Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308 (S. 105–109)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/ar308034

Faserstoffe.
Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von Prof. Alfred Haussner, Brünn.

Mit Abbildungen.

Rohstoffe.

a) Hadern.

Der steigende Preis feiner weisser Hadern lässt vermuthen, dass die Nachfrage nach derartigen Abfällen bedeutend ist. Daraus darf wohl der Schluss gezogen werden, dass auch die Herstellung der, wenn sie richtig erzeugt worden sind, auch heute noch unübertroffenen europäischen Hadernpapiere erfreulicher Weise zum Mindesten nicht zurückgeht. Allerdings darf nicht unbeachtet bleiben, dass besonders weisse Hadern, wie Abfälle aus Wäschefabriken u. dgl., deshalb mehr begehrt sind, weil die Verarbeitung derselben durch Verordnungen der Gesundheitsbehörden nicht so sehr erschwert wird, als wie die Verwendung solcher Hadern, welche bereits derart gebraucht und beschmutzt worden sind, dass Befürchtungen wegen Uebertragung von Krankheitskeimen nahe liegen. Gerade in jüngster Zeit sind von österreichischen, deutschen und belgischen Behörden theilweise strenge Verordnungen in dieser Richtung erlassen worden, welche vermuthlich auf Fälle von Hadernkrankheit (Milzbrand) zurückzuführen sind, die in Oesterreich letzter Zeit vorkamen. Es ist wohl zu begreifen, dass die betroffenen Kreise Abänderungen wünschen. Das Schwergewicht der Bitten um Abhilfe liegt wohl darin, dass die theilweise geplante, theilweise schon gehandhabte Vorschrift für das Behandeln der Lumpen im strömenden Dampfe von über 100° zurückgenommen werde.

Begründet wird dies damit, dass durch das Dämpfen nicht der beabsichtigte Erfolg erreicht wird, indem doch die Lumpen durch viele Hände zu gehen haben, also doch die Ansteckungsgefahr zu fürchten ist, besonders für jene Leute, welche die Lumpen in den Dämpfkammern auszubreiten haben – dass weiters durch das Dämpfen die Lumpen in einen Zustand übergehen, der ihre weitere Verarbeitung wesentlich erschwert, wenn nicht fast unmöglich macht – dass endlich die Kosten des Dämpfens von der Industrie nicht mehr getragen werden können.

Nun scheint es dem Berichterstatter, als ob diese Beschwerdepunkte meist als nicht stichhaltig anerkannt werden können mit Rücksicht auf die gewissenhaften, sorgfältig ausgeführten und in meinem Berichte in D. p. J. 1896 300 25 erwähnten Versuche von Dr. Lenz. Mit Rücksicht auf die besondere Wichtigkeit dieser Fragen sei von diesen Versuchen noch hervorgehoben, dass das Dämpfen der Hadern im Ballen stattfand, so dass also die Berührung zwischen den ungedämpften Lumpen und den Arbeitern ausserordentlich eingeschränkt worden ist – dass ein im Inneren der Ballen angebrachtes Thermometer nach einer Desinfectionszeit von 50 Minuten eine Temperatur von 125 bis 130° C. nachwies – dass dann die Hadern ausgebreitet und, sich selbst überlassen, in kürzester Zeit so trocken waren, dass sie ohne Anstand längere Zeit lagern konnten – dass endlich so durch Dämpfen entseuchte Hadern keinerlei Anstände bei der Verarbeitung im Holländer u. dgl. machten.

Von all den Beschwerdepunkten blieben nun nur noch die unleugbar aufzuwendenden Kosten. Diese sind aber auch nach den genauen Angaben von Lenz, worüber auch in D. p. J. 1896 300 25 auszugsweise berichtet wurde, für sich allein betrachtet, keineswegs hoch. Im Zusammenhalt jedoch mit den von der Industrie sonst zu tragenden grossen Lasten müssen allerdings auch diese Aufwendungen gewiss fühlbar werden, so dass es sich entschieden empfiehlt, die Frage zu erwägen, ob die Maassregeln hinsichtlich des Dämpfens, welche mit Rücksicht auf das allgemeine Wohl, den allgemeinen Gesundheitszustand so lange ins Auge gefasst werden müssen, bis ein besseres Entseuchungsverfahren angegeben wird, nicht für die betroffene Industrie durch anderweitige Erleichterungen erträglicher gemacht werden sollen.

