Titel: Neuerungen im Eisenhüttenbetriebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 108–114)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307031

Eisenhüttenwesen.
Neuerungen im Eisenhüttenbetriebe.

Von Dr. Weeren in Charlottenburg.

(Fortsetzung des Berichtes S. 86 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Beschickungsvorrichtungen für Martin-Oefen.

Mit, der stetig wachsenden Grösse der Martin-Oefen – in Deutschland 15 bis 25 t, in Amerika bis 50, ja 75 t gross – haben sich die grossen Uebelstände der ausschliesslichen Handarbeit beim Beschicken der Oefen immer deutlicher gezeigt und in Amerika schon fast durchweg zum Ersatze der theuren und beim Betriebe der grossen Oefen gänzlich unzulänglichen Handarbeit durch Maschinenarbeit geführt, wohingegen Deutschland erst in den letzten Jahren und nur zögernd dem Beispiele Amerikas zu folgen beginnt. Allerdings hat man in Witkowitz bereits vor 10 Jahren mit einer hydraulischen Maschine chargirt, aber man ist auch in Witkowitz bis jetzt bei jener Maschine stehen geblieben. Es erscheint dies allerdings begreiflich, da die jetzigen, amerikanischen Mustern nachgebauten Beschickungsmaschinen hohe Anschaffungskosten bedingen, die man vielfach im Hinblick auf die im Verhältniss zu amerikanischen Martin-Werken geringen Erzeugungsmengen und die günstigeren Lohnverhältnisse auch jetzt noch scheut. Ueber die Kosten der Beschickung von Martin-Oefen mit Hand- und mit Maschinenbetrieb hat der bekannte englische Ingenieur Jeremiah Head1) auf der vorjährigen Frühjahrsversammlung des Iron and Steel Institute einen Vortrag gehalten, dem nachstehende Daten entnommen sind.

Nach Head sind in England zur Erzeugung von 1 t Flusseisen im sauren Martin-Ofen erforderlich:

Hämatitroheisen 800 k = 66,6 Proc. vom Einsatz
Schmiedeeisenschrot 200 k = 16,7
Erz (mit 50 Proc. Eisen) 200 k = 16,7
–––––––––––––––––––––––––––––––––––
1200 k = 100,0 Proc.

Für seine weiteren Berechnungen nimmt Head einen 40-t-Ofen als normales Mittel an. Derselbe macht bei vollem Betriebe neun Chargen in der Woche – die Woche zu 141 Arbeitsstunden gerechnet. Auf jede Charge kommen somit Stunden, einschliesslich Bodenmachen und Einsetzen. Gewöhnlich beträgt aber die thatsächliche Leistungsfähigkeit hiervon nur ⅞ bis ¾. ⅛ bis ¼ der Zeit ist der Ofen in Reparatur.

Ein 40-t-Ofen erfordert nun 40 × 1,2 t = 48 t Einsatzmaterial, wozu etwa 3½ Stunden erforderlich sind. In der Stunde sind somit 13,7 t Material zu bewältigen, wozu drei Arbeiter und ein Handlanger erforderlich sind. Allerdings sind bei einigen Oefen für das Heben schwerer Stücke kleine Drehkrahne vorgesehen, aber das gesammte Roheisen, der Schrot und das Erz müssen von Hand eingesetzt werden. Dieses Einsetzen ist bekanntlich in Anbetracht der furchtbaren Ofenglut eine ausserordentlich anstrengende Arbeit, die bedeutende physische Kräfte und Geschicklichkeit erfordert. Dementsprechend werden die Leute, vor allem der Vorarbeiter, gut bezahlt. In England stellen sich die für das Einsetzen gezahlten Arbeitslöhne |109| durchschnittlich auf 1 sh 10½ d für 1 t gewonnenes Flusseisen, mithin für jede Charge eines 40-t-Ofens auf 40 × 1 sh 10½ d = 3 £ 15 sh und 33 £ 15 sh für die Woche.

