Titel: Neuerungen an Dynamomaschinen, Elektromotoren, Transformatoren und Zubehör.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308 (S. 249–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/ar308076

Elektrotechnik.
Neuerungen an Dynamomaschinen, Elektromotoren, Transformatoren und Zubehör.

Mit Abbildungen.

1) Dynamomaschinen für Gleichstrom. Auf dem Gebiete der Gleichstromerzeugung durch Dynamomaschinen sind in der letzten Zeit nur wenige wichtige Neuerungen zu verzeichnen. Zunächst ist eine Maschine zur Speisung von Mehrleiternetzen der Elekricitäts-Actiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer und Co. in Frankfurt a. M. (D. R. P. Nr. 90365) zu erwähnen.

Textabbildung Bd. 308, S. 249

In neuerer Zeit ist mehrfach der Versuch gemacht worden, Dynamomaschinen zu bauen, mittels deren sich ein Mehrleiternetz ohne Zuhilfenahme von Spannungstheilern oder Sammlerbatterien unmittelbar speisen lässt. Die bisher vorgeschlagenen Maschinen besitzen aber meist den Nachtheil, dass sich die Spannungen in den einzelnen Zweigen des Netzes nicht unabhängig von einander regeln lassen. In Folge dessen lassen Mehrleiteranlagen, die von solchen Maschinen gespeist werden, nur sehr geringe Unterschiede in der Belastung der einzelnen Zweige zu. Bei der in Fig. 1 schematisch dargestellten Maschine sind nun die Erregerspulen so geschaltet, dass eine leichte, zum Theil selbsthätige Regelung der |250| einzelnen Zweige auf gleiche Spannung erfolgt. Die Zweige erregen sich hier wechselseitig, d.h. die Erregerspulen der Pole s1 und n1 sind an den von den Polen s2 und n2 inducirten Zweig OII und umgekehrt die Erregerspulen s2 und n2 an den von s1 und n1 inducirten Zweig angeschlossen. Sinkt oder steigt die Spannung eines Zweiges, so geschieht dasselbe in gewissen Grenzen im anderen Zweige, weil der eine Zweig den anderen erregt. Das Umpolarisiren des einen Zweiges durch den anderen ist bei dieser Schaltung ebenfalls vollkommen ausgeschlossen, da beide Zweige sich nur gleichzeitig erregen können. Die Schaltung lässt sich natürlich auch auf mehrpolige Maschinen übertragen, wenn nur die halbe Anzahl der Polvorsprünge eine ganze Zahl ist.

Die Compagnie de l'Industrie Électrique in Sécheron bei Genf hat einen Motorgenerator erfunden, der die Umwandlung von Gleichstrom constanter Stärke in Strom constanter Spannung oder umgekehrt durch zwei in demselben Magnetfelde bewegte Wickelungen bewirkt (D. R. P. Nr. 91132). Bisher war eine derartige Umwandlung mittels einer einzigen Maschine nicht möglich, und zwar in Folge der Schwierigkeiten, die daraus erwachsen, dass die beiden Wickelungen derselben Induction ausgesetzt sind und die elektromotorischen Kräfte, welche in den beiden Wickelungen auftreten, in demselben Verhältnisse zu einander stehen, so dass die gegenelektromotorische Kraft der primären Wickelung von der Kraftabgabe der secundären Leitung, also des Umwandlers, unabhängig wird. Der Gang der Maschine wird somit unmöglich, wenn nicht eine Vorkehrung getroffen wird, welche es gestattet, nur so viel Kraft aufzunehmen, als der an die Secundärleitung abzugebenden Arbeit entspricht, d.h. welche es ermöglicht, dass sich die Volt an den Enden der primären Wickelung im Verhältnisse der von der Secundärwickelung gelieferten Watt ändern, selbst wenn die in jeder Windung der primären Wickelung entwickelte elektromotorische Kraft nahezu gleich bleibt.