In dem erwähnten Berichte (D. p. J. 1896 300 25) ist übrigens auch schon des Umstandes gedacht, dass mechanisch ausgeführtes Stäuben den Lumpen sehr Vieles an Gefährlichkeit zu nehmen vermag. Im D. R. P. Nr. 93781 gibt nun Heinrich Pitzler in Birkesdorf bei Düren die Ausführung eines Eisenbahnstäubers an, welcher es ermöglicht, stark beschmutzte Hadern dauernd zu klopfen, während durch eine einfache Umänderung in demselben Apparate reinere Lumpen kürzere Zeit der schlagenden Wirkung ausgesetzt werden können.

Fig. 1 zeigt ein Transporttuch a, durch welches die |106| Hadern dem ersten Schläger b1 zugebracht werden. Bei der Drehung gemäss dem eingezeichneten Pfeile werden die Lumpen gefasst, geschlagen, über das Sieb d1 geführt, wo Gelegenheit zum Abfallen des Schmutzes in die tiefer liegenden Theile der Maschine gegeben ist, und endlich gegen rechts abgeschleudert. Wird nun der Schieber s1, welcher in Schlitzen des Gehäuses geeignet geführt und durch Stellschrauben festzulegen ist, hinreichend tief gestellt, so fliegen die Lumpen über die Schieberoberkante sofort dem zweiten Schläger b2 zu. Stellt man dagegen s1 hoch, so wird, weil die Hadern doch tangentiell zu den von den Schlägerpunkten beschriebenen Kreisen rechts abgeschleudert werden, wie es der Pfeil 1 andeutet, das Hadernmaterial gezwungen, länger in der ersten Abtheilung zu verweilen. Weil dieser, das Wesen der Erfindung bildende Zwang auch in den folgenden Abtheilungen durch die Stellung der Schieber s2 und s3 erreicht werden kann, so hat man es thatsächlich in ganz einfacher Weise in der Hand, nach Belieben gewisse Sorten von Lumpen länger, andere kürzer in der Maschine verweilen zu lassen, dadurch manche Hadern mehr, manche weniger zu stäuben. Durch das Lattentuch rechts werden die durchgestäubten Lumpen abgeleitet, der Ventilator e saugt in bekannter Weise die mit Staub erfüllte Luft des Innenraumes der Maschine ab.

Textabbildung Bd. 308, S. 106
Textabbildung Bd. 308, S. 106

Für Lumpenschneider finden wir von der Papiermaschinen-Firma J. M. Voith in Heidenheim eine Neuerung, die in der Papier-Zeitung, 1896, beschrieben ist. Danach soll bei Hadernschneidern mit geradlinig auf und ab gehender Bewegung der Messer statt der meist angewendeten Bekleidung des Schneidtisches mit einem weichen Metall eine Stahlplattenbekleidung gegeben werden mit besonderer Anordnung, um die Messerschneiden nicht zu verderben. Wir bemerken in Fig. 2 und 3, dass auf dem aus weichem Eisen gedachten Tische c eine Stahlplatte d aufgeschraubt ist, welche aber durch Schlitze e1e2... h1h2 unterbrochen ist. In diese tauchen nun beim Abwärtsgange die Messer 6 mm tief ein, so dass sie sich gewiss nicht beschädigen können. Eine andere Frage bleibt allerdings die, ob die Lumpen beim Schneiden nicht doch etwas mit in die Schlitze hineingezogen werden und solcherart unangenehme und kraftverzehrende Klemmungen veranlassen. Jedenfalls dürfte es nothwendig sein, die bezüglichen Schlitz weiten im Vergleich mit den Messern genau auszuprobiren, was von einer Firma wie J. M. Voith wohl anzunehmen ist. Dass der Staub durch die gegen unten sich ausweitenden Schlitze e-h leicht fallen kann, ist gewiss eine Annehmlichkeit.

Ein ganz neues System für Lumpenschneider in der Papierfabrikation will Hans Albert in Kronstadt gemäss dem französischen Patent Nr. 264588 einführen. Wir bemerken, dass in Fig. 4 die Hadern durch das Zuführtuch f den Einführwalzen d und e übergeben werden, deren Abstand und Druck einstellbar ist mittels der Gewichtsbelastung p. An die Walzen d und e schliesst sich eine Art Zange mit den Backen m und n an, wobei auch m durch ein Gewicht p1 belastet werden kann. Allem Anscheine nach muss die schiebende Wirkung der Walzen d und e ausreichen, um die gefassten Lumpen auch durch die Zange mn zu drücken. Hinter dieser werden die Lumpen von den Zähnen einer Säge c zerzupft, welche in spiralförmig verlaufenden Nuthen der Gussnabe b eingelegt und die einzelnen Windungen durch Stehbolzen i gegen einander abgesteift hat.

