Titel: Die Fortschritte der Zuckerindustrie in dem ersten Viertel 1897.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306 (S. 257–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/ar306070

Die Fortschritte der Zuckerindustrie in dem ersten Viertel 1897.

(Schluss des Berichtes S. 236 d. Bd.)

III. Zuckerfabrikation.

Ueber den fabrikativen Werth der Rübenköpfe kommt M. Hollrung25) nach seinen Untersuchungen zu folgenden Schlüssen: 1) Die Köpfe der Rübenwurzel betrugen durchschnittlich 12,8 Proc. des Gesammtgewichtes. 2) Sie enthalten im Saft 2,20 Proc. in der Rübe 2,63 Proc. Zucker weniger als die eigentliche Wurzel. 3) Der Nichtzuckergehalt war um 1,09 Proc. in den Köpfen höher als in der Wurzel. 4) Die Köpfe sind um 7,7 Proc. saftärmer als die Wurzel. 5) Der Saft der Rübenköpfe ist wesentlich dunkler gefärbt als der der Wurzel.

Hiernach bilden die Rübenköpfe einen minderwerthigen Theil der Zuckerrübe und müssen bei dem heutigen Stand der Zuckerindustrie die Köpfe von Rüben, welche unter 16,5 Proc. Zucker enthalten, als ein fabrikativ mit Nutzen nicht mehr zu verarbeitendes Material bezeichnet werden.

H. Claassen26) hat Versuche über die durch die Verschlechterung der Säfte gebotenen Grenzen der Auslaugung in der Diffusion angestellt und kommt zu dem Resultat, dass es nicht richtig ist, in allen Fällen von einer weitgehenden Auslaugung der Schnitzel abzurathen, da es meistens vortheilhaft ist, eine Auslaugung der Schnitzel bis auf 0,2 bis 0,3 Proc. Polarisation anzustreben. Lieber sollte man durch Abänderung der Diffusionsarbeit oder der Diffusionsanlagen dahin zu gelangen suchen, möglichst reine und verarbeitungswürdige Kochsäfte bei weitgehender Auslaugung der Schnitzel ohne Erhöhung des Saftabzuges zu erhalten.

Nach den Untersuchungen von L. Jesser27) über die Inversionsbedingungen der Diffusionssäfte sind in diesen Säften thatsächlich die Bedingungen, die zu einer Inversion nöthig sind, vorhanden. Aus diesen Untersuchungen darf aber nur der Schluss gezogen werden, dass Zuckerzersetzungen beim Erwärmen des fertigen Saftes vorkommen können; auf das Verhalten desselben in der Diffusionsbatterie selbst geben diese Versuche keinen Aufschluss. Weitere Versuche haben aber ergeben, dass thatsächlich Inversionen sowohl während des Diffusionsprocesses, als auch nach demselben vorkommen können.

Ueber eine Neuerung beim Diffusionsverfahren berichtet W. Engst28) mit dem Hinweis darauf, dass man bis jetzt zur raschen Entfernung des gewonnenen Rohsaftes aus den Diffusionsgefässen ausschliesslich Wasserdruck verwendet, wobei sich aber oft der Uebelstand ergab, dass durch Circulationsstörungen in der Batterie das Fliessen beim Abziehen des Rübenrohsaftes in die Messgefässe oder Rohsaftvorwärmer oder Saturateure nur äusserst langsam erfolgt und bei grösserem Saftabzug die Diffusionsarbeit nur langsam ging. Die vorliegende Erfindung bezweckt, diese Betriebsschwierigkeiten, wenn nicht ganz aufzuheben, so doch bedeutend zu verringern, und geschieht dies dadurch, dass man die Circulation in der Batterie, ohne irgend welche nachtheilige Beeinflussung des Rübenrohsaftes besorgen zu müssen, beschleunigt, indem man die Druckwirkung des zur Diffusion auf die Rübenschnitte zufliessenden Wassers durch die Saugwirkung eines sich an die Rohrleitung der Diffusionsbatterie anschliessenden Saugapparates unterstützt. Dieser Saugapparat (am einfachsten eine Pumpe) kann auch zwischen der Abdruckstelle der Batterie und der Messgefässe oder Vorwärmer oder Saturateure eingeschaltet werden. Dieselbe wird entweder continuirlich bei der Diffusionsbatterie im Betrieb erhalten oder bloss in dem Moment des Abtreibens des eingemaischten Diffuseurs in Bewegung gebracht. Nach den bisherigen praktischen Erfahrungen hat sich mit diesem Verfahren die Leistungsfähigkeit einer und derselben Diffusionsbatterie für die Tagesleistung unter sonst gleichen Betriebsverhältnissen um 20 bis 25 Proc. der Rübenverarbeitung gesteigert.

Ueber die Bedeutung der Amidosäureamide für die Saftgewinnung. P. Degener29) hat seinerzeit darauf hingewiesen, dass unreife bezieh. überdüngte Rüben stets einen hohen Amidostickstoff zu haben pflegen, sowie dass die in denselben enthaltenen Amide, also in erster Linie Asparagin und Glutamin, weiter auch Betaïn, sich in der Fabrikation bezüglich ihrer Ausscheidbarkeit anders verhalten als Proteïnsubstanzen. Degener hat damals vermuthet, aber noch nicht ausgesprochen, dass die genannten Stoffe, mit vermuthlicher Ausnahme des Betaïns, auch nach einer anderen Richtung schädlich wirken können, nämlich durch Zerstörung von Zucker, durch Lösen von metallischem Eisen und durch Aufschliessen von Rübenmark. Zur näheren Klarlegung dieser Frage wurde nun Asparagin in den Kreis der Untersuchung gezogen und hierbei die Acidität des Asparagins, dessen Inversionsvermögen und dessen Einwirkung auf metallisches Eisen und auf Pectine näher studirt, wobei folgende Resultate gefunden wurden: 1) Asparagin und verwandte Stoffe, wie Glutamin, haben deutlich saure Eigenschaften, welche mit steigender Temperatur an Stärke zu-, mit sinkender wieder abnehmen. 2) Die Inversionsgefahr durch Asparagin ist schon bei 62° C. bemerkbar, wenn auch noch unerheblich, darüber hinaus wird sie aber schon bei 74° C. eine sehr deutliche, um bei 100° C. geradezu äusserst bedenklich zu werden. Bei Vorhandensein grösserer Mengen Asparagin, welche man am raschesten dadurch erkennen wird, dass die Titration des Diffusionssaftes bei gewöhnlicher Temperatur und in der Siedehitze erhebliche Differenzen zeigt, hat man einerseits die Diffusionstemperatur zu erniedrigen und andererseits den Inhalt der Vorwärmer zu neutralisiren. Ob eine Neutralisation der Diffuseure angängig ist, dürfte noch nicht spruchreif sein. 3) Das Asparagin vermag auch die Eisenwandungen der Diffuseure, Rohre und Vorwärmer anzugreifen. Gegen diese Calamität, welche vom Auftreten brennbarer Gase und schwerem Drücken begleitet sein kann, sind auch die erwähnten Maassregeln angezeigt. 4) Asparagin vermag auch anscheinend die Zellsubstanz der Rübe in löslichem Zustande überzuführen. 5) Eine Anhäufung von Asparagin und Glutamin ist die Folge von zu starker Stickstoffdüngung, sowie sehr feuchter Vegetationsperiode und geht überhaupt mit mangelnder Reife Hand in Hand. Soweit man daher die Erzielung |258| der letzteren beeinflussen kann, soll dies der Fabrikant thun, also sich gegen die Abnahme aller amidereichen Rüben, falls unrationelle Düngung daran schuld ist, verwahren.

