachel leicht von der Form abheben kann.

Textabbildung Bd. 306, S. 251

In dem festen Kernstück a0 (Fig. 12) sind die unter Federdruck stehenden Ventile e angeordnet, welche dadurch zum Einlassen von Luft zwischen Kachel und Formstück von ihrem Sitz abgehoben werden, dass durch Bethätigung des Hebels d der Hebel f gegen eine die Ventilstangen verbindende Platte drückt. Der Hebel a steht mit den beiden Formhälften d0 in gelenkiger Verbindung. Die Hälften werden durch Niederdrücken des Hebels a aus einander geschoben. Das Abheben der Kachel vom Kernstück a0 geschieht mittels des Abstreifers b, auf welchen der Hebel d wirkt.

Textabbildung Bd. 306, S. 251

Die Kachelpresse von Ferdinand Fuchs und Joseph Mann in Breslau (D. R. P. Nr. 62492) ist dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Formtheile (Backen) während des Pressvorganges selbsthätig geöffnet und geschlossen werden. Die vier Backen b (Fig. 13) schwingen um die Achsen h, deren Lager sich am Gusskörper k befinden. In der Ruhelage der Presse ist die Form geöffnet, indem die Hebel l der Backen sich in Folge des Druckes der Spiralfeder m an die Platte g anlegen. Die Form wird geschlossen, sobald der Presstempel sich beim Pressvorgang nach abwärts bewegt. An den Stempel a sind vier Arme d angegossen, welche die Warzen f tragen. In diese sind die Träger i eingeschraubt, welche je zwei Rollen tragen.

Der Vorgang beim Pressen von Kacheln ist folgender:

Nachdem man auf die Platten g ein Stück Thon gelegt hat, bewegt man den Presstempel a durch eine Schraube abwärts. Sobald hierbei die Rollen der Rollenträger i in Berührung mit den Rippen n der Backen kommen, werden diese einwärts bewegt und so die Form |252| allmählich geschlossen. Gleichzeitig ist auch der Stempel a in seine tiefste Stellung gelangt und hat den Thon in die durch die vier Backen gebildete Form gepresst und so eine Kachel hergestellt.

Den Gedanken, durch die Bewegung des Presstempels Formtheile einer Kachelpresse in die Schlussthellung zu bringen, haben die Erfinder der eben beschriebenen Presse auch bei der unter Nr. 62585 patentirten Presse für Winkelkacheln verwerthet.

Die Form dieser Presse ist wie diejenige ihrer Vorgängerin aus mehreren Theilen zusammengesetzt. Den geraden Theil der Eckkachel bilden drei durch Schrauben p1p2p3 (Fig. 14 und 15) und Kegelräder q schlittenartig bewegliche Formtheile cdd, während der winkelförmig gebogene Theil der Kachel durch die Winkel platte g und eine schwingende Platte e gebildet wird. Diese wird durch entsprechende Einstellung zweier Excenter v in die Schlusslage gebracht. Die Höhlung der Eckkachel wird durch den Stempel a und die schwingende Backe b hergestellt.

Der Vorgang beim Pressen der Eckkacheln spielt sich wie folgt ab:

Zunächst bringt man die Backen cdde in die Schlusstellung. Dann wird ein im rechten Winkel vorgearbeitetes Stück Thon in den von den vier Backen und der rechtwinkeligen Platte g umschlossenen Raum gelegt. Bewegt man hierauf die Spindel der Presse nach abwärts, so bildet der Stempel b, indem er sich um den Punkt n dreht, den Hohlraum des winkelförmigen Theiles und der Stempel a denjenigen des geraden Theiles der Kachel. Durch eine Drehbewegung der Spindel in entgegengesetzter Richtung hebt sich zunächst der Stempel a und dann der Stempel b aus der fertigen Kachel.

Textabbildung Bd. 306, S. 252

Diese Presse für Winkelkacheln haben die Erfinder dahin abgeändert, dass sie die Winkelplatte g (Fig. 16) zu einem Kasten mit zwei gleich hohen Seitenwänden ausgebildet haben und dass die drei Backen cdd nicht mehr einzeln supportartig bewegt werden, vielmehr lose auf eine im Kasten g befindliche, durch Zahnstange und Kurbel abc bewegbare Grundplatte d gelegt und zu einer Form vereinigt werden. Hierbei legen sich die Backen d mit ihren hinteren Flächen an die Längswände des Kastens g an. Die Vorreiberplatten e dienen dazu, die Platte c fest an die Platten d zu pressen.

Die Pressung der Kachel vollzieht sich in gleicher Weise wie bei voriger Presse. Dagegen sind Wirkungsweise und Einrichtungen der Presse in Bezug auf das Freilegen der Kacheln andere. Diese werden dadurch bedingt, dass die Formtheile während des Pressvorganges in einem Kasten angeordnet sind.