Es erscheint wohl zweifellos, dass diese Maschine, welche in ihrer Anordnung und Arbeitsweise gewissen Apparaten mit ähnlichem Endzwecke in der Textilindustrie fast gleicht, die ihr übergebenen Hadern so weit zertheilen kann, dass von Gewebestücken keine Spur mehr zu entdecken und solcherart dem Holländer kräftig vorgearbeitet ist. Aber etwas anderes muss wohl hier auch erwogen werden. Wie steht es mit der Kochung soweit zertheilter Lumpen? Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen dürften die in ungefähr quadratische, nicht allzu kleine Fleckchen zerschnittenen Lumpen deshalb geeigneter sein, weil dabei weniger Verlust beim Kochen eintreten dürfte.

Textabbildung Bd. 308, S. 106

Für das Kochen von Lumpen wird von Clayton Beadle in The Chemical Trade Journal aufmerksam gemacht, dass Hadern, welche ziemlich viel Stärke enthalten, in üblicher Weise mit Sodalösung gekocht, nicht ordentlich vorbereitet werden, weil die Stärke in einen gelblichen Schleim übergeht, welcher insofern schädlich ist, als er bei der Wäsche sich in Klümpchen theilt, welche das fertige Papier verunstalten. Aus durchgeführten Versuchen schliesst Beadle, dass für diesen Fall eine Abkochung von Malz das geeignete Kochmittel sei. Dadurch kann die Stärke in Dextrin und Zucker verwandelt und in dieser Form leicht ausgewaschen werden. Erst darauf soll die gewöhnliche Kochung mit Alkali folgen; nothwendig ist diese letztere nur mehr in dem Falle, wenn es sich um schmutzige oder färbige Lumpen handelt. Bei neuen Lumpen genügt die Kochung mit Malzabsud |107| allein, so dass in diesem Falle auch noch die Fasern geschont werden.

b) Holzschliff.

Für die Construction der Holzschleifer liegen einige Neuerungen vor. J. M. Voith in Heidenheim zeigt im D. R. P. Nr. 84043 eine Lösung für die Aufgabe, das Holz bequem in ganzen Stämmen oder doch in grösseren Stücken zu verschleifen, als dies bisher üblich ist. Dadurch wird begreiflicher Weise an Vorbereitungsarbeit gespart und auch der Abfall an den fast werthlosen Sägespänen vermindert.

Textabbildung Bd. 308, S. 107

Wir bemerken in Fig. 5 einen Schleifer mit wagerecht liegendem Stein, links ist die der oben erwähnten Aufgabe angepasste Zuführung für das Holz angebracht. Das Holz h wird der Mantelfläche des Steines schief zugeführt, so dass die Mittellinie der Zufuhrkästen die Linie schneidet, in welcher Mantelfläche und untere Steinebene in einander übergehen, wobei natürlich besondere Genauigkeit nicht unbedingt nöthig ist. Es empfiehlt sich diese Anordnung nur dadurch, dass die schleifende Mantelfläche thunlichst in der ganzen Höhe ausgenutzt wird. Die Hölzer werden selbsthätig zugeführt durch die Stachelwalze c, welche mittels des Gewichtshebels d an das Holz gedrückt wird. Dabei wird c fortwährend langsam gedreht, und zwar vom Kettenrade f aus durch die Räderübersetzung 1–6. In dieser bietet insbesondere die eingeschaltete Schnecke 3 Gewähr dafür, dass das Holz langsam, stetig und ruhig vorgeschoben wird. Wenn man nur auf das Abschleifen der Fasern bedacht zu sein hätte, so würde Walze c ausreichen. Um jedoch die Berührungsstelle zwischen Holz und Stein recht klein zu halten und dadurch den Wasserzutritt thunlichst zu ermöglichen, auch dem „Todtschleifen“ vorzubeugen, finden wir noch eine zweite, schief liegende Stachelwalze b, welche ganz unten das Holz erfasst und dreht, wodurch das Holz ungefähr kegelig zugeschliffen wird. Die Stachelwalze b wird von dem bereits erwähnten Kettenrade f aus angetrieben mit Hilfe der Kegelräder 7 und 8. Spritzrohre, wie bei e angedeutet, sorgen dafür, dass der Schliff von der Mantelfläche des Steines ab- und in die tiefliegenden Gehäusetheile gespült werde, von wo aus der verdünnte Schliff weiter geleitet wird. Wie es bei der bestbekannten Firma Voith kaum anders zu erwarten ist, lässt schon die in der Patentbeschreibung enthaltene Skizze die sorgfältige Durchbildung der Construction erkennen. Nur mag bemerkt werden, dass mindestens ein zweiter Presskasten, und zwar diametral dem bereits vorhandenen gegenüber liegend, entschieden empfehlenswerth sein dürfte, um einerseits den Stein besser auszunutzen und andererseits die starke einseitige Inanspruchnahme zu vermeiden.