Textabbildung Bd. 308, S. 250

Die durch die primäre Wickelung verbrauchte Spannung kann nun, ohne die elektromotorische Kraft jeder Windung zu beeinflussen, dadurch geändert werden, dass durch Aenderung der Bürstenlage der primären Wickelung eine grössere oder geringere Anzahl Windungen in Gegenwirkung gesetzt werden. Eine selbsthätige Regelung wird dadurch erzielt, dass der primäre Bürstenträger mit einem Geschwindigkeitsregler verbunden wird, der z.B. aus einem die Lage der Bürsten beeinflussenden Schwungkraft- oder Solenoidregler bestehen kann.

Der Aufbau des Umwandlers ist aus Fig. 2 zu ersehen. Der zwischen den Feldmagneten o rotirende Anker trägt eine Gramme-Wickelung g und eine Trommelwickelung e. Die erstere der beiden Wickelungen wird von dem Strome constanter Stärke durchflössen. Der Bürstenträger i lässt sich mittels des Ringes i1 auf dem Vorsprunge a des rechten Lagers drehen. Der Ring i1 besitzt einen Kranz i2, der auch mit Verzahnung versehen sein kann. Der von der Ankerwelle b durch die Kegelräder h getriebene Schwungkugelregulator verstellt mittels der Getriebe ml1l2 die Bürsten im einen oder anderen Sinne.

Textabbildung Bd. 308, S. 250

2) Elektromotoren für Gleichstrom. Dr. Bruger in Bockenheim-Frankfurt a. M. erhielt ein Patent auf eine elektrische Vorrichtung zur Erzeugung einer dauernden Bewegung durch die Widerstandsänderung, welche Wismuth durch Einbringen in ein magnetisches Feld erleidet (D. R. P. Nr. 93661). Eine Ausführungsform der Vorrichtung für oscillirende Bewegung zeigen die Fig. 3 und 4. Durch ein sehr dünnes nachgiebiges Silberband s sind eine bifilar gewickelte, an einem Hebel h1 befestigte Wismuthspirale b und ein Elektromagnet m1 hinter einander geschaltet, während der Strom durch ein ebensolches Band der Spirale von der Klemme a1 aus zugeführt wird und von m1 nach der Klemme a2 weiter geht.

An einem zweiten Hebel h2 sitzt ein passend geformtes Eisenstückchen e, welches bei erregtem Elektromagneten m1 zwischen dessen Pole gezogen wird, während sonst eine Feder f dasselbe ausserhalb der Pole festhält. Die Hebel h1 und h2 sind um senkrechte Achsen drehbar und auf ihrer Verlängerung über die Achse hinaus findet sich bei h1 eine Gabel g und bei h2 ein Stift t. Endlich ist noch seitlich von der Wismuthspirale b ein kräftiger Magnet oder besonders erregter Elektromagnet aufgestellt, in dessen schmales Interferricum die Spirale bei Drehung von h1 eintreten kann.

Wird nun eine Stromquelle an a1 und a2 gelegt, während m2 erregt ist, so wird Folgendes eintreten: Zunächst zieht der Magnet m1 das Eisenstück e in sein Interferricum, indem er die Gegenkraft der Feder f überwindet; bevor e seine neue Gleichgewichtslage im Magnetfelde vollständig erreicht hat, stösst der Stift t gegen die Gabel g und schleudert b plötzlich in das Feld von m2 hinein. Sobald |251| sich jedoch b zwischen den Polen des Magneten m2 befindet, wird sein Widerstand erheblich steigen, und wenn die übrigen Widerstände des Stromkreises gegen denselben klein sind, wird die Stromstärke erheblich sinken und m1 nicht mehr im Stande sein, den Gegenzug der Feder f zu überwinden, so dass sich e wieder seiner Anfangslage zu bewegt. Bei dieser Rückbewegung stösst jedoch der Stift t an den zweiten Arm der Gabel g und wirft die Spirale b aus dem Felde m2 hinaus, so dass der Anfangszustand wieder hergestellt ist und das Spiel von Neuem beginnt. Ausser dieser Ausführungsform gibt Bruger noch eine zweite mit zwei abwechselnd in Wirkung tretenden Wismuthspiralen und einen Motor für rotirende Bewegung, dessen Ankerwickelung inductionsfreie Wismuthwiderstände enthält, in seiner Patentschrift an. Die Erfindung ist deswegen bemerkenswerth, weil hier durch Gleichstrom eine fortgesetzte Bewegung hervorgerufen wird, ohne dass getheilte Stromwender, Stromunterbrecher u. dgl. angewendet werden.

