Titel: Die Schöpfwerke im Memel-Delta von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 205–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307058

Elektrotechnik.
Die Schöpfwerke im Memel-Delta von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft.1)

Mit Abbildungen.

Die volkswirthschaftliche Bedeutung der Elektricität wächst durch die tägliche Eroberung neuer Gebiete, zu denen sich neuestens der Landbau gesellt.

Zu den einschlägigen Aufgaben gehört insbesondere die Eindeichung und Entwässerung von Länderstrecken, die der Hochfluth der Ströme entrissen öder dem Wogendrang der Meere abgetrotzt werden müssen. Bemerkenswerth ist die Neuanlage am Memel-Delta wegen ihrer erstmaligen Anwendung der Elektricität, bei der die Vortheile der Wirtschaftlichkeit in Anlage und Unterhaltung Hand in Hand gehen.

Man darf von der Eindeichung und den Schöpfwerkanlagen eine Umwälzung in der Bewirthschaftung erhoffen.

Die volkswirthschaftliche Bedeutung der elektrischen Energievertheilung wird freilich erst zu voller Tragweite gelangen, wenn auch die Gefälle der Ströme für die Landschaft dienstbar gemacht werden. Ostpreussen birgt grosse productive Wasserkräfte, die zugleich für die Bevölkerung Wohlstandsquellen bedeuten könnten. Nach Intze's Untersuchungen harren in den Stromgebieten des Landes gegen 40000 der industriellen und agronomischen Verwerthung.

Das eingedeichte Gebiet umfasst über 18000 ha Landes. Die Gesammtkosten der ganzen Deich- und Entwässerungsanlage belaufen sich auf etwa 2000000 M., von denen 1500000 M. auf den Deich und rund 500000 M. auf die Schöpfwerksanlagen entfallen.

Bei der öffentlichen Ausschreibung für die maschinelle Anlage der Schöpfwerke wurde den concurrirenden Firmen freigestellt, für die zur Hebung des Wassers nöthige Energieerzeugung elektrische Kraftübertragung in Vorschlag zu bringen. Nach Lage der Verhältnisse war die Errichtung einer Centralstation das ausgesprochen Günstigste, denn die Anlage von Kessel- und Maschinenhäusern, Fundamenten und Schornsteinen an den verschiedenen Schöpfwerken hätte ziemlich kostspielige Fundirungen erfordert, die durch die Centralisirung der Krafterzeugung erspart wurden. Eine zweite Schwierigkeit bildete der Transport der englischen Kohle, die in dieser Gegend allein als Feuerungsmaterial zur Verwendung kommen konnte. Die Kohlenladungen hätten auf leichte Fahrzeuge umgeladen und die Mündungen der einzelnen Flüsse hinaufgefahren werden müssen, was 3000 M. Mehrausgaben verursacht hätte. Dazu hätten sich aber noch die erhöhten Betriebskosten für das Maschinenwärterpersonal gesellt.

Der Strom wird jedem einzelnen Schöpfwerk in gesonderten Kraftleitungen an Masten zugeführt. Durch die Anordnung getrennter Leitungen hängt jedes Schöpfwerk direct am Schaltbrett der Centralstation und kann unabhängig von den übrigen Werken angeschlossen oder ausgeschaltet werden. Durch telephonische Verbindungen, die zugleich selbsthätig die Stellungen des Wasserstandsanzeigers übermitteln, in allen Einzelheiten unterrichtet, behält die Centrale die Gesammtleitung in der Hand. Einen hauptsächlichen Werth aber besitzt diese directe Abhängigkeit in betriebstechnischer Hinsicht, indem sie das Ingangsetzen der Schöpfwerke von der Hauptstation aus in der Art ermöglicht, dass sämmtliche Elektromotoren gleichzeitig mit den Primärmaschinen anlaufen können. Dadurch werden umständliche und kostspielige Anlassvorrichtungen vermieden, die Betriebssicherheit und Schonung der einzelnen Motoren vor der zerstörenden Erwärmung beim Anlassen erhöht, und endlich vom Schöpfwerkpersonal nur ein Mindestmaass von Sachkenntniss beansprucht. Die einzelnen Hebewerke bewältigen die Förderung der Wassermassen mittels Schöpfräder. Auf ihre Wahl wirkte bestimmend die Einfachheit, der ausreichende Wirkungsgrad sowie die geringe Reparaturbedürftigkeit. Sie nehmen im normalen Betrieb 32 bis 40, in Ausnahmefällen bis zu 75 und mehr e an den Drehstrommotoren ab. Die Bedienung der letzteren ist äusserst einfach, so dass ein besonderer Wärter entbehrt werden kann. Sie beschränkt sich auf die Schmierung der Lager, die so eingerichtet sind, dass die Schmiergefässe nur einmal in 7 Tagen nachgefüllt werden müssen. Sachkenntniss muss demnach nur von dem in der Centralstation angestellten Maschinenmeister und seinen Gehilfen beansprucht werden.

