Titel: Der Absturz eines Personenaufzuges
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 306/Miszelle 6 (S. 287–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj306/mi306mi12_6

Der Absturz eines Personenaufzuges

in dem Gebäude der Tract Society in New York ist insofern bemerkenswert!], als er zeigt, dass selbst ein mit vorsichtigster Benutzung aller Erfahrungen entworfener und sorgfältig ausgeführter Aufzug einem Unfälle erliegen kann, wenn mehrere ungünstige Umstände zusammentreffen. Das Ereigniss hat sich in folgender Weise abgespielt: Aus einem nicht näher aufgeklärten Grunde ist die Fangvorrichtung im Beginne eines Aufstieges in Thätigkeit getreten, als sich der mit massiger Geschwindigkeit bewegte Fahrkorb erst etwa 4,2 m über dem Erdboden befand. Dadurch wurde der Aufzug zum Stillstand gebracht. Als ein Maschinist etwa 20 Minuten später die Fangvorrichtung löste, stieg der Fahrstuhl sofort mit beschleunigter Geschwindigkeit nach oben bis zum Ende des Aufzugsschachtes, |288| um dann, unter Bruch der acht Drahtseile, die ihn trugen, auf den Boden herabzustürzen. Dabei wurden zwei Mann getödtet.

Nach Engineering News vom 23. September d. J. würde der Unfall in folgender Weise zu erklären sein: Das Sicherheitstau hat sich beim Aufsteigen des Fahrstuhles in seiner Führung durch diesen irgendwo geklemmt und die Fangvorrichtung plötzlich in Thätigkeit gesetzt. Dadurch wurde nicht nur der Fahrstuhl festgestellt, sondern auch die Verbindung zwischen dem kleinen, um die Sicherheitstrommel gewundenen Seile und dem Seile des Geschwindigkeitsreglers unterbrochen, so dass die Fangvorrichtung nicht noch einmal wirken konnte. Nach der Feststellung des Aufzuges ist das Auslassventil des Wasserdruckcylinders geöffnet worden und eine Zeit lang offen geblieben, so dass das Druckwasser ablief. Dem konnte der Tauchkolben nicht folgen, solange der Aufzug durch die Fangvorrichtung festgehalten war. Als nun der Maschinist, ohne sich von dem Zustande der Fangvorrichtung zu überzeugen und ohne das Auslassventil zu schliessen oder Druckwasser einzulassen, die Fangvorrichtung löste, fiel der etwa 8000 k schwere Tauchkolben, dem nur eine Kraft von etwa 6000 k entgegenwirkte, in den ganz oder theilweise entleerten Cylinder hinein, wodurch der Fahrstuhl in die Höhe geschnellt wurde. Dabei haben sich in den Tragseilen, die zuletzt ganz entlastet wurden, vielleicht Schlingen gebildet, die zum Bruche führten, als der Fahrstuhl sie in seiner Abwärtsbewegung stossweise wieder anspannte. – In unserer Quelle wird hervorgehoben, dass solche Ereignisse sich aus der Unvollkommenheit alles menschlichen Schaffens erklären und auch bei grösster Vorsicht niemals ganz vermeiden lassen werden. Wenn aber die Vorsicht nicht ausreiche, sei um so mehr der Rückblick von Werth und zur Verminderung der Gefahren auszunutzen. Wir können dem nur zustimmen und sind deshalb hier etwas näher auf den Fall eingegangen. Wir verweisen ausserdem auf eine zweite Mittheilung derselben Zeitschrift vom 30. September, in der die aus dem Unfälle folgenden Lehren eingehend erörtert werden, (Centralblatt der Bauverwaltung.)

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