Titel: Neuerungen an Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307 (S. 241–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/ar307066

Flüssigkeitshebemaschinen.
Neuerungen an Pumpen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 217 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Ueber unabhängige, von ihrem eigenen Motor betriebene Luftpumpen amerikanischer Kriegsschiffe berichtet Le Génie civil, 1897 S. 329:

Die Vorzüge, welche derartige Pumpen gegenüber den mit den Hauptmaschinen direct gekuppelten Luftpumpen besitzen, und hauptsächlich in der grösseren Raumersparniss, der bequemeren Zugänglichkeit, sodann in der Möglichkeit bestehen, die Pumpen beim Anhalten des Schiffes in Gang halten und ferner je nach Bedürfniss eine Aenderung ihrer Geschwindigkeit vornehmen zu können, haben zu einer immer häufigeren Verwendung derselben geführt.

Als die Marineverwaltung der Vereinigten Staaten Nordamerikas vor einer Reihe von Jahren die Einstellung neuer, schnell fahrender, erstklassiger Panzerschiffe und Kreuzer für den Küstenwachtdienst, unter denen die Columbia, Minneapolis, Brooklyn bezieh. Indiana, Massachusetts und Oregon in erster Linie zu nennen sind, ins Auge fasste, sah man sich in Anbetracht der für die grossen Geschwindigkeiten erforderlichen bedeutenden Maschinenleistungen veranlasst, letztere zu theilen und an Stelle einer einzigen Schiffsschraube zwei, auch drei derartige Schrauben anzuordnen, die je von einer besonderen Maschine betrieben werden. Aus diesem Grunde erhielten Columbia und Minneapolis drei Schiffsschrauben, deren Antrieb durch je eine Dreifach-Expansionsmaschine erfolgt, während Brooklyn und Massachusetts je zwei Schrauben besitzen, von denen die eine unabhängig von der anderen betrieben wird.

Die Aufstellung mehrerer Schiffsmaschinen an Stelle einer einzigen bedingte die Einführung hoher Umdrehungsgeschwindigkeiten (bei den angeführten Maschinen im Mittel 130 minutliche Umdrehungen), sowie die Beschaffung unabhängiger Luftpumpen für die mit Condensation arbeitenden Maschinen.

Man fürchtete nicht mit Unrecht, dass Luftpumpen, deren Klappenventile etwa 260 Pulsationen in der Minute auszuführen haben, häufige Reparaturen erfordern und, um bei derartigen schnell laufenden Maschinen ein hohes Vacuum halten zu können, deren Abmessungen entsprechend gross gewählt werden müssen, was wiederum eine Erhöhung der zu ihrem Betreiben erforderlichen Kraft nach sich zieht.

Da Pumpmaschinen mit Schwungrädern im vorliegenden Falle keine Verwendung finden konnten, benutzte man zuerst solche mit einer directen Wirkung des Arbeitsdampfes. Diese Pumpen wurden jedoch ihres hohen Dampfverbrauches wegen bald durch gekuppelte, einfach wirkende Pumpmaschinen stehender Anordnung verdrängt. Fig. 11 zeigt die Construction einer derartigen unabhängigen Luftpumpe. Sie besteht aus zwei Seite an Seite liegenden Pumpencylindern, deren Kolbenstangen die directe verstärkte Verlängerung derjenigen der darüber stehenden Dampfcylinder ll1 bilden. Die Pumpen saugen das ihnen aus den Oberflächencondensatoren zufliessende Gemisch von Luft und Condenswasser an, um dasselbe in den oberen Theil der Maschine zu heben.

Textabbildung Bd. 307, S. 241

Zur Dampfvertheilung dient ein kleiner sogen. Servomoteur mm1; derselbe besteht aus einem wagerecht angeordneten Steuercylinder, in dem sich ein Kolben hin und her bewegt, der mittels Hebel und Stangen die Vertheilungsschieber bethätigt. Die Bewegung des Steuerkolbens wird von der Schwingachse eines Balanciers mittels Hebels d der Stange a und des Winkelhebels f abgeleitet.

Durch die getroffene Einrichtung sollen Stösse beim Hub Wechsel vermieden, ein von der Geschwindigkeit der Maschine unabhängiger selbsttätiger Gang gesichert und |242| ferner ein Ingangsetzen der Maschine in jeder Kolbenstellung erreicht werden.