Bevor wir auf eine Schilderung der elektrischen Centralstation eingehen, möge hier das Wichtigste über die Kraftbeanspruchung vorausgeschickt werden.

Die Arbeit der Wasserhebewerke wechselt stetig mit den Fluthständen im Haff, wurde aber nach drei Hauptleistungsgrössen geschieden, von denen die grösste mit einem Aussenwasserstand von + 3,2 m äusserst selten, nur etwa einmal im Laufe eines halben Jahrhunderts, eintritt.

Es wurden nun entsprechende Binnenwasserstände von + 0,9, +1,2 und + 1,4 m als zulässig angenommen.

Die von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft garantirten Leistungen der Schöpfwerke sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt. (S. 206.)

Die Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen und Dynamo in der Centralstation ist derart bemessen, dass in den Fällen I und II gleichzeitig die Arbeit aller sieben Schöpfwerke, d.h. der sechs bereits erbauten sowie des für später in Aussicht genommenen, bewältigt werden kann, während für den die doppelte Arbeitsmenge erfordernden Ausnahmefall III nur vier Schöpfräder gleichzeitig betrieben werden sollen. Demnach wäre, wie die angefügte Tabelle lehrt, eine Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen von mindestens 410 e erforderlich.

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Textabbildung Bd. 307, S. 206

Die im Maschinenhause der Centrale aufgestellten zwei grossen Dampfmaschinen leisten bei 167 Umdrehungen in der Minute und 0,125 Gesammtexpansion je 240 , also in Summa 480 . Die mechanischen Kraftgeber sind stehende Verbunddampfmaschinen von gedrungener Bauart, deren Cylinder Durchmesser von 450 mm und 700 mm bei einer Hublänge von 450 mm besitzen. Sie arbeiten mit Einspritzcondensatoren. Die Hochdruckcylinder tragen Dampfmäntel. Die Expansionssteuerungen der Hochdruckcylinder sind entlastete Kolbenschieber und werden von einem kräftigen Regulator geregelt, während die Niederdruckcylinder Kanalschieber mit fester Expansion besitzen. Wird die Beanspruchung der Maschinen von Vollbelastung zu einem Viertel derselben ermässigt, so beträgt die eintretende Hubzahl höchstens 5 Proc. während bei der weitgehenderen Entlastung von Voll- bis Leerlauf eine Tourenänderung von höchstens 10 Proc. eintritt. Der Regulator ist darauf eingerichtet, dass durch Verstellung eines Laufgewichtes die Tourenzahl der Dampfmaschinen bis zu 10 Proc. verändert werden kann. Das Schwungrad verleiht den Maschinen einen Gleichförmigkeitsgrad von 1/120.

Für die Dampfcylinder ist eine Möllerup'sche Schmierpresse, für die in Bewegung befindlichen Theile Centralschmierung mit sichtbarer, einstellbarer Tropfenschmierung angeordnet. An den Maschinen führen eiserne Aufgangstreppen zu den Podesten, von welchen aus der Maschinenwärter das Wechselventil handhabt, sobald zeitweilig mit Auspuff gearbeitet werden soll.