3) Zubehör. J. Schmadt in Letmathe baut seine Stromabnahmebürste (D. R. P. Nr. 90869) aus Blech- und Drahtgewebelagen auf. Diese Bürsten sollen ausserordentlich steif und widerstandsfähig sein, den Stromwender jedoch nur wenig oder gar nicht angreifen. Da die Gewebefäden von dem in die Lücken des Gewebes eingepressten Bleche gehalten werden, ist ein Fasern der Bürste ausgeschlossen.

Fr. J. Chaplin und R. Chaplin in Aston, England, verbesserten ihre Stromabnahmebürsten aus gekräuselten Metallfäden (D. R. P. Nr. 89367) dadurch, dass sie den aus solchen Fäden bestehenden Kern mit einer doppelten Umhüllung aus Kupferdrahtgaze umgeben (D. R. P. Nr. 94670). Während die gekräuselten Drähte in der Längsrichtung verlaufen, kreuzen sich die beiden Drahtrichtungen der einen Lage mit denen der anderen Lage. Eine derartige doppelte Umkleidung soll den Bürsten eine grosse Steifigkeit und Widerstandsfähigkeit verleihen, ohne ihnen ihre Elasticität zu nehmen.

Textabbildung Bd. 308, S. 251

Die Bürstenhalter, bei denen der Vorschub der Bürste durch eine Feder erfolgt, besitzen den Uebelstand, dass die Bürsten leicht schnarren, besonders wenn die Drehungsrichtung des Stromwenders umgekehrt wird, ausserdem ändert sich der Federdruck bei diesen Haltern mit der abnehmenden Länge der Bürste. Diese Uebelstände soll der von E. H. Johnson in New York (D. R. P. Nr. 92489) construirte Bürstenhalter nicht besitzen. Wie Fig. 5 zeigt, sitzt die Kohlenbürste b in dem Halter h1, aus dem nach der Seite ein Joch h2 vorsteht. Letzteres trägt am hinteren Ende den nach oben ragenden Theil h3, in dessen Schlitz h der Arm g mittels der Schraube g1 beliebig verstellt werden kann. An dem Arme g ist bei e der Hohlcylinder e2 angelenkt, in dessen Höhlung e1 sich der Cylinder d2 bewegt. Dieser trägt ein angelenktes -förmiges Winkelstück a, welches die Bürste am oberen Ende erfasst. Die Schraubenfeder s sitzt zwischen der Stellmutter f und dem Flansche d. Die Feder drückt die Bürste sowohl gegen ihr Gegenlager h1 als gegen den Stromwender c. Der Gesammtdruck ist also schräg gegen den Stromwender gerichtet und kann durch Veränderung der Federspannung mittels der Mutter f und durch Verstellen des Befestigungspunktes der Feder im Schlitze h geregelt werden. Der Halter wirkt bei beiden Drehrichtungen des Stromwenders in gleicher Weise.

