Titel: Erweiterung der Niagara-Kraftanlage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 7 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi02_7

Erweiterung der Niagara-Kraftanlage.

Das grossartige Werk der Ausnutzung der Wasserkraft der Niagarafälle, welches für zehn Turbinen von je 5000 berechnet und angelegt ist, bei welchem jedoch bisher nur drei Turbinen aufgestellt und in Betrieb waren, hat eine so unerwartet schnelle Ausnutzung der 15000 durch gewerbliche Anstalten und Elektrizitätswerke, welche ihren Kraftbedarf von der Niagara-Anlage entnehmen, erfahren, dass die Gesellschaft durch fernere, bereits abgeschlossene Kraftlieferungsverträge sich in die Nothwendigkeit versetzt sah, schleunigst die ganze Anlage, also die noch fehlenden sieben Turbinen und Dynamos, zu ergänzen, so dass also das Riesenwerk Ende 1897 im Stande sein wird 50000 abzugeben. (Als interessanter Vergleich einer grossen Kraftanlage könnte der neue Dampfer „Wilhelm der Grosse“ dienen, welches Schiff 30000 ff zu entwickeln im Stande ist.) Zunächst sind es nun im Ganzen 25000 , für welche die Niagara-Company Abnehmer gefunden hat, so dass also zu den bereits vergebenen 15000 noch 10000 bis Ende dieses Jahres hinzukommen; der Verwendung nach vertheilt sich diese Kraft auf folgende Anlagen:

Eine am Niagarafall belegene Papierfabrik 7200
Die Pittsburger Aluminiumgesellschaft 3050
Gesellschaft zur Herstellung von Carborundum 1000
Eine Calciumcarbidfabrik 1075
Drei Elektricitätswerke für Beleuchtung 1000
Eine chemische Fabrik für chlorsaures Kali 500
Die Buffalo-Strassenbahngesellschaft 1000
Die Acetylengasgesellschaft 4000
Die Mathieson Alkaliwerke (Soda, Chlor u.s.w.) 2000
Die Buffalo-Electric-Company 4000
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Summa 24825

Wie man sieht, ist die moderne elektrochemische Industrie mit beträchtlichem Kraftbedarf vertreten. Es ist wohl anzunehmen, dass die Niagara-Anlage bald der Mittelpunkt der ganzen amerikanischen chemischen Grossindustrie bilden wird. Von der Kraftlieferung für die Elektricitätswerke Buffalo ist zu bemerken, dass der ganze Kraftbedarf auf 35 km versandt und dieser Stadt zugeführt wird, eine Kraftübertragung, wie sie bis jetzt wohl noch einzig dastehen dürfte. (Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin.)

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