Hat man viel Amide in den Säften, was auch der Fall sein wird, wenn man alle erwähnten Vorsichtsmaassregeln ausübt, welche ja nicht auf die Entfernung jener Körper hinwirken, so muss man die späte Scheidung danach gestalten. Hier wird nur ein Mittel helfen: in der zweiten Saturation mindestens 0,5 Proc. Kalk 10 Minuten lang kochend einwirken lassen, dann erst saturiren, aber nicht zu niedrig, höchstens 0,05; besser wäre Einwirkung unter Druck. Am besten ist es allerdings, den Dicksaft nochmals energisch, also bei mindestens 100°, mit Kalk zu behandeln.

Nach einer Mittheilung von J. Matouš30) hat sich das mechanische Filter für Diffusions-Rohsaft, System der Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Breitfeld, Daněk und Comp., Prag-Karolinenthal, zur Filtration des rohen Diffusionssaftes sehr gut bewährt. Der Saft fliesst aus den Messgefässen in die Rohsaftfilter durch ein Ventil, passirt die Filtereinlagen, welche aus messingenem Wellblech, mit feinem Messingsieb (auf 1 qdm kommen 4634 Oeffnungen von 0,5 mm Durchmesser) überzogen, hergestellt sind, gelangt in eine hermetisch geschlossene Rinne und von hier in die Vorwärmer der ersten Saturation. Die aufgefangenen Schnitzel, Pülpe und schmierigen Stoffe sammeln sich während der Arbeit in dem geräumigen konischen Untertheil des Filters und werden von hier zeitweise mittels einer Schnecke in einen Ablasstutzen befördert. Zuvor wird aber der Saft über ein Sieb unterhalb der Schnecke durch ein Ventil in den Diffuseur oder in einen mit einem Sieb versehenen Behälter abgelassen und gelangt von hier mittels Injectoren in die Calorisatoren. Die Einrichtung der Filter ist einfach und die Leistungsfähigkeit eine sehr grosse. Aehnliche günstige Erfahrungen hat man in diesem Filter in der Zuckerfabrik Brüx gemacht.

Nachdem bei den elektrischen Verfahren giftige Metalle, z.B. Blei, als Elektroden eingeführt wurden, so empfiehlt V. Sokol31) zur Reinigung der Rübensäfte den chemischen Reinigungsverfahren mehr Aufmerksamkeit zu schenken und bestätigt, dass man mit Kieselfluorblei bei Melassen den Quotienten um 15,8 und auf 82 heben und dadurch lichte, gut krystallisirende Säfte erhalten kann.

W. Bersch32) berichtet über die Erfahrungen, welche in der Saftreinigung mittels Elektrolyse in der Campagne 1896/97 in Oesterreich gemacht wurden.

Ueber das Wasserstoffsuperoxyd, welches bis jetzt als Bleichmittel in die verschiedenen Zweige der modernen Technik eingeführt wurde, liegen Beobachtungen auf zuckerenthaltende Säfte vor. Aus den Untersuchungen folgt, dass die Verwendung von Wasserstoffsuperoxyd auch im Fabrikbetriebe lohnend erscheint, wenn Mittel und Wege gefunden sind, dieses Bleichmittel zu billigeren Preisen in den Handel zu bringen.

Ausführliche Versuche liegen von Pokorny33) zur Frage vor: Wie lange verweilt der zur Verdampfstation gelangende Dünnsaft in den einzelnen Apparaten des Tripleeffets und mit welcher Geschwindigkeit strömen die verschiedenen Dämpfe durch die Heizsysteme und Rohrleitungen der Verdampf-Station? Die Angaben beziehen sich auf eine Verdampfstation von fehlerhafter Anlage und auf Apparate, welche durch lange Zeit nicht gereinigt wurden und in Folge dessen stark inkrustirt waren.

Vor kurzem hat E. Scott in England und Deutschland Privilegiumsrechte auf einen Verdampfkörper ohne Heiz-System erworben, wonach das Heizen derart geschieht, dass in den Verdampfkörper, und zwar unter die Oberfläche des darin befindlichen Saftes, überhitzte Flüssigkeit eingeführt wird. J. Cuřin34) weist nun zur Wahrung seiner Priorität nach, dass ein ebensolcher Verdampfkörper in der Zuckerfabrik Auschitz bereits seit 3 Jahren im Betrieb steht und zwar seit der Zeit, wo der Vorwärmer nach der dritten Saturation nach Cuřin's System in einen Verdampf- oder sogen. Anwärmkörper umgewandelt worden ist.

Das neue Verfahren von Sachs35) (D. p. J. 1897 303 238), welches auf einem eigenartigen Kochen des Ablaufes vom ersten Product, einer höheren Ausnutzung des Kochproductenapparates und dementsprechender Verarbeitung der erhaltenen Füllmasse zweiten Products in dem Malaxeur besteht, wurde in der verflossenen Campagne in einigen Zuckerfabriken in Böhmen versucht und lauten die Nachrichten in Bezug auf die erhöhte Ausbeute sehr günstig.