Die Summen, die für die Beschickung der Martin-Oefen bezahlt werden, sind somit ganz bedeutende. Ein weiterer Uebelstand der theuren Handarbeit ist aber ferner die verhältnissmässig grosse Verzögerung, die der Martin-Process dadurch erleidet, und die durch maschinelle Beschickungsvorrichtungen ganz wesentlich zu vermindern sein würde. Ausserdem leidet auch der Ofen selbst durch das lange Offenstehen der Arbeitsthüren. Alle diese Umstände drängen somit zur mechanischen Beschickung der Martin-Oefen. Amerika ist den übrigen Industrieländern auf diesem Gebiete weit vorausgeeilt; indessen dürfte man auch in England, wo trotz verhältnissmässig grosser Martin-Oefen die Handbeschickung noch durchaus vorwaltend ist, und auch auf dem europäischen Continent, vor allem in Deutschland mit seinem hochentwickelten Martin-Ofenbetriebe, sich nicht länger den Vortheilen der maschinellen Beschickungsvorrichtungen verschliessen können, zumal Amerika bereits verschiedene durchaus bewährte Systeme geschaffen hat, so dass ein theures und umständliches Experimentiren für die europäischen Fachleute vollkommen ausgeschlossen ist, da man die amerikanischen Vorbilder, eventuell mit kleinen, unseren Hütteneinrichtungen entsprechenden Abänderungen, ohne weiteres acceptiren kann.

Textabbildung Bd. 307, S. 109

Zu den Beschickungsvorrichtungen selbst übergehend, sei zunächst auf eine von Wilhelm Schmidhammer für zwei neben einander liegende Martin-Oefen construirte, von Hand zu bethätigende Beschickungsvorrichtung hervorgehoben, die vor den grossen, durch maschinelle Kraft angetriebenen Chargirmaschinen den Vorzug der Einfachheit und Billigkeit hat und für kleinere Martin-Werke vollkommen ausreicht. Die Beschickungsbehälter sind ebene Schaufeln von 60 bis 80 cm Breite und 100 cm Länge, die auf der Unterseite eine viereckig konische Hülse angegossen haben. In diesen Vierkant passt das Ende eines massiven Schwengels, der ähnlich wie bei Schmiedekrahnen in eine um eine Rolle gelegte Kettenschleife eines Wasserdruckkrahnes von 2,5 t Tragfähigkeit, dessen Ausleger bis zur Mittelthür eines jeden Ofens reicht, eingehängt wurde. Das hintere Ende des Schwengels ist verjüngt und so bemessen, dass vier Mann bei einer Belastung der Schaufel mit 600 k Roheisen den Schwengel leicht in wagerechter Lage halten können. Das Einschieben des Schwengels in den Vierkant der Schaufel, das Einführen der letzteren in den Ofen und ihr Entleeren geschieht von Hand, das Heben, wenn nöthig, durch den Kr ahn. Kleinere Höhenunterschiede können von Hand aus ausgeglichen werden. Durch Seitwärtstreten der Leute mit dem Hinterende des Schwengels kann die Beschickung durch eine einzige Thür ziemlich gut über den ganzen Herd vertheilt werden. Wenn das zu chargirende Material derart ist, dass es sich in Posten von mindestens 600 k auf die Schaufeln vertheilen lässt, so können 15 t, das sind 25 Schaufeln, in 30 bis 35 Minuten in den Ofen befördert werden. (Stahl und Eisen, 1896 S. 14.)

