Titel: Neuerungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 97–102)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307028

Kraftmaschinen.
Neuerungen an Dampfmaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 49 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Rotirende Dampfmaschinen.

Die Compagnie générale des automobiles in Paris hat nach Industries and Iron vom 15. April 1897 S. 228 vor kurzem einen neuen rotirenden Dampfmotor in den Handel gebracht, dessen Construction Fig. 33 und 34 erkennen lassen.

Textabbildung Bd. 307, S. 97

Die drei Kolben a bewegen sich in einem gemeinsamen Gehäuse b, welches nach aussen hin durch die Deckel c geschlossen und durch eingelegte Scheidewände f in drei einzelne Cylinder zerlegt ist. Die Achse i der Maschine ist durch beide Deckel c hindurchgeführt und durch Stopfbüchsen in ihnen abgedichtet. Die Kolben sind durch mit Federn belastete Dichtungsringe gegen die Zwischenwände f bezieh. die Cylinderdeckel c abgedichtet. Auf der Mitte des Gehäuses b sitzt ein Stutzen mit der Dampfeintrittsöffnung g und vor jedem Cylinder führt eine Oeffnung zum gemeinsamen Dampfaustrittsstutzen k.

Die Verbindung des Dampfeintrittskanales g mit den drei Cylindern findet durch die cylindrischen Räume m hindurch statt. In diesen sind die kolbenartigen Körper e angeordnet, gegen welche und andererseits gegen die Kolben a sich mittels cylindrischer Flächen unter Abdichtung drehbare Körper h legen. Eine Feder drückt e gegen h und h gegen a. Während sich die Kolben a in den Cylindern abwälzen, führen die Körper e und h eine auf und ab gehende Bewegung aus, letzterer aber ausserdem eine schwingende Bewegung um die Achse seiner cylindrischen Abdichtungsfläche gegen den Körper e. Diese schwingende Bewegung wird benutzt, um den Dampf eintreten zu lassen bezieh. bei dem gewünschten Füllungsgrade wieder abzusperren. Zu dem Zwecke ist h winkelförmig ausgeschnitten und e mit einer entsprechenden Durchbrechung versehen.

Die Anordnung mehrerer neben einander geschalteter Cylinder ermöglicht die gegenseitige Versetzung der Kolben a um gleiche Winkel – im vorliegenden Falle um je 120°. Dadurch wird eine Ausbalancirung der beweglichen Maschinentheile erreicht, die bei den für hohe Geschwindigkeiten bestimmten rotirenden Maschinen sehr wünschenswerth ist. Um die Ausbalancirung zu vervollständigen, bilden die Kurbeln excentrische Scheiben, welche nicht nur die geradlinige Durchbohrung der Achse behufs Oelzuführung gestatten, sondern auch auf der Achse eine gleichmassige Massenvertheilung herbeiführen. Die Kolben a laufen auf den Excenterscheiben mittels Kugeln, die zwischen zwei gehärteten Stahlringen angeordnet sind. Der eine Ring sitzt lose auf der Excenterscheibe, damit er sich bei etwa vorkommenden kleinen Klemmungen im Kugellager auf ihr drehen kann, der andere Ring ist mit Hilfe eines Kranzes von Löchern in den Kolben eingeschraubt und kann mittels einer an dem letzteren befindlichen Klinke genau eingestellt werden.

Ein derartiger Motor von 2 e soll weniger als 25 k Dampf in der Stunde gebrauchen.

