Titel: Unverbrennbares Holz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 1 (S. 166)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi07_1

Unverbrennbares Holz.

In jüngster Zeit machte durch eine Reihe von Zeitungen eine Notiz die Runde, es sei einem amerikanischen Erfinder gelungen, Holz, ohne dessen Form zu verändern, derart bis in den innersten Kern zu imprägniren, dass dessen Unverbrennlichkeit garantirt sei. Eine am 3. Juli d. J. in London angestellte Probe – man suchte ein aus solchem Holze errichtetes Häuschen anzuzünden – habe die Vortrefflichkeit des Verfahrens erwiesen, indem das betreffende Object nicht von den Flammen ergriffen wurde, und den Wärmedurchgang verhinderte. In Folge dieses glänzenden Ergebnisses haben verschiedene Regierungen die Verwendung derartigen Holzes zu Neubauten verschiedener Art, besonders auch zu Schiffsbauten angeordnet.

Diese Mittheilungen entsprechen den Thatsachen, jedoch soll die Priorität dieser Erfindung einem Münchener zukommen, nämlich dem Sachverständigen für das chemische Feuerlösch- und Schutzwesen, Conrad Gautsch. Wie dieser uns mittheilt, hat er bereits vor 15 Jahren das Problem, Bauholz bis auf den Kern feuerfest zu machen, vollständig gelöst.

Von verschiedenen Seiten ist das von Gautsch imprägnirte Holz eingehend geprüft und es zeigte sich, dass es nicht einmal unter der hohen Hitzeentwickelung eines Bunsen'schen Dreilochbrenners zum Entflammen gebracht werden konnte. In der Modellir- und Schnitzschule in Oberammergau wurde das imprägnirte Holz in verschiedener Weise bearbeitet, wobei sich ergab, dass es seine Naturfarbe beibehalten habe und bis ins Innere vom Imprägnirstoff durchdrungen war, ohne dass es schwerer zu bearbeiten gewesen wäre als anderes Holz; die Abfallspäne konnten nicht zum Entzünden gebracht werden.

Angesichts dieser durch Documente belegten Thatsachen steht zu erwarten, dass nunmehr dem deutschen Erfinder die Anerkennung seiner Neuerung zu Theil wird.

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