Titel: Neue Arbeiten des Internationalen Maass- und Gewichtsinstitutes zu Breteuil bei Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 3 (S. 23–24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi01_3

Neue Arbeiten des Internationalen Maass- und Gewichtsinstitutes zu Breteuil bei Paris.

Es ist bekannt, dass der Anschluss des Meter an den Erdkörper, in Wirklichkeit an die auf der Erdoberfläche gemessenen Abstände bestimmter fester Punkte, keine genügende Bürgschaft bietet; denn man hat allen Anlass, unablässige periodische und fortschreitende Aenderungen aller Theile des Erdkörpers, insbesondere der Oberflächenschichten, in Folge Temperaturschwankungen und Aenderungen der Elemente der Drehungsbewegung der Erde anzunehmen. Auch der Anschluss an die Pendellängen, welcher bei der Begründung des metrischen Systems ebenfalls als Controlmittel ins Auge gefasst war, versagt seine Sicherheit gerade in Folge jener Veränderlichkeit der Bedingungen, unter denen die Drehung der Erde, welche uns das Zeitmaass auch für die Pendelschwingungen liefert, sich vollzieht. Um die Mitte dieses Jahrhunderts war der Gedanke aufgetaucht, ob nicht die Wellenlängen des Lichtes, welches unter ganz bestimmten Temperatur- und sonstigen Bedingungen ausgesendet wird, als Erscheinung von ungewöhnlicher Beständigkeit der Dimensionen zu erachten und deshalb der Controle unserer Längeneinheiten dauernd zu Grunde zu legen seien. Bis in die neueste Zeit erschien jedoch der Gedanke, die Meterlänge mit solchen Wellenlängen zu vergleichen, als völlig unausführbar, bis der nordamerikanische Physiker Michelson um 1889 diese Möglichkeit nachwies. Das internationale Comité erachtete es sofort als seine Aufgabe, gemeinsam mit jenem ausgezeichneten Physiker die Mittel und Kräfte eine Zeitlang dieser Aufgabe zu widmen, und es ist nun eine Bestimmung der Verhältnisszahlen ausgeführt worden, welche zwischen der Länge des metrischen Prototyps und den Wellenlängen von drei besonderen Lichtstrahlungen glühenden Cadmiumdampfes obwalten.

Die Lichtstrahlungen des Cadmiums hatten sich, unter zahllosen anderen, als die vorzugsweise und fast allein geeigneten |24| für derartige Untersuchungen herausgestellt. Bekanntlich erfolgen die Lichtstrahlungen fast aller glühenden Gase zugleich in mehreren verschiedenen Schwingungsgeschwindigkeiten oder Wellenlängen, und diese verschiedenen Wellenlängen sind meistens durch grössere Intervalle, innerhalb deren von der Lichtquelle keine merkliche Strahlung ausgesendet wird, von einander getrennt. Diese drei Wellenlängen sind in der bekannten mikrometrischen Einheit von 0,001 des Millimeter, auf die zweite Decimale abgerundet:

λ 1 = 0,64
λ 2 = 0,51
λ 3 = 0,48.

Die Ergebnisse der Messungsreihen sind bei 15° C. die folgenden:

1 m = 1553163,5 λ 1
1 m = 1966249,7 λ 2
1 m = 2083372,1 λ3.

Die Einrichtungen, Methoden und Resultate dieser grossen Messungsarbeit im Einzelnen sind in dem XI. Bande der Travaux et Memoires du Bureau International de Poids et Mesures näher dargelegt.

Die Genauigkeit, mit welcher diese Bestimmungen der Metereinheit in Wellenlängen erfolgt sind, lässt sich auf eine Fehlergrenze von etwa einer halben Wellenlänge, also wenigen Zehnteln der mikrometrischen Einheit schätzen. In nicht zu langer Zeit werden mit einigen Verbesserungen der Einrichtungen im genannten Internationalen Institute die Messungen wiederholt werden, und voraussichtlich wird man dann auch an anderen Stellen ähnliche Bestimmungen ausführen, so dass man mit Sicherheit erwarten kann, um die Wende des Jahrhunderts die Anzahl der Wellenlängen von ganz bestimmten Lichtquellen, welcher die Längeneinheit äquivalent ist, mit vollster Sicherheit bis auf Zehnmillionstel der Einheit sichergestellt zu sehen. Hiernach ist in der That eine säculare Controle für die Unveränderlichkeit der Längeneinheit mit derselben Genauigkeit, mit welcher man Metermaasse ersten Ranges unter einander vergleichen kann, gesichert; denn wenn man nach einigen Jahrzehnten und später vielleicht nach Jahrhunderten die in Platiniridium ausgeführten Prototype des Meter aufs Neue mit den Wellenlängen vergleicht, kann man die feinsten Aenderungen, welche diese metallischen Verkörperungen der Einheit erfahren könnten, bestimmen und in Rechnung stellen unter der Voraussetzung, dass die Wellenlängen gewisser Lichtquellen keine Veränderung erfahren. (Prof. Dr. Förster, Zeitschr. f. Mechanik und Optik, 1897.)

Rr.

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