Titel: Die Staubentwickelung beim Befahren von Eisenbahnen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 1 (S. 215–216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi09_1

Die Staubentwickelung beim Befahren von Eisenbahnen

ist eine auf Strecken mit sehr feinkörniger Bettung häufig beobachtete, sehr lästige Erscheinung. Um das Aufwirbeln des Staubes zu vermindern, hat man hier und da die Oberfläche der Bettung mit Steinschlag oder sonstigen gröberen Stoffen bedeckt. Das Mittel ist zwar wirksam, aber kostspielig, und erweckt insofern Bedauern, als der Steinschlag unter den Schwellen oft noch viel nöthiger und besser angebracht sein würde. Auch die Abdeckung mit Rasen ist schon in Vorschlag gebracht worden. Auf der West Jersey- und Seashore-Abtheilung der Pennsylvanischen Eisenbahn wird neuerdings nach einem Berichte in der Railroad Gazette der bei der Reinigung des Erdöls verbleibende Rückstand von billigen, schweren Oelen dazu benutzt, die Oberflächen der Gleise und der Einschnittsböschungen so zu tränken, dass eine zähe, dem Aufwirbeln widerstehende Haut gebildet wird. Es sind bereits 160 km Gleis in dieser Weise behandelt, und zwar mit so gutem Erfolge für die Reisenden, die Betriebsmittel und die Gleise selbst (auf denen das Regenwasser viel besser ablaufen soll als früher), dass die Pennsylvanische Bahn das Verfahren auch auf ihren übrigen Abtheilungen einzuführen begonnen und eine andere Eisenbahnverwaltung den Bau eines besonderen Sprengwagens für diesen Zweck in Angriff genommen hat. Das einmal besprengte Gleis zeigt auf der zuerst erwähnten Strecke eine Eindringungstiefe des Oeles von 75 bis 100 mm. Beim Begehen des Kieses haften die Körner nicht an den Sohlen; man fühlt nur an dem leichteren Einsinken, dass die Reibung derselben geringer geworden ist. Das Vorbeifahren |216| der Züge erzeugt nicht den mindesten Staub, auch bei wiederholtem Stopfen erwiesen sich die geölten Stellen als vollkommen staubfrei. Nach den bisherigen Erfahrungen genügt ein einmaliges Sprengen für 1 Jahr, ein zwei- bis dreimaliges wahrscheinlich für eine lange Reihe von Jahren. Das angewandte Oel soll nicht brennbar (soll wohl heissen nicht leicht entzündbar?), nicht verseif bar und schwer mit Wasser zu mischen sein. Es wird behauptet, dass sich nach 3 Monaten noch kein Zeichen des Entstehens einer solchen Mischung – „Emulsion“ – bemerkbar gemacht habe. Die Aasrüstung eines gewöhnlichen Plattformwagens als Sprengwagen kostet ungefähr 800 M. Der Wagen fährt beim Sprengen mit etwa 6 bis 7 km Geschwindigkeit in der Stunde und verbraucht gegen 5700 l Oel für 1 km. Das Oel wird auf geeigneten Nebengleisen in den gebräuchlichen Behälterwagen bereit gehalten, die man an den Sprengwagen anhängt. Die Lauffläche der Schienen wird natürlich nicht mit besprengt. – Da die Erfahrung gelehrt hat, dass Erdöl den Pflanzenwurzeln schädlich ist, so wird die vorstehend beschriebene Maassregel vielleicht nebenbei das Aufkommen von Unkraut verhüten oder wenigstens vermindern, womit eine Absengung entbehrlich werden würde. (Centralblatt der Bauverwaltung.)

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