4) Vertheilung und Regelung. In Gleichstrom-Dreileiternetzen kann man zur Halbirung der Spannung eine Art Motordynamo verwenden, die aus zwei gleich grossen Dynamo besteht, deren Anker hinter einander auf die Aussenleiter geschaltet sind. Die beiden (dünndrähtigen) Feldmagnetwickelungen liegen in der Regel ebenfalls hinter einander zwischen den Aussenleitern. Siemens und Halske bringen nach D. R. P. Nr. 93365 auf jeder der beiden gekuppelten Dynamomaschinen eine Hilfsmagnetwickelung an, durch welche der Ausgleichstrom oder ein mit demselben veränderlicher Strom in solcher Richtung geleitet wird, dass das Feld der Dynamo der mehr belasteten Netzhälfte bei allen Werthen des Ausgleichstromes eine relative Verstärkung gegenüber demjenigen der anderen Dynamo erfährt. Es soll hierdurch erreicht werden, dass unabhängig von der veränderlichen Umlaufszahl der Ausgleichmaschine die elektromotorische Kraft jeder Dynamo sich bis zur Erzeugung möglichst gleichbleibender Klemmen- oder Fernspannung für beide Netzhälften erhöht.

Textabbildung Bd. 308, S. 251

Für die Ausführung dieser Anordnung ergeben sich die in Fig. 6 und 7 dargestellten beiden Schaltungen, nämlich entweder wird die Regelungswickelung in den Stromkreis des Mittelleiters oder in den Ankerstromkreis gelegt. Im Schaltungen, ersten Falle (Fig. 6) werden die Anfänge bezieh. Enden beider Regelungswickelungen d1 und d2 mit einander verbunden, während von den beiden Enden bezieh. Anfängen das eine zum Nullpunkte der Anker a1 und a2, das andere zum Mittelleiter führt. Die dünndrähtigen Feldwickelungen n1 und n2 sind wie gewöhnlich zwischen die Aussenleiter geschaltet. Im zweiten Falle (Fig. 7) wird die Nullklemme des Ankers a1 mit dem Anfange bezieh. Ende der Hilfswickelung d2, die Nullklemme des Ankers a2 mit dem Ende bezieh. Anfange der Hilfswickelung d1 und der Mittelleiter mit den beiden übrigen Wickelungsenden verbunden.

Bei elektrischer Kraftübertragung mit schnell wechselndem Kraft verbrauche ist man seit langem bestrebt, für die Kraftmaschine die Belastungsschwankungen nach Möglichkeit auszugleichen, so dass die Maschine, soweit es irgend angeht, nur mit der im Durchschnitt erforderlichen Arbeitsleistung ständig gleichmässig belastet bleibt. Der Vortheil einer solchen gleichmässigen Belastung besteht einmal in dem erhöhten Nutzeffecte der treibenden Dampfmaschine und der damit verbundenen Kohlenersparniss, dann aber auch darin, dass die ganze Maschinenanlage nur für die mittlere, anstatt für die maximale Leistung bemessen zu |252| sein braucht. Für gewöhnlich sucht man diese Vortheile durch eine der Dynamomaschine parallel geschaltete Accumulatorenbatterie (unter Umständen unter Verwendung einer Hilfsdynamo im Batteriestromkreise) zu erreichen. Eine sehr einfache Regelung der Dynamomaschine bei wechselnder Belastung lässt sich nun nach L. Schröder (D. R. P. Nr. 94672) dadurch erzielen, dass man die Feldmagnete derselben mit einer Hilfswickelung versieht, welche in einem der Stromkreise eingeschaltet ist, dessen Stromstärke wechselt, und welche bei zunehmendem Stromverbrauche an der Verbrauchsstelle das magnetische Feld der Dynamomaschine schwächt.

