Titel: Zur Theorie des Gasglühlichtes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 3 (S. 143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi06_3

Zur Theorie des Gasglühlichtes.

In der Sitzung vom 18. Juni 1897 des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern in Leipzig trug Professor Dr. H. Bunte seine Theorie des Gasglühlichtes vor. Er geht von der Thatsache aus, dass im elektrischen Ofen die Lichtemission des Kohlenstoffes nicht wesentlich von der der seltenen Erden abweicht und dass eine sogen. Erdlegirung aus 99 Proc. Thoroxyd und 1 Proc. Ceroxyd ebenfalls kein anderes Verhalten zeigt. Die sogen. Lichtemissionstheorie des Glühkörpers ist demnach nicht zutreffend. Das starke Leuchten ist vielmehr auf eine Contact- oder katalytische Wirkung zurückzuführen; dieselbe lässt sich dadurch zeigen, dass der betreffende Körper die Temperatur, bei der sich Wasserstoff und Sauerstoff vereinigen, herabsetzt. Thoroxyd wirkt gar nicht katalytisch, am stärksten Ceroxyd, auch Platin, Iridium u.s.w. Unter der Wirkung einer katalytischen Substanz wird die Verbrennung beschleunigt und local eine sehr hohe Temperatur und damit starkes Leuchten erzeugt. Ceroxyd allein sintert zu einer dichten, die Wärme relativ gut leitenden Masse zusammen. Um dieses Sintern zu verhindern, muss man das Ceroxyd auf einem äusserst fein zertheilten und feuerbeständigen, unschmelzbaren Material, das ausserdem die Wärme schlecht leitet, in die Flamme bringen. Ein solcher Stoff ist aber das Thoroxyd; beim Glühen des Thornitrates bildet sich unter Aufschäumen ein äusserst leichter, feinzertheilter, zarter Rückstand, der in dem fertigen Glühstrumpf die Ceroxydtheilchen wie in einem Netzwerk enthält und am Sintern verhindert. Die Berechnung ergibt, dass eine Gasflamme von 150 l Consum in 1 Stunde höchstens 5 g Kohlenstoff ausscheidet, der erglüht und die Flamme zum Leuchten bringt, d.h. etwa 0,1 mmg im Flammenvolumen; somit eine sehr geringe Menge fester Substanz. Es erscheint daher nicht wunderbar, dass eine etwa 50mal grössere Menge Ceroxyd eine intensivere Wirkung zu erzielen im Stande ist. Nach dieser Theorie wird es auch erklärlich, weshalb durch Steigung der Temperatur bei rascherer Verbrennung – also bei Anwendung von Pressgas, von Denayrouze-Brennern u.s.w. – die Intensität des Leuchtens erhöht wird.

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