Titel: Herstellung von Richtplatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 2 (S. 95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi04_2

Herstellung von Richtplatten.

Nach Kraft und Licht ist zur Herstellung von Richtplatten folgendes Verfahren zu empfehlen:

Man lässt zwei Platten in der verlangten Grösse von dichtem und festem Eisen- oder Stahlguss in etwa 30 mm Stärke herstellen, hobelt dieselben auf beiden Seiten sauber ab, so dass eine Stärke von etwa 25 mm verbleibt. Soll eine Platte eine fest ruhende Lage erhalten, so kann sie 40 bis 50 mm stark gehalten werden. Beim Hobeln der Platte ist darauf zu achten, dass sie auf dem Hobeltisch gut unterstützt gelagert ist und beim Festspannen nicht Spannung erhält; sie darf nur mit seitlichen Spannkloben leicht befestigt werden, womöglich ohne Anwendung eines eisernen Hammers. Man hobelt zunächst beide Flächen rein; dann untersucht man, welche Seite das beste Material zeigt und hobelt nun mit kleinen Spänen, die Platte stets wendend und immer leichter anspannend, bis die gewünschte Stärke erreicht ist. Beim letzten Ueberhobeln wendet man den langsamsten Transportzug an, damit möglichst wenig Risse zurückbleiben. Der Stichel darf nicht zu spitz, doch auch nicht zu rund sein.

Sind auf diese Weise beide Platten hergerichtet, so befestigt man zum Handgebrauch die Handgriffe an der Rückseite der Platte. Die Handgriffe dürfen nur schwach sein und müssen mit Roth sauber aufgeschabt und vorsichtig befestigt werden, damit die Platte dadurch nicht Spannung erhält und sich wirft. Nun wird die andere Platte auf ein gerade gehobeltes Brett frei gelagert, so dass die saubere Seite nach oben kommt, und mit einer guten Schlichtfeile und Schmirgelleinen so lange gleichmässig bearbeitet, bis die Hobelstriche verschwunden sind und sich allerorten nur ein leichter Schimmer davon zeigt. Dasselbe Verfahren wird an der Platte mit den Griffen angewandt. Sodann wird sandfreie Bleimennige mit etwas Oel angerührt, ein wenig davon auf eine Platte aufgetragen und mit dem Handballen kräftig verrieben, so dass eine dünne Schicht die ganze Platte gleichmässig bedeckt. Diese Manipulation vollzieht man mit rein gewaschenen Händen und entfernt vorher allen Staub und die Feilspäne aus der nächsten Umgebung. Hat man sich überzeugt, dass auf der angeriebenen Platte kein Sandkorn oder Feilspan lagert, so wird die sauber abgewischte andere Platte darauf gelegt und aufgerieben. Zu gleicher Zeit stellt man fest, ob die Platten windig sind, indem man die in den Diagonalen der Platten liegenden Ecken zu kippeln versucht. Nach vorsichtigem Wiederabheben der Platte zeigt sich, wo Auflage stattfindet und wo nicht. Die sich markirenden Stellen werden mit einem Winkelschaber, dessen Schnitt genau gerade geschliffen ist, nachgeschabt, doch nur so weit, als markirt ist, und hiermit so lange fortgefahren, bis beide Platten ein dichtes gleichmässiges Korn zeigen.

Es ist vor allem darauf zu achten, schreibt der Verfasser im Eisenbahn-Werkmeister, dass die Mennige nur so dünn aufgetragen ist, dass die Platte nicht etwa roth, sondern nur leicht schwärzlich erscheint, auch muss der Metallglanz durchschimmern. Dieses Nachschaben ist eine Arbeit, die sehr viel Zeit und Geschicklichkeit erfordert. Das Einfetten wird nicht bei jedesmaligem Aufreiben, sondern nur dann erneuert, wenn keine Markirung mehr erfolgt; die aufgetragene Mennige wird mit dem Handballen immer wieder verrieben. Beim zweiten Einfetten wird die andere Platte eingerieben. Zur Controle der genauen Flucht ist von Zeit zu Zeit ein gutes Lineal mit zu verwenden. Die Platten mit Schmirgel auf einander zu schleifen, führt zu keinem brauchbaren Resultat.

Bezüglich der Richtplatten für Blechbearbeitung genügt einfaches Abhobeln, doch darf man diese Platten, die oft 2 m lang und 1 m breit sind, nicht massiv giessen lassen. Durch die Benutzung wird hier die Fläche gestreckt und wird demzufolge bald krumm (convex). Wenn solche Richtplatten dauernd brauchbar bleiben sollen, dann müssen dieselben hohl gegossen werden, derart, dass die Platte – obige Maasse als vorliegend angenommen – äusserlich als ein Kasten von etwa 150 mm Höhe erscheint, dessen obere und untere, etwa 40 mm starke Platten innerlich mit zweckmässig angeordneten Rippen verbunden sind. Bezüglich der Plattenflucht genügt hier einfaches Abhobeln. Solche Platten können viele Jahre im Gebrauch sein, ehe sich geringe Convexität zeigt, in welchem Fall einfaches Umdrehen vorzunehmen ist. (Eisenzeitung.)

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