Zum Handhaben der schweren Einzelstücke von Dampfmaschinen und Dynamo dient ein Laufkrahn von 7500 k Tragkraft, dessen Laufkatze durch Hand gelenkt werden kann. An den Maschinenraum, nur durch eine Thür getrennt, stösst (Fig. 1 und 2) das Kesselhaus. Hier wird Dampf von 8 at Ueberdruck in drei Zweiflammrohrkesseln von je 75 qm Heizfläche erzeugt, und zwar verdampfen nach den Prüfungsergebnissen bei der Abnahme der Gesammtanlage 23,7 k Wasser für 1 qm Heizfläche bei 3,08 k Kohlenverbrauch oder 7,7 k Wasser für 1 k Kohle. Die Durchmesser der äusseren Kesselwandung betragen 2,2 m bei 7,5 m Mantellänge, die der Flammrohre 800 mm; letztere enthalten je vier Galloway-Röhren. Die Dampfdome besitzen 900 mm im Durchmesser bei 950 mm Mantelhöhe. Die Rostflächen betragen je 2,08 qm. Die Kessel sind aus Siemens-Martin-Flusseisen hergestellt.

Zum Speisen der Kessel dient eine Worthington-Pumpe, die im Stande ist, den drei Dampfkesseln das doppelte Wasserquantum ihrer höchsten Beanspruchung zu liefern und die sowohl aus dem Kaltwasserbrunnen, als auch aus dem Ausgussrohr der Condensation saugt.

Das Speisewasser der Dampfpumpe wird in einem Röhrenvorwärmer aus Messingröhren vorgewärmt, der durch den Auspuffdampf der Pumpe selbst geheizt wird. Zur Speisung dienen drei Restarting-Injecteure. Jeder derselben vermag seinem Kessel Speisewasser zu liefern ebenfalls bis zum doppelten Quantum von dessen Maximalbeanspruchung. Die Dampfstrahlpumpen sind mit gesonderten Saug- und Druckröhren ausgerüstet.

Die Dampfleitungen sind leicht zugänglich oberirdisch geführt; die Wasserleitungen dagegen, mit Ausnahme der Druckrohre, in gemauerten Kanälen des Fussbodens untergebracht, welche mit abnehmbaren Riffel blechplatten gedeckt sind.

Die Frischdampfleitung ist mit gut wirkenden Wasserabscheidern mit Dreiwegehahn und an sämmtlichen Abzweigestellen mit Absperrventilen versehen. Sie ist aus patentgeschweissten Rohren zusammengesetzt, ihre Flanschen sind abgedreht und mit profilirten Kupferringen gedichtet. Knie- und -Stücke bestehen aus Kupfer. Eine Umhüllung aus Korksteinen und Leinwand schützt, die Leitung vor Wärmeverlust.

Sämmtliche Rohrleitungen sind so angelegt, dass das Wasser bei Frost abgelassen werden kann.

Die im Maschinenraume angeordneten zwei 36poligen Drehstromdynamo, Type A 200, sind für eine Kraftaufnahme von je 240 bei einer gleichzeitigen Leistung von rund 160 Kilowatt gebaut. Ihr Wirkungsgrad beträgt demnach 91 Proc. bei Vollbelastung. Ihre Leistungsgrösse ist derart bemessen, dass bei normaler Inanspruchnahme (Fall I und II) jede der beiden bequem drei Schöpfwerke zu treiben vermag. Sie liefern Strom von 2900 Volt für die Phase, was einer Hauptspannung von 5000 Volt zwischen je zwei Leitungsdrähten entspricht. Die Generatoren gehören zum Typus der Einspulenmagnetdynamo mit stillstehender Wickelung, die neben einer billigen Erregung noch den Vortheil besitzen, dass sich an der Maschine nur das Schwungrad mit seinen Polhörnern dreht.

