Titel: Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1898, Band 308 (S. 83–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/ar308029

Faserstoffe.
Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen.

Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 65 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Während alle vorstehend erläuterten Bürstmaschinen für Garnsträhne umlaufende Bürsten besitzen, sind die nachstehend aufgeführten Maschinen mit Flachbürsten ausgestattet, die entweder nur in den Garnsträhn einschlagen, während derselbe umläuft oder gleichzeitig auch eine mehr oder weniger grosse Bewegung in Richtung des Garnes ausführen. Eine Maschine der erstgenannten Art ist in Fig. 35 dargestellt. Dieselbe ist eine Erfindung von William Fothergill in Radcliffe und wird von der bekannten Firma Robert Hall and Sons, Hope Faundry, Bury, ausgeführt.

Textabbildung Bd. 308, S. 83

Die zu behandelnden Garnsträhne werden über zwei lothrecht über einander angeordnete Cylinder a und b geschoben, welche auf zwei aus dem Gestell c der Maschine hervorragenden Achsen befestigt sind. Die obere den Cylinder a tragende Achse empfängt mit Hilfe des auf der stehenden Welle f sitzenden Schraubenrades f1 eine beständige Drehbewegung und es ist zu diesem Zweck die Welle f an ihrem Fussende mit einem Kegelrad ausgestattet, das mit einem zweiten Kegelrad zusammen arbeitet, welches auf einer kurzen Welle sich befindet, die von der Antrieb welle d aus in Umdrehung versetzt wird. Der den unteren Cylinder b lose tragende Zapfen sitzt in einem Schuh b1, welcher auf einem um den am Gestell der Maschine befestigten Bolzen b4 drehbar gelagerten Hebel b3 angeordnet ist, der mit einem in |84| gleicher Weise angeordneten Hebel durch ein Gelenk in Verbindung steht. Dieser Hebel trägt an seinem freien Ende eine Führungsrolle, gegen welche die auf einer Welle sitzende unrunde Scheibe einwirkt und hierdurch in gewissen regelmässigen Zwischenräumen den Hebel, der mit dem Lenker in gleicher Weise angeordnet ist, also auch den Hebel b3 mit der Rolle b anhebt, damit derselbe durch sein eigenes Gewicht wieder so weit nach abwärts fallen kann, wie es die ihn tragende der Länge der Garnsträhne entsprechend eingestellte Kette r gestattet, und hierdurch die Garnsträhne reckt und schlägt. Die Welle empfängt ihren Antrieb von der Welle aus mittels Zwischenwelle und Wechselräder.

Textabbildung Bd. 308, S. 84

Das Bürsten der Garnsträhne erfolgt durch die beiden auf den Hebelarmen l angebrachten Bürsten kk1 dadurch, dass diese Bürsten, ohne das Garn zu berühren, nach oben steigen, dann von beiden Seiten in die Garnsträhne einschlagen und sich nach abwärts bewegen, um sich wieder zu öffnen. Die freien Enden der Hebel l sind zu diesem Zweck mit Kurbeln n in Verbindung gebracht, welche auf den bereits erwähnten Wellen jj1 sitzen, während sie oberhalb dieser Kurbeln unter den Bürsten k durch geeignete Lenker mit dem Gestell und unter sich derart verbunden sind, dass sie bei einer Drehung der Kurbeln n die oben angegebene Bewegung ausführen.

Behufs Aufziehens der Garnsträhne auf die beiden Cylinder a und b und Abnehmens von denselben ist ein Hebel durch einen Lenker mit dem Handhebel g verbunden, mit Hilfe dessen es möglich ist, den Hebel, also auch die untere Spannrolle b anzuheben.