American Machinist vom 4. November 1897 beschreibt S. 832 eine rotirende Dampfmaschine von Almond, die, wie Fig. 35 ersichtlich, aus vier Cylindern a1b1c1d1 mit geschlossenen inneren Enden besteht. Dieselben sind derart angeordnet, dass ihre Mittellinien den Umfang eines Kreises von verhältnissmässig grossem Halbmesser tangiren. Die seitlich liegende runde Schieberfläche hat vier Oeffnungen abcd für Ein- und Austritt des Dampfes, von denen jede mit dem Raume unterhalb der in den Cylindern gleitenden Trunkkolben in Verbindung kommt. Jeder Kolben ist mit einem Gleitschuh gelenkig verbunden, dessen gekrümmte Fläche in beständiger Berührung mit der Innenfläche der Gehäusewandung bleibt. Die überstehenden Enden der Gleitschuhe führen sich zu dem Zwecke in ringförmigen Nuthen des Gehäuses und zugehörigen Deckels. Die rotirenden Cylinder mit ihren Kolben und Schuhen sind die einzigen in Bewegung befindlichen Theile der Maschine. Der Rotationsmittelpunkt fällt selbstverständlich mit der |98| Mitte des Gehäusecylinders nicht zusammen. Durch das beständige Anliegen der Gleitschuhe an die Gehäusewandung werden die Kolben bei der in Richtung des Pfeiles stattfindenden Drehbewegung der für gewöhnlich nur in dem einen Sinne umlaufenden Maschine gezwungen, sich gemäss der excentrischen Lage der Welle hinsichtlich des Umfanges der Gehäusewandung in den Cylindern hin und her zu bewegen. In Fig. 35 hat der Kolben a1 das innere Ende, der diesem gegenüberliegende Kolben c1 das äussere Ende seines Hubes erreicht und der Cylinder beim Uebergange aus der einen in die andere Stellung eine Vollfüllung Dampf erhalten, mit der er auf die Welle eine treibende Wirkung ausübt. Dies findet für jeden einzelnen Cylinder während der aufsteigenden Bewegung desselben innerhalb einer halben Umdrehung oder dann statt, wenn sich die Gleitschuhe und äusseren Enden des betreffenden Kolbens auf der linken Seite der Abbildung befinden.

Textabbildung Bd. 307, S. 98

Es ist ersichtlich, dass gegenüber der Arbeitsweise gewöhnlicher Dampfmaschinen die Arbeit des Dampfes hier nicht durch die Kolben auf die Treibwelle übertragen wird. Die Verbindung der Gleitschuhe mit den Kolben ist durch dampfdichte Gelenke bewirkt. Auf der Gleitfläche jedes Kolbens ist eine kreisrunde Aussparung von der Grösse eines Cylinderquerschnittes angebracht, die mittels eines der Länge nach durch den Kolben geführten Kanales mit dem Cylinderinneren in steter Verbindung steht. Da die Maschinen mit hohen Umlaufzahlen arbeiten, pressen die Kolben zufolge ihrer bedeutenden Centrifugalkraft die Gleitschuhe stets mit genügender Entschiedenheit und deshalb dampfdicht gegen die Gehäusewandung. Solange sich gespannter Dampf in den Cylindern befindet, drückt übrigens auch dieser gegen die Kolben und bewirkt ausserdem die Drehbewegung der Maschine. Die runde Schieberfläche des Cylindergehäuses wird mit der entsprechenden Gleitfläche des Maschinengestelles nicht fest verbunden, sondern durch Dampfdruck auf derselben gehalten. Zu dem Zwecke ist auf dem hinteren Ende der mit den darauf befestigten Theilen in der Längsrichtung etwas beweglichen Treibwelle eine in einem cylindrischen Gehäuse dampfdicht gelagerte Scheibe befestigt, auf deren äussere Fläche der Dampf drückend wirkt und damit die Schieberfläche des rotirenden Gehäuses gegen die Gleitfläche des Maschinengestelles presst. Letztere hat zwei gekrümmte Oeffnungen l und f für den aus- und einströmenden Dampf, deren Längen die Dauer der bezüglichen Perioden bestimmen. In der Regel erhalten die Oeffnungen solche Abmessungen, dass die Dampfzuführung bei zwei Drittel des Kolbenhubes abgeschnitten wird, die Ausströmung dagegen nahezu während des ganzen Einwärts- oder Rückhubes des Kolbens stattfindet. Fig. 35 zeigt die Oeffnung a des Cylinders 04 in einer Lage, in der die Einströmung des Dampfes eben beginnt. Die zum Cylinder b1 gehörige Oeffnung b lässt den Auspuffdampf ungehindert entweichen, die Oeffnung c beginnt sich für den ausströmenden Dampf des Cylinders c1 zu öffnen, während der Arbeitsdampf durch d voll in den Cylinder d1 einströmt.