Zwei amerikanische Schleiferconstructionen gehen darauf aus, Ungleichförmigkeiten in der Steindrehung möglichst zu beschränken. In dem amerikanischen Patent Nr. 575600 schlagen W. R. Farnsworth und Porter Farwell in Turner Falls, Mass., eine selbsthätige Regelung vor. Wir bemerken in Fig. 6 bei d den Schleifstein auf der wagerechten, durch die Turbine bei a gedrehten Welle c. An den Stein d wird das Holz durch drei hydraulische Pressen 2 angedrückt, welche ihr Druckwasser von der Pumpenanlage e mittels der Rohre 6, 8, 9, 10 bekommen. Die Abmessungen der Pumpen e sind so gross gewählt, dass Wasser reichlich geliefert wird und immer ein merklicher Ueberschuss noch durch das Ventil 7 in das Ueberfallrohr 13 fliesst. Machen wir durch Ventil 7, etwa mittels des Handrades 14, die Durchflussöffnung für das überschüssige Wasser kleiner, so muss natürlich der Druck steigen, um durch erhöhte Geschwindigkeit noch immer genug Wasser abzuleiten, während bei weiterer Eröffnung von 7 der Druck wird sinken müssen, so dass das an 8 angeschlossene Manometer 16 veränderliche Drücke in der zu den Pressen führenden Leitung wird erkennen lassen. Wollen wir nun diese Druckänderungen selbsthätig vor sich gehen lassen, so haben wir Folgendes zu überlegen. Dreht sich die Welle c rascher, etwa dadurch, dass eine Presse behufs Neubeschickung ausgeschaltet worden ist, so muss der Stein um so mehr durch die anderen, in Thätigkeit befindlichen Pressen abgebremst, also in diesen der Druck erhöht werden. Dies besorgt in vorliegender Construction der Centrifugalregulator f, welcher von der Hauptwelle c durch den Riemen 5 und eine geeignete Räderübersetzung angetrieben wird. Steigt mit der Geschwindigkeit der Hauptwelle c auch jene des Regulators f, so heben sich dessen Kugeln und daraus kann in geeigneter Weise die Drehung des Kegelrades 17 hergeleitet werden, welche Bewegung in 7 das Ueberfallwasser drosselt und dadurch, wie oben auseinandergesetzt, den Druck für die Pressen erhöht. Natürlich ist es Sache von Versuchen, passende Verhältnisse herauszufinden.

Textabbildung Bd. 308, S. 107

In anderer Weise lösen A. D. Schäffer und Ch. H. Dale in Hartford, Ind., die vorerwähnte Aufgabe. Wir sehen in der schematischen Fig. 7 gemäss amerikanischem Patent Nr. 553157, dass an den im Gehäuse a befindlichen Stein durch zwei hydraulische Pressen d0 Holz in den |108| Kästen b und c0 gedrückt wird. Das Druckwasser strömt gewöhnlich aus Rohr h1 durch das Reducirventil f in die Abzweigung c d zu den Pressen. Wenn nun eine der beiden Pressen d0 abgestellt wird, so werden die Hähne if0 oder jg0 so gebraucht, dass das Druckwasser aus dem Hauptrohre h1, ohne durch das Reducirventil f zu strömen, also mit dem vollen Drucke in die jetzt allein benutzte Presse durch eines der Zweigrohre g oder h gelangt. Dadurch wird in der einen, nun allein benutzten Presse mehr gebremst und ist es nicht ausgeschlossen, dass die Verhältnisse so gewählt werden, dass die Geschwindigkeit des Steines sich nicht ändert. Ob aber trotzdem unter diesem, jetzt wesentlich höheren Drucke gleich guter Schliff erzeugt wird, erscheint wohl fraglich. Immerhin dürfte ja im normalen Betriebe dieses Auskunftsmittel nicht lange benutzt werden müssen. Etwas anderes erscheint aber deshalb bei den beiden letztangeführten Constructionen bedenklicher, und zwar die nach Ausschaltung einer Presse bei den anderen eintretende, wesentlich grössere, einseitige Belastung.