Eine Maschine, welche ermöglicht, Garne nach Belieben zu trocknen und zu spannen, und drittens auch gleichzeitig zu bürsten, ist in den Fig. 36 und 37 zur Darstellung gebracht. Die Maschine ist eine Erfindung von N. E. Emil Fischer in Oskau, Mähren, und besitzt folgende Einrichtung. In einer Buchse b des Gestelles a sitzt drehbar der Zapfen zweier heizbarer Cylinder c, die durch ein Schneckenradgetriebe h in Drehung versetzt werden. Oberhalb der genannten Cylinder ist eine zweite die Streckcylinder d tragende Buchse f angeordnet, die mittels einer Stellschraube e in einer Prismenführung gehoben und gesenkt werden kann. Sollen die Garne nur getrocknet werden, so werden dieselben über die in Umlauf gesetzten heizbaren Cylinder c gehängt. Soll bei Durchführung des Trockenprocesses auch ein Spannen des Garnes stattfinden, so wird dasselbe über die Cylinder c und nach Bedarf mit Filz überzogenen Spann walzen d gehängt und durch die letzteren in der erforderlichen Weise gereckt. Macht sich neben dem Spannen und Strecken noch ein Bürsten erforderlich, so werden auch die Bürsten w zur Wirkung gebracht. Dieselben sitzen auf Schienen t, die an Lenkern hängen und sich mit Nasen u auf die unrunden Scheiben q stützen, sowie gleichzeitig gegen die Daumenscheiben r anliegen. Führt die die beiden letzteren tragende Welle eine Drehbewegung aus, so werden die Bürsten durch q gehoben und gesenkt und durch r gleichzeitig in der Richtung senkrecht zum Strähn derart bewegt, dass sie sich beim Aufgang ausserhalb des Strähnes, beim Abwärtsgang dagegen in demselben befinden, ihn also bürsten.

Die in Fig. 38 wiedergegebene Garnbürstmaschine von H. W. Knemeyer in Herford (D. R. P. Nr. 77624) ist dazu bestimmt, die Stärke in den geschlichteten Garnen gleichmassig zu vertheilen, sowie die zusammenhaftenden Fäden zu trennen und zu glätten. Die Bürsten werden von Excentern zwangläufig bewegt, können also mit grosser Geschwindigkeit sicher arbeiten und treten in Folge ihrer kreisbogenförmig schwingenden Bewegung in das Garn ein, durchbürsten dasselbe eine kurze Strecke und ziehen sich wieder zurück. Dieser Vorgang wiederholt sich etwa 250- bis 300mal in der Minute.

Textabbildung Bd. 308, S. 84

Beim Aufbringen des vorher gestärkten Garnes auf die Maschine legt man dasselbe um die im Maschinengestell gelagerte, langsam in Umdrehung versetzte Walze a einer- und um die am Ende des Hebels d gelagerte Spannwalze b andererseits und tritt mit dem Fuss auf den Hebel c, wodurch die Spannwalze b in die in der Zeichnung rechts dargestellte Lage gehoben und das Garn in Folge dessen gespannt wird, indem dieser Hebel durch die Gelenke g mit dem hinteren Ende des Spannwalzenhebels verbunden ist und dieses Ende herabzieht. Dabei wird zugleich die ebenfalls am vorderen Ende eines hinten mit den Gelenken g verbundenen zweiten Hebels i gelagerte Druckwalze e gegen die Walze a gehoben und drückt gegen das um diese laufende Garn, indem sie dabei vertheilend und ausgleichend auf die im Garn befindliche Stärke wirkt.

|85|

Auf das durch die Drehbewegung der Walze a in der Richtung des Pfeiles mitgenommene Garn wirkt in der bereits angedeuteten neuartigen Weise die Bürste f, welche zu diesem Zweck an je einem die Excenter k der Welle o umgebenden Bügel l befestigt ist, dessen Stange m in beweglichen Führungen n gleitbar ruht. Indem die Welle und ihre Excenter sich in der Richtung des Pfeiles 2 drehen, erhalten die Excenterbügel und damit auch die an diesen befestigte Bürste f eine kreisförmig schwingende Bewegung entgegen der Bewegungsrichtung des um die Walzen a und b laufenden Garnes. Die Bürste wird dadurch abwechselnd dem Garn genähert, um mit kurzem Zuge durch dasselbe streichen zu können, und dann wieder zurückgezogen.

Textabbildung Bd. 308, S. 85

Bernh. Cohnen in Grevenbroich hat im D. R. P. Nr. 84851 eine Klopf- und Bürstvorrichtung für Strähngarn-Schlicht- und Lösemaschinen in Vorschlag gebracht, welche sich dadurch auszeichnet, dass das Garn, sobald es durch eine unter Vermittelung eines mehrarmigen Hebels und eines federnden Gestänges absatzweise angehobene Walze straff gespannt ist, durch eine Bürste, welche unmittelbar vor dem jedesmaligen Anspannen des Garnes in dasselbe eingreift, geglättet wird.

