Titel: Neue Erdölkraftmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308 (S. 181–185)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/ar308058

Kraftmaschinen.
Neue Erdölkraftmaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 161 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die Zweitact-Erdölmaschine von L. Schneller in Augsburg (D. R. P. Nr. 91346) ist eine Ausbildung der Maschine nach Patent Nr. 85107. Nach Fig. 12 besitzt die Maschine drei Cylinder abc1 verschiedenen Durchmessers.

Die Ventile c und Knaggen u der Maschine des Patentes Nr. 85107, ebenso auch die Rippen werden durch andere Maschinentheile ersetzt. An Stelle des ersteren tritt ein Auspuffventil p, das in der Wandung des Cylinders c1 angeordnet ist. Statt der Rippen bezieh. der durch dieselben gebildeten Führungsrinnen sind Kanäle k angeordnet, welche Cylinder b mit Cylinder c1 verbinden.

Textabbildung Bd. 308, S. 181

Die Wirkungsweise der Maschine ist folgende:

Es sei angenommen, die Kolben befinden sich in ihrer höchsten Stellung und der Cylinderraum zwischen dem oberen und mittleren Kolben sei mit Explosionsgemisch gefüllt, die Kolben nehmen der Drehung der Kurbel entsprechend ihren Weg nach unten. Sobald der obere Kolben a1 die seitlich in die Cylinderabtheilung a einmündenden Kanäle b2 verschliesst, wird die Mischung im Cylinder zwischen dem oberen und mittleren Kolben entzündet und die Gase expandiren. Da Kolben b1 denselben eine grössere Druckfläche bietet als Kolben a1, so werden die drei starr verbundenen Kolben nach unten getrieben. Hierbei finden folgende Vorgänge statt:

1) Der obere Kolben saugt unter gleichzeitigem Oeffnen des Gas- und Lufteinlassventiles c Gas und Luft an, welches Gemisch auf geeignete Weise vorgewärmt wird.

2) Der untere Kolben erzeugt durch seinen Rückgang in dem Ringraume zwischen ihm, dem mittleren Kolben b1 und dem Cylinder einen luftverdünnten Raum.

Sobald beim Niedergange der mittlere Kalben b1 den Kanal k freilegt, strömt ein Theil der Verbrennungsgase aus dem Cylinder b in den Ringraum c1 über. Wird nun angenommen, dass nach dem Druckausgleiche in dem Cylinder b und Ringraume c1 ein geringerer Druck als 1 at herrscht, so strömt beim Weitergehen der Kolben durch den mittlerweile frei gewordenen Kanal g so lange frische Luft ein, bis der Druck der Atmosphäre hergestellt ist. Es bleibt somit im Cylinder b eine gewisse Menge verbrannter Gase zurück, mit welchen sich die durch g zuströmende Luft mischt.

Die zur Luftzuführung dienenden Kanäle g sind im Cylinder b angeordnet.

Geht nun der Kolben nach Ueberwindung des todten Punktes wieder zurück, so wird zunächst das im Ringraume c1 befindliche Gemisch von Luft- und Verbrennungsrückständen durch das Auspuffventil p ausgestossen. Sind die Kanäle g und k, sowie auch das Gas- und Lufteinlassventil c geschlossen, so findet Verdichtung statt, und zwar wirkt Kolben a1 auf das angesaugte Gasgemisch, während Kolben b1 das Gemisch der durch g eingetretenen und vorerwärmten Luft mit den zurückgebliebenen Verbrennungsrückständen verdichtet. Sobald Kolben a1 beim Vorgange die Kanäle b2 freilässt, kann sich das verdichtete Gasgemisch mit dem verdichteten Luftgemische mischen, es bildet sich das Explosionsgemisch. Die Kolben gelangen wieder in die Ausgangsstellung, worauf sich der eben beschriebene Vorgang wiederholt.

Der steuernde Kolben legt also entsprechend der Maschine des Patentes Nr. 83210 am Ende des Arbeitshubes zunächst den Auspuff- und darauf den Lufteintrittskanal frei. Die Luft wird in entsprechender Weise vorgewärmt, und zwar nach der angegebenen Ausführungsform in den Kammern q. Der von den Wandungen der Kammern q und den Cylinderwandungen gebildete Mantel ist mit Wasser, Leinöl o. dgl. angefüllt. Aus den Kammern q erfolgt die Luftzufuhr für das Gasgemisch durch Vermittelung des Kanales m. In demselben ist eine Abschlussklappe v angeordnet, welche, wenn die Maschine abgestellt werden soll, ebenso wie die Erdölzuführungsvorrichtung geschlossen wird.

