Titel: Herstellung von Zeichnungen auf Gusseisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 1 (S. 72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi03_1

Herstellung von Zeichnungen auf Gusseisen.

Der Amerikaner Outerbridge ist mit einem Verfahren zu unmittelbarer Anbringung verschiedener Zeichnungen auf Eisengusswaaren hervorgetreten. Grundlegend für dieses Verfahren ist die Widerstandsfähigkeit, welche verschiedene leichte Objecte, wie Linnen, Spitzen, Stickereien, Gräser und Blätter u.s.w. gewinnen, wenn sie in sorgfältiger Weise vollkommen carbonisirt werden. Folgendes ist, wie die Wochenschrift des niederösterreichischen Gewerbevereins mittheilt, das Verfahren für die Carbonisation der bezeichneten Hilfsstoffe: Die Gegenstände werden in einen schachtelartigen Behälter zwischen zwei Schichten fein pulverisirter Holzkohle gelegt; der Behälter wird sodann mit dem Deckel luftdicht verschlossen.

Um etwaige Feuchtigkeit auszutreiben und den zur Carbonisation erforderlichen Hitzegrad zu erlangen, wird der Behälter allmählich und so lange erhitzt, bis die Entwicklung eines bläulichen Dampfes gänzlich aufhört, wonach der Behälter noch bis zur Weissglühhitze gebracht und in dieser durch 2 Stunden erhalten wird. Nach langsamer Abkühlung wird das dem Behälter entnommene Product in eine Bunsen-Flamme gebracht, um die Carbonisation festzustellen; ist diese vollständig, so zeigt sich beim Heraustreten aus dem Brenner keine glühende Stelle. Man kann sonach das Object bis zum Weissglühen erhitzen, ohne dass es die geringste Veränderung erleidet. Aber nicht nur sind dergestalt carbonisirte Objecte in der Bunsen-Flamme unverbrennbar, sondern besitzen auch noch eine gewisse Elasticität und verhältnissmässig grosse Widerstandsfähigkeit gegen das Zerreiben; man kann sie also mit Leichtigkeit handhaben, so dass auch das Versenken in das flüssige Eisenbad keiner Schwierigkeit unterliegt.

Wenn man die eingelegten Objecte nach vollständigem Erkalten der Gussform wieder entnimmt, erscheinen deren Fibern völlig unverändert, und die Oberfläche des Metalls hat die genauen Eindrücke der Zeichnungen empfangen; die so erzielten Modelle werden benutzt, um die Zeichnungen auf Papier, Leder u.s.w. aufzupressen. Manche der schon in Verwendung genommenen Gegenstände sind fast so zart wie Spinngewebe, und dennoch sind sie widerstandsfähig genug, um, ohne zu zerreissen, die Einwirkung des auf sie hereinströmenden flüssigen Metalls auszuhalten. Die Giessform wird auch zu diesem Verfahren wie gewöhnlich aus Formsand hergestellt, und das carbonisirte Gewebe wird einfach auf einer der ausgebreiteten Flächen ausgebreitet; bei Verwendung von gewebten Stoffen ist es räthlich, dieselben etwas grösser zu schneiden als die Gussfläche, welche deren Eindruck aufnehmen soll, so dass das Gewebe über den Rand der Form gestülpt und durch das Gegenstück der Form festgehalten werden kann. Es empfiehlt sich, das zu copirende carbonisirte Object an einer Seitenfläche statt auf dem Grunde der Gussform anzubringen, weil hierdurch die Reibung vermindert wird. Bei raschem Metallgusse sind die mit dem geschilderten Verfahren auf der Oberfläche der Stücke erzielten Zeichnungen ebenso fein wie die auf elektrischem Wege hergestellten. Besonders zu bemerken wäre noch, dass das carbonisirte Object in den meisten Fällen wiederholt zu dienen vermag. (Durch Eisenzeitung.)

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