Der mit den Kolbenstangen durch kurze Lenkstangen verbundene Balancier dient zur Verbindung der beiden Pumpenkörper und zur gleichförmigen Uebertragung der auf die Dampfkolben ausgeübten Drücke.

Die nachstehenden Ergebnisse von Versuchen, die mit Luftpumpen, welche der vorbeschriebenen Type ähnlich sind, angestellt wurden, sind dem Journal of the American Society of Naval Engineers entnommen.

Die Minneapolis hat drei Maschinen mit dreifacher Expansion des Arbeitsdampfes, deren Hauptabmessungen die folgenden sind:

Durchmesser der Hochdruckcylinder 1,067 m
„ „ Mitteldruckcylinder 1,499 m
„ „ Niederdruckcylinder 2,336 m
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 1,067 m
Mittlere Umdrehungszahl in der Minute 132
Gesammte Leistung der Maschinen 20400 i

Jede Maschine steht mit einer unabhängigen Luftpumpe der vorbesprochenen Construction von 0,381 und 0,800 m Durchmesser der Dampf- bezieh. Pumpencylinder und 0,533 m gemeinschaftlichem Kolbenhub in Verbindung.

Bei 15 Doppelhüben in der Minute entwickelten die drei Pumpmaschinen eine Leistung von 30 i, d.h. ungefähr 1/7 Proc. der Leistung der Hauptmaschinen. Das Verhältniss der vom Niederdruckkolben und Luftpumpenkolben beschriebenen Volumina stellt sich wie 72 zu 1.

Die Massachusetts hat zwei Dreifach-Expansionsmaschinen mit folgenden Abmessungen:

Durchmesser der Hochdruckcylinder 0,876 m
„ „ Mitteldruckcylinder 1,219 m
„ „ Niederdruckcylinder 1,905 m
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 1,067 m
Mittlere Umdrehungszahl in der Minute 133
Gesammte Leistung der Maschinen 10200 i

Die zu jeder Maschine gehörige unabhängige Luftpumpe hat Dampfcylinder von 0,305, Pumpencylinder von 0,635 m und 0,457 m gemeinschaftlichen Hub.

Bei 16 Doppelhüben in der Minute entwickelten beide Pumpmaschinen 12,5 i, d.h. ungefähr ⅛ Proc. der Volleistung der Hauptmaschinen. Das Verhältniss der vom Niederdruckkolben und Luftpumpenkolben beschriebenen Volumina stellt sich wie 88 zu 1.

Die Brooklyn hat vier Dreifach-Expansionsmaschinen mit nachstehenden Abmessungen:

Durchmesser der Hochdruckcylinder 0,812 m
„ „ Mitteldruckcylinder 1,192 m
„ „ Niederdruckcylinder 1,829 m
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 1,067 m
Mittlere Umdrehungszahl in der Minute 136,5
Gesammte Leistung der Maschinen 18250 i

Die Abmessungen der zugehörigen unabhängigen Luftpumpen sind:

Durchmesser des Dampfcylinders 0,305 m
„ „ Pumpencylinders 0,635 m
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 0,457 m

Bei zehn Doppelhüben in der Minute entwickelten die vier Pumpen 17 i, d.h. ungefähr 1/10 Proc. der Gesammtleistung der Hauptmaschinen.

Das Verhältniss der vom Niederdruck- und Luftpumpenkolben beschriebenen Volumina beträgt in diesem Falle 140 zu 1. Dasselbe stellt sich bei Schiffsmaschinen mit direct gekuppelten Luftpumpen durchschnittlich wie 36 zu 1, während es in den vorgenannten Fällen 72 bezieh. 88 bezieh. 140 zu 1 beträgt. Es nimmt also dieses Verhältniss mit der Abnahme der Geschwindigkeiten der Pumpmaschinen zu. Gleichzeitig verringern sich mit der Geschwindigkeit der letzteren aber auch deren Arbeitsleistungen, die in den genannten Fällen zu 1/7, ⅛ und 1/10 Proc. der Gesammtleistung der Hauptmaschinen ermittelt wurden.