Bei der Beschickungsvorrichtung von James Buchanan jr. in Liverpool (D. R. P. Nr. 69056), Fig. 13 und 14, werden sämmtliche Bewegungen des die Beschickungsmulden tragenden Schwengels und die Fortbewegung des gesammten Apparates auf maschinellem Wege, theils durch hydraulische, theils durch Dampf kraft, ausgeführt. Zur Fortbewegung des den Schwengel 56 tragenden Wagens 1, sowie zur Auf- und Nieder- und zur seitlichen Bewegung des Schwengels dient |110| die auf der Plattform gelagerte, von dem Kessel 17 angetriebene Dampfmaschine 16, die die Welle 14 immer in demselben Drehsinne umtreibt. Auf dieser Welle sind drei Kuppelungen 13, 28 und 46 angeordnet, die, durch Hebel 18, 32 und 47 gesteuert, die Zahnräder 12, 29 und 45 in der einen oder anderen Richtung umdrehen. Das Zahnrad 12 übermittelt seine Bewegung mittels des Schneckenrades 9 und der Zahnräder 7 und 8 der Achse 5 und bewegt somit je nach der Schaltung der Kuppelung 13 die ganze Beschickungsvorrichtung in der einen oder anderen Richtung. Die Kuppelung 46 besorgt das Auf- und Niederbewegen des Schwengels 56, der mittels der Zapfen 34 in den Lagern 35 drehbar gelagert ist.

Textabbildung Bd. 307, S. 110

Es wird nämlich durch den Hebel 47 eines der Kegelräder 46 mit dem Kegelrade 45 in Eingriff gebracht, wodurch das Schneckengetriebe 42 in der einen oder anderen Richtung umgetrieben wird. Die sich drehende Schnecke 42 bewegt wiederum das Zahnradsegment 41 und dieses mittels der Kurbel 36 und der Zugstangen 37 den Schwengel 56 bezieh. seine Hülse 33 auf oder nieder. Die dritte Kuppelung 28, 29, 31 wirkt mittels der Zahnräder 25 und 26 und der Schnecke 23 auf das Zahnsegment 22, das in dem um senkrechte Zapfen drehbaren, den Schwengel 33 tragenden Gestell 19 befestigt ist und die seitlichen Bewegungen des Schwengels 33 erzeugt. Mittels der bisher geschilderten Mechanismen ist somit 1) eine Bewegung der ganzen Beschickungsvorrichtung auf den vor den Oefen angeordneten Schienen und 2) und 3) eine senkrechte und wagerechte Bewegung des Schwengels möglich.

Der Schwengel mit der Mulde 59 muss nun aber noch eine Vor- und Rückwärtsbewegung ausführen, um die Mulde in den Ofen einführen und zurückziehen zu können. Zu diesem Zwecke sitzt der Schwengel in einem Rohre 33, in dem er mittels eines Kolbens durch Druckwasser vor- und rückwärts bewegt wird. Das Druckwasser wird durch Rohr 67 zugeführt und durch einen Dreiwegehahn 70, der vom Führerstande aus mittels des Hebels 69 gestellt werden kann, durch die Rohre 62 und 65 vor bezieh. hinter den Kolben des Schwengels geleitet.

Das Abwerfen der Charge aus den Mulden 59 wird nicht durch Drehen der Mulde um ihre Längsachse, sondern durch einen Widder 72 besorgt, der an Stangen 73 befestigt ist, die sich in den am Schwengelkopf angebrachten Augen 74 führen. Beim Vorgehen des Schwengels mit der gefüllten Mulde in den Ofen wird der Widder 72 durch die sich gegen die Augen 74 anlegenden Bunde 81 in seiner eine Rückwand der Mulde bildenden Stellung mit vorgeschoben. Dann werden die beiden Stangen 73 durch die Klemmhebel 84 von dem Führerstande durch |111| das Handrad 89 festgeklemmt und nun durch Umsteuerung des Ventils 70 der Schwengel 56 aus dem Ofen zurückgezogen. Der festgeklemmte Widder 72 bleibt zunächst in seiner vorgeschobenen Stellung stehen und befördert hierdurch die auf der Mulde befindlichen Materialien auf den Herd des Ofens. Die Zurückziehung des Widders 72 erfolgt nach Loslösen der Klemmen 84 durch ein auf Ketten 40 wirkendes Gewicht 80.