Die beiden Dynamo laufen normal mit einer Geschwindigkeit von 167 Umdrehungen in der Minute und bilden eine directe Fortsetzung der Dampfmaschinen. Fig. 3 illustrirt diese von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft seit einigen Jahren gebaute Type. Innerhalb des feststehenden ringförmigen Eisenmantels (Fig. 4) ist die Magneterregerspule S feststehend angeordnet. Ebenfalls feststehend |207| schliessen sich an den Eisenmantel die beiden mit Spulen versehenen Ankerringe A aus untertheiltem Eisen. Die Ankerringe bilden mit dem Eisenmantel einen C-förmigen Querschnitt am Umfange des Gehäuses, durch den der magnetische Kreislauf sich vollzieht, wie das in Fig. 3 angedeutet ist.

Textabbildung Bd. 307, S. 207

Der einzige bewegliche Theil, der vor dem Dynamogehäuse rotirende 18polige Läufer, ist aus dem Schwungrade der angekuppelten Dampfmaschine herausgebildet, indem an demselben Polhörner P angeschraubt worden sind. Diese Polhörner greifen in den C-förmigen Ringquerschnitt des festen Gehäuseumfanges hinein, schliessen dadurch den magnetischen Kreislauf und, indem sie bei der Rotation des Schwungrades zwischen den Spulen der Armatur hindurchgleiten, verschieben sie die Stellen höchster magnetischer Dichte rund im Kreise und induciren in den feststehenden Ankerspulen den Dreiphasenstrom. Dieser bedarf demnach, um von der Maschine abgenommen zu werden, keinerlei Schleifcontacte. Der hochgespannte Strom geht vielmehr durch drei feststehende Klemmen an die Sammelschienen der Schalttafel und von da in die Fernleitungen. Jede nicht isolirte, blanke Stelle ist dem Bedienungspersonal unzugänglich gemacht, so dass letzteres geschützt bleibt. Wie man sieht, ist die Anordnung eine sehr gedrängte; die Dampfmaschine und der elektrische Energieerzeuger rücken constructiv in einander.

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Als günstigste Wechselzahl für den Dreiphasenstrom sind bei normalem Gange 100 Wechsel in der Secunde angenommen.

Textabbildung Bd. 307, S. 208

Den Gleichstrom zur Magneterregung der Generatoren liefern zwei kleine Erregermaschinen, von denen jedoch eine genügt, um beide Hauptdynamo in vollem Betriebe zu erhalten. Die zweite Gleichstrommaschine dient beim Anlassen der Hauptdynamo, sowie zu Reservezwecken und ist, vollkommen unabhängig vom übrigen Maschinencomplex, seitlich an einer Wand des Maschinenraumes aufgestellt. Ihr Antrieb erfolgt von einer daneben stehenden kleineren Auspuffmaschine. Die Hauptdynamo werden, wie bereits bemerkt, gleichzeitig mit den Elektromotoren der entfernten Schöpfwerke angelassen. Bereits vor Beginn ihrer Ingangsetzung ist es erforderlich, dass der Gleichstrom in ihrer Erregerspule die volle Normalspannung besitze. Um dies zu erreichen, wird eine der Gleichstrommaschinen zuvor in Thätigkeit gesetzt. Diesem Zwecke dient eben die kleine Dampfmaschine. Es ist dies eine stehende eincylindrige Hochdruckdampfmaschine von 205 mm Cylinderdurchmesser und 200 mm Hub, welche bei 250 Umdrehungen in der Minute und 0,2 Füllung 17 e leistet. Die Erregerdynamo ist auf Gleitschienen verschiebbar, sobald ein Nachspannen des Riemens dies erfordert.

Die andere kleine Erregerdynamo ist mit einem gleichwertigen kleinen Drehstrommotor von 20 direct gekuppelt, und zwar ist diese Verbindung durch eine elastische Stahlblattkuppelung hergestellt, welche eine stossfreie Uebertragung ermöglicht. Seinen Betriebsstrom erhält der Motor von einer der Hauptdynamo. Jedoch geschieht die Zuleitung von Betriebskraft in den Motor nicht direct, sondern erst durch Vermittelung eines Transformators, der die Hauptspannung von 5000 Volt auf 200 Volt herabsetzt. Die Primärdynamo erzeugen demnach, sobald sie einmal im Gange sind, ihren Erregergleichstrom auf indirectem Wege selbst.