Bei dem neuen von der Maschinenbau-A.-G. Vulkan in Stettin erbauten Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, „Kaiser Wilhelm der Grosse“, erfordern die unabhängigen Luftpumpen ähnlicher Construction, wie sie auf Minneapolis und Brooklyn Aufstellung gefunden haben, sogar nur 1/12 Proc. der von den Schiffsmaschinen entwickelten Gesammtleistung von 28000 i zu ihrem Betreiben.

Die Maschinen des Dampfers „Kaiser Wilhelm der Grosse“ haben je Cylinder von 1,30, 2,50 und zwei von 2,45 m Durchmesser für 1,475 m gemeinschaftlichen Hub. Der Kesseldruck beträgt 13 at, die Anzahl der Umdrehungen 77 in der Minute. Das Schiff hat zwei Schrauben. Die beiden zu den Hauptmaschinen gehörigen unabhängigen Luftpumpen haben zwei doppelt wirkende Dampfcylinder von je 0,425 m und zwei einfach wirkende Luftcylinder von je 1,10 m Durchmesser; der gemeinschaftliche Hub beträgt 1,20 m. Bei Versuchen wurde ein Vacuum von 0,71 m erzielt; die Temperatur des Condensationswassers betrug hierbei 26° C. Die Pumpen arbeiteten selbst bei 75 Doppelhüben in der. Minute ohne irgend welche Stösse und Erschütterungen.

Was den Dampfverbrauch der unabhängigen Luftpumpen der besprochenen Type anbelangt, so wird dieser etwa 25 k für 1 i/Std. betragen. Nehmen wir an, dass die Schiffsmaschinen 6 k Dampf für 1 i/Std. erfordern, so ergibt sich nach Vorstehendem, dass die unabhängigen Luftpumpen in Rücksicht auf ihren Dampfverbrauch etwa ½ Proc. der gesammten Maschinenleistung zu ihrem Betreiben nöthig haben. Es unterliegt keinem Zweifel, dass analoge Zahlenwerthe bei den mit den Hauptmaschinen direct gekuppelten Luftpumpen nicht erreicht werden.

Eine liegende, doppelt wirkende Luftpumpe von J. H. King and Co. in Nailsworth, Gloucestershire, mag bei dieser Gelegenheit kurze Erwähnung finden. Dieselbe dient nach Engineering vom 30. April 1897, S. 587, zum Verdichten des Abdampfes einer wagerechten Tandem-Verbundmaschine mit Cylindern von 203 bezieh. 356 mm Durchmesser für 406 mm Hub. Die Umdrehungszahl beträgt 150 in der Minute.

Wie Fig. 12 und 13 ersichtlich, arbeitet der Plungerkolben in geräumigen Kammern an jedem Ende des Pumpengehäuses, die mit Wasser angefüllt sind, dessen Oberfläche den eigentlichen Arbeitskolben bildet. Die Saugventile liegen geneigt und die wagerecht angeordneten Druckventile öffnen einen der ganzen Länge des Gehäuses nach durchgeführten Heisswasserkasten, der durch einen Kanal von rechteckigem Querschnitt mit dem Ausgusstutzen am unteren Theile des Pumpengehäuses in Verbindung steht. Ein auf den letzteren gesetztes Abzugsrohr verhütet Druckspannungen im Inneren der Heisswasserkammer. Die Brause für das Einspritzwasser ist Fig. 12 ersichtlich. Durch genügend grosse Oeffnungen in den Wandungen der Pumpenkammern und in der Deckplatte des Gehäuses sind die einzelnen Ventile bequem zugänglich. |243| Die Ventile bestehen aus gewöhnlichen Kautschukscheiben, die auf rostartig durchbrochenen Sitzen liegen. Bei einem dichten Schliessen der Stopfbüchsen des Niederdruckcylinders lässt sich bei diesem Condensator ein Vacuum von 0,736 m Quecksilbersäule erreichen. Die in den Abbildungen ersichtlichen Maasse beziehen sich auf Zoll (engl.).

Textabbildung Bd. 307, S. 243

Pumpen mit Schwungrad.

Eine Zwillings-Kolbenpumpe ohne Ventile mit sich gegenseitig steuernden Kolben, System Vogel, der Maschinenfabrik und Eisengiesserei Ortenbach und Vogel in Bitterfeld zeigt Fig. 14.