Textabbildung Bd. 308, S. 252

Die Schaltung ist in Fig. 8 dargestellt, und zwar bedeutet d den Anker der Dynamomaschine, n ihre Feldwickelung, h die Hilfswickelung, b die Batterie, n1 einen Nebenschlusswiderstand und w den Stromverbraucher. Wie man sieht, ist die Hilfswickelung in den Batteriestromkreis eingeschaltet, sie kann jedoch ebenso gut in eine der Verbrauchsleitungen l eingeschaltet werden. Der durch die Wickelung h fliessende Strom muss den Verhältnissen der Anlage so angepasst werden, dass das Product aus der Stromstärke, welche durch den Anker der Maschine fliesst, und der elektromotorischen Kraft der Maschine constant bleibt. Dieses lässt sich beispielsweise mittels des veränderlichen Nebenschlusswiderstandes n1 sehr leicht erreichen. Bei dieser Anordnung bleibt die Klemmenspannung in der Erzeugerstation zwar nicht vollständig constant, allein die Schwankungen, welche durch den Unterschied zwischen der Lade- und Entladespannung der Batterie bei schnellem Wechsel der Stromrichtung in der Batterie bedingt werden, sind so gering, dass sie für die Kraftübertragung nicht in Betracht kommen.

Textabbildung Bd. 308, S. 252

Schröder gibt ferner eine Schaltungsweise zur Abzweigung elektrischer Kraftanlagen mit grossen Belastungsschwankungen von Lichtanlagen an (D. R. P. Nr. 96212). Es gelingt im Allgemeinen nicht, die durch die plötzlichen Stromstösse in der Lichtleitung hervorgerufenen Spannungsschwankungen durch einfache Parallelschaltung einer Sammlerbatterie auf ein genügendes Maass herabzudrücken, wenn man nicht zu relativ sehr grossen Batterien greift. Bisher benutzte man etwa die in Fig. 9 dargestellte Schaltung. Die Anlage empfängt ihren Strom von der Dynamomaschine d1. Die Kraftanlage k ist in der Weise von der Lichtanlage l abgezweigt, dass der Motor m Strom aus den Lichtleitungen entnimmt. Dieser treibt eine für constante Watt gewickelte Dynamomaschine d2, welche die Accumulatorenbatterie b speist, die ihrerseits den Strom für die Kraftanlage k liefert. Die Maschine d2 ist für den mittleren Kraftverbrauch der Anlage k einregulirt und der Motor m läuft unabhängig von den Schwankungen der letzteren mit constanter Geschwindigkeit, so dass Stösse in der Kraftanlage auf das Licht nicht einwirken.

Bei dieser Einrichtung entsteht durch den Motor ein Energieverlust von etwa 20 Proc. der allerdings bei billiger Betriebskraft für die Dynamomaschine nicht besonders ins Gewicht fällt. Dagegen ist der Anschaffungspreis der Maschinen m und d2 hoch und ihre Wartung sehr unbequem.

Schröder wendet deshalb die in Fig. 10 dargestellte Schaltung an. Die Batterie b ist hier der Hauptmaschine d parallel geschaltet, jedoch ist ein Widerstand w eingefügt, hinter dem die Leitung für die Kraftanlage abgezweigt ist. Der Widerstand hat den Zweck, die durch die Belastungsschwankungen der Kraftanlage hervorgerufenen Spannungsschwankungen abzuschwächen, und es zeigt sich, dass bereits ein relativ kleiner Widerstand genügt, diesen Zweck in hervorragendem Maasse zu erreichen.