Die Buchanan'sche Vorrichtung zeigt noch mehrere Nachtheile. Der Betrieb der verschiedenen Mechanismen erfolgt durch verschiedene Kräfte, durch Dampf kraft, hydraulische Kraft und Gewichte. Eine derartige Einrichtung stellt sich stets complicirter und gibt leichter zu Betriebsstörungen Veranlassungen, als wenn nur eine einzige Kraftquelle erforderlich ist. Der hydraulische Betrieb wird überdies nicht immer die grösstmögliche Geschwindigkeit gestatten, auch werden die theuren Schläuche nur von geringer Dauerhaftigkeit sein. Schliesslich nimmt auch die Dampfmaschine nebst Kesselanlage vielen Raum weg, der besser ausgenutzt werden könnte.

Auch die älteren maschinellen Beschickungsvorrichtungen des amerikanischen Ingenieurs S. T. Wellmann, dem früheren Director der Otis Steel Comp. in Cleveland (Ohio), zeigen noch dieselben Fehler; vgl. Stahl und Eisen, 1891 S. 305 u. ff.

1894 entwarf Wellmann eine neue Maschine, bei der alle Arbeiten, ausgenommen die Befestigung der Mulden an dem Schwengel, durch Elektricität vollzogen wurden. Auch diese Chargirmaschine entsprach noch nicht vollständig allen Anforderungen. Die Abmessungen waren allzu mächtig gewählt; ferner war das Gewicht des Maschinisten und der Plattform nicht zum Ausbalanciren der Beschickungsmulden und ihres Inhalts ausgenutzt worden, und der Stand des Maschinisten befand sich der Ofenthür schräg gegenüber, wodurch es ihm nicht immer möglich war, die Vorgänge im Ofen gehörig zu überwachen. Schliesslich war das eigentliche Wagengestell zu schwach gehalten.

Textabbildung Bd. 307, S. 111

Diese Mängel veranlassten Wellmann 1897 zum Bau einer neuen Beschickungsvorrichtung für die Otis Comp., wobei es ihm gelang, alle bisherigen Uebelstände zu vermeiden. Die neue Maschine ist in den Fig. 15 bis 17 dargestellt.

Sie hat im Allgemeinen grosse Aehnlichkeit mit den früheren Vorrichtungen, ist aber in mancher Beziehung einfacher und kräftiger gehalten, trotzdem aber um 1,5 m schmäler, dagegen 0,9 m länger als die Maschine von 1894. In den vier Ecken des Wagens sind vier Kastenträger angeordnet, die durch ein Gitterwerk mit einander verbunden sind. An ihnen sind auch zwei -Eisen befestigt, die fast bis zur Vorderseite des Ofens reichen. Auf diesen -Eisen ruhen die Schienen für die vier Räder des eigentlichen Beschickungswagens. Um ein Ueberkippen dieses letzteren bei gefüllter Mulde unmöglich zu machen, sind über den Rädern Führungen angebracht. Unter diesem Wagen hängt der Schwengel, der um zwei Lager gedreht werden kann, wodurch sein vorderes Ende sich hebt oder senkt. Ausserdem ist auch zum Entleeren der Mulden eine Drehung des Schwengels um seine eigene Längsachse möglich. Zur Befestigung der Mulden an dem Schwengel wird der Kopf desselben gesenkt, dann wieder angehoben, wodurch er in die an der Rückseite der Mulde befindliche Hülse eingreift. Durch Vorschieben einer durch den hohlen Schwengel gehenden Stange wird dann die feste Verbindung beider hergestellt. Sämmtliche Bewegungen können von dem hinter dem hinteren Ende des Schwengels angeordneten Führerstande aus ausgeführt werden.

Wie bereits erwähnt, werden sämmtliche Bewegungen der Maschine durch Elektromotoren ausgeführt, deren jeder 25 , mit Ausnahme des das Drehen des Schwengels bewirkenden Elektromotors von 3,5 , zu liefern vermag. Da die verschiedenen Bewegungen niemals gleichzeitig, sondern stets nach einander ausgeführt werden, so kommen im äussersten Falle 25 zur Verwendung, im Durchschnitt reicht man mit 10 aus. Die Elektromotoren sind, ähnlich wie die bei elektrischen Strassenbahnen benutzten, vollständig eingekapselt. Der Strom hat 220 bis 250 Volt.

