Titel: Ueber appretirte mercerisirte Baumwolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 180–181)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307050

Faserstoffe.
Ueber appretirte mercerisirte Baumwolle.

Von Prof. Ed. Hanausek und Docent R. Zaloziecki.

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 307, S. 180

Die eigenthümlichen Veränderungen an der mercerisirten Baumwolle wurden in eingehender Weise in der Abhandlung1) „Ueber Mercerisirung und Deformation der Baumwolle“ besprochen. In derselben wurde auch darauf hingewiesen, dass die Firma F. Mommer und Co. in Barmen-Rittershausen durch eine mechanische Appretur mittels Stahlplatten oder Walzen, welche eine parallele lineare Gravur haben, die Hebung des Seidenglanzes vornimmt. Die genannte Firma hat zur Untersuchung eine Anzahl solcher mit einem „Seidenfinish“ versehene Zeuge zur Verfügung gestellt.

Textabbildung Bd. 307, S. 180

An diesen Stoffen kann man schon mit freiem Auge ohne Schwierigkeit gepresste Stellen beobachten, welche dem Zeuge je nach Art der Gravur ein gemustertes Aussehen ertheilen. Die Betrachtung der Oberfläche dieser Gewebe mit Hilfe der Lupe lässt auch eine zarte Streifung und starke Rillen erkennen.

Textabbildung Bd. 307, S. 180

Vom wissenschaftlichen Standpunkte ist die Erforschung der mechanischen Einflüsse auf die mercerisirte Baumwolle nicht ohne Interesse, insbesondere im Vergleiche mit natureller Baumwolle.

Textabbildung Bd. 307, S. 180

Um die gepressten Stellen an den Zeugen auch unter dem Mikroskope kenntlich zu machen, wurden dieselben mit einem farbigen Stift markirt. Die Durchmusterung dieser Stellen bei schwacher Vergrösserung liess selbstverständlich constatiren, dass die Faserbündel der Fäden abgeplattet und verdichtet waren. Hierauf wurden einzelne der markirten Fäden vorsichtig zerfasert, die isolirten Baumwollhaare bei stärkerer Vergrösserung in der Luft, dann unter Wasser und endlich unter Glycerin betrachtet. Die durch den Druck bei der |181| Nachappretur voraussichtlich deformirten Strecken der Haare waren durch die oben bezeichnete Markirung bleibend kenntlich gemacht.

Textabbildung Bd. 307, S. 181

Die mercerisirten Baumwollhaare der in Rede stehenden Zeuge zeigten im Allgemeinen in ihrem Längsverlaufe und an der Oberfläche dieselben Erscheinungen, wie diese in der citirten Abhandlung entwickelt wurden. Die Fasern sind zumeist gestreckt, schlicht, also nur an kurzen Strecken oder gar nicht korkzieherartig gewunden, knorrig oder wulstig, eng- oder ungleichlumig, an der häufig streifigen Oberfläche mit Längs- und Querfalten behaftet und meist ohne Cuticula. Die mit Kupferoxydammoniak behandelte nur mercerisirte Faser lässt eine streifige Zellwand und den Innenraum körnelig erkennen (Fig. 1). Die mechanisch appretirten Fasern sind regellos längs- oder querstreifig; ihre Streifung ist zerklüftet (Fig. 2 bis 4). Allein diese Deformationen bieten keine charakteristischen Merkmale; die sorgfältige Prüfung der farbig markirten Fasern ergab andere und specifische Kennzeichen.

Textabbildung Bd. 307, S. 181
Textabbildung Bd. 307, S. 181

Man findet bei scharfer Beobachtung an den einzelnen markirten Fasern eigenartige Demolirungen, welche von denen des Spinnprocesses verschieden sind. Die Deformationen aus diesen mechanischen Processen sind vorwiegend entweder Längsrisse oder nach der ganzen Breite der Faser laufende Falten, seltener wirkliche Querrisse. Die Demolirungen der durch Zug und Druck beanspruchten mercerisirten Faser, wie dies bei einer mechanischen Nachappretur der Fall ist, zeigen Querrisse, die in der Form ähnlich den sogen. Spalttüpfeln sind. Diese Querrisse durchqueren öfter mondsichelförmig die Faser (Fig. 5 bis 9). Im Falle mehrfacher ungünstiger Beanspruchung der Cohärenz der Faser, können auch seitliche Einrisse constatirt werden (Fig. 9).

Nicht mercerisirte Baumwollhaare sind nach solchen mechanischen Processen in den Deformationen ziemlich übereinstimmend mit den Haaren aus dem äusseren Theile eines Grob- bezieh. Mittelflyergarnes (Fig. 10 und 11); die Haare sind hier verbreitert, gebrochen oder geknickt und haben schraubenförmig angeordnete Längs- und Querlinien.

Textabbildung Bd. 307, S. 181

Die eigenthümlichen Spalttüpfeldemolirungen an den mechanisch appretirten mercerisirten Baumwollhaaren können als ein diagnostisches Merkmal (Fig. 5 bis 9) neben der im Längsverlaufe kenntlichen Zerklüftung der mercerisirten Baumwollhaare betrachtet werden. Letztere Erscheinung kommt namentlich durch die Quellung in Kupferoxydammoniak deutlich zur Geltung.

Die vorstehenden Resultate bestätigen eine gesteigerte Widerstandsfähigkeit der mercerisirten Baumwollhaare. Die Nachappretur ist bei geeigneter Durchführung ein zweckmässiges Verfahren zur Hebung des Seidenglanzes.

Textabbildung Bd. 307, S. 181

Laboratorium für Waarenkunde an der Wiener Handelsakademie.

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„Mittheilungen des Laboratoriums für Waarenkunde an der Wiener Handelsakademie“, Jahresbericht 1897 S. 144; D. p. J. 1897 306 19.

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