Der Erregermotor macht 950 Umdrehungen in der Minute. Für den Nothfall ist Vorsorge getroffen, dass die mit dem Drehstrommotore gekuppelte Erregerdynamo direct von der nächststehenden Hauptdynamo betrieben werden kann. Zu diesem Zwecke ist die Kuppelung als Riemenscheibe abgedreht und kann durch Riemen mit dem Schwungrade der nächsten Hauptdampfmaschine verbunden werden.

Jede der Gleichstrommaschinen ist so bemessen, dass sie ausser dem nöthigen Erregerstrome für beide Hauptdynamo noch gleichzeitig den zur Beleuchtung erforderlichen Strom liefert; sie speist 30 Glühlampen von 16 Normalkerzen.

Die kleine Dampfmaschine, die unter gewöhnlichen Umständen für Beleuchtungszwecke nicht verwendet wird, trägt demnach ebenso wie die damit verbundene Gleichstromdynamo den Charakter einer Reservemaschine und kommt ausser beim Ingangsetzen der elektrischen Anlage nur in ausserordentlichen Fällen zur Verwendung.

Textabbildung Bd. 307, S. 208

Die beiden Erregermaschinen sind zweipolige Nebenschlussdynamo, Type N G 100, mit Trommelanker von 65 Volt Spannung und 950 Umdrehungen in der Minute; sie sind mit Ringschmierung versehen. Der dazu gehörige Elektromotor besitzt eine gesonderte kleinere Schalttafel. Diese ist gleich links von der Hauptschalttafel angebracht und über ihr consolenartig der erwähnte Transformator, Modell D B 20, befestigt.

Die beiden Erregerstrom liefernden kleinen Gleichstromdynamo besitzen eine eigene Schalttafel, die links in der Ecke der Schalttafelwand, dem Fenster nahe, angebracht |209| ist. Sie ist mit zwei Strom-, zwei Spannungsmessern und zwei doppelpoligen Schalthebeln versehen. Der Strom wird auf gemeinsame Schienen geleitet. Ein anderes Paar doppelpoliger Schalthebel führt den Strom nach den beiden Magnetregulatoren der Hauptdynamo.

Diese Anordnung des Schaltbrettes ermöglicht es, die Verbindung zwischen den Maschinen nach Bedarf herzustellen, und zwar entweder die Hauptstromdynamo durch eine Erregermaschine zu erregen, oder beide Erregermaschinen in Parallelschaltung auf einen Stromkreis zu vereinen. Die Gleichstrommaschinen sind mit Nebenschlussregulatoren versehen, welche unterhalb ihres Schaltbrettes angeordnet sind.

Textabbildung Bd. 307, S. 209

Der Erregerstrom passirt die beiden unten am Hauptschaltbrett symmetrisch angebrachten Magnetregulatoren, welche die Regelung der Hochspannung des in den Hauptdynamo erzeugten Betriebsstromes bewirken. Alle diese Regulatorwiderstände werden nur von Strömen niederer Spannung durchflössen und bieten daher keine Gefahr für das Bedienungspersonal.

Die Hauptschalttafel befindet sich gegenüber dem Generatorencomplex an der Längswand des Maschinenraumes. Sie trägt auf einer Marmorplatte die Anschluss-, Sicherheits- und Messapparate für sämmtliche Fernleitungen. Das Schaltungsschema zeigt Fig. 5.

Im Stromkreise jeder Hauptdynamo ist je ein Strom- und ein Spannungsmesser eingeschaltet. Die Messung der Spannung findet nicht direct statt; es ist vielmehr ein kleiner Transformator angeordnet, der die Spannung von 5000 Volt auf 120 Volt bringt. Diese Transformatoren dienen zugleich dem Anschlusse eines optischen Phasenindicators, der dem Maschinenwärter den zum Parallelschalten der Primärgeneratoren geeigneten Augenblick anzeigt.

