Titel: Herstellung von Profilstäben aus Delta- und anderen Metallen mittels Auspressens im heissen Zustande.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 3 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi05_3

Herstellung von Profilstäben aus Delta- und anderen Metallen mittels Auspressens im heissen Zustande.

Die Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen bringt Mittheilungen über ein in England von Alexander Dick eingeführtes Verfahren, Profilstäbe aus Delta- und anderen Metallen mittels Durchpressens durch eine Matrize herzustellen. Das Verfahren an und für sich ist nicht neu – die Thon- wie die Bleirohrindustrie benutzen es schon seit langem zur Herstellung ihrer Producte. Die Ausdehnung aber auf viel härtere Metalle als Blei, zunächst Deltametall, Bronzen oder Aluminium, setzt bedeutend grössere maschinelle Einrichtungen und Druckkräfte voraus.

In einem entsprechend kräftig gebauten Rahmen sind der Presscylinder zur hydraulischen Bewegung des Druckstempels und der Cylinder zur Aufnahme des Drückmaterials hinter einander liegend angeordnet. Der letztere Cylinder hat erst nach manchem vergeblichen Versuch eine Construction erhalten, welche die starken Drucke aushält. Er besteht aus mehreren concentrischen Eisenrohren, die durch Wärmeisolirungsschichten von einander getrennt sind. Diese Isolirung ist nöthig, weil das Metall nur im plastischen (ungefähr rothwarmen) Zustande gepresst werden kann und diese hohe Temperatur bei einem massiven Druckbehälter durch ungleiche Ausdehnung bald Bruch herbeiführte. Nachdem ein bis zur Plasticität vorgewärmter Metallblock eingesetzt ist, wird der Behälter auf der einen Seite in geeigneter Weise durch den Druckstempel abgeschlossen und auf der anderen Seite die gut erhitzte Profillehre aus Wolframstahl aufgesetzt. Nach etwa 4 Minuten ist dann eine Charge von 75 k Metall als Profilstab ausgepresst. Die Einrichtungen ermöglichen, in 10stündiger Schicht etwa 50 Füllungen vorzunehmen. Die Stäbe sollen keiner nachträglichen Bearbeitung bedürfen. Versuche, auch Eisen- und Stahlkörper durch Auspressen herzustellen, sind im Gange.

Das Verfahren bietet nach zwei Richtungen hin Vortheile. Erstens ermöglicht es die Herstellung von Profilen, welche durch Walzen schwer oder überhaupt nicht herstellbar sind. Zweitens steigert der gewaltige Druck (3000 k auf 1 qc) die Dichte und Festigkeit des Materials wesentlich. So hat die mechanisch-technische Versuchsanstalt in Charlottenburg bei Stäben aus Deltametall einen Bruchmodul von 7200 k auf 1 qc festgestellt, das ist ungefähr 24 Proc. mehr als bei gewalztem Material. Die gleichen Erfahrungen sind in Woolwich gemacht worden.

Bezugsquelle für Deutschland ist die Deltametall-Actiengesellschaft Alexander Dick und Co. in Düsseldorf-Grafenberg.

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