Titel: Einiges über Säemaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 130–134)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307036

Landwirthschaftliche Maschinen.
Einiges über Säemaschinen.

Von Victor Thallmayer, Professor an der landwirthschaftlichen Akademie in Ungarisch-Altenburg.

(Fortsetzung des Berichtes S. 104 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Mitunter verwendet man auch doppelte Schöpfräder; dieselben versehen zwei Saatleitungsrohre mit Samen und sind bei ihrer Anwendung im Saatkasten nur halb so viel Abtheilungen nöthig, wie bei Verwendung einfacher Schöpfräder.

Doppelte Schöpfräder, sowie auch doppelte Löffel werden übrigens nur ausnahmsweise verwendet.

Ein doppeltes Schöpfrad sehen wir in Fig. 188 abgebildet.

Textabbildung Bd. 307, S. 130

Von der grössten Wichtigkeit für Säemaschinen ist der Streuapparat, von welchem verlangt wird, dass seine Streuelemente so viele und so gleichartig ausgeführte Schöpfzellen oder Vertiefungen besitzen und mit solcher Geschwindigkeit sich drehen, dass der ausgestreute Same gleich massig dicht vertheilt und nicht horstweise bald dünner, bald dichter in die Saatfurche falle, finde nun die Aussaat auf ebenem, wellenförmigem oder hängigem Terrain, auf glattem oder rauhem Boden statt.

Mit wenig Saataufnahmsvertiefungen versehene Säeräder und Säewalzen, wenn dieselben dazu auch noch langsamer sich drehen als sie sollten, bewirken eine fleckige Saat, die nach dem Auflaufen solche Stellen zeigt, wo die Pflanzen sehr dicht an einander stehen, und solche, wo dieselben sehr dünn vorhanden sind. Bei gleichmässiger Vertheilung ist in den Reihen der Stand der Pflanzen überall ein gleichmässig dichter.

Es ist deshalb nothwendig, dass die verschiedenen Systeme von Streuelementen verschiedene Durchmesser bekommen und mit verschiedener Geschwindigkeit sich umdrehen.

Den grössten Durchmesser (120 bis 150 mm) haben die Löffelscheiben, den kleinsten die amerikanischen Schubwalzen (45 mm) und die Reid'schen Scheiben (60 mm); zwischen diesen beiden steht das Schöpfrad, dessen Durchmesser gewöhnlich um 100 mm herum beträgt.

Der Löffel an den Scheiben sind gewöhnlich 8 bis 13, Schöpfzellen an den Schöpfrädern gewöhnlich 12, die Anzahl der Cannelirungen an den amerikanischen Schubwalzen ist gewöhnlich 8 bis 12. Zum Rüben- und Maisanbau, welches mehr horstweise als ununterbrochen geschehen soll, benutzt man Scheiben mit vier Löffeln oder Schöpfräder mit vier Zellen.

Bei einer mit Schub walzen nach dem System Hoosier versehenen Reihensäemaschine, welche an der Maschinenprüfungsstation in Ungarisch-Altenburg erprobt wurde, konnten wir folgende Abmessungen verzeichnen: die Schubwalzen hatten 45 mm Durchmesser, sie hatten 10 Cannelirungen und konnten in einer Breite von 30 mm streuen. Die Fahrräder der Maschine hatten 4 Fuss = 1264 mm Durchmesser. Die Uebersetzung vom Fahrrade auf die Säewelle ist derart, dass die Fahrradwelle 5 Umdrehungen macht, während die Säewelle deren 4 verrichtet. Das Zahnrad auf der Fahrradnabe hat 20, das auf der Säewelle befindliche 25 Zähne und ist zwischen beide ein Zwischenrad von 14 Zähnen eingeschaltet. Die Uebersetzung ist eine derartige, dass die Säewelle eine Umdrehung macht, während die Maschine in gerader Richtung einen Weg von 4,96 m zurücklegt.

Textabbildung Bd. 307, S. 130

Eine amerikanische Schubwalze nach dem Hoosier-System sehen wir in Fig. 189 abgebildet; die cannelirte Schubwalze ist mit d, der die Breite der Ausstreuöffnung regulirende Cylinder mit c bezeichnet; rs ist der Boden des Säegehäuses, die Saatkörner gelangen bei a ins Freie. Die cannelirte und die Regulirwalze werden auf der vierkantigen Saatwelle mit Stiften gehalten und vor die cannelirte Walze ist ein Vorlagplättchen i gesetzt.