Für den Anschluss der Schöpfwerke, sowie für den Motor der Erregermaschine sind sieben dreipolige Umschlaghebel vorhanden, zugleich mit einem dreipoligen Schalthebel zum Parallelschalten der Hauptdynamo, die man gemeinsam auf beide Sammelschienengruppen arbeiten lassen kann. Die blanken Schalthebeltheile sind in einem abgedeckten Raum hinter der Schalttafel untergebracht. Nur die isolirten Handgriffe ragen aus der Schaltwand hervor. Für das später zu schaffende siebente Schöpfwerk ist entsprechender Raum für Umschlaghebel und Leitungsdrähte vorbehalten. Gegen Ueberlastung sind Maschinen und Motoren durch dreipolige Hochspannungssicherungen geschützt, die über der Schalttafel angebracht sind.

Die Anlage des Erdschlussanzeigers ist folgendermaassen getroffen. Eine besondere gemeinsame Leitung verbindet sämmtliche nicht stromführende Metalltheile der Schaltapparate unter einander und setzt sie mit der Erdplatte des Blitzableiters in Verbindung. Ebenso sind die neutralen Punkte der Drehstrommaschinen an Erde gelegt. In diese Erdverbindung ist die Primärwickelung eines Transformators eingeschaltet. I secundären Stromkreise des Transformators befindet sich ein Signal Voltmeter, welches jeden Erdstrom sofort anzeigt.

Wie bereits erwähnt, lässt man die Elektromotoren direct von der Centralstation anlaufen, und zwar gleichzeitig mit dem Ingangsetzen der Generatoren. Sobald ein Motor hinzugeschaltet werden soll, werden die Dynamo stillgestellt und mit dem angeschlossenen Motor von Neuem angelassen.

Als Wasserförderapparate dienen in den einzelnen Hebewerken |210| Wurfräder, die das Wasser über die Kropfwand nach dem Oberwasser zu hinausdrücken. Sie haben einen Durchmesser von 8 m, eine Breite von 1,68 m und arbeiten normal mit einer secundlichen Umfangsgeschwindigkeit von ungefähr 1,1 m. Bei dieser Geschwindigkeit fördern sie 1,7 cbm Wasser mit 0,9 m Förderhöhe in der Secunde, während in jenem äussersten Falle III, wo die Leistungsfähigkeit mit derselben Wassermenge auf die doppelte Förderhöhe, also 1,8 m steigen muss, eine um etwa 10 Proc. ermässigte Umfangsgeschwindigkeit, nämlich von 1 m erforderlich wird. Diese Geschwindigkeitsverminderung bei erhöhter Arbeitsleistung fällt zwar im ersten Augenblick auf, sie wird aber dadurch erklärlich, dass die Schöpfräder in diesem äussersten Falle hohen Wasserstandes, wo auch ein höherer Binnenwasserstand zugelassen wird, viel tiefer ins untere Schöpfgerinne tauchen und somit grössere Flüssigkeitsmengen fördern.

Die Schöpfräder sind mit zwei Zahnkränzen versehen, an denen die Stahltriebe des Vorgeleges angreifen. Die 28 Schaufeln aus Eichenholz sitzen innerhalb zweier Blechkränze oder Scheibenringe, die einen äusseren Durchmesser von 8 m und einen inneren von 3,5 m bei einer Stärke von 7 mm haben.

Die Zahnkränze der Schöpfräder, welche den Antrieb aufnehmen, sind aus Gusstahl in acht Segmenten hergestellt und zusammengeschraubt. Die Radwellen sind aus Flusstahl und haben in den Lagerhälsen einen Durchmesser von 155 mm. Das Gesammtgewicht eines Schöpfrades beträgt 18000 k. Die zwei Vorgelege, welche mit Ringschmierung und einem Tourenzähler ausgestattet sind, vermitteln bei einer Zähnezahl von 440 an den Zahnkränzen der Schöpfräder ein Uebertragungsverhältniss von

Bei einer normalen Geschwindigkeit der Fördermotoren von rund 590 Umdrehungen in der Minute machen somit die Schöpfräder in dem gleichen Zeitabschnitte 2,59 Umdrehungen in der Minute.