Textabbildung Bd. 306, S. 252

Hat die Pressung stattgefunden, so dreht man die Spindel hoch, wodurch der Stempel b0 unter der Wirkung des Gegengewichtes m aus der Höhlung der Kachel heraustritt. Hierauf dreht man die Excenter v um 180°, wodurch die Backe e0 hochklappt. Dreht man dann die Vorreiberplatten e bei Seite, so kann man die Kachel dadurch freilegen, dass man durch Zahnstangentrieb zunächst die auf der Grundplatte stehenden Backen ddc aus dem Kasten g herausbewegt. Am Ende dieser Bewegung stossen die Brecher g in die Fugen zwischen Backen d und c und lösen so diese von der geformten Kachel. Nachdem man dann noch die drei Backen cdd fortgenommen hat, liegt die fertige Winkelkachel frei auf der Grundplatte und kann abgehoben werden. Diese Abänderung ist unter Nr. 72678 zusätzlich geschützt.

An die soeben beschriebenen Pressen zum Formen von Eckkacheln mögen sich hier drei weitere diesbezügliche Vorrichtungen anschliessen, und zwar soll zunächst die unter Nr. 63600 C. Schlickeysen in Berlin patentirte Vorrichtung besprochen werden.

Es bildet dieses Patent ein Zusatzpatent zu Nr. 59983. Die neue Form wird gebildet durch eine Grundplatte a (Fig. 17 und 18), welche entsprechend der Form der Ecken in einen rechten Winkel umgebogen ist, und durch die Profilleisten bb1b2b3cc1. Die Profilleisten bb1 sind zu einem Schieber d vereinigt, welcher sich in den Führungen f der wagerecht liegenden Fundamentplatte verschieben lässt. Die Profilleisten b2b3 bilden einen weiteren Schieber d1, welcher senkrecht zum Schieber d angeordnet ist und sich in den Führungen f1f2 der Wand f1 verschieben lässt. Die Profilleisten cc1 können ebenfalls zu einem Schieber vereinigt sein.

Um auf dieser Form Eckkacheln herstellen zu können, ist es erforderlich, dass der Stempel nicht allein in den wagerechten, sondern auch in den senkrechten Theil der Form eindringt. Zur Erreichung dieses Zieles hat Schlickeysen den Stempel aus zwei Theilen hergestellt, und zwar aus einer Platte und einem Stempel h für die wagerechte Form mit einem Behälter k, in welchem sich der zweite Theil mit Platte und Stempel h1 für die senkrechte Form mittels einer Schraube oder einer ähnlichen Vorrichtung hin und her schieben lässt.

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Beim Formen legt man in die geschlossene Form einen Klumpen Lehm. Dann wird der Stempel h herabgeschraubt und dadurch der Lehm in den wagerechten Theil der Form gepresst. Durch Schraube i bewegt man den Stempel h1 seitlich und bildet dadurch den senkrechten Theil der Kachel. Die Freilegung der also geformten Eckkachel erfolgt durch Zurückschrauben der Stempel h und h1 und Herausziehen der Profilleisten.

Unter Nr. 75598 hat sich dann später Schlickeysen, ebenfalls zusätzlich zu Nr. 59983, eine zweite Vorrichtung zum Formen von Eckkacheln patentiren lassen, bei welcher der Stempel h1 durch den senkrecht zu bewegenden Hauptstempel h selbst wagerecht verschoben wird. Es erübrigt sich also bei dieser Vorrichtung die Anordnung einer zweiten wagerecht arbeitenden Schraube. Der mit der senkrechten Druckspindel fest verbundene Theil kh und der wagerecht verschiebbare Theil k1h1 sind durch einen schräg stehenden Schlitten k2 zwangläufig mit einander verbunden.

Textabbildung Bd. 306, S. 253

Nachdem auf die Grundplatte a der geschlossenen Form ein Klumpen Lehm gelegt ist, wird der Stempel herabgeschraubt, wobei, wie die Fig. 19 zeigt, die einzelnen Stempeltheile aus einander gezogen sind. Sobald der lose Theil h1k1 auf den Lehm gedrückt wird, verschiebt er sich in wagerechter Richtung so lang, bis die Deckplatten h1 und h die Form geschlossen haben. Die Eckkachel ist dann fertig und man hebt durch Zurückschrauben der Druckspindel die Stempeltheile aus der Form.

