Titel: Härten von Stahldraht in flüssigem Blei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 1 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi11_1

Härten von Stahldraht in flüssigem Blei.

Zum Härten von Stahldraht in flüssigem Blei empfiehlt die Werkmeister-Zeitung folgendes Verfahren:

Man bringt den zu härtenden Stahldraht in ein Bleibad, dessen Temperatur nur so hoch sein darf, dass der eingetauchte Draht selbst bei längerem Verweilen im Bade nur gut kirschrothglühend wird. Ein Aufkochen des Bleies muss verhütet werden, da der Stahl sonst überhitzt wird. Man bestreicht den Stahldraht mit einer dünnen Schicht im Wasser aufgelöster Schlemmkreide und lässt diese trocknen, ehe man das Stück ins Bleibad bringt. Durch das Bestreichen mit Schlemmkreide wird die schädliche Einwirkung der auf dem Blei sich bildenden Oxyde, sowie die Bildung der häufig beim Abkühlen in Wasser sich an den Stahl setzenden Wasserdampfbläschen, welche eine ungleichmässige Härte erzeugen, verhindert.

Hat der Draht im Bleibade Kirschrothglut erlangt, so kühlt man ihn schnell ab, und zwar in kaltem Wasser, wenn er glashart, und in Oel, wenn er federhart werden soll. Etwa nöthiges Anlassen erfolgt bei den in Wasser abgekühlten Stücken in einem Kasten mit heissem Sande, bei den in Oel abgekühlten durch Abbrennen. Bei glasharten Stücken springt die Kreidekruste von selbst ab, bei weniger harten kann man sie bequem abreiben.

Ein guter, sicherer Erfolg bei Härten des Stahldrahtes setzt möglichst gleichmässiges Glühen unter theilweisem Ausschluss der Luft und möglichst gleichmässige Temperatur des geschmolzenen Bleibades voraus. Zu dem Zwecke sind die verschiedensten Einrichtungen in Gebrauch.

Das Härten selbst geschieht meistens, indem der Stahldraht in ganzen Ringen, wie sie vom Walzwerk kommen, geglüht und gehärtet wird. Dabei werden die Drahtringe vom Haspel abgewickelt und auf mechanisch angetriebene Scheiben wieder aufgewickelt. Auf diesem Wege passirt der Draht dann entsprechend gebaute Oefen, in welchen er geglüht und zugleich durch geschmolzenes Blei gezogen, folglich gehärtet wird.

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