Der Antrieb der Schöpfräder findet durch Drehstromelektromotoren, Type ND 800, statt, welche zehnpolig und für 61,4 Kilo-Watt oder 75 e Betriebsleistung gebaut sind. Sie arbeiten je nach ihrer Belastung mit einem Wirkungsgrade von 80 bis 90 Proc. Die als normal betrachtete Beanspruchung beträgt, wie die Tabelle S. 206 zeigt, nur 40,8 e. Die Motorengeschwindigkeit ist durch Wechsel- und Polzahl an die Umdrehungen der Primärmaschine gebunden. Demgemäss entspricht einer Tourenzahl der Generatoren von 167 in der Minute eine Geschwindigkeit von rund 580 Umdrehungen, wobei 3 Proc. Schlüpfungsverluste bereits in Anrechnung gekommen sind.

Die Wirkung des Ankers erhält keinerlei Strom direct zugeführt: lediglich unter dem Einflüsse der durch die Dreiphasenwickelung der feststehenden Armatur inducirten Ströme folgt der Kurzschlussanker der Rotation des Magnetfeldes.

Die Motoren arbeiten direct mit der Hochspannung von 5000 Volt; eine Transformirung mit ihrem Gefolge von erhöhten Anlagekosten und Energieverlusten ist vermieden worden. Da der hochgespannte Strom direct durch die am Motor feststehend angebrachten Klemmen abgenommen wird, so ist es auch hier möglich, die gefährlichen stromführenden Theile durch Schutzkästen und die Leitungsdrähte durch Gummihüllen der Berührung durch das Bedienungspersonal zu entziehen. Ausserdem deckt die eigenartige Construction des Lagerschildes die Wickelung der Armatur gegen Beschädigungen durch äussere mechanische Zufälle.

Die Hebewerke liegen hart neben den Kreuzungsstellen der Flussläufe mit der Staudeichlinie, seitlich von den Schleusen. Vor und hinter den letzteren verbinden kurze Kanäle das Schöpfgerinne mit dem Ober- und Unterlaufe des Stromes. Die Radkropfhöhe im Gerinne ist nur auf etwa drei Schaufeltheilungen angenommen im Hinblicke auf Kraftersparnisse bei einem etwaigen niedrigeren Aussenwasserstande, damit die Schöpfräder in einem solchen Falle nicht unnützer Weise das Wasser über einen allzu hohen Kropfrand zu heben haben. Um bei steigender Aussenfluth das Zurückfliessen des Wassers nach dem Inneren des Schöpfrades zu verhindern, sind Vorrichtungen zur zeitweiligen Erhöhung des Kropfrandes getroffen. In den Seitenwänden des Gerinnes sind nämlich gekrümmte Falze in Gestalt von -Eisen eingemauert, in welche Holzbalken hineingeschoben werden können. Das Einlegen solcher Balken zur Erhöhung des Kropfes würde jedoch nur bei Aussenwasserständen von über 3,1 m, also in einem ziemlich seltenen Falle, erforderlich sein.

Gegen das Einströmen des Wassers beim Stillstande der Räder sind im Ausflussgerinne leicht drehbare Stemmthore eingebaut. Die kräftigen Holzflügel derselben bilden einen stumpfen Winkel nach aussen, so dass sie von einer einströmenden Fluth selbsthätig im festen und dichten Schluss gehalten werden; während ein höherer Binnenwasserstand, der den Aussenwasserspiegel überragt, durch seinen Ueberdruck die Thore wieder öffnen muss, worauf die nach aussen drängenden Wassermengen, ihrem natürlichen Gefälle folgend, sich in das Haff entleeren können. Ausserdem ist für alle jene Fälle, in denen Reparaturen am Schöpfrade oder im Schöpfgerinne vorgenommen werden sollen, eine Einrichtung zum vollkommenen Abschluss des letzteren gegen Wasserzufluss getroffen. Das Schöpfgerinne erhielt zu diesem Zwecke an seinen beiden Enden in den Wänden senkrechte Falze, in welche Dammbalken eingeschoben und so zwei abschliessende Wände gebildet werden, innerhalb deren ein trockener Arbeitsraum für die betreffende Mannschaft geschaffen werden kann.