Textabbildung Bd. 307, S. 243

Die Kolben werden durch den Kurbelmechanismus, dessen Kurbeln unter 90° versetzt sind, zwangläufig bewegt. An jeder der beiden Kolbenstangen sind zwei Kolben befestigt, von denen der eine den doppelten Flächeninhalt des anderen hat. Die Cylinderräume sind nun derart mit einander verbunden, dass das Kolbenpaar des einen Cylinders durch den kleinen Kolben des anderen Cylinders gesteuert wird und umgekehrt. Hierbei arbeitet jedes Kolbenpaar wie der Kolben einer doppelt wirkenden Pumpe, d.h. es wird bei der Aufwärtsbewegung dieselbe Wassermenge angesaugt und fortgedrückt, wie bei der Abwärtsbewegung. In Folge der rechtwinkligen Versetzung der Kurbelzapfen fällt die Todtpunktlage des einen Kolbenpaares stets mit der grössten Leistung des anderen zusammen, so dass beide Seiten gemeinschaftlich, wie zwei an einander gekuppelte, doppelt wirkende Pumpen mit um 90° gegenseitig versetzten Kurbeln arbeiten. Die Wirkung während einer Umdrehung ist demnach eine vierfache. Da es wegen der symmetrischen Anordnung gleichgültig ist, auf welcher Seite der Maschine die Flüssigkeit ein- oder austritt, wird dieselbe, wenn man die Riemenscheibe durch eine Transmission, in Bewegung setzt, als Pumpe arbeiten; lässt man dagegen das Wasser unter Druck in die Maschine einströmen, so arbeitet dieselbe ohne weiteres als Wasserkraftmotor.

Die Pumpen werden auch für Dampfbetrieb und zwar je nach den vorhandenen Dampf- und Wasserdrücken sowohl als Zwillings-, wie als Verbundpumpe gebaut.

Die C. Schey in Kaiserslautern unter Nr. 11785/1897 in England patentirte Zwillings-Kolbenpumpe arbeitet ebenfalls ohne Ventile. Zur Steuerung dienen zwei konische Hähne, die von dem Arbeitskolben des einen Cylinders entsprechend verstellt werden.

Wie die Engineering, 1897, entnommenen Abbildungen (Fig. 15 und 16) erkennen lassen, bewegen sich in den beiden Cylindern, die in einem gemeinschaftlichen Gehäuse untergebracht sind, zwei Kolben A und A1, von denen der erstere mit Anschlägen B1B2 aus hartem Kautschuk versehen ist. Zwischen den Cylindern liegen die Kammern E1E2, in denen konische Hähne D1D2 mit Umsteuerbolzen C1C2 untergebracht sind. Die Kolben AA1 erhalten ihre Bewegungen von um 180° gegenseitig versetzten Kurbeln, so dass, wenn der eine Kolben in der linken, der andere in der rechten Todtpunktlage steht. Die Hähne D1D2 sind durch ein äusseres Gestänge mit einander verbunden, welches auch durch einen Handhebel bethätigt werden kann.

Bevor der Kolben A seine äussersten Endstellungen erreicht, kommt der eine oder andere Anschlag desselben mit den Hebeln C1C2 in Berührung und bewirkt die Umstellung der beiden Hähne D1D2, wodurch die Druckkanäle G1G2 bezieh. die Saugkanäle H1H2 abwechselnd geöffnet oder geschlossen werden. Mittels des erwähnten Handhebels lassen sich die Hähne für den Stillstand der Pumpe in ihre Mittellagen bringen, in der sie die Saug- und Druckkanäle geschlossen halten.

Textabbildung Bd. 307, S. 243

Die vier seitlichen durch Schrauben J1J2 geschlossenen Oeffnungen in den Wandungen der Cylinder AA1 dienen zur Entfernung der Umsteuerhebel C1C2.

Eine mittels Elektromotors betriebene, schnell laufende Kolbenpumpe von Merryweather and Sons, Limited, in Greenwich beschreibt Engineering vom 7. Mai 1897, S. 621.