Textabbildung Bd. 306, S. 253

An die Schlickeysen'sche Vorrichtung zum Formen von Eckkacheln schliesst sich diejenige von Alois Eichhorn in Trebnitz bei Breslau an (D. R. P. Nr. 87101). Diese Vorrichtung ist aus der Erwägung hervorgegangen, dass es dem die vorbeschriebene Vorrichtung bedienenden Arbeiter nicht möglich ist, die Stärke des Pressdruckes zu beurtheilen. Es kann also bei jener Vorrichtung sich ereignen, dass von dem Arbeiter ein zu schwacher Druck ausgeübt und mithin die Thonmasse nicht genügend in die Formen eingepresst wird oder dass bei zu starkem Druck die Kachel zu fest wird und alsdann beim Brennen springt. Um diesem Uebelstande zu begegnen, hat Eichhorn seine Vorrichtung derart eingerichtet, dass dem sie bedienenden Arbeiter die Grösse des Druckes fühlbar bleibt.

Die rechtwinkelig umgebogene Form ist bei dieser Vorrichtung mehrtheilig und auf dem Tisch angeordnet. Auch der Stempel, welcher zum Formen dient, ist getheilt und besteht aus einem senkrecht verschiebbaren Hohlkörper e (Fig. 20 und 21) zum Formen der wagerechten Höhlung der Kachel und aus einem in dem Hohlkörper seitlich verschiebbaren Kern k zum Formen des Ecktheiles. Der äussere Hohlkörper e wird von der Hohlwelle g getragen, während der Stempeltheil k derart mit der in der Welle g angeordneten Welle h in Verbindung steht, dass er bei Drehung der Welle h durch Excenter oder Kurbel in dem Hohlkörper e eine seitliche Verschiebung erfährt. Ist die erforderliche Thonmenge in die Form eingebracht, so drückt der Arbeiter zunächst mittels eines Handhebels beide Stempeltheile in die Form und bildet so die wagerechte Höhlung der Kachel. Alsdann formt er die senkrechte Höhlung der Kachel, indem er durch eine Drehung der Welle h den Stempeltheil k seitlich verschiebt. Durch eine entgegengesetzte Drehung der Welle h und Emporheben der Hohlwelle g werden die Stempeltheile in die Anfangslage zurückgeführt und durch Oeffnen der Form die Kachel zur Abnahme freigelegt.

Textabbildung Bd. 306, S. 253

Eine Form zum Pressen von Kacheln aus stark wasserhaltigem Thon ist L. und C. Hardtmuth in Budweis unter Nr. 80659 patentirt. Es handelt sich bei dieser Form darum, Pressform und Presstempel derart einzurichten, dass das aus dem Thon ausgepresste und von diesen Theilen aufgenommene Wasser, sowie die Luft durch Absaugen entfernt werden kann. Zur Erreichung dieses Zweckes werden in der Pressform und in dem Presstempel Hohlräume angeordnet, in welche die Luft durch entsprechend angeordnete Löcher und das Wasser durch hygroskopisches Material hindurch gelangt. Wasser und Luft werden dann durch eine Luftpumpe aus den Hohlräumen entfernt.

Wie aus Fig. 22 ersichtlich, ist der an dem Untertheil der Pressform festgeschraubte Einsatz b0 an seiner Druckfläche und an den Seitenwänden mit Löchern b1 und am Umfange mit einer Umhüllung b1' aus hygroskopischem Material (Gyps) versehen.

Die freie Deckfläche des Einsatzes b0 ist mit einer Filzplatte b3 bedeckt, welche das Anhaften des zu formenden Materials an den Einsatz verhindert, gleichzeitig aber dem ausgepressten Wasser und der Luft den Durchgang zu den Löchern b1 gestattet. Der Obertheil der Pressform besteht aus dem auf die Grundplatte a aufgesetzten Rahmen c0, der an seinen Innenwänden ebenfalls mit hygroskopischem Material c ausgekleidet ist. Der Stempel besteht aus dem mit hygroskopischem Material f ausgefüllten Kasten f0, dessen Wände mit Löchern f1 versehen sind. Während des Pressvorganges entweicht die Luft durch die mit Filz belegten Löcher b1 des Einsatzes b0. Durch diese Löcher wird auch das aus dem Thon ausgedrückte Wasser entfernt, insofern es nicht von dem hygroskopischen Material |254| des Einsatzes, des Rahmens und des Presstempels aufgenommen wird. Während des Pressens oder Formens wird mittels der Luftpumpe die Luft aus den Hohlräumen b4 und g abgesaugt und dadurch das ausgepresste Wasser aus der Pressform bezieh. aus dem hygroskopischen Material entfernt. Ist die Pressung vollendet, so öffnet man die Lufthähne hh1, um Luft in die Hohlräume eintreten zu lassen. Stempel und Formtheile lassen sich dann leicht von der Kachel ablösen.

