Titel: Chinesische Tinte (Tusche) und ihre Fabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307/Miszelle 3 (S. 191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/mi307mi08_3

Chinesische Tinte (Tusche) und ihre Fabrikation.

Der Moniteur des Dr. Quesneville bringt eine interessante Studie des Journal of Society of Arts über chinesische Tinte und ihre Fabrikation. Wohlverstanden! Es handelt sich um echte chinesische Tinte und nicht um ein Erzeugniss von mehr oder weniger phantastischer Zusammensetzung ingeniöser Industrieller. Sie wird in der Provinz Wuhu fabricirt, von da wird sie in alle Provinzen Chinas versendet und von da wird sie auch nach Europa exportirt.

Im J. 1895 belief sich der Export an chinesischer Tusche von Shangai aus auf 2000 k; es ist möglich, dass Tusche auch in anderen Provinzen Chinas erzeugt wird, jedenfalls aber kommt die beste aus der Provinz Wuhu.

Man verwendet dazu in erster Reihe Sesamöl und Rüböl, auch ein Oel aus den giftigen Samen des von Dr. Brettschneider Driandra cordata oder Elaeococco verrucosa, von den Chinesen Wu Tung genannten Baumes erpresst, dessen Cultur im ganzen Thale von Yang-Tse und in Japan sehr verbreitet ist, Firniss und Schweinefett.

Der durch Verbrennung dieser Materialien gewonnene Russ wird nach dem Grade seiner Feinheit klassirt, aber auch nach der Qualitätsrangstellung der dazu verwendeten Materialien; man setzt demselben ein wenig Vogelleim zu, macht daraus eine Paste und hämmert dieselbe mit Stahlhämmern auf hölzernen Ambossen bis zur Weichheit. Zwei Arbeiter vermögen täglich 80 Pastekuchen fertig zu stellen, deren jeder bei 225 g wiegt.

Man setzt behufs Parfümirung der Paste ein wenig Moschus zu, wohl auch Kampfer und einige Blättchen Gold, letzteres im Verhältniss von 20 bis 160 Blattchen auf etwa 450 g verleiht derselben metallischen Glanz.

Es erübrigt noch, die Paste in hölzernen Formen zu Stäbchen auszuformen und zu trocknen, wozu 20tägiges gutes Wetter erfordert wird, und sie mit den üblichen chinesischen Charakteren zu verzieren. Auf das Pfund trockene Tusche gehen 30 bis 32 Stäbchen mittlerer Grösse.

Der Preis echter chinesischer Tusche, von der es 12 verschiedene Qualitäten gibt, geht von 2,50 bis auf 175 Frcs. für 1 Pfund. Man bedient sich dieser Tusche zum Schreiben in China, Japan, Annam, Tonkin und Korea ausschliesslich, genauer gesagt, müsste es heissen „zum Malen“. Man reibt sie mit wenig Wasser in einem Schälchen und trägt sie mit einem Pinsel aus Hasenhaaren auf das Papier.

Die thatsächlich besten Sorten werden in China selbst verbraucht und niemals exportirt. (Revue Technique, 1897 S. 426.)

Dr. Leo.

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