Bei der in Fig. 13 dargestellten Zweitactmaschine von O. Arnoldt in Schöningen, Braunschweig (D. R. P. Nr. 91406), gelangt das brennbare Gemenge durch das Erdölventil f und das Luftventil g in den Cylinder. Die Ausströmung der verbrannten Gase erfolgt durch den Ausströmkanal h und das Ausströmventil i. Der Vergaser k, gleichzeitig als Zündrohr gedacht, wird durch eine Lampe glühend erhalten.

Bei dieser Maschine ist der Kolbenhub länger als die Strecke des Cylinderweges, auf welchem die Verbrennung der Ladung geschieht, d.h. Arbeit verrichtet wird. Die Ausströmung der verbrannten Gase findet während eines |182| kleinen Zeitraumes beim Vorwärtsgange des Kolbens statt und nach Schluss des Auslassventiles beginnt sofort, eben falls noch beim Vorwärtsgange des Kolbens, das Ansaugen frischen Gemisches. Der Rückgang des Kolbens dient nur der Verdichtung der Ladung.

Die Lage des Ausströmkanales h bestimmt die Grösse der Arbeitsstrecke. Während der Arbeitsperiode ist der Ausströmkanal h durch den Kolben b verschlossen. Derselbe wird beim weiteren Herabgehen des Kolbens geöffnet, worauf während eines Zeitraumes das Heben des Ventiles i und damit die Ausströmung stattfindet.

Textabbildung Bd. 308, S. 182

Wird eine solche Maschine zum ersten Mal durch Andrehen am Schwungrade in Betrieb gesetzt, so saugt der Kolben beim Herabgehen aus der oberen Todtpunktlage durch f und g zündfähiges Gemisch während des ganzen Hubes an und drückt dasselbe auf seinem Rückgange zusammen, der das Auslassventil, durch Feder belastet, und trotz, des offenen Kanales h kein Entweichen des anfänglich nur schwach gedrückten Gases gestattet. Ist der Kolben in seinem oberen Todtpunkte wieder angelangt, so erfolgt die Entzündung. Sobald der vorgeschleuderte Kolben bei geschlossenen Ventilen f und g den Kanal h freigibt, wird das Auslassventil i geöffnet und die verbrannten Gase strömen in der Richtung des Pfeiles ab. Die Ausströmung dauert so lange, als der Ueberdruck im Cylinder das Ausströmventil offen hält, dann schliesst dieses sich selbsthätig und nun beginnt beim Weitergange des Kolbens nach unten bis in die punktirte Lage eine Verdünnung des Cylinderinhaltes und dann die Saugperiode, indem f und g sich öffnen und entzündbares Gemisch in den oberen Cylindertheil eintreten lassen.

Beim Heraufgehen des Kolbens erfolgt die Verdichtung des Gemisches, das durch einen gewissen Theil der verbrannten, vom vorigen Hube herrührenden Gase verdünnt ist. Da aber das zündfähige Gemisch naturgemäss im oberen Cylindertheile sich befinden und nur dieses in den als Zündrohr dienenden Vergaser zurücktreten kann, so wird die Zündung immer eintreten. Sollte die Belastung des Auslassventiles i so gewählt sein, dass beim Beginne des Rückganges des Kolbens das Ventil i wiederum sich öffnen würde, so würde kein frisches Gemisch, sondern nur verbranntes Gas aus dem Rohre h strömen, da bei der schichtenweisen Lagerung der Gase im Cylinder sich dünnes Gemisch nur oben im Cylinder befindet.

Bei der in Fig. 14 dargestellten doppelt wirkenden Zweitactmaschine von K. A. Guddack in Moskau (D. R. P. Nr. 91941) wird das Erdöl im Arbeitscylinder, abgeschieden von der Verbrennungsluft, bei jedem Hube verdampft und kurz vor dem Hubwechsel nach dem Arbeitscylinder geleitet.