Textabbildung Bd. 308, S. 252

Schröder führt ein Zahlenbeispiel an, welches einem bestehenden Projecte entnommen ist. Eine Anlage hat für ein ununterbrochen in Thätigkeit befindliches Pumpwerk 40 Kilo-Watt, für Licht 20 Kilo-Watt und für Aufzüge 34 Kilo-Watt abzugeben. Die Aufzüge arbeiten nur alle 5 Minuten eine halbe Minute, so dass ihr mittlerer Kraftverbrauch nur 3,4 Kilo-Watt beträgt. Sind alle Lampen eingeschaltet, so hat die Dynamomaschine d etwa 65 Kilo-Watt zu leisten. Die Lichtspannung beträgt 110 Volt. Das Pumpwerk wird von der Lichtleitung direct betrieben, während die Aufzüge von einer Sammlerbatterie von 43 Elementen ihren Strom empfangen, die für den Fall, dass sämmtliche Aufzüge gleichzeitig arbeiten, 405 Ampère, ohne Schaden zu nehmen, abgeben können. Der Widerstand w beträgt 0,5 Ohm, während der innere Widerstand der Batterie so bemessen ist, dass die Klemmenspannung bei der Ladung mit 40 Ampère im Allgemeinen 2,1 Volt für das Element beträgt. Bei der Entladung sinkt dieselbe auf 1,95 Volt, so dass an der Batterie regelmässige Spannungsschwankungen von 43 × 2,1 – 43 × 1,95 = 6 Volt auftreten. Die Spannungsschwankungen an den Enden des Widerstandes bewegen sich also zwischen 30 und 26 Volt, so dass die Stromstärke von 40 bis 52 Ampère schwankt, d.h. die Belastung der für 600 Ampère gebauten Dynamomaschine schwankt durch Stösse in der Kraftanlage um 12 Ampère, während jene selbst Stösse bis 400 Ampère aufweist.

Die Neuerungen auf dem Gebiete der Regelung von Gleichstromelektromotoren sind äusserst zahlreich. Sie beziehen sich jedoch meist auf Motoren für Bahnbetriebe u. dgl. Dieses Gebiet ist bereits so umfangreich, dass es einer besonderen Besprechung vorbehalten bleiben muss. Hier sollen nur die vorzugsweise für stationäre Motoren angegebenen Regelungsarten u. dgl. berücksichtigt werden. Jedoch ist zu bemerken, dass selbstverständlich viele dieser Regelungseinrichtungen sich ohne weiteres auch bei |253| Bahnmotoren verwenden lassen, wie auch die Erfinder den Verwendungszweck ihrer Neuerungen meist nur ganz allgemein angeben.

Textabbildung Bd. 308, S. 253

Die Berliner Maschinenbau-Actiengesellschaft vormals L. Schwartzkopff beschreibt in ihrem D. R. P. Nr. 78789 eine Regelungseinrichtung für Elektromotoren, bei der bei Aus- bezieh. Einschaltung von Ankerwickelungen auch die Stärke des magnetischen Feldes geändert wird. Dies geschieht in der Weise, dass die Umschaltung für eine andere Geschwindigkeit erst dann bewirkt wird, wenn der Anlasshebel in seine Nullstellung geführt ist, die Maschine also erst stillgesetzt wird. Um nun die Umschaltung auch während des Betriebes zu ermöglichen, hat die genannte Firma ihre Schalteinrichtung bezüglich der Ankerschaltung abgeändert (D. R. P. Nr. 90968). Sie ist in Fig. 11 schematisch dargestellt. Es sei dabei angenommen, dass die Spannung zwischen den beiden Zuleitungen b und b constant ist, ferner dass die Ankerwickelung a1 doppelt so viel Windungen besitzt wie a2. Das Verhältniss der Windungszahlen kann natürlich in jedem besonderen Falle verschieden gewählt werden. In der dargestellten Stellung sind beide Ankerwickelungen a1 und a2 ausgeschaltet. Um den Motor anzulassen, wird der Hebel h von rechts nach links bewegt. Sobald er den Contact 2 berührt, werden beide Anker hinter einander zwischen die Leitungen bb geschaltet, wobei noch der Widerstand w1 ebenfalls in Reihenschaltung eingeschaltet ist. Bei der weiteren Bewegung des Hebels h nach links wird der Widerstand w1 allmählich ausgeschaltet. Hat der Hebel den Contact 4 erreicht, so ist der ganze Widerstand ausgeschaltet und der Motor läuft normal mit der geringsten Tourenzahl. Um die Tourenzahl zu erhöhen, wird der Hebel weiter nach links geführt, wobei er zunächst bei Contact 5 den Widerstand w21 der nur für die Rückwärtsbewegung des Hebels von Bedeutung ist, einschaltet. Auf Contact 6 ist der Anker a2 ausgeschaltet. Da nun a1 doppelt so viel Windungen wie a2 besitzt, erreicht der Motor eine grössere Geschwindigkeit, die durch Bewegung des Hebels bis auf Contact 8 durch Ausschalten des Widerstandes w3 geregelt werden kann. Bei der weiteren Bewegung des Hebels wird der Anker a1 ausgeschaltet und an Stelle dessen a2 mit dem Vorschaltwiderstande w5 eingeschaltet. Auf Contact 11 ist auch w5 ausgeschaltet und der Motor hat seine grösste Geschwindigkeit erreicht.