Textabbildung Bd. 306, S. 254

Einen neuen Weg zur Herstellung von Ofenkacheln schlägt Maximilian Harczyk in Warschau in seinem D. R. P. Nr. 78004 ein, indem er zwei derart zur Wirkung kommende Presstempel verwendet, dass der eine durch einen ringförmigen Kanal des anderen hindurcharbeitet. Der erste Stempel dient hierbei zur Herstellung des Blattes, während der zweite in der ringförmigen Aussparung des ersten den Rumpf presst.

Einrichtung und Wirkungsweise dieser Presse sind folgende:

In der Höhlung des Pressrahmens b (Fig. 23 und 24), in welche das Pressgut eingefüllt wird, arbeitet der Pressstempel cd, welcher das Blatt der Kachel herstellt. Dieser Presstempel besteht aus einem äusseren und einem inneren Theil, deren Zwischenraum f für die Gestaltung des Rumpfes bestimmt ist. Beide Theile sind durch das Verbindungsstück e starr mit einander verbunden. Hat man in die ringförmige Höhlung f der Rumpfform Material eingefüllt, so führt man in die Höhlung den ringförmigen Stempel h ein, und zwar in der Weise, dass man dessen zwei Hälften auf der Rumpfform zusammenschiebt. Nach diesem Vorgang wird die gesammte gefüllte Vorrichtung unter eine beliebige Presse geführt und der ringförmige Stempel h in die Aussparung des ersten Stempels hineingepresst.

Textabbildung Bd. 306, S. 254

Sobald die Presse die Rumpfform berührt, wird auch das Blatt der Kachel gepresst. Nach diesem Arbeitsvorgang unterliegt also der Rumpftheil einer doppelten Pressung.

Selbstverständlich kann der Arbeitsgang auch in der Weise erfolgen, dass zuerst das Blatt und dann der Rumpf gepresst wird.

Um das Behauen und Abschleifen der Kachel nach Möglichkeit zu erleichtern, ist es vortheilhaft, dem Rande der Kachel eine geringere Pressung zu geben als den anderen Theilen. Zu diesem Zwecke hat der Erfinder bei der vorbeschriebenen Presse den äusseren Theil c des Blattstempels dadurch unabhängig gemacht von dem Kernstück d, dass er entweder das Kernstück d feststellt, während der äussere Theil c beweglich bleibt, oder dass beide Theile c und d des Blattstempels und der Rumpfstempel jedes Stück für sich bewegt werden, oder dass drittens der äussere Theil c des Blattstempels festgestellt und sich das Kernstück d bewegt. Die Abbildungen dieser unter Nr. 85907 zusätzlich geschützten Erfindung dürften ohne weitere Erklärung verständlich sein (vgl. Fig. 25 und 26).

Textabbildung Bd. 306, S. 254

Neuerdings hat sich derselbe Erfinder eine Form zur Herstellung von Eckkacheln (Fig. 27) unter Nr. 93398 patentiren lassen, bei welcher der innere Blattstempel aus zwei Theilen if besteht, von welchen der Theil f beim Ausstossen der Kachel aus der Form mit herausgehoben und dann aus dem Innenraume der Ecke entfernt wird. Der zum Pressen des Randes am Ganztheil dienende Stempel g presst gleichzeitig am Halbtheil die äussere Blattkante und die äussere Rumpfseite. Der äussere Druck auf das Blatt des Halbtheiles erfolgt durch eine mittels Schraube und Keil angepresste Platte b, während der Oberdruck auf das Blatt des Ganztheiles durch den Stempel c erfolgt.

Zum Schluss sei noch eines Verfahrens zur Herstellung von Kacheln (Fig. 28) gedacht, bei welchem die Höhlung der Kacheln nicht durch einen Pressvorgang mittels Kern hergestellt, sondern ausgeschnitten wird. Das Werkzeug zum Ausschneiden der Höhlung Herstellungen Kacheln, besteht aus einer bügelförmigen, nach dem fortzunehmenden Querschnitt gestalteten Klinge s, die an der Form gerade entlang. geführt oder bei symmetrischen Hohlkörpern eventuell um eine ideelle Achse gedreht wird.

Textabbildung Bd. 306, S. 254

Mit dem Werkzeuge kommen feste oder stellbare Führungen zur Verwendung, welche die Durchführung des Verfahrens von der Geschicklichkeit des Arbeiters unabhängig machen.

Eine besondere, durch zwei rechtwinkelig zu einander stehende Anschlaglappen gekennzeichnete Ausführungsform |255| des Werkzeuges ist dem besonderen Zweck angepasst, die Höhlung von Eckkacheln herzustellen.

Ob nach diesem Verfahren, das unter Nr. 89442 patentirt ist, Kacheln hergestellt werden können, welche den Anforderungen der Praxis in Bezug auf ihre Festigkeit Genüge leisten, dürfte in Zweifel zu ziehen sein.

S-d.

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