Die Hochspannungsleitungen, die, wie erwähnt, jedes einzelne Schöpfwerk direct mit dem Schaltbrette der Centrale verbinden, bestehen aus Siliciumbronzedraht von 3,5 mm Durchmesser, also einem Querschnitte von rund 9,6 qmm.

Die Leitung läuft am Fusse der Innenböschung die Deichlinie entlang und ist an Holzmasten derart befestigt, dass der tiefst gespannte Draht noch 5 bezieh. 8 m über der Deichkrone liegt. Die Masten besitzen eine Länge von 12 bis 13 m und eine Zopfstärke von 18 cm. Die Isolatoren sind dreifach isolirte Hochspannungsglocken. Um zu verhüten, dass bei einem Bruche der Hochspannungsdrähte die Telephonleitungen Strom erhalten, sind an jedem Mäste Auffangvorrichtungen aus verzinktem Flacheisen festgeschraubt, welche mit der Erde leitend verbunden sind, wodurch ein Erdschluss herbeigeführt und die Sicherungen durchgeschmolzen werden.

Ebenso sind an allen Starkstromüberführungen, welche öffentliche Wege und Landstrassen kreuzen, Drahtnetze |211| unterhalb der Leitungen befestigt, auf die der Draht bei einem Bruche aufschlägt. Auch diese Drahtnetze sind an Erde gelegt.

Jeder Mast trägt an seiner Spitze eine Blitzfangstange, die durch einen in das Grundwasser reichenden verzinkten Eisendraht mit Erde in Verbindung steht. Ausserdem ist jeder Draht der Hochspannungsleitung bei seinem Austritt aus dem Maschinenhause der Primärstation, sowie an seiner Eintrittsstelle in das Förderwerk durch je einen Condensatorplattenblitzableiter geschützt. Die Condensatorplattenblitzableiter der Kraftstation, ebenso wie die jedes einzelnen Hebewerkes sind mit gesonderten Erdplatten verbunden.

An den Masten sind ungefähr 1 m unterhalb der Starkstromdrähte die verzinkten Eisendrähte der telephonischen Doppelleitungen für jedes Schöpfwerk geführt. Diese sind ebenso für den Betrieb der einzelnen Stationen zweckdienlich, wie für die Interessen der Gesammtverwaltung. Vorzüglich in Zeiten hoher Sturmfluthen, wenn die Deichanlage bedroht erscheint, ist die augenblickliche und leichte Verständigung zwischen den so weit aus einander liegenden Stationen von grossem Werthe. Die rasche Entfaltung einer energischen Deichvertheidigung auf der ganzen Linie wird durch dieses Verständigungsmittel bedeutend erleichtert.

Die Fernsprechleitungen besitzen in der Centrale einen Centralumschalter mit sieben Klappenpaaren, das siebente für das eventuell in Aussicht genommene Schöpfwerk. Durch eine Umschaltevorrichtung ist es ermöglicht, die Drähte sowohl für Gespräche als für die Angaben des Wasserstandsanzeigers zu benutzen. Die eine Klappe von jedem Paar zeigt durch ihr Fallen die höchste, die andere die niedrigste Stellung des Schwimmers selbsthätig an, indem sie eine Scheibe mit dem betreffenden aufgedruckten Vermerk blosslegt.

Gegenwärtig ist die elektrische Kraftübertragungsanlage auf die nothwendigsten Zwecke der Delta-Entwässerung beschränkt. Von der Stromerzeugung zu anderweiten Arbeits- oder Beleuchtungszwecken ist vorläufig noch abgesehen worden.

Auszüglich nach einem Berichte der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1897 Heft 39.

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