Textabbildung Bd. 308, S. 108

Gleichmässige Holzzufuhr wird bei dem Holzschleifer von E. F. Millard in Jackson (Amerikanisches Patent Nr. 567720) erstrebt. Es ist nur natürlich, dass dann, wenn sich Holz in irgend einem der Presskästen des Schleifers (Fig. 8) befindet, das Holz bei der durch den Pfeil angedeuteten Drehungsrichtung an die Wände c angedrückt wird und bei dem Vorschübe gegen den Stein mittels Kolben d besonders an den bezeichneten Wänden merkliche Reibung wird überwunden werden müssen, wodurch das Holz an diesen Wänden sozusagen zurückgehalten wird, das Holz sich schief stellt, „spiesst“ u. dgl. Um dem vorzubeugen, sehen wir Schnecken a eingebaut, welche nur wenig in die Kästen vorragen und so durch Räder bb1 gedreht werden, dass sich beim Andrücken der Hölzer an die Umfläche der Walzen a eine zur Achse derselben parallele Vorschubgeschwindigkeit ergibt, die jener des Kolbens d gleich ist. Es ist nicht zu leugnen, dass die Erwägungen, aus welchen diese Anordnung hervorgegangen ist, manches für sich haben, nur ist natürlich durch die Walzen a die einfache Presse immerhin verwickelter geworden.

Textabbildung Bd. 308, S. 108

Eine Anordnung, welche an die Construction von Schmidt erinnert D. p. J. 1890 275 529), ist jene von Ch. W. Roberts in North Bennington nach amerikanischem Patent Nr. 571019, indem auch hier die Schleifkästen hin und her bewegt werden. Nur wird bei der Roberts'schen Ausführung das Holz quergeschliffen und haben die zwei an einander liegenden und gemeinsam senkrecht gegen die Steinachse bewegten Kästen vermuthlich den Zweck, Holz nachfüllen zu können, ohne dass der Schleifprocess irgendwie gestört wird, indem ein Kasten frei liegt, während das Holz des Nachbarkastens abgeschliffen wird.

Von J. C. Kemp in Tipton finden wir im amerikanischen Patent Nr. 588340 einen neuen Versuch, auf andere Weise als wie mit Steinen, aber auf mechanischem Wege Holzstoff zu erzielen. Es wird dabei eine Art Reibeisen, auf dem Umfange einer Walze festgelegt, benutzt. Holz in Bretterform oder noch im Stamme soll damit in Fasern aufgelöst werden. Die Art der Ausführung des Gedankens, das verkleinernde Werkzeug selbst und die Einzelheiten der beabsichtigten Anordnung lassen eine solche Unkenntniss ganz einfacher mechanischer Principien erkennen, dass wohl von der in der Patentbeschreibung geschilderten Ausführung, trotz der geäusserten Hoffnungen des Erfinders, nichts zu erwarten ist.

Das Heisschleifen, von welchem bereits in D. p. J. 1896 300 26 geschrieben worden ist, scheint sich seither doch etwas verbreitet zu haben. Obwohl nach ziemlich verlässlichen Nachrichten doch bis 25 Proc. mehr an Kraft für dieselbe Gewichtsmenge Schliff verbraucht wird gegenüber den bisher allgemein benutzten Kaltschleifern, so soll doch der Heisstoff thatsächlich etwas besser als der Kaltschliff sein und demgemäss etwas bessere Preise erzielen. Erklärungen hierfür, die durch einschlägige Versuche begründet wären, liegen noch nicht vor; es bleibt also nichts übrig, als auf die a. a. O. versuchte Erklärung neuerlich hinzuweisen.