Für den Zuckertechniker sind neu ausgeführte Zuckerfabrikanlagen von grossem Interesse, da dieselben die Fortschritte der Zuckerfabriktechnik in deutlicher Weise illustriren. Unter den Neuanlagen der letzten Zeit ist die Zuckerfabrik Tessin, erbaut von der Halle'schen Maschinenfabrik, zu erwähnen. Sie ist auf eine tägliche Verarbeitung von 12000 bis 15000 Centner Rüben berechnet, kann jedoch leicht auf 20000 Centner vergrössert werden. Die für eine Zuckerfabrik wichtigsten Fragen der Wasserversorgung und der Transportwege sind hier gelöst. Das geräumige Kesselhaus befindet sich auf der Rückseite der Fabrik und die von hier ausgehenden Arterien der Dampfspeisung theilen sich beim Eintritt in das Hauptgebäude nach links und nach rechts und gelangen auf dem kürzesten Wege zu den Verbrauchsstätten. Sind schon durch diese empfehlenswerthe Anordnung die Dampfleitungen von geringer Ausdehnung, so macht der Umstand, dass auf den fernsten Punkten, wo im linken Flügel die Rüben- und Tücherwäschen, Schnitzelpressen und Schneidmaschinen, im rechten die Centrifugen und Zuckerelevatoren laufen, überhaupt keine Dampfleitung nöthig war, die Anlage zu einer idealen und einzig dastehenden. Die Anwendung der elektrischen Kraftübertragung, wie sie ausser für die ebengenannten Stationen noch für den Kalkofen- und Trockenscheidungsbetrieb stattfindet, ist auch noch in keiner anderen Rohzuckerfabrik Deutschlands in gleichem Maasse durchgeführt worden. Die Anwendung der elektrischen Kraftvertheilung hat sich in vorzüglicher Weise bewährt, nachdem die Motoren ohne die geringste Unterbrechung gearbeitet haben, ohne dass die aufgestellten Hilfsmotoren nothwendig gewesen wären. Zu der durch eine Zwillingshauptmaschine getriebenen Primärmaschine von 120 |259| gehören elf einzelne Elektromotoren: ein Drehstrommotor für Rübenhaus und Schnitzelstation zu 30 bis 35 ; sieben Elektromotoren, bis zu 12 leistend, für die Centrifugen; je ein Drehstrommotor von 7,5 zum Antrieb der Arbeitsmaschinen auf dem Zuckerboden, für die Trockenscheidung und Zubehör und endlich für den Kalkofenbetrieb. Zur gesammten Beleuchtung der Fabrik, des Wohnhauses u.s.w. sind über 400 Glühlampen und ein Dutzend Bogenlampen in Betrieb. Die innere Einrichtung der Fabrik ist eine imponirende in Folge der zweckmässigen Anordnung der Apparate und des weiteren Umstandes, dass man von den Vacuen aus, mit Ausnahme des Kesselhauses und des Kalkofens mit der Trockenscheidung, sämmtliche Stationen der Fabrikation übersieht. Bei der Verdampfstation ist ein ingeniöses Rieselverfahren mit ganz niedrigem Saftstande in Anwendung. Die Leistungsfähigkeit der Diffusionsbatterie ist schon für die jetzige Verarbeitung reichlich und kann leicht durch Hinzufügen einiger Diffusionsgefässe und Theilung in zwei Batterien bedeutend vergrössert werden. Im Kesselhaus liegen sieben grosse Galloway-Kessel, deren Gang durch Zugmesser, Rauchgaswage, Wassermesser, Temperaturregistrirung u.s.w. controlirt wird. Der Kalkofen ist ein moderner Khern'scher Ofen mit elektrisch betriebenem Aufzug.

Nicht von minderem Interesse ist die Einrichtung der Centralzuckerfabrik von Meaux. Dieselbe verarbeitet täglich im Mittel 2000 t (40000 Centner) Rüben und kann es bis auf 2300 t bringen.

Einen Besuch in der Zuckerfabrik Souppes beschreibt P. Dureau36), nachdem in derselben ein neues Verkochverfahren von J. Delavierre ausgeübt wird. Das Verfahren besteht in der gewöhnlichen Durchführung zum Verkochen der Säfte behufs Ueberführung derselben in Füllmassen und geschieht die Zuführung der Dicksäfte in den Verkochapparat durch ein Centralrohr und unter Einwirkung der Luftleere.

Ueber die Fortschritte in dem Verfahren zur Gewinnung und Trennung von Rohrzucker und anderen Zuckerarten aus unreinen, fremde Stoffe enthaltenden Zuckerlösungen, wie z.B. aus Melasse, Pflanzensäften u. dgl., hat der Erfinder G. Kassner in dieser Zeitschrift selbst berichtet (D. p. J. 1897 303 19), was der Vollständigkeit halber hier hervorgehoben werden soll.

Zur Frage seines Bleisaccharatverfahrens hat A. Wohl37) im April 1894 dem deutschen Patentamte und später den Patentämtern des Auslandes (siehe zu dieser Frage D. p. J. 1896 299 116. 300 296) ein Gutachten von Kayser eingereicht, nachdem eine grundlegende Bedingung für die Anwendung des Bleisaccharatverfahrens im Betrieb die Möglichkeit ist, auf einem einfachen und ganz sicheren Wege jede Spur von Blei aus zuckerhaltigen Lösungen zu entfernen. Aus dem Gutachten von Kayser ergibt sich Folgendes: 1) In wenig gefärbten Zuckerlösungen lässt sich ein Bleigehalt noch in Spuren, welche weit über die Grenze hinausgehen, die aus hygienischen Rücksichten irgendwie gesetzt werden könne, einfach calorimetrisch nachweisen. 2) Durch Dicksaftscheidung mit Kalk und Kohlensäure wird aus solchen Zuckerlösungen noch bis über diese Grenze der Nachweisbarkeit hinaus jede Spur von Blei entfernt. Bei merklich gelben Säften ist der calorimetrische Nachweis begreiflicher Weise nicht mehr so scharf und es bedarf dann der Abscheidung des Bleis in wägbarer Form.

Bezüglich eines derartigen Nachweises äussert sich A. Kollrepp38) in einer Abhandlung über Bleispuren in Rohzuckern und Füllmassen und deren quantitative Bestimmung und gelingt dieser Nachweis nach folgender Methode: 500 bis 1000 g Zucker werden mit Wasser zu ungefähr 30 bis 40° Brix gelöst. In die Lösung wird ½ Stunde Schwefelsäure eingeleitet, dann 3 Stunden stehen gelassen, mit Eiweisslösung versetzt und wieder stehen gelassen. Die Eiweisslösung wurde hergestellt durch Auflösen des Weissen von einem Ei mit Wasser unter Zusatz von ein paar Tropfen Aether zu 200 cc. Von dieser Lösung braucht man für reine Säfte für das oben vorgeschriebene Quantum 10 bis 25 cc. Bei zähen und schleimigen Massen ist unter Umständen bis zum 5fachen Quantum zu gehen. Alkalische Zuckerproducte müssen vorher mit Essigsäure neutralisirt werden. Der Zusatz von Eiweiss hat den Zweck, die colloidal in der Zuckerlösung vertheilten Metallsulfide, welche durch jedes Filter gehen, vollständig abzuscheiden. Die mit Eiweiss versetzte und schwefelsäurehaltige Zuckerlösung wird aufgekocht; dabei tritt eine vollkommene Scheidung nach oben ein und sobald die Dampfblasen die Eiweissdecke durchbrechen, ist der gesammte Niederschlag in dem hauptsächlich durch Eisensulfur tiefschwarz gefärbten Gerinnsel angesammelt. Der Niederschlag wird abgesaugt, mit schwefelsäurehaltigem Wasser ausgewaschen, getrocknet und im Porzellantiegel verascht. Die rothgefärbte Asche besteht in der Hauptsache nach aus Eisenoxyd, Kieselsäure, Thonerde und Kalk. Um die Schwefelsäure zu entfernen, wird die Asche mit Wasser befeuchtet, mit einer kleinen Messerspitze voll Soda versetzt, schwach geglüht und nach dem Erkalten ausgewaschen. Das Filtrat wird durch Schwefelsäure nicht gefärbt. Das Filter wird in den Tiegel zurückgegeben, getrocknet und verascht. Zum Ausziehen der Schwermetalle wird der Rückstand ½ Stunde mit concentrirter Salpetersäure in gelindem Sieden erhalten, um Bleispuren, die als Bleiferrit vorliegen können, vollständig zu extrahiren. Man dampft die Salpetersäure bis fast zur Trockne ab, nimmt mit Wasser auf und filtrirt vom Unlöslichen ab. In das deutlich saure Filtrat wird Schwefelsäure eingeleitet, der entstandene Niederschlag enthält nebst Schwefel die Gesammtmenge des vorhandenen Kupfers und Bleis. Der Niederschlag wird in einem kleinen Porzellantiegel verbrannt, mit concentrirter Salpetersäure oxydirt, mit Schwefelsäure versetzt und erhitzt, bis die Salpetersäure vertrieben ist und Schwefelsäuredämpfe aufzutreten beginnen. Dann wird das Kupfersulfat durch verdünnten Alkohol ausgewaschen und das zurückbleibende Bleisulfat gewogen.

Es hat sich nun gezeigt, dass sich Bleispuren, herrührend von der Berührung der Säfte mit Mennigedichtungen, Löthungen der Kupfergefässe, Bleischlangen zum Einleiten der schwefligen Säure u.s.w., als ganz regelmässiger Bestandtheil aller Rohzucker und Raffineriefüllmassen vom ersten bis zum letzten Product vorfinden. Der Gehalt schwankte bei den untersuchten Proben von 0,000045 bis 0,00037 Proc. das ist 0,45 bis 3,7 mg auf 1 k Zucker. Selbstverständlich ist diese Menge hygienisch ohne Bedenken. Weitere Versuche haben auch gezeigt, |260| dass eine einmalige Behandlung eines Dünnsaftes mit Kalk und Kohlensäure, der mit bleihaltigem Material in Berührung getreten ist, genügt, um das Blei daraus so vollständig zu entfernen, dass der filtrirte Saft als vollkommen normal gelten kann. Wird, wie es bei dem Verfahren von Wohl vorgeschrieben ist, auch der Dicksaft einer zweimaligen Behandlung mit Kalk und Kohlensäure unterzogen, so lassen sich dadurch die Bleispuren so weit entfernen, dass weniger darin ist als im Trinkwasser. Wenn man bei diesem Verfahren die eigentliche Melasseentzuckerung, die mit Bleisaccharat arbeitet, von der Verdampfstation und Raffinerie räumlich trennt, was sehr leicht durchführbar ist, so bleibt nicht das geringste Bedenken gegen die Anwendbarkeit des Bleisaccharatverfahrens bestehen.

IV. Patente und Privilegien.

Selbsthätige Reinigungsvorrichtung für die Einkochröhren von stehenden Rohrkörpern von A. D. Lagrelle und Ch. H. J. Chantrelle (D. R. P. Kl. 89 Nr. 89702).

Verfahren und Apparat zum Eindampfen von Salzlösungen u. dgl. von A. Kumpfmiller und E. Schultgen (D. R. P. Kl. 89 Nr. 90071).

Befestigung eines mit einem wagerechten Auflagerschenket versehenen Messers am Schnitzelmesserkasten von P. Rassmus (D. R. P. Kl. 89 Nr. 90072).

Verfahren und Apparat zum Blauen von Zucker in der Centrifuge von H. Backer (D. R. P. Nr. 90 124).

Verfahren zum Fällen von Zucker und Melasse u. dgl. durch Kalk von O. Bethany (D. R. P. Nr. 90159) besteht darin, dass aus mit Kalk gesättiger Melasse- oder Syruplösung Zucker in Form einer sehr schwer löslichen Kalkverbindung ausgeschieden wird.

Verfahren zur Entfärbung des Zuckersaftes von P. Ranson (D. R. P. Nr. 91039). Das Verfahren beruht in der Anwendung von Bariumsuperoxyd in Verbindung mit Kohlensäure, um den Zuckersaft zu entfärben, und für ein rasches Auskrystallisiren des Zuckers vorzubereiten. Hierbei wird das Bariumsuperoxyd zum Theil in Bariumsaccharat unter Freigebung von Sauerstoff und ferner der Rest des Bariumsuperoxyds durch die Kohlensäure in Bariumcarbonat wiederum unter Freigebung von Sauerstoff umgesetzt.

Schnitzelmesser von R. Bergreen (D. R. P. Nr. 90514, zweiter Zusatz zum Patent Nr. 78510).

Schutzvorrichtung für mit dem Fahrboden bündig liegende Zuckermaischen von W. Schneider (D. R. P. Nr. 90666).

Verfahren und Vorrichtung zur Abscheidung von Krystallen, insbesondere in Zuckerfüllmassen, von M. E. Matthäi (D. R. P. Nr. 90417). Die Erfindung bezweckt die Ausscheidung von Krystallen aus einer krystallisirenden Flüssigkeit durch Abkühlen in der Weise zu bewirken, dass nicht feines Krystallmehl gebildet wird, sondern die durch die Abkühlung gebildeten Krystalle weiter wachsen.

Schleuder mit Vorrichtung zu gesondertem Auffangen der Abläufe von A. de Malander (D. R. P. Nr. 90912). Zum Trennen der Abläufe je nach dem Grade der Reinheit ist um die Schleudertrommel herum ein konischer Mantel angeordnet, welcher bis dicht auf den ringsum verbreiteten Boden der Trommel reicht, so dass ein schmaler Schlitz zwischen beiden bleibt.

Verfahren zum Infundiren von zuckerhaltigen Flüssigkeiten in wasserhaltigen Pflanzenzellen von J. Natanson (D. R. P. Nr. 91008). Das Verfahren besteht darin, dass man die Pflanzenstoffe anfangs mit schwachen und dann mit immer stärker werdenden zuckerhaltigen Flüssigkeiten in Berührung bringt, indem man umgekehrt wie bei der Diffusionsarbeit vorgeht. Dies hat den Zweck, den Pflanzenzellen das Wasser auf nassem Wege mehr oder weniger vollständig zu entziehen und dadurch einerseits concentrirte, in beliebigem Verhältniss mit trockenen Kraftfuttermitteln mischbare Nährstoffe (Viehconserven, Viehbrot) zu erzeugen, andererseits je nach der Dauer der Reaction Düngstoffe enthaltende Laugen oder nahezu reines Wasser zu erhalten.

Rübenerntemaschine mit einem zwischen zwei Reihen gehenden Untergrundschar und zwei an den Aussenseiten dieser Reihen laufenden Messern von P. Müller (D. R. P. Nr. 89841).

Rübenerntemaschine mit sich öffnenden und schliessenden Gabeln von R. Thomann (Dritter Zusatz zum Patent Nr. 84575, D. R. P. Nr. 90675).

Regeneration der aus Bleisaccharat erhaltenen bleiartigen Niederschläge zu Bleioxyd von A. Wohl (D. R. P. Nr. 90307).

Verfahren zur Reinigung von Abwässern von O. Schmidt (D. R. P. Nr. 87417). Zur Anwendung gelangt ein humoser Stoff, z.B. Braunkohle, Torf, Moor u.s.w., welcher nass aufs Feinste gemahlen, dann in Form eines dünnen Breis zu den zu reinigenden Abwässern zufliessen gelassen wird. Alsdann lässt man ebenfalls continuirlich eine zur raschen Fällung der noch suspendirten Humusstoffe genügende, nicht aber überschüssige Menge löslicher Salze des Eisens, Aluminiums und Magnesiums zutropfen. Die so behandelten Abwässer klären sich schnell und mit grösster Leichtigkeit.

Verfahren zum Reinigen von Abwässern von O. Schmidt (D. R. P. Nr. 89 944, Zusatz zudem Patent Nr. 87417).

Röhrenförmiges Verdampfungselement von V. C. J. Ortmanns (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/3668). Der Zweck der Erfindung ist, in dem kleinstmöglichen Volumen die grösstmögliche Heizfläche und Verdampfung hervorzubringen. Das Verdampfelement besteht aus zwei concentrischen Röhren, welche aus einem Stück bestehen, der Flüssigkeitssäule einen ringförmigen Querschnitt bieten und dem Wärme abgebenden Mittel, welches gleichzeitig auch die Aussenwand des äusseren Rohres umspült, einen Durchgang in das innere Rohr gestatten.

Neuartiges Verfahren zum Raffiniren von Zucker nebst zugehörigen Apparaten von P. Ranson (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/3880).

Verbesserung der Filtereinlagen für Zuckersaftfilter von A. Kypta (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/3953). Die Filtereinlagen sind mit hölzernen geglätteten Stäbchen versehen, damit die Filtertücher länger aushalten.

Trockenmaschine für zähflüssige Massen von J. Hundhausen (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4040). Das zu trocknende Material wird in dünnen Schichten auf rotirende Cylinder aufgetragen, welche von innen oder aussen oder von beiden Seiten gleichzeitig erhitzt werden, wobei die Trocknung eventuell durch einen Luftstrom unterstützt werden kann.

Verbesserung an Schnitzelmessern und deren Einbau in Messerkasten von R. Berggreen (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4269).

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Neuerung am Verfahren zur Reinigung von Syrup, Melasse oder anderen Zuckerlösungen durch Knochenkohle von C. F. Kastengreen (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4273). Die zu reinigende Zuckerlösung wird mit Knochenkohle in einem geschlossenen Gefäss über 100° C. (105 bis 130° C. oder mehr[?]), also unter Druck, erhitzt.

Neuerung in der Entzuckerung von Flüssigkeiten von G. Kassner (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4321) Das durch Privilegium Nr. 46/2403 (D. p. J. 1897 303 259) geschützte Verfahren besteht im Wesentlichen darin, dass man die entsprechend concentrirten zuckerhaltigen Flüssigkeiten unter tüchtigem Umrühren und Erwärmen mit Bleioxyd oder Bleioxydhydrat in Berührung bringt, wodurch der in der Flüssigkeit enthaltene Zucker als unlösliches Bleisaccharat gefällt wird. Die Abänderung des Verfahrens bezweckt die Ausfällung des Zuckers auch aus minder concentrirten Lösungen, und zwar ohne künstliche Erwärmung und ohne starkes Durchrühren zu ermöglichen, und hierdurch dieses Verfahren zu vereinfachen und zu verbilligen. Dieser Zweck wird dadurch erreicht, dass man dem Bleioxyd durch Zusatz von indifferenten, unlöslichen, vorzugsweise porösen, lockerigen oder faserigen Körpern (vegetabilische oder animalische Fasern, Holzspäne, Holzmehl, Cellulosefasern, Asbest, Kohlensäure, Magnesia, kohlensaurer Kalk oder andere Körper, wofern sie nur indifferent und unlöslich sind) eine schwammförmige poröse Vertheilung ertheilt. Eine Mischung von Bleioxyd mit 1/10 seines Gewichtes Cellulosefasern gibt eine dem vorliegenden Zwecke vorzüglich entsprechende Vertheilung des Bleioxyds. Derartig vorbereitetes Bleioxyd wird in die zuckerhaltige Flüssigkeit in der Form eingetragen, in der es durch die Vermengung unmittelbar erhalten wird, oder man formt es vor dem Eintragen und nach Anfeuchtung mit Wasser oder Zuckerlösung oder Melasse zu Klumpen oder Brocken, die an der Luft bei künstlicher Wärme oder unter Mithilfe eines Vacuums getrocknet werden und dann schwamm artige poröse Körper bilden, welche in der zuckerhaltigen Flüssigkeit nicht zerfallen. Vermöge der durch die angegebene Behandlung bedingten feinen Vertheilung und der grossen Oberfläche des Bleioxyds wirkt dasselbe sehr rasch und energisch auf die zuckerhaltige Flüssigkeit und fällt den Zucker als Dibleisaccharat aus. Man kann auch die Flüssigkeit durch Schichten von dem in der angegebenen Weise behandelten Bleioxyd filtriren, wodurch selbst sehr zuckerarmen Flüssigkeiten die letzten Reste von Zucker entzogen werden können. Zur schwamm artigen Vertheilung des Bleioxyds behufs Vergrösserung seiner wirksamen Oberfläche eignet sich auch bereits gebildetes Dibleisaccharat ganz vorzüglich, da es ein lockeres Haufwerk von Krystallnadeln bildet. Dieses Dibleisaccharat äussert aber ausserdem noch eine besonders werthvolle chemische katalitische Wirkung, indem es sich mit Bleioxyd zu unbeständigen Polybleisaccharaten zu verbinden vermag, die bei Gegenwart von Zuckerlösung begierig Zucker aufnehmen, um neue Mengen Dibleisaccharat zu bilden.

Waschvorrichtung für Rüben, Kartoffeln u. dgl. von J. Rande (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4427). Die Vorrichtung hat den Zweck, die specifisch schweren Körper der Beimengungen des Waschgutes von den leichteren hinter einander in zwei verschiedene Abtheilungen abzuscheiden, und zwar derart, dass erstere in einer senkrechten Wäsche mit starker Wasserwallung zu Boden sinken, letztere dagegen in dem ruhigen Wasser des Schneckentheiles an die Oberfläche steigen, dort durch ein besonderes Schutzblech gewissermaassen aufgefangen werden und seitlich abfliessen, während das Waschgut selbst die entgegengesetzte Bewegung macht, d.h. also in der Wäsche durch das aufwärts drehende Wasser emporsteigt, im Schneckentheil aber von selbst heruntersinkt und dadurch in die Schnecke gelangt.

Entleerungsvorrichtung für Melassebehälter von Fr. Hoppe (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4457).

Verbesserungen an dem Verfahren zum Raffiniren der Zuckersäfte auf elektrischem Wege von der Société anonyme Raffinerie C. Say (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4534). In der Flüssigkeit wird stets so viel scharfe Säure gehalten, um das Verkrusten der Bleianode durch Bleioxyd zu verhindern. Es wird dem Zuckersafte eine gewisse variable, von Fall zu Fall zu bestimmende Menge löslichen Salzes irgend einer starken Säure zugesetzt, welche mit Blei gemengt unlöslich wird, oder nur in geringem Maasse lösliches Salz liefert. Ein solches Salz ist z.B. Chlornatrium. Dasselbe zersetzt sich unter der Einwirkung der Elektrolyse nach Maassgabe des Fortschrittes der Raffinade und gibt ein Salz ab, welches die Bleioberfläche angreift, dieselbe fortwährend rein erhält und eine metallische Fläche hervorruft, was aber ohne diese Vorsichtsmaassregel unmöglich wäre. Als Säureione können folgende Säuren benutzt werden: Schwefelsäure, Salzsäure und Phosphorsäure. Ausserdem ist es rathsam, die ganze Oberfläche der Anode mit dem gesammten Zuckersafte in Berührung zu erhalten. Damit dies möglich wird, biegt man die Anode nicht als ebene Fläche aus, sondern biegt dieselbe derart, dass deren Verticalschnitt eine Sinusoide ist, welche die ganze Breite des Zuckersaftbehälters einnimmt. Diese Anode kann mittels eines Excenters eine nach aufwärts gerichtete Bewegung erhalten, der zurückgelegte Weg aber entspricht der Wellenlänge. Bei solchen Bedingungen kommt nicht nur das Blei mit sämmtlichen Molekülen des Zuckersaftes in Berührung, sondern die genau bestimmte Bewegung ruft in der flüssigen Masse eine Strömung hervor, welche die Berührung nur noch intensiver gestaltet. Die Wirkung dieser Anordnung ist sowohl vom theoretischen als auch vom praktischen Standpunkt von grosser Wichtigkeit. Vom theoretischen Standpunkt gestattet dieselbe, dass die Dicke der Elektrolyse unterworfenen Flüssigkeitsschicht gering sei, vom praktischen Standpunkt aber wird es durch dieselbe möglich, Apparate mit grossem Fassungsraum zu construiren, was die Anfangsauslagen der Einrichtung vermindert, die Raffineriearbeit aber erleichtert, und endlich wird durch die Gesammtanordnung die zu rasche Einkrustung des Bleis verhindert.

Papiermarken für Zuckersäcke von A. Zahel (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4536).

Sand- und Steinfänger von Fr. May (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4589).

Verfahren zum Decken von Zucker in der Centrifuge von M. Zahn (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4892). Dieses Verfahren ist in seinem ganzen Wesen und seiner Durchführung merkwürdiger Weise identisch mit dem oben unter den deutschen Patenten angeführten Verfahren von H. Backer.

Schnitzelpresse von A. W. Makensen (Oesterreichisches |262| Privilegium Nr. 46/4896). Das Wesen dieser Schnitzelpresse besteht in einer Spindel, deren schräg stehende Arme mit perforirten Blechen an ihrer Druckfläche behufs Durchtritts des Saftes versehen sind.

Konische Centrifuge zum ununterbrochenen Füllen und Ausleeren von Zucker und anderen Stoffen von K. Wiesner (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4985).

Neuerungen am Diffusionsverfahren von W. Engst (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/5039). Bezüglich dieser Neuerung sei auf die unter „Zuckerfabrikation“ in diesem Bericht hervorgehobene Mittheilung von E. Engst verwiesen.

Neuartiges Verfahren zur Behandlung zuckerhaltiger Rohsäfte von H. A. J. Manoury (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/5191). Die beim Centrifugiren der Füllmassen abgeschleuderten Syrupe oder Syrupwässer werden unter Zusatz von alkalischen Erden (am besten Baryt) in die Rohsäfte vor dem Aussaturiren derselben eingeführt, wodurch einerseits die in den Syrupwässern vorhandenen organischen und unorganischen Verbindungen mit Hilfe der alkalischen Erden in unlösliche Verbindungen übergeführt werden, und andererseits ein Theil der durch die alkalischen Erden freigemachten Alkalien, zufolge der Coagulation der in den Rohsäften enthaltenen Eiweisstoffe, von diesen mit niedergerissen wird. Dadurch wird die Menge der zuletzt verbleibenden Melasse bis zu einem durch die üblichen Reinigungsmethoden unerreichbaren Grade vermindert.

Einlagekasten für Diffusionsmesser von Fr. Hampel (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/5361).

Ueberhitzungsrohre mit zacken- oder wellenförmigem Profil von W. Sigmund (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/5364). Indem das Profil der Rohre nicht durchweg egal rund, sondern ganz oder zum Theil zacken bezieh. wellenförmig gestaltet wird, wird dadurch deren Heizfläche wesentlich vergrössert.

Säemaschine für Rübensamen von V. Bedoret (Oesterreichisches Privilegium Nr. 46/4867). Die Maschine hat nur ein einziges Rad, welches zugleich den Rübensamen in bestimmten Abständen in den Furchen vertheilt, während ähnliche bis jetzt im Gebrauch befindliche Maschinen zwei Räder und einen besonderen Vertheilungsapparat haben. Durch diese Neuerung wird erreicht, dass die Maschine viel leichter und dadurch billiger wird und ausserdem die Samenkörner mathematisch in die für sie bestimmten Stellen ablegt, ohne durch Unebenheiten des Bodens von ihrer richtigen Bahn abgebracht werden zu können.