Wie Fig. 17 ersichtlich, sind drei einfach wirkende Pumpen von grossem Durchmesser aber kurzem Hub, die mit den zugehörigen Ventilkasten und Verbindungskanälen ein einziges aus Kanonenmetall gefertigtes Gusstück bilden, in gleichen Abständen rund um die Motorwelle gruppirt. Die aus Kautschuk hergestellten Ventile haben reichliche Durchgangsquerschnitte und verhältnissmässig kleinen Hub. |244| Um das Anlassen des Motors zu erleichtern, ist zwischen den Saug- und Druckkanälen ein Absperrventil eingeschaltet. Sobald dasselbe geöffnet, ist die Belastung des Motors nur eine geringe und es lässt sich derselbe ohne Funkensprühen in Gang setzen.

Textabbildung Bd. 307, S. 244

Die vielfach zur Lieferung von Druckwasser für Wohnhäuser u. s. w, gebauten Pumpen laufen mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Die Umdrehungszahl des Fig. 17 ersichtlichen Pumpensatzes beträgt 700 in der Minute.

Eine schnell gehende, aus mehreren Pumpen in einer Leitung zusammengekuppelte Kolbenpumpe von Constantyn Pieter Holst, Gzoon, in Amsterdam, bei der die Flüssigkeit ohne Verwendung von Windkesseln, Saug- und Druckventilen in einem ununterbrochenen Strome mit gleichbleibender Geschwindigkeit fortbewegt wird, beschreibt Le Génie civil, 1897 S. 105 u. ff.

Textabbildung Bd. 307, S. 244

Zur Erreichung des genannten Zweckes ist, wie Fig. 18 an der einen Pumpe einer mit drei Kolben arbeitenden Pumpenanlage darstellt, zwischen Antriebskurbel und Pumpenkolbenstange ein eigenartiges Getriebe eingeschaltet, welches für jeden Kolben eine während des wirksamen Theiles seines Hubes gleichbleibende Kolbengeschwindigkeit vermöge eines starren, mit einem Punkte c im Kreisbogen geführten Dreieckhebels abc sichert, dessen Angriffspunkt a an die Antriebsstelle (Kurbel, Kreuzkopf o. dgl.) und dessen Gelenkpunkt b durch eine Schubstange d an die Pumpenkolbenstange angeschlossen ist, so dass die von sämmtlichen Kolben nach einander wirksam durchlaufenen Kolbenwegtheile zusammen einer vollen Kurbelumdrehung entsprechen. Der Antrieb der Pumpenanlage findet von drei auf einer Welle um 120° versetzten Kurbeln statt. Die Pumpenkörper sind derart unter sich verbunden, dass die Ausflussöffnung der einen Pumpe durch einen Kanal unmittelbar an die Saugöffnung der nächstfolgenden Pumpe anschliesst, das Ganze demnach eine zusammenhängende Leitung bildet.

Bei der in Fig. 19 und 20 dargestellten vierfachen Pumpenanlage sind je zwei Kolben auf je einer Stange dd1 unmittelbar mittels des vorerwähnten Getriebes (Fig. 18) an die verlängerten Dampfkolbenstangen einer Zweicylinder-Dampfmaschine angeschlossen.

Die Pumpen sind hinter einander aufgestellt, und zwar die Pumpenkolben m und n auf der einen, diejenigen o und p auf der anderen Stange; sie sind durch geeignete Anschlussrohre qrs unter einander verbunden, so dass das Ganze eine zusammenhängende Leitung bildet, in der die Flüssigkeit, bei t eintretend, in den Fig. 20 ersichtlichen Pfeilrichtungen die Pumpe durchfliesst und bei u ausgetrieben wird. Damit die Querschnittsfläche des Flüssigkeitsstrahles durch die Pumpe stets dieselbe bleibt, sind die Pumpenkolbenstangen plungerartig ausgeführt.

Textabbildung Bd. 307, S. 244

Fig. 18 veranschaulicht einen Kolben mit geschlossenem Ventil.

Die Ventile der Kolben m, n, o und p sind entgegengesetzt zu einander angeordnet. Zweckmässig wird der Zapfen am Scheitelpunkt c (Fig. 18) des Dreiecks abc derart verlängert, dass letzteres in einem doppelten Schwinghebel f aufgehangen werden kann.

