Titel: Die elektrische Bahn Orbe-Charvornay.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 2 (S. 23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi01_2

Die elektrische Bahn Orbe-Charvornay.

Obzwar diese Linie nur 4 km lang ist, erweckt sie doch besonderes Interesse, weil sie zeigt, dass mit Hilfe der Elektricität ein schneller Bahnbetrieb sich ermöglichen lässt. Charvornay ist eine Station der Eisenbahnlinie Lausanne-Neuchâtel und Orbe, eine Stadt von etwa 2000 Einwohnern im Juragebirge.

Die elektrische Bahn ist als Schmalspurbahn gebaut und geht von Charvornay aus etwa 3 km der Landstrasse entlang, von welcher 4,5 m Breite für den gewöhnlichen Wagenverkehr übrig bleiben. Nahe dem Orte Orbe machte sich die Erbauung einer Brücke von 33 m Spannweite erforderlich, die grösste Steigung beträgt 2,5 Proc. und der kleinste Radius ist 150 m. Die Endstation Orbe besteht aus einem kleinen Stationsgebäude und je einem Waaren- und Wagenschuppen. Für die oberirdische Stromzuleitung ist 6 mm starker Stahldraht genommen, welcher an gewöhnlichen Holzstangen mit Eisenträgern befestigt ist. An demselben Gestänge ist auch eine Telephonleitung für den Bahndienst.

Der Betriebsstrom für die Linie wird einer Kraftstation entnommen, welche die Stadt Orbe mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft für Motoren versorgt. Diese Station liegt 800 m von der Stadt entfernt in einer Bergschlucht; die verfügbare Wassermenge beträgt 2,6 cbm für 1 Secunde mit 10 m Fallhöhe. Das Turbinengebäude enthält jetzt nur zwei Turbinen von je 80 , welche direct mit Gleichstromdynamo gekuppelt sind. Die Turbinen machen 100, die elektrischen Motoren 450 Umdrehungen in der Minute.

Das Betriebsmaterial besteht aus zwei Personen- und einem Waarenmotorwagen, welche in der Fabrik der Société Industrielle Suisse in Neuhausen bei Schaffhausen gebaut worden sind. Die Wagen sind 6 m lang, 2,2 m breit und der Radabstand beträgt 2,3 m. Von den zwei Personenwagen ist einer getheilt; die eine Hälfte enthält 20 Sitzplätze und in der anderen können 2 bis 3 t Waaren oder Packete untergebracht werden; diese Einrichtung hat sich besonders im Winter als sehr praktisch erwiesen. In dem anderen Wagen sind 32 Sitzplätze und 13 Stehplätze auf den Plattformen. Die Einrichtung der Sitzplätze ist die für dritte Wagenklasse und die Theilung für Raucher und Nichtraucher hat sich nicht als erforderlich herausgestellt. Der Wärmemotorwagen ist für eine Belastung von 5 t berechnet und ist auch zur Beförderung von Vieh eingerichtet. Jeder Wagen ist mit zwei 30 -Motoren ausgerüstet, das Gewicht beträgt 3,5 t und die zulässige Geschwindigkeit ist 14 km in der Stunde.

In jeder Richtung werden täglich 11 Fahrten gemacht und eine Fahrt dauert 17 Minuten. Die Zusammenstellung des Zuges richtet sich immer nach dem Bedürfniss. Das Bahnpersonal besteht aus 9 Mann oder 2,25 Mann für 1 km. (Engineering, 1897 S. 406.)

Rr.

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