Das als Riemenscheibe ausgebildete Schwungrad der Maschine trägt auf jeder Seite einer durch die Mitte desselben gelegten Ebene eine lange Nabe, von denen diejenige auf der inneren Seite des Schwungrades sich in einem langen Lager des Gehäusedeckels führt. Da der Riemenzug jetzt von dem letzteren aufgenommen wird, entfallen einseitige Abnutzungen der Treibwelle, auf der die Riemenscheibe mittels der äusseren Nabe festgekeilt ist. Da das Cylindergehäuse keinen gespannten Dampf enthält, kann solcher auch nicht auf das Lager einwirken. Auf die Schmierung der bewegten Theile der Maschine ist grosse Sorgfalt verwendet.

Die Berechnung der von der Maschine entwickelten Leistung hat in gleicher Weise wie bei den Dampfmaschinen mit hin und her gehenden Kolben zu geschehen. Im vorliegenden Falle sind vier einfach wirkende Cylinder von 100 mm Durchmesser und 75 mm Hub angeordnet, von denen jeder während einer Umdrehung nur einmal Arbeit verrichtet. Bei einem verfügbaren Dampfdruck von 5,62 at, einer Füllung von zwei Drittel des Kolbenhubes, entsprechend einem mittleren effectiven Dampfdruck von 5,19 at, und 400 minutlichen Umdrehungen beträgt die indicirte Leistung der Maschine:

i.

Textabbildung Bd. 307, S. 98

Die rotirende Dampfmaschine von C. A. Guido Storz in Frankfurt a. M. (D. R. P. Nr. 91153) besteht, wie Fig. 36 und 37 erkennen lassen, aus einem Gehäusering a, dem Kolben b, den beiden Schiebern c, den Schieberkreuzköpfen |99| dd1 mit Nachstellschrauben c1, dem Schiebergestänge e und den Zu- und Ableitungen gg1. Damit die Maschine in jeder Kolben- und Schieberstellung angeht, ist der Kolben b mit einer ungeraden Anzahl, in der Regel drei Aussparungen versehen, die so gestaltet sind, dass alle durch die Mittelachse des Kolbens gelegten Strahlen gleiche Länge haben; ferner ist der Kolben mit zwei einander symmetrisch gegenüberliegend angeordneten Schiebern, sowie mit doppelten Ab- und Zuleitungen für den Dampf in Verbindung gebracht. Um den Schluss der Kolbenschieber zu bewerkstelligen, sind dieselben durch das Gestänge e mit einander in Verbindung; sie können aber auch mittels Dampf-, Wasser- oder Luftdruckes unter Zuhilfenahme eines Differentialdruckkolbens, bei kleineren Motoren durch Federdruck niedergehalten werden. Behufs Abdichtung der Kolben- und Schieberbreitseiten werden die Deckelplatten der letzteren gleichzeitig mit dem Gehäusering aufgeschliffen und festgeschraubt. Die Abdichtung der Schieber nach aussen erfolgt durch Packungen h, die durch Stellschrauben i angepresst werden, während die Antriebswelle k einer Abdichtung nicht unbedingt bedarf.