In Folge Einschaltung des neuen Getriebes zwischen Dampfkolben- und Plungerkolbenstangen durchlaufen die Kolben jeder Stange wechselweise ihren wirksamen Hub mit gleicher constanter Geschwindigkeit, so dass, weil die |245| beiden Kurbeln um 90° versetzt sind, die vier Kolben auf einander folgend während je einer Viertelumdrehung der Welle ihren wirksamen Hub vollziehen.

Bei dem eingehenden Hube nach rechts des durch Kurbel l getriebenen Kolbens n (siehe die Pfeilrichtung in Fig. 19) wird also die Flüssigkeit während einer Viertelumdrehung der Welle mit constanter Geschwindigkeit in das Zwischenrohr q getrieben und es durchfliesst die weiterhin im Pumpenkörper stehende Flüssigkeit unter Benutzung der Verbindungsrohre r und s die Ventile der Kolben p, m und o, die sich sämmtlich in Richtung des Flüssigkeitsstromes öffnen, weil während dieser Periode die Geschwindigkeit der Flüssigkeit grösser ist als die der Kolben o und p, und das Ventil des sich mit gleicher Geschwindigkeit aber in entgegengesetzter Richtung bewegenden Kolbens m sich gegen diesen Strom öffnet. Nach der Viertelumdrehung übernimmt der von der Kurbel i betriebene Kolben p die Pumparbeit (ausgehender Hab der Kurbel i). Bei dem ausgehenden Hube der Kurbel l findet der wirksame Hub des Kolbens m statt, und schliesslich wird die Flüssigkeit während des eingehenden Hubes des Kolbens i, welchem die letzte Viertelumdrehung der Maschinenwelle entspricht, durch die Ausflussöffnung u aus der Pumpe getrieben. Man ersieht, dass alle Kolben während ihres wirksamen Hubes sich mit gleicher constanter Geschwindigkeit bewegen und ferner jeder Kolben während einer Viertelumdrehung der Welle die Arbeit der Pumpe allein übernimmt, während die Flüssigkeit durch die sich öffnenden Ventile der anderen drei Pumpen frei durchfliesst. Da dieselbe demnach während der ganzen Wellenumdrehung mit gleichbleibender Geschwindigkeit die Pumpe durchströmt, wird ein vollkommener ununterbrochener, gleichmässiger Flüssigkeitsstrom ohne Beschleunigung geliefert, der eine grössere Geschwindigkeit und höhere Tourenzahl als bei gewöhnlichen Pumpenanlagen anzuwenden ermöglicht.

Die Ergebnisse von Versuchen, welche am 5. und 6. Mai 1896 an einer mit drei Kolben arbeitenden Pumpenanlage der Nederlandsche Fabriek van Werktuigen en Spoorwagen material in Amsterdam angestellt wurden, sind nachstehend gegeben.

Die Hauptabmessungen der Pumpe sind folgende:

Kurbelhalbmesser 0,100 m
Wirksamer Hub der Kolben 0,150 m
Querschnitt des Flüssigkeitsstrahles 50 qc
Durchmesser der Pumpencylinder 0,128 m
„ „ Saug- und Druckrohre 0,080 m
„ „ hohlen Pumpenstangen 0,100 m

Versuchsergebnisse.

Nummer des
Versuches
Minutliche
Umdrehungs-zahl der
Kurbelwelle
Dauer des
Versuches in
Minuten
Luftleere
beim Saughübe
in at
Druckspannung
in at
Gesammte
Förderhöhe
in m

Fördermenge in l in 1 Minute
Wirkungsgrad

Theo-
retisch
In
Wirk-
lichkeit
1 160 4,13 0,5 0,9 14 359,4 356,6 99,2
2 160 4,20 0,6 2,2 28 360,0 353,16 98,1
3 160 4,20 0,6 3,0 36 359,4 352,6 98,1
4 160 4,25 0,6 4,75 53,5 360,5 352,9 97,9
5 220 3,04 0,6 2,6 32 492,2 481,4 97,8
6 240 2,78 0,6 2,8 34 539,0 529,3 98,2
7 240 2,72 0,6 3,0 36 539,3 532,8 98,8
8 100 7,20 0,5 2,0 25 225,0 223,7 99,4

Die Wirkungsgrade der Pumpenanlage liegen hiernach ungewöhnlich hoch!

(Fortsetzung folgt.)

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