Die Maschine besitzt einen Arbeitscylinder a und einen Pumpcylinder b. In demselben bewegen sich die Kolben a1 und b1, welche von der Welle aus durch verschiedene grosse Kurbeln angetrieben werden, wobei der Arbeitskolben a1 den kleineren, der Pumpkolben b1 den grösseren Weg zu gleicher Zeit zurücklegt. In der Todtpunktstellung besitzen beide Kolben die gezeichnete Stellung. Der Pumpcylinder ist mit Saugventilen cc1 versehen. Ausserdem ist derselbe auf jeder Seite durch ein Rohr mit dem Arbeitscylinder verbunden, welche Rohre je ein Ventil d bezieh. d1 besitzen. Das Ventil d bezieh. d1 wird durch eine Steuerung in der Weise bethätigt, dass es während der ganzen Verdichtung im zugehörigen Luftcylinder geschlossen bleibt und sich am Ende des Hubes, also in der Todtpunktstellung, plötzlich öffnet und die verdichtete Luft nach dem Arbeitscylinder entlässt, worauf das Ventil d bezieh. d1 wieder geschlossen wird.

Textabbildung Bd. 308, S. 182

Auf jeder Seite des Arbeitscylinders ist ein Vergaser e bezieh. e1 angeordnet. Das vergaste Erdöl soll während des ganzen Auslasspieles in den Arbeitscylinder a strömen, sich aber nicht oder nur sehr wenig mit den verbrannten Gasen mischen, weil die Auslassöffnung i ein Stück von dem Cylinderdeckel entfernt liegt und somit ein Raum k gebildet wird, in welchem sich die Erdöldämpfe sammeln, ohne durch die Oeffnung i nach dem Auslassventile k entweichen zu können. Die Verdampfung des Erdöles kann erfolgen, weil in dem Arbeitscylinder in Folge des geöffneten Auslassventiles nur atmosphärischer Druck herrscht.

Die Zündung erfolgt durch einen Zündbolzen f.

Die Wirkungsweise der Maschine ist folgende:

Ist die Zündung am rechten Ende des Arbeitscylinders erfolgt, so bewegt sich der Kolben a1 nach links hin, die verbrannten Gase auf der linken Kolbenseite aus dem Arbeitscylinder durch die Oeffnung i und das geöffnete Auslassventil h nach aussen treibend. Da das Auslassventil |183| h während dieser Zeit geöffnet ist und somit im Cylinderraume k atmosphärischer Druck herrscht, so verdampft während der Auslasszeit das Erdöl und strömt aus dem Raume e nach dem Arbeitscylinder, um sich in dem Raume k zu sammeln, ohne dabei mit den verbrannten Gasen durch das Auslassrohr i zu entweichen. Zu gleicher Zeit bewegt sich der Kolben b1 nach links und verdichtet, da das Ventil d geschlossen ist, die im linken Raume des Cylinders b vorhandene Luft. Sind sowohl der Arbeitskolben a1 als auch der Kolben b1 in ihrer linken Todtpunktstellung angekommen, so wird das Auslassventil h geschlossen und das Ventil d geöffnet. Die im Pumpcylinder b enthaltene Druckluft strömt nun nach dem Arbeitscylinder über und vermischt sich hierbei mit den im letzteren enthaltenen Erdöldämpfen von atmosphärischem Drucke. Um eine innige Mischung des Erdöles und der Druckluft zu erzielen, wird der vom Ventile d nach dem Arbeitscylinder führende Kanal in Form einer Düse ausgeführt, welche schräg gegen die Cylinderwandung gerichtet ist, so dass ein kreisender Luftstrom in dem Raume k entsteht. In Folge des im Raume k entstandenen Ueberdruckes wird das Gemisch in den Vergaser e gedrückt und kommt nun mit dem glühenden Zündbolzen f in Berührung, welcher vorher mit den in Folge des Luftabschlusses nicht zündfähigen Erdöldämpfen umgeben war. Während nun das Ventil d geschlossen wird, erfolgt die Zündung und der Kolben a1 wird nach rechts vorgetrieben, wobei sich das Spiel der Maschine auf der anderen Seite wiederholt.

Textabbildung Bd. 308, S. 183

Bei der Maschine von P. Mallet in Paris (D. R. P. Nr. 93161) wird die Ladung in Folge der entsprechend hoch getriebenen Verdichtung im Arbeitscylinder entzündet.