Lässt man Dampf in die beiden Zuleitungen g strömen, so gelangt der Kolben b in drehende Bewegung. Da aber bei der getroffenen Anordnung des Kolbens und der Schieber die Summe der sich abwechselnd vergrössernden und verkleinernden Kolben- und Schieberquerschnitte in jeder Stellung derselben die gleiche bleibt und der Dampf hierbei ebenfalls in ununterbrochener Abwechselung zu wirken vermag, wird der Kolben nicht nur in jeder Kolben- oder Schieberstellung angehen, sondern auch eine gleichmässige Arbeitsleistung hervorbringen. Soll die Maschine vor- und rückwärts laufen, so hat man die Ab- und Zuleitungen in doppelter Anzahl, d.h. auf beiden Deckelseiten anzubringen (Fig. 38 und 39) und mit entsprechenden Abstellventilen zu versehen.

Um die der Abnutzung unterworfenen Kolben- und Schiebertheile stets und leicht erneuern zu können, wird der Umfang des Kolbens mit durch Schrauben b2 Fig. 36, oder Keile nachstellbaren, mehr oder weniger federnden Kolbenbacken b1 versehen. Um den Dampfverbrauch ökonomisch zu gestalten, kann man mehrere auf einer gemeinschaftlichen oder auf von einander getrennten Antriebswellen arbeitenden, mit verschiedenen Kolbenquerschnitten oder Durchmessern ausgestattete derartige Maschinen in Verbindung bringen; auch kann bei Einzelmaschinen die Füllung durch eine anzubringende Expansionsschiebersteuerung regulirt werden, ebenso der Gang dieser Maschinen mittels eines sich daran anschliessenden Regulators.

Die Maschine lässt sich auch als Verbundmaschine construiren; sie wird zu dem Zwecke mit einem Kanal versehen, durch welchen der Dampf, nachdem er auf der ersten Kolbenseite gewirkt hat, nach der zweiten Seite des Kolbens überströmt, und zwar zweckmässig in dem Augenblicke, wo diese Seite annähernd halbe Füllung und die grösste Druckfläche darbietet, während der Abschluss der Hauptdampfleitung mit Hilfe des kreisenden Kolbens, welcher die Verbindung zwischen dieser und dem vorgenannten Kanal stets selbsthätig wieder unterbricht, herbeigeführt wird.

Eine Steuerung für rotirende Dampfmaschinen, bei welcher ein schnelles Oeffnen des Dampfeinlasskanales stattfindet, nachdem der Kolben erst einen kurzen Weg zurückgelegt hat, in Folge dessen der schädliche Raum auf ein Minimum beschränkt wird, erhielt M. Friedländer in Berlin unter Nr. 90076 im Deutschen Reiche patentirt.

Textabbildung Bd. 307, S. 99

In den auf der Spindel des Dampfeinlasshahnes h (Fig. 40) befestigten, mit einer entsprechend kreisförmig gebogenen Fläche auf der Nabe des Hebels n (Fig. 41) gleitenden und an seinem oberen, dem letzteren zugewendeten Ende curvenförmig gestalteten Hebel m ist seitlich ein in dem Schlitz b1 desselben verstellbarer Gleitzahn b eingesetzt, durch dessen Verschiebung sich die Hubhöhe des Hebels m und damit der Füllungsgrad des Dampfcylinders c verändern bezieh. reguliren lässt. Der Hebel n ist mit der Kolbenwelle k1 fest verbunden und dient zur Bethätigung der Steuerung: er ist zu dem Zwecke an der dem Hebel m zugekehrten Gleitseite ellipsenförmig ausgebildet, während die gegenüberliegende Seite eine zum entsprechenden Wellenhalbmesser parallele Gerade bildet. Am unteren Ende des Hebels n ist seitlich ein besonders geformter Zahn a angebracht, auf dem der Zahn b des Hebels m gleitet. Beginnt der Kolben k seine Vorwärtsbewegung, so wird der Hebel n aus der Stellung I in diejenige II gedreht; indem er hierbei mit seiner ellipsenartig ausgebildeten Seite auf der Curve des Hebels m läuft, dreht er den letzteren, so dass der Dampfeinlasskanal e in Folge Bewegung des Hahnes h geöffnet wird. Geht der Hebel n aus der Stellung II in diejenige III über, so stösst der Zapfen a desselben gegen den Gleitzahn b des Hebels m und ertheilt dem letzteren eine beschleunigte Bewegung, in Folge dessen der Einströmkanal e durch den Hahn h schnell und ganz geöffnet wird, während der Kolben k erst einen kurzen Weg zurückgelegt hat, der schädliche Raum also nur ganz gering ist. Der Einströmkanal e wird dann so lange offen gehalten, bis der Cylinder die gewünschte Füllung erhalten hat. Hierauf erfolgt, indem der Zapfen a von dem Zahn b abgleitet, das plötzliche Schliessen des Kanales unter Einwirkung |100| einer Feder. Der Hebel n kehrt in seine Anfangsstellung zurück und das Spiel beginnt von Neuem.

