Titel: Preisausschreiben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 307/Miszelle 4 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj307/mi307mi08_4

Preisausschreiben.

Der Verein zur Beförderung des Gewerbefleisses beschloss, das Preisausschreiben, betreffend „das Verhalten mehrerer gleichzeitig vorhandener Metalle bei der elektrolytischen Lösung und Fällung unter den im Grossbetrieb gegebenen Verhältnissen“ um ein Jahr, d.h. bis 15. November 1898, zu verlängern. Für die beste Lösung sind die silberne Denkmünze des Vereins und ausserdem 6000 M., wozu der Herr Handelsminister 3000 M. beiträgt, ausgesetzt.

Ein neuer Preis wird ausgeschrieben für die beste kritische Zusammenstellung der durch die Litteratur, Patentschriften, Vorschläge, Versuche u.s.w. bekannt gewordenen selbsthätig wirkenden „Vorrichtungen zum selbsthätigen Absperren einer Dampfleitung bei Rohrbrüchen oder Explosionen“. Den Bewerbern steht es frei, in die Zusammenstellung auch selbst erfundene Vorrichtungen aufzunehmen, ihre Rechte aber durch vorherige Entnahme von Patenten oder auf andere Art zu sichern. Lösungstermin: 15. November 1899. Preis: 3000 M. und die silberne Medaille. Der Begründung und den näheren Bestimmungen dieses Preisausschreibens entnehmen wir Folgendes:

Die schweren Unglücksfälle, welche durch Zerspringen und Undichtwerden von Dampfleitungsröhren, Dampf führenden Maschinentheilen u.s.w. in Maschinen- und Kesselräumen, besonders auf grossen Dampfschiffen, entstanden sind und deren Möglichkeit bei der Anwendung von hochgespannten Dämpfen in neuerer Zeit immer grössere Vorsicht erfordert, haben mancherlei Erwägungen und Vorkehrungen zu ihrer Verhütung veranlasst. Es wurden Einrichtungen getroffen, um die an den Kesseln befindlichen Absperrventile auf Schiffen von Deck aus schliessen zu können. Ferner wurde vorgeschlagen, die Rohrleitungen vollständig einzukapseln, um aus undicht werdenden oder zerspringenden Leitungen den Dampf ins Freie abzuleiten. Völlige Sicherheit kann jedoch dem Maschinen- und Kesselpersonal nur durch schnelle Absperrung der Dampfleitung geboten werden, und dies lässt sich lediglich durch eine zuverlässige, selbsthätig wirkende Dampfabsperrvorrichtung erzielen, die einestheils das Kessel- und Maschinenpersonal vor Schaden bewahrt und ihm anderentheils das bei Ausführung seines schweren Berufes nöthige Sicherheitsgefühl gibt.

Vorrichtungen dieser Art sind schon wiederholt vorgeschlagen und gebaut worden, ohne dass bisher eine derselben als so zuverlässig bekannt geworden wäre, dass ihre allgemeine Einführung erfolgen könnte.

Zweifellos würde eine Zusammenstellung und kritische Erläuterung aller dieser Apparate und Vorschläge von Nutzen sein und vielleicht zu einer Vorrichtung führen, welche allen Bedingungen entspricht.

Im Falle des Vorschlages einer neuen Vorrichtung, müsste dieselbe vor dem Dampfabsperrventil, unmittelbar am Dampfkessel, aus welchem der Dampf in die Leitung strömt, angebracht sein und die Dampfleitung schnell und sicher absperren, sobald aus dieser oder aus irgend einem damit verbundenen Apparat Dampf in solcher Menge ausströmt, dass er den in der Nähe befindlichen Menschen gefährlich werden kann.

Die selbsthätige Absperrvorrichtung müsste ferner so gebaut sein, dass, wenn eine Leitung aus mehreren Kesseln Dampf erhält oder mehrere Leitungen einer Maschine Dampf zuführen, die an jedem betheiligten Kessel befindliche Vorrichtung gegebenenfalls sofort in Thätigkeit tritt.

Die einzelnen Vorschläge müssen durch Zeichnung und Beschreibung klar erläutert werden. Ausserdem ist es erwünscht, dass der Bewerber mit der oder den ihm am zweckmässigsten erscheinenden Vorrichtungen Versuche anstellt und über diese sowie deren Ergebnisse berichtet.

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