Auch diese Maschine, welche in Fig. 15 und 16 dargestellt ist, arbeitet im Zweitact. Ein zweitheiliges Verschlusstück, dessen einer Theil am Arbeitscylinder befestigt ist, dient dem Auspuffventile für die Verbrennungsproducte als Sitz. Der andere Theil des Verschlusstückes, welcher den Ventilkörper des Auspuffventiles bildet, ist beweglich. Der kleine Hohlraum desselben dient als Verbrennungskammer und steht mit dem Arbeitscylinder durch schraubenförmige Kanäle in Verbindung, durch welche die von dem Kolben nach jener Kammer gedrückte Luft eine stark wirbelnde Bewegung erhält. Gegen den Boden der Kammer liegt ferner eine Metallkappe an, gegen welche sich der am Ende des Verdichtungshubes durch eine Pumpe in die Kammer eingespritzte Erdölstrahl zerstäubt.

Auf dem Gestelle b, welches die Hauptwelle o und die verschiedenen anderen Theile der Maschine trägt, ist mittels einer Mutter und Gegenmutter der Arbeitscylinder befestigt. Der Arbeitscylinder setzt sich aus einem Stahlrohre a und einem zweitheiligen Verschluss- oder Bodenstücke zusammen. Der eine Theil a1 des Bodenstückes ist auf dem Rohre a aufgeschraubt, während der andere Theil c durch den Theil a1 hindurchgesteckt ist und so den Kegel eines Auspuffventiles für die heissen Gase bildet.

In diesem Ventilkegel c befindet sich eine als Zündkammer wirkende Aushöhlung c1. Der Eintritt der von dem Cylinder a kommenden, verdichteten Luft nach der Kammer c wird durch einen mit Schraubenwindungen versehenen Körper v geregelt; der Körper v befindet sich zu dem Zwecke derart zwischen den Räumen a und c1 eingeschaltet, dass die Luft oder die Gase gezwungen werden, die Schraubengänge des Körpers v zu durchflössen. Der Körper v wird aus einem cylindrischen Stahlblocke hergestellt, indem man auf demselben zunächst ein gewöhnliches dreikantiges Gewinde schneidet und über letzteres dann die tiefen, im Querschnitte rechteckigen Schraubengänge zieht; mittels des zuerst geschnittenen dreikantigen Gewindes wird der Körper v in den Theil c des Bodenstückes eingeschraubt.

In der Kammer c sitzt eine Kapsel oder Kappe c4 aus Kupfer. Diese Kappe ist so bemessen, dass sie in den Querschnitt der Kammer c1 hineinpasst und, den Boden bedeckend, ein ziemliches Stück weit in die Kammer hineinragt. Die Kappe c4 wird gegen den Boden der Kammer c1 |184| durch eine in dem Körper v befestigte Spindel c5 angedrückt erhalten.

Der die Verbrennungskammer einschliessende Theil c setzt sich in einem in seiner Längsachse durchbohrten Theile c2 fort. In der Bohrung dieses Theiles ruht ein Bolzen c6, so zwar, dass ein ringförmiger, sehr enger Zwischenraum für das durch die Einspritzpumpe in die Kammer c1 gedrückte Erdöl verbleibt.

Auf den konischen Theil des Körpers a1 ist eine gegossene, mit einer Oeffnung d1, zum Austritt der heissen Gase, versehene Haube d aufgesetzt. Der Ansatz der Haube dient dem Zwecke, die Spindel c2 des Ausströmungsventilkegels c zu führen. Der Kegel c wird durch eine starke Schraubenfeder auf seinem Sitze niedergedrückt erhalten, indem sich diese Feder einerseits gegen die Mutter c3 auf der Spindel c2 des Ventilkegels c, andererseits gegen den Boden der Haube d legt; die Feder drückt somit gleichzeitig auch die Haube gegen den Theil a1 an. In der Mutter c3 mündet das von der Erdölpumpe p kommende Rohr c7.

Der Arbeitskolben ist auf seine ganze Länge hin hohl und aus zwei Theilen zusammengesetzt. Der eine dieser Theile, b, bildet den eigentlichen Arbeitskolben und gleitet in dem Cylinder a, während der andere Theil, l, von im Verhältnisse zum Theile b grossem Durchmesser, als Luftpumpenkolben wirkt und zu dem Ende in einem mit dem Bette b1 aus einem Stücke gegossenen zweiten Cylinder m arbeitet. Der Cylinder m hat zwei seitliche Oeffnungen m1 und besitzt in seinem Boden ein Lufteinströmungsventil s, das eine Feder s1 bestrebt ist, auf seinem Sitze gedrückt zu erhalten.

Es sei die Stellung des Kolbens in dem Augenblicke betrachtet, wo in der Kammer c1 die Zündung und Explosion des Gemisches aus heisser, in lebhafter Wirbelbewegung befindlicher Luft und fein zerstäubtem Erdöl stattgefunden hat.

Der Arbeitskolben, der mit der Kurbel der Arbeitswelle o in irgend einer bekannten Weise gekuppelt ist, beginnt seinen Arbeitshub und stösst dadurch den Luftpumpenkolben in den Luftpumpencylinder m hinein. Die in diesem Cylinder m enthaltene Luft entweicht daher aus den Oeffnungen m1? jedoch nur so lange, bis diese Oeffnungen von dem Kolben l bedeckt sind; in diesem Augenblicke hat aber der Kolben l noch nicht ganz das Ende seines Hubes erreicht, so dass jetzt also eine Verdichtung der noch in dem Cylinder m enthaltenen Luftmenge stattfinden muss.

Während nun so die Verdichtung der Luft in dem Cylinder m vor sich geht, wird das Ausströmungsventil c geöffnet, so dass die Gase, welche bisher auf den Arbeitskolben b gewirkt haben, zwischen dem Ventile c und seinem Sitze a1 hindurchtreten und durch die Oeffnung d1 in die freie Luft entweichen.

In Folge dieses Entweichens der Verbrennungsgase und der damit verbundenen Abnahme des Druckes im Cylinder a überwindet die zwischen dem Kolben l und dem Cylinder m eingepresste frische Luft den Widerstand der Feder f4 und öffnet das Einströmungsventil f, worauf diese verdichtete frische Luft erst durch den Luftpumpenkolben l, sodann durch den Arbeitskolben b und endlich durch den Arbeitscylinder a hindurchströmt. Der Arbeitskolben bewegt sich hierbei immer noch von links nach rechts und hat noch nicht das Ende seines Hubes erreicht, dennoch sind die Oeffnungen m1 aber bereits geschlossen, das Ausströmungsventil c ist geöffnet und das Lufteinströmungsventil f ist soeben geöffnet worden.

Obgleich die durch den Arbeitscylinder hindurchgepresste Menge frischer Luft nur während eines kurzen Hubes des Luftpumpenkolbens erzeugt wurde, so wird dieselbe dennoch vollständig genügen, den Arbeitscylinder von verbrannten Gasen zu reinigen, da letzterer weit kleiner als der Pumpencylinder ist. Demzufolge wird im Augenblicke des Oeffnens des Ventiles f das Innere des Arbeitskolbens und des Cylinders a durch eine verhältnissmässig grosse Menge frischer und reiner Luft durchströmt, es werden die alten, verbrauchten Explosivgase ausgetrieben, und der Kolben, sowie der Cylinder erfahren eine kräftige Abkühlung.

Sobald der Kolben anfängt, sich zurück, von rechts nach links zu bewegen, schliesst sich das Kolbenventil f unter der Wirkung seiner Feder f4. Ferner wird das Ausströmungsventil c von seinem Hebel frei gelassen, so dass es sich ebenfalls mittels seiner Feder d2 schliessen kann. Zugleich hiermit öffnet sich aber auch das Ventil s im Boden des Luftpumpencylinders m (in Folge der durch den Rückgang des Kolbens l im Cylinder m verursachten Luftverdünnung) und lässt von aussen in diesen Cylinder Luft einströmen, so dass die Luftverdünnung im Cylinder m sofort aufgehoben wird und der Kolben l sich unbehindert so weit bewegen kann, bis er die Oeffnungen m1 wieder frei gibt.

In Folge der Schlusstellung der Ventile f und c kann die im Arbeitscylinder a noch befindliche frische Luft nicht mehr entweichen. Der Kolben b beginnt die noch im Arbeitscylinder befindliche frische Luft zusammenzupressen und in die Kammer c1 hineinzudrücken. Die Luft strömt in diese Kammer durch die schraubenförmigen Kanäle ein, die in den Körper v eingeschnitten sind, und wird schliesslich am Ende des Hubes des Arbeitskolbens bis auf das Volumen dieser Kammer zusammengedrängt. Da nun das Volumen der Kammer im Verhältnisse zu dem Volumen des Arbeitscylinders a ein sehr kleines ist, so erleidet die in diese Kammer gedrückte Luft eine sehr starke Zusammenpressung und somit auch Temperaturerhöhung, ausserdem aber hat die Luft, in Folge der schraubenförmigen Einströmungskanäle im Körper v, in der Kammer c1 eine lebhafte, wirbelnde Bewegung.

Es wird jetzt, d.h. gegen Ende des Verdichtungshubes, durch die Pumpe unter hohem Drucke ein Strahl Erdöl in die Röhre c7 eingespritzt, die in die Kammer c1 endet. Der Strahl prallt gegen den Boden der Metallkappe c4, zerstäubt und dringt zwischen dieser Kapsel und der Wandung der Kammer c1 in letztere in Gestalt eines feinen Nebels ein, um sich mit der in jener Kammer befindlichen heissen, lebhaft wirbelnden Luft innig zu vermischen und in Folge der hohen Temperatur dieser Luft auch sofort zu verbrennen und sich zu entzünden, und zwar in einem Augenblicke, wo der Kolben gerade das (linke) Ende seines Hubes erreicht hat.

Der Druck der Gase in der Kammer q steigt daher plötzlich, die Gase strömen durch die Schraubenkanäle des Körpers v hindurch und drücken auf den Arbeitskolben, der nun in seinem Hube umkehrt und so die durch die Zündung frei werdende Kraft in Arbeit umsetzt. Somit |185| ist der Hub des Kolbens b von links nach rechts der Arbeitshub, gegen dessen Ende hin auch das Ausströmen der Arbeitsgase und das Einströmen frischer Luft stattfindet. Der Hub des Kolbens von rechts nach links dagegen bewirkt nur die Verdichtung der eingetretenen frischen Luft. Die Maschine ertheilt somit ihrer Hauptwelle für jede Umdrehung einen Impuls.

Auf einer nicht controlirbaren Theorie beruht das Arbeitsverfahren der Maschine von W. Rowbotham in Birmingham, England (D. R. P. Nr. 90726).

Das Wesen der Erfindung besteht darin, das Explosivgemisch der Wirkung einer elektrischen, nicht Funken erzeugenden Entladung, und zwar vortheilhaft während der Zeit zu unterwerfen, wo dieses Gemisch sich in dem Arbeitscylinder oder der Verbrennungskammer unter Druck befindet. Eine derartige elektrische Entladung soll besonders zur Verdampfung des Oeles beitragen, die Treibkraft des Explosivgemisches vermehren, die Verbrennung jenes Gemisches vollkommener machen und die Entzündung desselben erleichtern. Diese Wirkungen entstehen, nach Meinung des Erfinders, durch den frei werdenden Sauerstoff, der durch die Wirkungen der nicht Funken gebenden Elektroden bezieh. deren Entladung auf das Explosivgemisch entwickelt wird.

Die Regelmässigkeit der funkenlosen oder dunklen (Glimm-) Entladung wird bezüglich ihrer Intensität durch die Stärke der Stromquelle (eine möglichst constante Batterie bezieh. ein Accumulator) und die Beschaffenheit der Inductionsspule, bezüglich der Zeitintervalle durch einen den Stromschluss bewirkenden schwingenden, durch eine beliebige Regelungsvorrichtung geregelten Theil der Maschine bewirkt.

Die vortheilhafte Wirkung dieser Entladung beruht auf folgenden Anschauungen des Erfinders:

Ozon ist ein Gas, welches bekanntlich weit activer ist als der gewöhnliche Sauerstoff, weshalb alle Oxydationen mittels Ozon viel energischer erfolgen, da bei denselben 32,4 Calorien mehr entwickelt werden, als bei den Oxydationen mit gewöhnlichem Sauerstoff.