Diese Vorrichtung hat gegenüber Handbeschickung folgende günstige Resultate ergeben: Die Beschickungsmulden sind 1,83 m lang, 0,6 m breit und 0,53 m tief; sie haben mithin 1,83 × 0,6 × 0,53 = 0,6 cbm Inhalt. Sie fassen mithin etwa 1 t Schrot oder mehr als 1 t Roheisen. Die Maschine vermag in jeder Minute eine Mulde in den Ofen zu entleeren, so dass der ganze Einsatz für eine Charge von 40 t in 48 Minuten in den Ofen geschafft werden kann. Setzt man überdies noch 12 Minuten für unvorhergesehene Störungen an, so erhält man für das Beschicken eines 40-t-Ofens nur 1 Stunde. Um denselben Ofen von Hand zu beschicken, würden 3,5 Stunden erforderlich sein. Die Zeitersparniss beträgt somit bei maschineller Beschickung für den vorliegenden Fall 2,5 Stunden. In der Woche werden mithin 2,5 × 9 = 22,5 Stunden gewonnen, was einer Mehrproduction von 11 Proc. entspricht.

Neben dieser sehr ins Gewicht fallenden Zeitersparniss wird aber auch noch eine Verringerung der nothwendigen Handarbeit erzielt. Wie bereits oben ausgeführt, beansprucht ein 40-t-Martin-Ofen acht Mann zu seiner Beschickung. Diese bewältigen in der Woche 9 × 48 = 432 t Material. Die hierzu erforderliche Zeit ist 9 × 3,5 = 31,5 Stunden. Dies entspricht in der Stunde oder für den Mann und die Stunde 3,4 t für eine Zeit von Stunden in der Woche.

Diese schwere Arbeit verrichtet die Beschickungsvorrichtung ganz allein. Nach Angaben von Wellmann |112| konnte in Amerika bei Anwendung der Maschine für zwei 20- bis 30-t-Oefen die Beschickungsmannschaft auf die Hälfte vermindert werden. Gleichzeitig stieg aber die Production der beiden Oefen von 500 t auf 550 t in der Woche.

Wird bei einem 40–1 Ofen für die Beschickung 1 Stunde und für jede Charge etwa 15 bis 16 Stunden als Durchschnitt gesetzt, so würde eine Maschine für die Beschickung von 12 Oefen ausreichen. Es ist hierbei aber zu berücksichtigen, dass in der Praxis die Reihenfolge der einzelnen Hitzen nicht mit theoretischer Regelmässigkeit durchgeführt werden kann. Immerhin würden aber 6 Oefen von einer Maschine mit Leichtigkeit bedient werden können.

Zur Zuführung der gefüllten Mulden, die immer zu mehreren auf einen Wagen gesetzt werden, der auf einem Gleise vor die Beschickungsmaschine gefahren werden kann, dienen kleine Locomotiven, auch kann die Beschickungsmaschine selbst hierzu benutzt werden.

In Amerika steht diese Weltmännische Maschine auf den Otis Works in Cleveland, auf den Homstead Works der Carnegie Company in Pittsburgh, auf den Illinois Steel Works und auf den Cambria Iron Works in Johnstown ständig in Benutzung.

In England hat sie bisher noch keinen Eingang gefunden, doch sind bereits zwei Maschinen für die Llanelly Steel Company in Llanelly bestellt, die noch im vorigen Jahre in Betrieb kommen sollten.

In Deutschland sind bereits mehrere Exemplare in Betrieb, deren Ausführung die Actiengesellschaft Lauchhammer übernommen hat, worauf weiter unten zurückgekommen werden wird. (The Engineering and Mining Journal, 1897 S. 569 und 570; Stahl und Eisen, 1897 S. 708 u. ff.)