Textabbildung Bd. 307, S. 130

In der Abbildung Fig. 190 sehen wir ein Hoosier-Schubrad sammt dem Gehäuse veranschaulicht, links auf dünne, rechts auf dichte Aussaat eingestellt. Die Einstellung geschieht durch Verschieben der Säewelle, wodurch ein kleinerer oder grösserer Theil der cannelirten Welle innerhalb des Gehäuses verbleibt, je nachdem die Aussaat dünner oder dichter sein soll. Die zwei Rippen SS der Absperr- oder Regulirungswalze dienen dazu, das Gehäuse |131| dort abzusperren, wo kein Same herausfallen darf, nämlich neben den Cannelirungen.

In der Abbildung Fig. 191 sehen wir die Hoosier-Schubwalze, sowie die einzelnen Theile des gesammten Säeapparates separat herausgezeichnet. Die in die Mitte der Abbildung gezeichnete sternförmig durchbrochene Scheibe ist in die linksseitige Hälfte des Säegehäuses eingesetzt, damit von der Seite desselben, während die Schubwalze sich dreht, kein Same herausfallen könne.

Textabbildung Bd. 307, S. 131

Der Hoosier-Säeapparat wird in vielfachen Variationen ausgeführt; für alle jedoch ist die cannelirte Walze charakteristisch. Diese Gattung Säeapparat ist zum Anbau von Getreide ganz gut geeignet und in Amerika sehr verbreitet. Stösse beeinflussen die Gleichförmigkeit der Aussaat nur in geringem Maasse, ebenso hat die Form der Bodenoberfläche keinen Einfluss auf dieselbe.

Bei einer an der Prüfungsstation für landwirthschaftliche Maschinen in Ungarisch-Altenburg gewesenen, mit Reid'schen Säescheiben die Körner streuenden Reihensäemaschine fanden wir die Uebersetzung vom Nabenzahnrad auf jenes auf der Säewelle als eine vierfache; es muss sich eben bei den Maschinen dieser Gattung die Säewelle schneller umdrehen als jene von Löffel- oder Schöpfradsäemaschinen, weil bei einer Umdrehung der Säewelle die Säescheibe nur viermal Körner auswirft. Das Fahrrad hatte 1264 mm Durchmesser, das auf dessen Nabe aufgezogene Zahnrad hatte 48, das Zahnrad an der Säewelle hingegen 13 Zähne. Wenn bei mit Säescheiben arbeitenden Maschinen die Saat aus in der Bodenplatte des Saatkastens befindlichen Löchern herausfällt, stören Stösse die Gleichmässigkeit der Aussaat in beträchtlichem Maasse, weshalb auch solche Maschinen auf fein hergerichtetem Boden bedeutend gleichmassiger anbauen wie auf scholligem.

An einer bei uns sehr verbreiteten Schöpfrädersäemaschine fanden wir den Durchmesser der Schöpfräder 105 mm messend. Die zum Anbau von Getreide bestimmten Schöpfräder hatten 17 mm Breite und 12 Schöpfzellen; der Durchmesser der Fahrräder beträgt 4 Fuss = 1264 mm. Auf der rechtsseitigen Fahrradnabe befindet sich ein Zahnkranz mit 36 Zähnen; die Anzahl der Wechselräder ist 7, die Anzahl ihrer Zähne der Reihe nach 16, 18, 20, 22, 24, 26 und 28, deshalb die Uebersetzung vom Fahrrad auf die Säewelle 9/4, 2, 9/5, 18/11, 3/2, 18/13 und 9/7. Der Durchmesser des auf der Fahrradnabe befindlichen Zahnkranzes misst 200 mm, jener des kleinsten Wechselrades 85 mm, des grössten 145 mm. Zum Anbau von feinen Samen dienen 6½ mm breite, 105 mm Durchmesser haltende und mit 10 Schöpfzellen versehene Räder; die Schöpfräder für den Anbau von Mais haben 17 mm Breite, 105 mm Durchmesser und 4 Schöpfzellen. Bei den Schöpfrädern wirken Stösse störend auf die Gleichförmigkeit der Aussaat ein.