Ist daher in dem Explosionsgemische des Arbeitscylinders der Maschine Ozon vorhanden, so wird beim Durchschlagen des Zündfunkens die Oxydation, d.h. die Verbrennung des Gemisches, ebenfalls bedeutend schneller und unter grösserer Wärmeentwickelung erfolgen, mit anderen Worten, die Explosion muss eine energischere sein als bei Anwesenheit von blossem Sauerstoff. Dies ist die Wirkung, welche durch Anwendung der Glimmentladung angestrebt wird.

a1 ist der Cylinder, b1 sind die Arbeitskolben, c der Verbrennungsraum, in welchem die zündfähigen Gemische erzeugt und entzündet werden, c1 ein Futter aus feuerbeständiger und Wärme schlecht leitender Masse, wie Asbest, Porzellan, womit die Verbrennungskammer ausgekleidet ist, ebenso sind die einander zugekehrten Enden der Arbeitskolben mit einem Futter aus derartiger Masse versehen.

In Fig. 17 sind mit d0 zwei Elektroden oder Poldrähte eines elektrischen Stromkreises bezeichnet; diese Elektroden bestehen aus Metall mit Spitzen aus Platin oder einem anderen passenden Material und ragen in die schon erwähnte Kammer c hinein. Die freien inneren Enden dieser Elektroden sind in einer solchen Entfernung von einander angeordnet, dass zwischen ihnen nicht Funken überspringen können. Die äusseren Enden der Elektroden liegen in verstellbaren Hülsen oder Büchsen d, welche mit Hilfe eines Gewindes oder anderer Vorrichtungen in den Muffen a passend verstellt werden können. Die Muffen a sind mit dem Cylinder a1 aus einem Stücke gefertigt. Die Elektroden d0 sind von ihren Büchsen d durch eine Isolirschicht getrennt und mit Klemmschrauben d1 zwecks Befestigens der elektrischen Leitungsdrähte ausgerüstet.

Ein zweites Paar von Elektroden e0 sind in ähnlichen isolirten Haltern, wie diejenigen der Elektroden d0, befestigt. Die Halter sind auch in am Cylinder a1 sitzenden Muffen verstellbar und in Folge dessen auch die Enden der Elektroden e0. Letztere werden nun so eingestellt, dass ein oder mehrere Funken zwischen den Spitzen dieser Elektroden überspringen und die Ladung entzünden, sobald ein Strom nach diesen Elektroden fliesst. In gleicher Weise wie die Elektroden d0 haben auch die Elektroden e0 Klemmschrauben e1 zum Befestigen der elektrischen Leitungsdrähte.

Textabbildung Bd. 308, S. 185

Die Stromkreise, welche den funkenlosen und den Funkenelektroden d0 bezieh. e0 Strom zuführen, sind in der aus der Zeichnung ersichtlichen Weise angeordnet. f0 ist eine Inductionsspule, deren Primärwindungen f in den Stromkreis einer elektrischen Batterie oder einer anderen Stromquelle eingeschaltet liegt; der Stromkreis f kann mit Hilfe von Contactvorrichtungen bei f1f2 geöffnet und geschlossen werden. Die secundäre Windung g der Inductionsspule liegt in demselben Stromkreise wie die Elektroden d0 und e0, und es ist dieser letztere Stromkreis ebenfalls mit Ausschaltvorrichtungen g1g2g3 versehen.

Die Contactvorrichtungen f1f2 des Primärstromkreises und diejenigen g1g2 g3 des Secundärstromkreises sind so in einem sich bewegenden Theile der Maschine angeordnet, dass in dem Augenblicke, wo die sich nach einwärts bewegenden Kolben b1 die Ladung verdichten, die Primärcontacte f1 und f2, sowie die Secundärcontacte g1 und g2 geschlossen werden und die funkenlosen Elektroden d0 zur Wirkung gelangen.

Haben die Kolben ihren Einwärtshub vollendet und ist daher das Explosivgemisch unter stärkstem Drucke, so werden die Contacte g1g2 geöffnet, die Contacte g2g3 dagegen geschlossen, während die Contacte f1f2 noch weiter geschlossen bleiben. Hierdurch werden die funkenlosen Elektroden d0 ausgeschaltet, die Funkenelektroden e0 dagegen eingeschaltet und die Ladung entzündet.

Ist dies geschehen, so werden alle Contacte geöffnet und gelangen erst wieder bei dem nächsten Einwärtshube der Kolben zur Thätigkeit.

(Fortsetzung folgt.)

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