Textabbildung Bd. 307, S. 112

Joseph P. Eck hat für die Werke der Midland Steel Company in Muncie die in Fig. 18 abgebildete Beschickungsvorrichtung construirt, deren Einrichtung ohne weiteres verständlich ist. Der Beschickungsapparat hängt an einem Wagen, der auf zwei Trägern vorwärts und rückwärts gefahren werden kann. Beide Träger ruhen wiederum auf fahrbaren Gestellen, die auf zwei Trägern laufen, von denen der hintere feststeht, während der vordere, über dem Ofen befindliche mittels eines hydraulischen Cylinders gehoben bezieh. gesenkt werden kann. Gleichzeitig mit diesem Träger können auch die Ofenthüren entweder einzeln oder gemeinsam gehoben bezieh. gesenkt werden. Der Beschickungsschwengel kann auch eine seitwärtige Bewegung ausführen. Die übrigen Einrichtungen der Maschine gleichen denen der Wellmann'schen Vorrichtung. (Stahl und Eisen, 1897 S. 714.)

Die Wellmann'sche Beschickungsvorrichtung, deren erstes Exemplar in Europa von der Actiengesellschaft Lauchhammer selbst gebaut, seit 2 Jahren auf deren Werk in Riesa im Betriebe sich befindet, hat gemäss einem Berichte in Stahl und Eisen, 1897 S. 715, durch die genannte Firma eine Abänderung erfahren, welche dieselbe, ohne Beeinträchtigung ihrer Zweckmässigkeit, zu einer verhältnissmässig einfachen Maschine macht.

Textabbildung Bd. 307, S. 112

Die erste Maschine hatte drei von einander verschiedene Elektromotormodelle, die durch Räderübersetzung die acht verschiedenen Bewegungen der Maschine bewirkten. Es wurden drei verschiedene Modelle deshalb gewählt, weil der Kraftbedarf für die einzelnen Bewegungen verschieden ist. Bei der neuen Construction (Fig. 19 bis 21) ist man von dem Gesichtspunkte ausgegangen, der ganzen Maschine ein mehr europäisches Aeussere zu geben, und hat sich unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der höhere Kraftbedarf für einzelne der Bewegungen im Allgemeinen nur für kurze Momente, gewöhnlich nur bei Einleitung derselben, auftritt, entschlossen, für alle vier Elektromotoren dasselbe Modell zu wählen. Um einen guten Schutz gegen Staub zu haben, kapselte man die Motoren, wie bei Strassenbahnwagen, vollständig ein. Alle Uebersetzungen werden durch Schneckengetriebe ausgeführt; die dreigängigen Schnecken sind aus gehärtetem Stahl, die Schneckenräder aus Phosphorbronze hergestellt. Die Schneckengetriebe sind gleichfalls eingekapselt und laufen in Oel. Die Elektromotoren sind mit ihnen durch Lederringe gekuppelt, die sich sehr gut bewährt haben. Nach 9monatlichem Betriebe hat sich noch keinerlei Abnutzung gezeigt. Durch die Schneckengetriebe wird ein viel ruhigerer Gang erzielt. Durch die Gleichmässigkeit der vier Elektromotoren erreicht man den Vortheil, dass man nur einen Reserveanker zu halten braucht.

Statt der bisherigen zwei Steuerhebel hat man für die acht Bewegungen vier Hebel angewendet, wodurch der Betrieb wesentlich sichererer geworden ist.

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Die Abbildungen bedürfen nach dem Gesagten keinerlei weiterer Erläuterung mehr. Es sei indessen noch auf eine sehr praktische Einrichtung aufmerksam gemacht, die ganz hinten auf der Plattform des Wagens angeordnet ist und dazu dient, den Anker des betreffenden Motors zu schützen, im Falle durch Unachtsamkeit des Führers oder auch durch Versagen der Elektricität ein schneller Rückgang des Ein- und Ausfahrwagens mit der beladenen und erhobenen Mulde stattfinden sollte. Es ist dies eine selbstthätig wirkende, ausserordentlich zweckmässig construirte Bremsvorrichtung, die dem Anker des Elektromotors gestattet, sich im Nothfalle weiter zu drehen, ohne dass die Achse oder sonst ein Theil der Maschine überanstrengt wird.