Bei einer Löffelsäemaschine neuerer Construction und böhmischer Provenienz, mit welcher wir Gelegenheit hatten, Proben vornehmen zu können, betrug der Durchmesser der Löffelscheiben 150 mm und die Anzahl der Löffel 8. Der auf der Nabe des Fahrrades befindliche Zahnkranz hatte 25 Zähne, und als Uebersetzungswechselräder dienen solche mit 12, 14, 16 und 20 Zähnen.

Die Saat- und Säewellenabtheilung im Saatkasten. Die erstere dient zur Aufnahme des Saatgutes, letztere zur Aufnahme der Säewelle; aus ersterer gelangt das Saatgut durch viereckige Oeffnungen auf letztere. Alle Oeffnungen können auf einmal enger oder weiter gemacht werden; gewöhnlich dient hierzu eine Schiene, auf welcher Schuberbleche befestigt sind (Fig. 174 und 176).

Die Grösse der Zulauföffnungen muss eine verschiedene sein, je nach dem Saatgut, welches angebaut werden soll. Kleine, runde, glattschalige Samen rutschen schon durch eine enge Oeffnung in genügender Menge nach, grössere, kantige, rauhe, spiessige oder sich zusammenballende Samen verlangen eine grössere Oeffnung.

Am ungleichmässigsten und absatzweise rutschen aus der Oeffnung heraus die Grassamen und Samen von sägespanartiger Beschaffenheit, welche sich im Saatraume zu Knäueln zusammenballen. Beim Anbau solcher Samen ist es gut, wenn sich im Saatraume eine Rührwelle befindet (Fig. 174 Abbildung IV). Fehlt eine solche, so muss der beim Anbau solcher Samen hinter der Maschine einherschreitende Arbeiter mit einem Stäbchen im Saatkasten herumstochern, damit der Same nicht etwa in Ruhe verbleibe, sondern continuirlich der Saatwelle zulaufe.

Damit alle Zulauföffnungen auf einmal regulirt werden können, sind die Schubbleche auf einer gemeinschaftlichen Schiene befestigt, welche mit Hilfe gezahnter Stangen und Zahnrädchen auf und ab bewegt werden kann (Fig. 174).

Sollen einzelne Zulauföffnungen geschlossen werden, so nimmt man das vor denselben befindliche Schubblech ab und schiebt es ganz hinunter. Es geschieht dies z.B. in dem Falle, wenn mit grosser Reihen weite angebaut wird, wo nur 4 bis 5 Schare zur Verwendung kommen, oder aber, wenn am Ende der zu bebauenden Fläche ein Stück zu besäen kommt, das schmäler ist als die ganze Maschinenbreite.

Textabbildung Bd. 307, S. 131

Es können aber einzelne Schöpfräder auch dadurch zur Ruhe gebracht werden, dass man ihre Nabenschraube lockert; dann können dieselben an der Drehung der Säewelle nicht theilnehmen und demnach auch nicht anbauen; |132| der um das Schöpfrad herum befindliche Same nämlich trägt dann auch dazu bei, das Rad zu bremsen.

Die Regulirung der Zulauföffnungen von aussen geschieht gewöhnlich mit einer Handkurbel, welche längs eines mit Marken versehenen Bogens verstellbar ist (Fig. 176).

Säemaschinen von grosser Breite haben im Saatkasten eine oder mehrere mit den Seitenwänden parallele Abtheilungswände, welche der Säewelle als Auflager dienen und den Saatkasten abtheilen (Fig. 192 bei C).

Textabbildung Bd. 307, S. 132

Das Ausheben der Saatwelle aus dem Saatkasten. Hierfür findet man bei vielen Maschinen in den Seiten- und Abtheilungswänden des Saatkastens einfache bogenförmige Ausschnitte (Fig. 176).

Wenn die Saatwelle im Inneren des Saatkastens in Lager gelagert ist, so müssen die Lagerdeckel um Scharniere umlegbar sein (Fig. 193 bei C).