Die Verringerung der Geschwindigkeit erfolgt auf dem umgekehrten Wege, indem der Hebel h von links nach rechts gedreht wird. Durch die Widerstände w2 und w1 wird hierbei Funkenbildung verhütet.

Die Firma Henri Pieper Fils in Lüttich erfand eine Vorrichtung (D. R. P. Nr. 91218) zum selbsthätigen Anhalten eines Elektromotors bei plötzlicher Abnahme der Belastung, wie sie z.B. bei Drahtzieh- und ähnlichen Maschinen häufig eintritt. Die Vorrichtung ist in Fig. 12 schematisch dargestellt unter Annahme eines Flüssigkeitswiderstandes ww1 als Anlasswiderstand. m1 ist der Anker und e die Feldwickelung des Motors m. Der den Widerstand ww1 aus- und einschaltende Anlasshebel ist mit l bezeichnet. Er trägt den Anker a eines in den Ankerstromkreis eingeschalteten Elektromagneten e2. Seine Bewegung zum Einschalten des Motors erfolgt gegen den Widerstand eines Gegengewichtes oder einer Feder r. Dieser Widerstand entspricht der Motorbelastung, welche nicht unterschritten werden soll. Der Ankerstromkreis geht von z über ww1 Hebel l, Elektromagnet e2 und den Anker m1 nach z1. Mittels des Schalters i1 kann ein Nebenschluss i um den Elektromagneten e2 hergestellt werden.

Ist die Platte w1 aus der Flüssigkeit w herausgehoben und in Folge dessen der Anker ausgeschaltet, so berührt eine am Hebel l befestigte Platte l1 eine Klemme, so dass der Anker über einen kleinen Widerstand b geschlossen ist. Der Stromkreis e1 zur Erregung der Feldmagnete e ist von dem Flüssigkeitswiderstande unabhängig und stets geschlossen. Zum Anlassen des Motors wird zunächst mittels des Schalters i1 der Nebenschluss i um den Elektromagneten e2 hergestellt, dann der Hebel l so bewegt, dass der Flüssigkeitswiderstand allmählich ausgeschaltet wird. Alsdann liegt der Anker a am Elektromagneten e2 und wird von diesem festgehalten, wenn i1 geöffnet wird.

Textabbildung Bd. 308, S. 253

Sobald nun der Strom unter den durch die Feder r festgesetzten Grenzwerth sinkt, reisst die Feder den Anker a ab und schliesst den Anker m1 über den Widerstand b. Der Anker erzeugt nun, da das Feld erregt ist, Strom und zehrt dadurch seine lebendige Kraft sehr schnell auf, was ein plötzliches Anhalten des Motors zur Folge hat.