Textabbildung Bd. 307, S. 113
Textabbildung Bd. 307, S. 113

Schliesslich sei noch auf eine neuere Beschickungsvorrichtung für Martin-Oefen hingewiesen, die vom Civilingenieur Lentz in Düsseldorf construirt worden ist und von der Actiengesellschaft Lauchhammer gleichfalls ausgeführt wird. In Kürze soll sie einer Mittheilung von Stahl und Eisen, 1897 S. 857 und 858, zufolge, der die nachfolgende Beschreibung und Zeichnungen im Wesentlichen entnommen sind, auf mehreren Werken im Betriebe sein.

Die Lentz'sche Construction (Fig. 22 bis 24) ist insbesondere für solche Martin-Werke ersonnen, die hinter den Oefen zu wenig Raum haben, um die Aufstellung einer Beschickungsvorrichtung der bisher besprochenen Arten gestatten zu können. Der Lentz'sche Beschickungskrahn, wie er richtiger zu nennen ist, wird in allen seinen Bewegungen elektrisch angetrieben; er läuft auf zwei Laufschienen, die auf Wandconsolen oder freistehenden Säulen ruhen.

Textabbildung Bd. 307, S. 113

Die Laufkatze hat 3 bis 4 m Radstand, wodurch ein |114| Kippen zur Unmöglichkeit wird. Sie ist mit einem kräftigen Hängekorb versehen, in welchem der Kopf des Muldenschwengels in einem Kugellager ruht. Etwa auf halber Länge des Schwengels sitzt ein Kettenrad mit Kugelbewegung, welches in einer calibrirten Kette ruht, deren Enden über hochliegende Kettenräder gehen. Auf den Achsen derselben sitzen Schneckenräder, die durch Schnecken und die beiden Elektromotoren a und b angetrieben werden.

An den Enden der Kette hängende Gewichte gleichen das Gewicht des Muldenschwengels aus. Haben die beiden Elektromotoren a und b gleiche Umdrehungsrichtung, so wird der Schwengel gehoben oder gesenkt; haben sie entgegengesetzte Drehrichtung, so findet ein Drehen des Schwengels um seine Längsachse nach rechts oder links statt, wodurch gegebenenfalls die Mulde entleert wird.

Der dritte Motor c bewirkt das Vor- und Rückwärtsfahren der Laufkatze bezieh. das Vorschieben und Zurückziehen der Mulde in bezieh. aus dem Ofen.

Durch einen vierten Motor wird der ganze Krahn vor den Ofen her bewegt, während ein fünfter Motor d auf eine besondere Kettentrommel nebst Haken wirkt, um beim Umbau bezieh. Reparatur der Oefen den Materialtransport zu besorgen und dadurch diese zeitraubende Arbeit zu beschleunigen. Bei dieser Arbeit wird der Schwengel, wie punktirt angedeutet, in seine höchste Stellung gehoben, so dass die Katze bis dicht an den Ofen vorgehen kann.

Der Führerstand liegt in etwa 1,3 m Hohe über dem Fussboden, von welchem aus der Maschinist sämmtliche Bewegungen leitet und mitten vor der Ofenthür sitzend, die Bewegungen der Mulde bequem übersehen kann.

Ist ein Aufzug bis 2,5 m Entfernung vom Ofen in die Plattform eingebaut, so ist dieser Raum ausreichend, um mit dem Krahne mit erhobenem Schwengel vorbeizufahren; es genügen vor den Aufgebethüren schon 4,7 m zum Chargiren.

Der Krahn ist sehr beweglich, kann Mulden, die zwischen den Oefen aufgestellt sind, sich holen, deren Inhalt in die Oefen und die Mulden auf ihren Platz zurück befördern. Es kann deshalb das Schmalspurgleise für den Muldenwagen vor den Oefen fortfallen. (G. M. S. Nr. 75761.)

(Fortsetzung folgt.)

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The Engineering and Mining Journal, 1897 S. 569 u. ff.

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