Die Enden der Saatwelle müssen nicht nothwendiger Weise aus dem Saatkasten herausragen; es kann die Saatwelle auch zweitheilig gemacht werden, so dass der eine kürzere Theil den äusseren, der längere Theil hingegen den inneren Theil der Saat welle bildet. Die zwei Theile der Saatwelle können durch Feder und Nuth mit einander verbunden sein, bei welcher Verbindung das Ein- und Ausheben leicht möglich ist (Fig. 180 Abbildung IV und 192).

Bei den amerikanischen Säemaschinen lässt sich die Saatwelle nicht ausheben, dieselbe kann jedoch nach der Seite hinausgezogen werden, wobei dann die Streuwalzen oder sonstigen Streuelemente in den Saatgehäusen bleiben.

Da bei den amerikanischen Säemaschinen das Auswechseln der Saatwelle Schwierigkeiten verursacht, so wird behufs Anbau von feinen Samen, wie z.B. Klee, nicht die Saatwelle ausgewechselt, sondern es dient hierfür ein besonderer kleiner dimensionirter Saatkasten, welcher an den Getreidesaatkasten angefügt ist und in welchem eine besondere Saatwelle, die Kleewelle, rotirt.

Zum Anbau von grossen Samen, wie z.B. Maiskörnern, benutzen die Amerikaner nicht ihre Getreidedrills, sondern eigene Maisbaumaschinen.

Nur bei uns, wie das schon einmal erwähnt wurde, gibt es nicht wenige, welche mit einer und derselben amerikanischen Saatwelle ohne jedweden Wechsel alles anbauen wollen, wenngleich auch die Form der meisten amerikanischen Streuelemente eine solche ist, die das von vornherein ausschliesst.

Da es nothwendig ist, dass die einzelnen Saatgehäuse der amerikanischen Maschinen alle genau in eine Gerade zu liegen kommen, so ist ihre Aufmontirung auf den Saatkasten auch schwieriger als das einfache Einlegen der Schöpfräderwelle in den Saatkasten unserer Maschinen.

Die erwähnten Schwierigkeiten sind wohl für eine gut eingerichtete Fabrik von keinem Belange, für kleinere Fabrikanten aber sind dieselben insofern von Belang, als sie die gute Ausführung der Maschine fraglich machen können, besonders wenn man noch mit in Berücksichtigung zieht, dass die Säegehäuse mancher amerikanischen Maschinen aus complicirten Gusstücken bestehen.

Fahr- und Vorderräder der Säemaschinen.

Die Fahr- und Vorderräder der ersten Säemaschinen waren aus Holz und unterschieden sich von den gewöhnlichen Wagenrädern nur durch ihren grösseren Durchmesser.

Zu Anfang der 70er Jahre, als die Verwendung von Eisenmaterial zum Bau landwirthschaftlicher Maschinen allgemein zu werden begann, vertauschten einige Fabrikanten die Holzräder mit solchen von Gusseisen, gingen aber bald wieder davon ab, indem die Gusseisenräder ihrer Schwere und Zerbrechlichkeit halber sich als ungeeignet erwiesen. Für Säemaschinen taugen gusseiserne Räder ebenso wenig wie gusseiserne Gestelle, welch letztere auch schon lange nicht mehr gemacht werden.

Nach den ganz aus Gusseisen gefertigten Rädern kamen die gemischten, deren Nabe Gusseisen und deren Speichen und Kranz Schmiedeeisen war. Diese Gattung Fahrräder trifft man auch heute noch an.

Gegenwärtig sind am beliebtesten solche Fahrräder, deren Nabe aus Gusseisen besteht und deren Speichen und Felgen aus Holz sind. Dieselben entsprechen mit Bezug auf Dauerhaftigkeit und Elasticität allen Anforderungen. Damit in Folge Schwindens die Speichen in der Nabe sich nicht lockern, besteht dieselbe aus zwei Theilen, die mit Schrauben gegen einander gezogen werden können.

Die Fahrräder befinden sich entweder in einer Verticalebene oder aber sind sie aus der Verticalebene etwas überhängend. In letzterem Falle ist der das Rad aufnehmende Achsstummel von der Wagerechten weg etwas nach abwärts geneigt, welche Neigung grösser oder kleiner sein kann. Bei Säemaschinen ist es nicht nothwendig, dass diese Neigung so gross sei wie bei Wagen, bei welchen bei der Bestimmung dieser Neigung die Sattel form der Strasse, sowie das Ueberhängen der Wagenseiten maassgebend ist.