Die Walzen aa1 (Fig. 39) dienen zur Aufnahme des aus dem Schlichttroge kommenden und ausgerungenen Garnes; zufolge langsamer Drehbewegung der Walze a1 erhält letzteres eine massig rasche Bewegung. Die obere Walze a sitzt drehbar in einem Arme des mehrarmigen Hebels bbb, dessen Drehzapfen bei g liegt.

Durch den unteren Schenkel des Hebels bbb geht eine Zugstange c hindurch, die an einem von einer Kurbel f bewegten Gleitstücke d anfasst. Hinter dem unteren Hebelarme sitzt auf der Zugstange c eine starke Spiralfeder oder ein Gummibuffer. Die Einrichtung ist nun so getroffen, dass zufolge Wirkung der Kurbel und der Federung die Walze a höher hinauf zu bewegen gesucht wird, als das Garn zulässt; das so herbeigeführte beständige Anprallen der Walze gegen das Garn wirkt lösend auf dasselbe. Spiralfeder oder Gummibuffer dienen dabei als nachgiebige Glieder und sorgen, dass kleine Längenunterschiede der behandelten Garnsträhne ohne Schaden vorkommen können. Die Garnsträhne sind bekanntlich niemals gleich lang. Hinzu tritt, dass die Nummern der Fäden auf einer Spinnmaschine selten gleich sind. Auf einer Maschine, die z.B. Nr. 20er spinnen soll, kommen auch Nr. 19er und Nr. 21er Garne vor. Wenn nun die Drehung für Nr. 20er eingerichtet ist, würde der Nr. 19er-Faden zu stark, der Nr. 21er-Faden zu wenig gedreht sein. Weiter ist zu beachten, dass das festgedrehte Garn beim Durchgange durch die Schlichte sich mehr zusammenzieht als das loser gedrehte. Aus alledem ergeben sich Unregelmässigkeiten in der Verarbeitung der Garnsträhne.

Die Walze a würde z.B. um etwa 50 mm höher gehen, als das Garn, wenn aufgelegt, zulassen würde. Ob nun kürzeres oder längeres Garn aufgelegt wird, immer steht dieses unter geeigneter Spannung, so dass sich die Spiralfeder oder der Gummibuffer dann entsprechend mehr oder weniger zusammenzieht und es gleichgültig ist, ob dieser Mehrzug 25, 30, 40 oder 50 mm beträgt. Nur dadurch, dass überhaupt die Möglichkeit eines grösseren Zuges geboten ist, lässt sich ein sicheres Klopfen erreichen, ohne einmal das Garn zu zerreissen, das andere Mal zu wenig zu bearbeiten.

Das geklopfte Garn wird nun gleichzeitig noch geglättet und zwar immer dann, wenn die Garnsträhne sich in gespanntem Zustande befinden. Bisher legte man das Garn nach vollendetem Klopfen auf besondere Bürstmaschinen, oder man liess nach Stillstehen der Klopfvorrichtung die vorher unthätige Bürste arbeiten. Das erstere bedeutet eine Verschwendung vieler Zeit und Arbeit, das letztere eine unnöthige Herabziehung der Leistungsfähigkeit der Maschine um fast die Hälfte, wenn nicht der Arbeiter, um mehr zu schaffen, überhaupt nicht bürstet. Diesen Misständen wird dadurch vorgebeugt, dass eine durch eine Kurbelachse und bezieh. Schleifenführung in einer ellipsenähnlichen Curve bewegte Bürste, die allmählich in den losen Strähn eindringt, das Garn immer erst in dem Augenblicke angreift, wenn die Walze a ihre höchste Stellung einnimmt, das Garn also straff ist. Anderenfalls, wenn also die Bürste auf das locker hängende Garn einwirkte, würde die Zerstörung desselben die unausbleibliche Folge sein. Das Bürsten selbst nimmt also keine Minute Zeit für sich in Anspruch, und eine Ursache für den Arbeiter, es überhaupt ganz zu unterlassen, besteht nicht. Die Leistungsfähigkeit der Maschine ist also eine hohe.

(Schluss folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: