Titel: Verband für Materialprüfungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 4 (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi06_4

Verband für Materialprüfungen.

Der internationale Verband für Materialprüfungen der Technik hat seine I. Wanderversammlung in den Tagen vom 23. bis 25. August 1897 in Stockholm unter Betheiligung von etwa 400 Mitgliedern abgehalten. Vertreten war Deutschland mit 93 Theilnehmern, Schweden mit 51, Frankreich mit 38 Mitgliedern. Den Vorsitz führte Prof. Tetmajer von Zürich. Den Begrüssungen durch die schwedischen Behörden folgte der Bericht des Präsidenten über die seit dem Züricher Congress verflossenen 2 Jahre. Die von Prof. Giessler in Stuttgart herausgegebene Zeitschrift für Baumaterialienkunde wurde als Verbandszeitschrift gewählt.

Am ersten Verhandlungstage berichtete der Vorsteher des städtischen Prüfungsamtes in Stockholm A. Wahlberg über die Industrie der Baustoffe und die Verfahren zu deren Prüfung in Schweden; sodann der Civilingenieur Osmond-Paris über die Metallmikroskopie als Untersuchungverfahren.

Am zweiten Tage wurden die Berathungen der Vollversammlung fortgesetzt, denen die Einzelberathungen der drei Gruppen: 1) Metalle, 2) Bausteine und deren Bindemittel, 3) übrige Materialien der Technik, sich anschlössen. Diese Berathungen umfassten, was die Gruppe 1 betrifft, den Bericht des Eisenbahndirectors Ast-Wien über die von Schrödter-Düsseldorf auf dem Züricher Congress beantragte Sammlung und Sichtung von Lieferungsbedingungen für Eisen- und Stahlmaterialien, |144| den Bericht von Polonceau-Paris, Oberingenieur der Paris-Orleans-Bahn, über die Beschlüsse der bisherigen fünf internationalen Materialprüfungscongresse mit denen der Commission française des méthodes d'essai des matériaux de construction und den Bericht des Geheimen Bergrath und Prof. H. Wedding-Berlin über das von ihm und v. Jüptner vorgeschlagene siderochemische Laboratorium.

Der Ast'sche Bericht enthielt zwar neue Vorschläge für die Prüfung von Erzeugnissen aus Eisen und Stahl, nicht aber eine Zusammenstellung der bis jetzt geübten Prüfungsverfahren. Es wurde deshalb beschlossen, den Auftrag der Commission zu erneuern. Das Gleiche geschah bezüglich der Commission, über deren Arbeiten Polonceau berichtete. Für die Errichtung des siderochemischen Laboratoriums entschied sich die Mehrheit unter der Voraussetzung, dass dadurch dem Internationalen Verbände keine Verpflichtungen entstehen dürfen.

In der Gruppe 2 wurden zwei Vorlagen von Meyer-Malstatt und Bues-Hamburg über die Gütebestimmung hydraulischer Bindemittel und über Unregelmässigkeiten in der Abbindung eines Cementes zur Kenntniss genommen. Alsdann wurde über die Würdigung des Zusammenhanges zwischen der chemischen Zusammensetzung und der Wetterbeständigkeit der natürlichen Bausteine verhandelt und das Studium dieser Frage an einen Ausschuss verwiesen. Ueber die Vereinheitlichung der Prüfungsverfahren für Thon- und Cementröhren berichtete Gary-Berlin; Michaëlis-Berlin sprach über den Erhärtungsvorgang der hydraulischen Bindemittel. Sharengrad-Lomma sprach über die Arbeit von Törnebohm, betreffend die Petrographie des Cementes. Ingenieur Greil-Wien und Prof. v. Tetmajer legten einen Beitrag zur Lösung der Frage über die Normalconsistenz von Mörteln bei der Untersuchung der Bindemittel auf ihre Mörtelfestigkeit vor; zum Abschluss sind diese Arbeiten noch nicht geführt.

Am dritten Verhandlungstage wurden die Beschlüsse der Gruppenversammlungen bestätigt und die Berathung der vom Vorstande vorgelegten neuen Satzungen bis zur nächsten Wanderversammlung vertagt, die im J. 1900 in Paris stattfinden soll.

Hat die Stockholmer Versammlung zu abschliessenden Ergebnissen auch noch nicht geführt, so bot sie doch reiche Anregung und stärkte vor allem durch die persönliche Begegnung und den Meinungsaustausch hervorragender Fachleute aus allen Culturländern die Bestrebungen, die zur Begründung des Internationalen Verbandes für die Materialprüfungen der Technik Veranlassung gegeben haben.

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