B. Rohrzuckerfabrikation.

Die rein empirisch gefundene Methode zur Läuterung des Rohrzuckersaftes, welche in dem Hinzufügen von Kalk bis zur Neutralisation, Steigerung der Temperatur des Saftes bis zum Kochen, Abschäumen des aufsteigenden Coagulums und Zugabe von Kalksuperphosphatlösung bis zur schwachen Acidität besteht, hat J. L. Beeson39) hinsichtlich der chemischen Vorgänge und der Natur der aus dem Safte entfernten Körper bestimmt. Zur Untersuchung gelangten Mühlensaft, Diffusionssaft und geläuterter Diffusionssaft. Der ungeläuterte Diffusionssaft enthält weniger Proteinsubstanzen, Eiweisskörper, gummöse Stoffe und festen (?) Nichtzucker als der Mühlensaft und besitzt auch einen höheren Reinheitsquotienten, weil das heisse Wasser der Diffusion ungefähr ein Drittel Eiweiss und Gummi durch Coagulation in der Bagasse zurücklässt. Durch das Kalk verfahren erfährt der ungeläuterte Diffusionssaft eine weitere, aber viel geringere Abnahme der Eiweisskörper, dagegen eine Zunahme an Asche und Gummi, begleitet von einer Verschlechterung der Reinheit des Saftes. Dies erklärt sich durch die Bildung löslicher organisch saurer Kalksalze, welche zum Theil aus zersetzten, zunächst in Folge Spaltung Amide liefernden Eiweisskörpern erzeugt werden. Beeson verglich ferner das gewöhnliche Läuterungsverfahren mit dem Deming-Process. Bei letzterem geht der Saft nach dem Kalken durch grosse eiserne Cylinder, die sogen. Ueberhitzer, in denen er auf 240 bis 250° F. erhitzt wird. Die coagulirbaren Körper sinken zu Boden, der Saft wird vom Bodensatz abgezogen. Der Rückstand soll sehr leicht filtrirbar sein. Das Ergebniss dieser vergleichenden Untersuchung, welche allerdings äusserer Umstände halber nur auf Diffusionssaft und nicht auf Mühlensaft – für diesen soll die Methode nach Angabe des Erfinders von grosser Wirksamkeit durch Entfernung der die Filtration hindernden Körper sein – ausgedehnt wurde, lässt in dem Deming-Process keinen Vortheil gegenüber dem gewöhnlichen Läuterungsverfahren erkennen. In der Entfernung der Eiweisskörper besteht kein grosser Unterschied, dagegen zeigt der durch den Ueberhitzungsprocess gewonnene Saft einen höheren Gehalt an festem Nichtzucker und einen geringeren Reinheitsquotienten.

Die reducirenden Stoffe des Zuckerrohres. Nach den Untersuchungen von Prinsen-Geerligs40) enthält das unreife Zuckerrohr Invertzucker, das reife Zuckerrohr Glykose, aber keine oder fast keine Fructose, welche während des Reifens an Menge fortwährend abnimmt; diese reducirenden Zucker sind stets völlig vergährbar und werden durch Alkalien zersetzt. Aus dem Saft der obersten Halmstücke unreifer Rohre, die ein Minimum Rohrzucker und ein Maximum reducirender Zucker enthalten, lässt sich Fructose nach der Alkoholäthermethode ausziehen und mittels der Kalkverbindungen rein darstellen. Mit ammoniakalischem Bleiessig fallen Rohr-, Trauben- und Fruchtzucker als Blei Verbindungen aus; erstere lost sich in viel Wasser, die zweite ist schon durch Kohlensäure, die dritte erst durch verdünnte Schwefelsäure zersetzbar. Mittels dieser (nicht quantitativen) Trennungsmethode wurden Glykose (nach Drehung und Reduction bestimmt) erhalten, sowie ein Gemenge von etwas Glykose mit viel Fructose, das auch deren charakteristische Farbenreactionen zeigte. Hiermit sind die Behauptungen von Du Beaufret und Manoury, die reducirenden Stoffe des Zuckerrohrs seien durch Baryt fällbare, unvergährbare, reducirende Säuren, wohl endgültig widerlegt.

Mit den vorstehenden Angaben Prinsen-Geerligs, welche die Ansichten Du Beaufret's und Manoury's gründlich widerlegen, erklärt sich Pellet41) vollständig einverstanden. Dagegen hält er aber die Angabe, dass die Fructose des jungen Rohrs beim Reifen fast gänzlich verschwinde, für irrig, da die Benutzung von Bleiessig hierbei zu Fehlern geführt haben könne.

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Die vielfach besprochene Zuckerrohrzüchtung aus Samen ist nach Hart42) nicht aussichtslos, so dass zu erwarten steht, dass mit der Zeit auch merklich praktische Vortheile erreicht werden. Allerdings darf es aber auch die betheiligte Landwirthschaft nicht an der hierzu nöthigen Mitarbeiterschaft fehlen lassen.

Jahresbericht der Versuchsstation auf Hawaii für 1896 von W. Maxwell.43) Diese Versuchsstation wurde vor einem Jahre von den Zuckerindustriellen Hawaiis gegründet und hat für die Praxis sehr Erspriessliches geleistet. Nach den Erfahrungen, die Maxwell gesammelt hat, ist es vor allem wichtig, das Rohr so rasch als möglich zu verarbeiten, da man sonst grosse Zuckerverluste erleidet, und stark saure und invertirte Säfte erhält. Die Diffusionsarbeit liefert vielleicht mehr Zucker, aber stets um 2,2 bis 2,4 Einheiten unreineren Saft, der ausserdem auch bedeutend verdünnter ist als der Pressaft. Der Saft ist stets Veränderungen und Gährungen ausgesetzt, namentlich tritt die Dextrangährung oft in unangenehmster Weise auf. Höchst schädlich ist ferner der Umstand, dass bisher erfahrungsgemäss fast ein Drittel der fertigen Rohzucker, falls sie längere Zeit lagern oder weite Seereisen zurückzulegen haben, in starke Gährung gerathen, und zwar durch Organismen, die ein längeres Erhitzen der Zuckerlösungen auf 82° C. zu überleben vermögen. Die Melasse zeigte, im Durchschnitt von 20 Proben, 76,6° Brix, 35,4 Proc. Rohrzucker, 14,7 Proc. Invertzucker, 23,4 Proc. Wasser, 7,93 Proc. Asche und 18,57 Proc. Organisches, also 46,5 Quotient. Vielfach kommen jedoch Melassen vor mit nur 28 Proc. Rohrzucker, 29 Proc. Invertzucker und 32,0 Reinheit; beseitigt man aus denselben das Dextran und die Amide, so krystallisirt selbst unter weniger günstigen Umständen noch die Hälfte des Rohrzuckers aus, was neuerdings beweist, dass der Invertzucker allein nicht krystallisationshindernd zu wirken braucht. Allgemein wird angenommen, dass das Diffusionsverfahren mehr Melasse ergebe, als das Pressverfahren, d.h. dass der mehr extrahirbare Zucker nicht als solcher gewinnbar sei. An streng beweisenden Vergleichsversuchen fehlt es aber auch noch in dieser Hinsicht.