Eine geringe Neigung den Fahrrädern bei Säemaschinen nach auswärts zu geben, schadet schon deshalb nicht, weil dann der von den Felgen aufgenommene und in die Höhe geführte Sand und Schmutz nicht auf die Zahnräder fallen kann, welche man übrigens gegen eine derartige Verunreinigung am besten mit einem Deckel aus Blech schützt.

In Ungarn sowie in Deutschland ist es Gebrauch, den Fahrrädern etwas Sturz zu geben, in Amerika hingegen thut man dies nicht.

Die von vorne lenkbaren Säemaschinen bekommen gewöhnlich Fahrräder von 4 Fuss (126 cm) Durchmesser; jenen der von hinten lenkbaren Maschinen gibt man einen kleineren Durchmesser als 4 Fuss.

Die vorderen Räder unterscheiden sich von den hinteren dadurch, dass dieselben gewöhnlich nur den halben Durchmesser der hinteren haben, weniger Speichen besitzen und nach auswärts und einwärts stellbar sind.

Die in Fig. 194 abgebildete Radnabe besteht aus zwei gusseisernen Scheiben, welche, um die Speichen zwischen sich aufnehmen zu können, mit radial gerichteten Vertiefungen versehen sind. Der Mitteltheil der einen Scheibe ist büchsenförmig gestaltet, um damit das Rad auf den Achsstummel aufgeschoben werden könne. Die zwei die Nabe bildenden Scheiben halten vier Schrauben zusammen. |133| Dieselbe Nabe finden wir in der Ansicht und im Querschnitt in Fig. 195 abgebildet, wo die beiden Scheiben mit aa und bb bezeichnet sind.

Textabbildung Bd. 307, S. 133

Den Durchschnitt eines Fahrrades, das aus einer hölzernen Nabe, hölzernen Speichen und eben solchen Felgen besteht, ferner Sturz besitzt, sehen wir in Fig. 196 abgebildet.

In der Abbildung Fig. 195 sehen wir die Löcher nn und mm, die zur Aufnahme der Speichen dienen, wechselseitig versetzt angeordnet, um sowohl der Nabe, als auch dem Rade grössere Stärke zu verleihen. Mit C ist die eiserne Büchse bezeichnet, mit welcher die Naben ausgebüchst werden.

Textabbildung Bd. 307, S. 133

In der Abbildung Fig. 196 ist mit N1 ein Zahnrad bezeichnet, welches als Nabenzahnkranz auf hölzernen Naben verwendet wird, auf welchem es zwei nach einwärts gerichtete Nasen halten, ausserdem muss das Holz um den Zahnkranz herum gehörig verkeilt oder, wie man zu sagen pflegt, verzwickt sein. Mit N2 ist in Fig. 196 ein Zahnrad bezeichnet, wie dasselbe auf gusseiserne Naben, mit denen es durch vier Schrauben verbunden ist, aufgezogen wird.

In Fig. 197 sehen wir zweierlei amerikanische Fahrradconstructionen abgebildet. Diese unterscheiden sich hauptsächlich durch die Anordnung der Nabe und Speichen von den bei uns üblichen Rädern. Die Nabe besteht aus zwei Theilen, von denen der eine Theil zur Aufnahme der Speichen dient. Die schmiedeeisernen Speichen sind einestheils in die eine Nabenhälfte, anderentheils in einen eisernen, den Radkranz bildenden Reifen eingenietet.

Textabbildung Bd. 307, S. 133
Textabbildung Bd. 307, S. 133
Textabbildung Bd. 307, S. 133

In Fig. 198 ist ein Fahrrad mit Sperrkegelnabe abgebildet, wie dieselbe die Amerikaner an ihren Drills zumeist verwenden. Sie unterscheiden sich von den gewöhnlichen |134| Fahrrädern dadurch, dass nur die Hälfte ihrer Nabe massiv ist, die andere Nabenhälfte, welche in der Abbildung mit N bezeichnet ist, hat die Form einer runden Schachtel, als deren Deckel eine auf der Fahrradwelle befestigte runde Scheibe mit nach dem Schachtelinneren gekehrtem Zahnkranz Z angesehen werden kann. In der Abbildung sind, um Einblick in das Nabeninnere zu haben, Deckel und Nabe in aus einander genommenem Zustande gezeichnet.