Eine besonders für Aufzugmotoren bestimmte Anlassvorrichtung mit Flüssigkeitswiderstand construirte die Actiengesellschaft Elektricitätswerke vorm. O. L. Kummer und Co. in Niedersedlitz bei Dresden (D. R. P. Nr. 95000). Die Anlassvorrichtung, die mit einer Stromwendevorrichtung verbunden ist, ist in Fig. 13 bis 14 dargestellt. Auf einer Welle a ist eine Kurbelzapfenscheibe b aufgekeilt, |254| an deren Zapfen c eine Gall'sche Gelenkkette d angehängt ist. Die Kette ist über die Rollen e1e2 geführt und trägt eine hufeisenförmige Tauchelektrode f, welche in die beiden Tröge g1g2 herabgelassen werden kann. In der dargestellten Ruhestellung befindet sich der Zapfen c im unteren Todtpunkte und die Tauchelektrode ist aus der Flüssigkeit ausgehoben. Durch Ziehen an dem Steuerseile vom Fahrstuhle aus kann die Scheibe b etwas gedreht werden, so dass sich der Zapfen c nach links oder rechts aus der Todtpunktlage entfernt. Nunmehr sinkt die Tauchelektrode durch ihr Eigengewicht in die Tröge. Damit diese Bewegung und damit das Anlassen des Motors allmählich erfolgt, ist mit der Spindel der Rolle e1 durch eine Sperradkuppelung nn2 und das Zahnrad n1 eine Fliehkraftbremse o verbunden, welche jedoch wegen der Sperradkuppelung beim Ausheben der Elektrode nicht in Wirksamkeit tritt, so dass das Ausschalten schnell erfolgen kann. Um je nach der Bewegung des Zapfens b aus der Todtpunktlage nach links oder nach rechts den Motor für Auf- oder Abwärtsgang des Aufzuges einzuschalten, ist auf der Achse a der Kurbelscheibe b noch ein Arm p aufgesetzt, dessen seitlich vorstehender Zapfen p1 in einen vom Contactträger q nach unten abstehenden Gabelarm q1 lose eingreift, so dass sich bei der Drehung der Achse a je nach der Drehrichtung die eine oder die andere Gruppe der Contacte q2 gegen die federnd gelagerten Contacte q3 anlegt.

Textabbildung Bd. 308, S. 254
Textabbildung Bd. 308, S. 254

E. Lanhoffer und Burghardt Frères in Mülhausen i. E. beschreiben in ihrem D. R. P. Nr. 91265 eine Anordnung, deren Zweck ist, bei einer elektrischen Kraftvertheilung, deren Motoren in weiten Grenzen eine stetige, ununterbrochene, nicht sprungweise Aenderung der Umlaufszahl zulassen sollen, die Stromzuführung so einzurichten, dass die Motoren für ein gegebenes maximales Drehmoment möglichst klein werden und unter möglichst günstigen Verhältnissen arbeiten. Zu diesem Zwecke werden die Motoren nach einander in Stromkreise eingeschaltet, deren Spannungen sich zu einander annähernd wie die Glieder einer geometrischen Reihe verhalten. In Fig. 15 ist die Schaltung schematisch dargestellt, und zwar ist b eine Dynamomaschine, deren Anker d die je nach der Grösse der Anlage höher oder niedriger zu haltende Spannung liefert; a1 a2 a3 .... an sind Anker Wickelungen, deren Windungszahlen im Verhältnisse der Glieder einer geometrischen Reihe stehen. Zwischen je zwei Ankerwickelungen kann eine Stromentnahme stattfinden. Die Figur zeigt die Einschaltung der Motoren mm1m2... mn+1 in die verschiedene Spannung führenden Leitungen. Bei der Umschaltung der Motoranker auf eine andere Leitung wird eine gleichzeitige und zwangläufige Aenderung der Feldstärke in der Weise herbeigeführt, dass zu dieser Zeit eine Aenderung der Umlaufszahl nicht erfolgt. Diese als Zwischenregulirung dienende Veränderung des magnetischen Feldes der Motoren bleibt für sämmtliche Spannungsdifferenzen annähernd gleich. Die Erfinder beschreiben auch eine Schaltvorrichtung, die gestattet, sämmtliche zur Ausübung des beschriebenen Verfahrens erforderlichen Schaltungen mit einer einzigen Schaltkurbel herzustellen.

(Schluss folgt.)

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