Ueber die Cultur des Zuckerrohrs, mit specieller Berücksichtigung der ostindischen Verhältnisse, gibt J. D. Kobus44) Aufschlüsse, die für die in diesen Ländern herrschenden Erfahrungen von Interesse sind. Die Cultur des Zuckerrohrs hat in Java und den Sandwichinseln riesige Fortschritte gemacht und sind dort, wie auch in Australien die Fabriken gut eingerichtet. Es werden mit Hilfe der Krystallisation in Bewegung Ausbeuten an erstem Product erzielt, wie sie aus Rübenzuckerfüllmassen noch nicht erhalten wurden. Auch hat man in einer Operation eine Füllmasse in erstes Product von 97. Polarisation und einen Ablauf von 39. scheinbarer Reinheit zerlegt. Die früher allgemein verbreitete Ansicht, dass die Blüthen des Zuckerrohrs in allen Fällen unfruchtbar bleiben, ist schon lange durch die Arbeiten verschiedener Forscher widerlegt. Das Zuckerrohr ist für Stickstoff ausserordentlich dankbar, während der Kalkgehalt des Bodens nur eine ganz unbedeutende Rolle spielt. Die Tiefgründigkeit des Bodens ist für das Gedeihen des Zuckerrohrs keine unerlässliche Bedingung. Ein bedeutender Unterschied in der Cultur des Zuckerrohrs zwischen Java und Westindien macht sich darin geltend, dass namentlich auf Cuba die lange Ratune eine grosse Rolle spielt, während man auf Java nicht 1 Proc. der Anpflanzungen ratunt, sondern jedes Jahr das Rohr neu anpflanzt, wobei eine besondere Sorgfalt auf die Auswahl der Stecklinge, namentlich seit dem Auftreten der Sehrehkrankheit, verwendet wird. In Australien und den Sandwichinseln ist die Neuanpflanzung nicht in dem Umfange gebräuchlich wie auf Java und wird hier ein- bis zweimal ratunt. Der beste Dünger für das Zuckerrohr ist das schwefelsaure Ammon und auch Chilisalpeter gibt anscheinend günstige Resultate. Hingegen hat sich auf Java die Phosphorsäure- und Kalidüngung oft wirkungslos erwiesen. Geschnittenes Rohr wird vortheilhafter Weise so rasch als möglich aufgearbeitet, doch ist durch zahlreiche Versuche festgestellt, dass das geschnittene Rohr 3 Tage und, wenn es feucht gehalten wird, bis zu 3 Wochen liegen kann, ohne bedeutende Verluste zu erleiden. Die naheliegende Vermuthung, dass durch brennendes Rohr die Temperatur des Bodens derart gesteigert wird, dass die unterirdischen Knospen ihre Lebensthätigkeit einbüssen, trifft nicht immer zu, da auf einem brennenden Rohrfeld sogar die oberirdischen Knospen oft zum grossen Theil am Leben bleiben, weshalb es auch vereinzelt vorkommt, dass Rohrfelder absichtlich in Brand gesteckt werden, um auf diese Weise parasitenfreie Stecklinge zu erhalten. (Letztere Mittheilung ist namentlich von Interesse, nachdem in Folge des Krieges auf Cuba vielfach die Ansicht geäussert wurde, dass durch das Abbrennen der Zuckerrohrfelder eine bedeutende Störung der Zuckerrohrcultur eintreten werde. Der Ref.)

Weitere Mittheilungen aus der Zuckerindustrie in Louisiana liegen von F. C. Thiele45) vor. Durch langjährige Erfahrung hat sich herausgestellt, dass nur solche Säfte weissen Zucker liefern, bei denen der Kalkzusatz so geleitet wird, dass sich beim Kochen der Säfte, während der Scheidung, kein Ammoniak entwickelt, bezieh. mit anderen Worten, dass der Saft in gewissen Grenzen sauer gehalten wird. Im Allgemeinen entspricht hierbei ein Kalkzusatz von 0,1 bis 0,15 Proc. Der Kalk wird fast allgemein als Kalkmilch zugesetzt und zwar fast in allen Fällen zum kalten Saft. Es kommt allerdings vor, dass die Kalkmilch auf einmal auf den Boden des „Defecators“ gegossen wird, sofort Dampf angedreht und der Saft auf die heissen Röhren laufen gelassen wird, doch ist dieses Verfahren bei weitem nicht das meistgeübte. Nach den Erfahrungen, die bis jetzt vorliegen, ist es jedenfalls besser kalt zu scheiden, als den Kalk dem heissen Saft zuzusetzen; den Saft gar mit Kalk zu übersättigen und dann mit Phosphorsäure zurückzubringen, ist jedenfalls unrichtig. Die hellere Färbung der Säfte, die auf letzteren Zusatz beobachtet wird, ist wohl darauf zurückzuführen, dass die stets im Zuckersafte vorhandenen Eisenverbindungen auf Zusatz von Phosphorsäure entfärbt werden. Auch die Behandlung der Säfte mit schwefliger Säure findet ausnahmslos in kaltem Zustande statt, und in vielen Fällen, wo nicht ein Uebermaass von Säure gebraucht wurde, lässt sich bei späterer, richtigerer Behandlung des Products |264| eine Inversion kaum oder gar nicht nachweisen. Die Anwendung von schwefliger Säure zur Erzeugung von weissem Zucker scheint unumgänglich nöthig zu sein; ebenso sicher ist aber, dass deren Anwendung nur in kaltem Zustande erlaubt ist, und der spätere Kalkzusatz ebenfalls zum kalten Saft geschehen muss, um gute Resultate zu erhalten.

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Zeitschrift des Vereins für die Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reichs, 1897 XXXXVII S. 57.

|257|

Zeitschrift des Vereins für die Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reichs, 1897 XXXXVII S. 122.

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Die deutsche Zuckerindustrie, 1897 XXII S. 22.

|257|

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1897 XXI S. 364.

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Die deutsche Zuckerindustrie, 1897 XXII S. 66.

|258|

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1897 XXI S. 252.

|258|

Časopis pro průmysl chemický, 1897 7 S. 13. Chemiker-Zeitung, Repertorium, 1897 XXI S. 68.

|258|

Oesterreichisch-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirthschaft, 1897 XXVI S. 41.

|258|

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1897 XXI S. 219.

|258|

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1897 XXI S. 298.

[Anmerkungszeichen zu dieser Fußnote fehlt im Text.] |258|

Centralblatt für die Zuckerindustrie der Welt, 1897 V S. 374.

Anmerkungszeichen zu dieser Fußnote fehlt im Text.
|259|

Journal des fabricants de sucre, 1896 XXXVII Nr. 51.

|259|

Neue Zeitschrift f. Rübenzuckerindustrie, 1897 XXXVIII S. 8.

|259|

Neue Zeitschrift für Rübenzuckerindustrie, 1897 XXXVIII S. 126.

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Sugar Cane, Vol. XXIX S. 17. Centralblatt für die Zuckerindustrie der Welt, 1897 V S. 416.

|262|

Bulletin de l'Association des Chimistes, 1896 XIV S. 497. Chemiker-Zeitung, Repertorium, 1897 XXI S. 9.

|262|

Bulletin de l'Association des Chimistes, 1897 XIV S. 563.

|263|

Sugar Cane, 1897 XXIX S. 29.

|263|

Die deutsche Zuckerindustrie, 1897 XXII S. 59.

|263|

Wochenschrift des Centralvereins für Rübenzuckerindustrie in der österreichisch-ungarischen Monarchie, 1897 XXXV S. 19.

|263|

Chemiker-Zeitung, 1897 XXI S. 136.

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