Im Inneren der Nabe befinden sich zwei (manchmal auch drei bis vier) Sperrkegel K, welche von einem Stück federnden Draht zwischen je zwei Zähnen des Zahnkranzes Z der Deckelplatte gehalten werden. Dreht sich demnach das Rad sammt Nabe in der Richtung des Pfeiles, so üben die Sperrkegel K einen Druck auf die Zähne des Zahnkranzes Z aus, und es wird demnach nicht nur dieser mit der Nabe sich drehen, sondern auch die Fahrradwelle mitgenommen, auf welcher die Deckelscheibe mit einem Stift befestigt ist.

Textabbildung Bd. 307, S. 134

Bei den amerikanischen Säemaschinen dreht sich mit dem Fahrrade gleichzeitig die Fahrradwelle und wird auch von der Fahrradwelle die Säewelle betrieben; bei unseren Maschinen hingegen dreht sich das Rad um die Fahrradachse und treibt die Nabe die Säewelle. Da man den Rädern unserer Säemaschinen gewöhnlich etwas Sturz gibt, so können dieselben sich nicht gleichzeitig mit der Fahrradachse, sondern müssen sich um deren Stummel drehen.

Bei den amerikanischen Säemaschinen müssen beide Fahrräder Sperrkegelnaben haben, damit, wenn die Säemaschine, wie in Fig. 199 dargestellt, im Bogen fährt, Torsion vermieden werde und immer jenes Fahrrad die Säewelle treibe, welches den grösseren Bogen beschreibt.

In der Abbildung Fig. 198 sind mit NN die Sperrkegelnaben, mit AA die Gestellseitentheile bezeichnet, an welche die Fahrradwelle durch von unten angewendete Halslager gehalten wird.

Naben mit Sperrkegeln verwenden die Amerikaner bei den meisten Spanngeräthen und stets bei Mähemaschinen.

In Amerika ist es nicht Sitte, dass die Fabrikanten von Säemaschinen selbst sich die nöthigen Fahrräder herstellen; ihren diesbezüglichen Bedarf decken sie aus Specialfabriken, die sich ausschliesslich mit der Erzeugung von Fahrrädern beschäftigen. Dort gibt es viele solcher Fabriken, auch ist die Anzahl der verschiedenen Fahrräder eine sehr grosse, und könnte man nur über deren Besonderheiten und Erzeugung ein dickes Buch schreiben.

Der Durchmesser der Fahrräder beträgt bei den bei uns gebräuchlichen Säemaschinen zumeist 4 Fuss = 1264 mm. Man kann zweckmässig den Fahrrädern einen solchen Durchmesser geben, dass ihr Umfang eine Anzahl ganzer Klafter oder Meter betrage; so z.B. wenn der Durchmesser des Fahrrades 3,82 Fuss gemacht wird, so macht der Umfang desselben genau 2 Klafter aus, wird der Durchmesser des Fahrrades mit 1274 mm bemessen, so ist seine Peripherie genau 4 m. Es hat dies das Angenehme für sich, dass beim Ausprobiren der Maschine auf die Saatmenge, welche sie streut, jede Fahrradumdrehung einfach für 2 Klafter, oder im anderen Falle für 4 m gerechnet werden kann.

Bei solchen Maschinen, welche mit amerikanischen Schubrädern säen, findet man, wenn die Reibung zwischen Schubrädern und Gehäuse eine grössere ist, häufig Fahrräder mit einem Durchmesser von 1500 bis 1600 mm angewendet.

Die von hinten gesteuerten Säemaschinen haben deshalb einen kleineren Durchmesser als 1264 mm, damit der Saatkasten nicht zu hoch zu liegen komme und so dem die Maschine von hinten lenkenden Arbeiter die freie Aussicht nach vorne nicht benommen werde.

(Fortsetzung folgt.)

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