So viel ist, obwohl es dem Berichterstatter trotz wiederholten Ansuchen bei einschlägigen Fabriken nicht gelungen ist, bestimmte Zahlen zu erlangen, doch schon als gewiss anzunehmen, dass der specifische Druck für das Anpressen des Holzes wesentlich grösser, die benutzte Schleifwassermenge merklich kleiner als bei den Kaltschleifern ist. Dass trotz dieser Umstände, wie vielfach, insbesondere von amerikanischen Schleifern behauptet wird, der Heisschliff feiner sei als der Kaltschliff, hängt vielleicht damit zusammen, dass unter der hohen Pressung der Stein sich mehr verlegt und deshalb die die Fasern abtrennenden Sandkörnerspitzen weniger vorragen.

Durch die hohe specifische Pressung für den Holzandruck gelingt es auch, auf verhältnissmässig kleinen Steinen eine hohe Anzahl von Pferdekräften zur Erzielung von Holzschliff aufzubrauchen, wodurch natürlich eine Schleiferei für eine gegebene Menge Schliff einfacher, kleiner werden kann. Nach Angaben der Maschinenbauanstalt Golzern werden 250 bis 300 auf Steinen aufgebraucht, welche 1300 mm Durchmesser und 700 mm Breite haben. Von anderer Seite wird nun nicht verschwiegen, dass gegenüber den geschilderten Vortheilen doch auch nicht zu vergessen ist, dass unter den hohen Pressungen die Steine sehr beansprucht werden und leider viel häufiger Brüche vorkommen als früher.

Aus einem Rundschreiben der Maschinenfabrik Golzern (vormals Gottschald und Nötzli) ist die Fig. 9 entnommen, welche das in der genannten Anstalt gebaute System der |109| Heisschleife darstellt. Eine deutlichere Zeichnung konnte leider nicht erlangt werden. Wir bemerken, dass drei Pressen, die entweder mit Druckwasser (vgl. D. p. J. 1890 275 532) oder Druckluft bedient werden, vorhanden sind. In der Regel sind jedoch nur die zwei, einander diametral gegenüber liegenden Pressen im Gebrauche. Beim Abstellen einer leergeschliffenen Presse rückt der dritte Reservekasten selbsthätig ein, so dass also wie bei anderen, weiter oben erwähnten Constructionen eine Presse ausgerückt werden kann, ohne dass die Umfangskraft merklich geändert, somit also ziemlich gleichbleibender Kraft verbrauch erzielt wird. Nur auf etwas sei dabei hingewiesen. Wenn die beiden, im Durchmesser angeordneten Pressen arbeiten, so wird der Druck durch den Stein hindurch nahezu aufgehoben (ganz dann, wenn wir wirklich genau gleich grosse und entgegengesetzt gerichtete Kräfte bekämen) und die Drehungsachse des Steines ist durch diese Pressungen unmittelbar kaum beeinflusst.

Textabbildung Bd. 308, S. 109

Wenn jedoch die dritte, im Scheitel ungefähr liegende Presse statt einer der beiden anderen zur Arbeit benutzt wird, so ist von einem Aufheben der Pressendrücke durch den Stein hindurch begreiflicher Weise keine Rede und die Achse desselben erfährt eine nur zu merkliche Beanspruchung, unmittelbar von den Pressendrücken herrührend. Es ist gewiss richtig, dass etwas Aehnliches bezüglich der Resultirenden aus den Pressendrücken bei den altbekannten Schleifern mit wagerechter Drehungsachse und der Mantelfläche als Schleiffläche auch vorkommt. Doch ist bei den Kaltschleifern aller Wahrscheinlichkeit nach der Andruck ein geringerer, so dass die Anordnung, wobei eine schief liegende Resultirende als Belastung der Drehungsachse sich ergibt und die principiell jener mit sich aufhebenden Pressendrücken nachsteht, weniger bedenklich ist. Sehr interessant ist die in dem Rundschreiben der Maschinenbauanstalt Golzern enthaltene Bemerkung, wonach beim Schleifen nur das verbrauchte Druckwasser der Presscylinder (kein besonderes Spritzwasser) genügt. Danach wäre wohl die Erhitzung des Stoffes sehr erklärlich, indem der Stoff nur mit seinem eigenen Rauminhalte an Wasser (ungefähr) befeuchtet würde. Ob dies wirklich streng zu nehmen ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

(Fortsetzung folgt.)

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