Die rotirende Dampfmaschine von St. Prrybytke in Krakau besteht, wie Fig. 42 und 43 erkennen lassen, im Wesentlichen aus einem cylindrischen Gehäuse a, der in diesem excentrisch gelagerten Trommel b mit Welle g und dem in der Trommel b geführten Kolben c. Der Dampf strömt durch den Hahnschieber d in das Gehäuse und bringt, indem er auf den Kolben c drückend wirkt, eine Drehbewegung des letzteren mitsammt der Trommel b hervor. Die seitliche Abdichtung des Kolbens und der Trommel geschieht durch Deckel l, die mit ihren am Umfange angeordneten Packungsringen f durch Schrauben k gegen entsprechende Arbeitsleisten des Gehäuses leicht angepresst werden. Die Packungsringe dienen auch zur Führung des Kolbens c, indem derselbe in dem Schlitze seines abgerundeten Endes eine gekröpfte Welle h aufnimmt, deren Zapfen in den Ringen gelagert sind. Die Feder i dient zum Anpressen des abgerundeten Kolbenendes gegen die innere Fläche der Gehäusewandung und bewirkt das dampfdichte Anliegen des ersteren.

Textabbildung Bd. 307, S. 100

Die Bethätigung des Hahnschiebers d erfolgt von den Führungsringen aus. Je nachdem der eine oder der andere dieser Ringe das Schliessen und Oeffnen des Schiebers bewirkt, kann die Maschine mit ganzer oder halber Füllung arbeiten.

Eine derartige, mit 500 minutlichen Umdrehungen laufende Maschine von 140 mm Durchmesser des cylindrischen Gehäuses und 40 mm Breite der Dichtungsflächen der Führungsringe f ergab bei 5 at effectiver Dampfspannung und voller Füllung eine Leistung von 3,45 i. Der Dampfverbrauch stellte sich auf 14,5 k für 1 i und Stunde. Die lichte Weite des cylindrischen Gehäuses betrug 60, der Durchmesser der Trommel 80 mm.

Engineering vom 15. November 1895 bringt Abbildungen und Beschreibung einer rotirenden Dampfmaschine von B. Vilmos in Debreczin (Ungarn). Der Kolben besteht, wie Fig. 44 bis 47 ersichtlich, aus drei Scheiben aa1a2, die fest mit einander verbunden auf der durch die Mitte des Cylinders c tretenden Treibwelle b sitzen. Der Cylinder c ruht auf dem Maschinengestell d. Durch die genannten Scheiben ist parallel zur Welle b ein Bolzen e geführt, auf welchem die Schaufel f drehbar befestigt ist. Dieselbe ist derart gekrümmt, dass sie im geschlossenen Zustande in einem entsprechenden Ausschnitt q auf dem Umfange des Kolbens Platz findet. Die mittlere Scheibe a1 hat einen vom Umfange nach innen geführten Ausschnitt g1, der mit einer Oeffnung g der Scheibe in Verbindung steht. Auch die beiden äusseren Scheiben a und a2 sind mit Oeffnungen g2, entsprechend der Oeffnung g in der mittleren Scheibe, versehen, deren Entfernung von Mitte Treibwelle dem mittleren Halbmesser der Kreisnuthen h (Fig. 46) auf en Innenflächen der Cylinderdeckel entspricht. Die Nuthen, deren Länge etwa ein Drittel des ganzen Kolbenumfanges ausmacht, stehen an dem einen Ende mit der Leitung h1 für den Einströmdampf in Verbindung. Angenommen, der Kolben hat eine Lage, in der die Oeffnungen g2 mit den Nuthen h communiciren, so strömt der Dampf, nachdem die Leitung h1 geöffnet, in die Nuthen, von hier durch die Oeffnungen g2g, sowie den Ausschnitt g1 auf den Rücken der Schaufel f und bringt, diese an den Umfang des Cylinders drückend, eine Drehbewegung des Kolbens in der Fig. 44 und 45 ersichtlichen Pfeilrichtung hervor. Sobald die Oeffnungen g2 bei ihrer Drehbewegung die Nuthen h überschritten haben, hört die weitere Dampfzuführung auf und es beginnt die Expansion des Arbeitsdampfes. Da hierbei der Kolben seine Bewegung fortsetzt, kommt das äussere Ende der Schaufel f mit einem in passender Lage angeordneten Vorsprung i in Berührung und zufolge der ansteigenden Fläche i1 desselben erstere schliesslich auf den Umfang des Kolbens zu liegen.

Textabbildung Bd. 307, S. 100

Die nach einer Cykloide gekrümmte Fläche i1 des Vorsprunges geht von der Innenfläche des Cylinders aus und steigt bis zu einem Punkte x, der in dampfdichter Berührung mit dem Kolben steht, während die Fläche i2 des Vorsprunges eine gleichmässig nach hinten abfallende Curve bildet, die in die innere Umfläche des Cylinders übergeht. Noch ehe das innere Ende der Schaufel f den Punkt x passirt hat, ist der Kanal l freigelegt, so dass der im Cylinder wirksam gewesene Dampf durch diesen, sowie durch Oeffnungen l1 (Fig. 44) der Scheiben aa2 in ringförmige Nuthen l2 (Fig. 46) der Cylinderdeckel, aus diesen durch Rohre m ins Freie entweichen kann. Hat das äussere Ende der Schaufel f den Punkt x des Vorsprunges überschritten, so ist die Verbindung mit dem Arbeitsdampfe durch die Oeffnungen g2, Nuthen g und Dampfleitung h1 wieder hergestellt und dieser kann von Neuem auf die Schaufel wirken, was in der Weise geschieht, dass er dieselbe zunächst von der gekrümmten Fläche i2 nach dem inneren Umfange des Cylinders hin bewegt, um sodann, wie vordem, mit voller Kraft die Schaufel zu treffen. Die Nase k der letzteren kommt hierbei gegen einen entsprechenden Anschlag des Kolbens zu liegen, wodurch eine Weiterdrehung der Schaufel als zur dampfdichten Berührung |101| mit den Cylinderwandungen nöthig, vermieden wird. Fig. 47 zeigt die Anordnung von drei Schaufeln f, die sich abwechselnd gegen zwei Vorsprünge i des Cylinders legen.

F. Voigt und C. L. P. Fleck Söhne in Berlin schlagen vor, bei den zur Klasse der rotirenden Motoren gehörigen sogen. Dampfturbinen das Treibmittel nicht direct auf das Turbinenrad, sondern auf eine in der Maschine umlaufende Flüssigkeitsmenge wirken zu lassen, welche die ihr mitgetheilte lebendige Kraft an die Schaufeln abgibt (D. R. P. Nr. 89634).

Das Eigenartige der Maschine gegenüber anderen Dampfturbinen mit umlaufender Flüssigkeit (vgl. 1896 300 * 194) ist darin zu erblicken, dass das Turbinenrad und die in sich geschlossene Bahn für die Flüssigkeit excentrisch zu einander liegen und sich nur an ihrem Umfange auf einer verhältnissmässig kurzen Strecke derart berühren, dass die Flüssigkeit die Turbinenschaufeln tangential beaufschlagt.

Das Turbinenrad ist zu dem Zwecke excentrisch in einen ringförmigen, mit Flüssigkeit gefüllten Kanal derart eingebaut, dass ihre Schaufeln in den letzteren hineinragen, kann aber auch von aussen excentrisch an diesen Kanal angeschlossen werden, der im Uebrigen anstatt kreisförmig auch elliptisch bezieh. mehr oder weniger flach sein kann.

Ein Treibrad für Dampfturbinen mit eingesetzten Schaufeln von John Schmidt in Stockholm wurde diesem unter Nr. 91342 im Deutschen Reiche patentirt.

Die Schaufel besteht, wie gewöhnlich, aus einem bauchigen Theil, einem oberen, die Schaufelräume bei der Bewegung des Rades abschliessenden Theil und dem Stiele. Letzterer ist an seinem unteren Ende mit einer quergehenden, am zweckmässigsten cylindrischen Auswölbung versehen, welche sich in eine entsprechende Bohrung des Turbinenrades legt. Von den Bohrungen gehen Ausschnitte nach dem Umfange des Rades.

Die Einsetzung der Schaufeln erfolgt einfach dadurch, dass sie von der Seite in die Ausschnitte bezieh. Oeffnungen des Rades eingesteckt werden. Nachdem alle Schaufeln eingesetzt sind, kann das Rad, wenn erforderlich, einer seitlichen Pressung unterworfen werden, um die Auswölbungen zu vernieten und die Stiele in die Ausschnitte vollständig einzupassen.

Textabbildung Bd. 307, S. 101

Die Dampfturbine von Robert Hewson und Whyte und de Rome in San Francisco arbeitet mit mehrstufiger Expansion des Arbeitsdampfes (vgl. 1896 300 * 195).

Auf der Welle a (Fig. 48 und 49) ist die nach der Nabe zu verstärkte Scheibe b angebracht, die so viel Reihen cc1c2c3c4... Vertiefungen oder Taschen erhält, als mit Rücksicht auf den Durchmesser der Scheibe, die zu erzielende Kraft und die Spannung des treibenden Dampfes erforderlich sind. Die Taschen sind von -förmiger Form, so dass der durchströmende Dampf seine Bewegungsrichtung umkehrt; sie sind am Umfange der Scheibe b, wo der Dampf eintritt, am kleinsten und nehmen nach der Nabe hin, wo der Dampf ausströmt, wegen der fortschreitenden Expansion desselben, zu.

In dem die Scheibe dicht umschliessenden zweitheiligen Gehäuse d sind beiderseits Kanäle ee1e2e3e4... angeordnet, von denen der äusserste e directen Kesseldampf erhält, während die anderen den Dampf von je einer Reihe der -förmigen Taschen zur nächsten leiten, bis er durch den letzten Kanal ins Freie strömt. Das Hin durchtreten des Dampfes zwischen Scheibe b und Gehäuse d wird durch ringförmige Packungen verhindert. Von dem Kanal e führen Gänge h den Dampf in die äusseren Schenkel der Taschen c, und zwar in solcher Richtung, dass derselbe direct auf den -Bogen stösst, in demselben umwendet und durch die inneren Schenkel der Taschen c in die Gänge i, durch diese in den Kanal e1 strömt. Der Dampf bringt sonach die Scheibe b sowohl durch directe Druckwirkung als auch durch die Centrifugalkraft seines bogenförmigen Weges in Umdrehung. Aus dem Kanal e tritt der Dampf in Folge seiner Expansion mit geringerem Druck und grösserem Volumen durch die Gänge h1 in die Taschen c1, aus diesen durch die Gänge i1 in den Kanal e2. Entsprechend der Volumenvergrösserung des Dampfes nehmen auch die Volumen der Kanäle ee1e2e3e4... und der Taschen cc1c2c3c4..., sowie deren Druckflächen nach der Mitte hin zu. Da der Dampf in den Kanälen und Gängen des Gehäuses d auf beiden Seiten symmetrisch eine Abnahme an Druck erfährt, hebt sich der letztere in seiner Wirkung auf die Seiten der Scheibe a auf und es werden Reibungen derselben an den Packungsringen des Gehäuses d vermieden.

Der effective Druck in den Taschen c ist gleich der Differenz der Dampfspannungen im Kanal e und e1, in den Taschen c1 gleich der Differenz der Dampfspannungen im Kanal e1 und e2 u.s.w. Da diese Differenzen stetig ab-, die Druckflächen der Taschen aber ebenso stetig zunehmen, bleibt die Wirkung des Dampfes auf seinem ganzen Wege durch die Turbine eine gleich massige.

Ueber Versuche an einer 300pferdigen Dampfturbine, System de Laval (1894 293 * 204, 1895 296 * 25; 1896 300 * 196), der Twelfth street Station der Edison Electric Illuminating Co. in New York, berichtet Scientific American vom 24. April 1897 S. 261.

Das Turbinenrad hat 750 mm Durchmesser und läuft mit 9000 Umdrehungen in der Minute, entsprechend einer Umfangsgeschwindigkeit der Radschaufeln von 353,25 m in der Secunde. Der Arbeitsdampf strömt mit einer Spannung von 10,33 at durch acht mittels Handräder abzuschliessende Düsen auf das Laufrad. Letzteres ist zur Vermeidung der in Folge ungleicher Massenvertheilung auftretenden Schwingungen auf einer dünnen elastischen Welle befestigt, welche ein Schraubenrad mit entgegengesetzter Steigung der unter 45° gegen die Welle gestellten Zähne trägt. Dasselbe steht mit zwei Schraubenrädern |102| von zwölf mal grösserem Durchmesser, die symmetrisch auf jeder Seite der Turbinenwelle angeordnet sind, in Eingriff. Die Wellen, auf denen die grösseren Räder sitzen, bethätigen zwei Dynamo, System Desrozier (1894 291 134), von je 100 Kilo-Watt mit 750 minutlichen Umdrehungen. Der Regulator ähnlicher Construction, wie er sich an der 1895 296 * 26 beschriebenen de Laval'schen Dampfturbine der Maschinenbauanstalt Humboldt in Kalk bei Köln von 20 e vorfindet, wirkt auf ein in die Dampfleitung eingeschaltetes entlastetes Drosselventil. Der Abdampf der Turbine entweicht in einen Wheeler'schen Oberflächencondensator (1893 290 * 242).

Die Ergebnisse von Versuchen, die mit zwei, vier, sechs und sieben geöffneten Dampfdüsen angestellt wurden und je eine volle Stunde andauerten, sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt:

Anzahl
der ge-
öffneten
Dampf-
düsen

Mittlere Stromstärke in Ampère

Elektrischer Effect in Watt

Nutzleistung in
Procent der vollen
Belastung

Vacuum in Milli-
meter Quecksilber-
säule
Dampfverbrauch
in Kilogrammen
für 1 elektrische HP
und Stunde
+ +
2 153,78 147,15 18,707 18,283 18,50 685,79 12,41
4 433,60 455,80 54,156 57,886 56,02 671,20 9,17
6 700,85 718,65 87,746 91,268 89,51 661,83 8,96
7 771,94 787,33 97,418 100,856 99,14 655,07 9,05

In Bezug hierauf sind die vor kurzem an einer Verbunddampfturbine, System Parsons (1886 260 * 294, 1893 289 * 29), von der Newcastle and District Electric Lighting Company angestellten Versuche bemerkenswerth. Die Turbine machte 9400, die Dynamo 4700 minutliche Umdrehungen. Der Dampfdruck betrug 4,92 at. Es wurden bezüglich 7,84, 9,07 und 9,98 k Dampf für 1 elektrische und Stunde verbraucht.

(Schluss folgt.)

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