Titel: Lederersatz aus japanischem Papier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 3 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi04_3

Lederersatz aus japanischem Papier.

Gelegentlich der Austragung einer Zollstreitigkeit wurden der königl. technischen Versuchsanstalt zu Berlin, wie Abtheilungsvorsteher W. Herzberg in Heft 1 der Mittheilungen für 1897 berichtet, zwei Muster sogen. japanischer Lederpapiere behufs Feststellung der Festigkeitseigenschaften übersandt. Das eine Muster war grün gefärbt, hatte ein Quadratmetergewicht von 261 g, das zweite zeigte rothe Farbe und war 190 g das Quadratmeter schwer. In ihrem Aeusseren ähnelten die Muster wirklichem Leder ganz ausserordentlich, sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite. Die Festigkeitsprüfungen lieferten folgende Ergebnisse:

Bruchdehnung Reisslänge
Muster I, grün Maschinenrichtung
Querrichtung
Mittel
37,8
43,5
40,7
Proc.

3150
1450
2300
m

Muster II, roth Maschinenrichtung
Querrichtung
Mittel
41,3
21,0
31,2


4200
1950
3075


Im Anschluss an diese Versuchsergebnisse macht Herzberg einige Mittheilungen über die Herstellung der japanischen Lederpapiere.

Diese Ledernachahmungen, welche in Japan den Namen Kami-Kava führen, werden in den verschiedensten Farben erzeugt und kommen geköpert oder glatt, mit Arabesken versehen, mit Blumen oder anderen Verzierungen bedruckt, oder auf andere Weise reich ausgestattet, in den Handel. Ihre Weichheit, ihr Aussehen und ihre Geschmeidigkeit sind oft derartig, dass man glaubt, es mit wirklichem Leder zu thun zu haben. Diese Lederpapiere werden in Japan zur Herstellung von Brieftaschen, Tabaksbeuteln, Futteralen, Tischdecken, Tapeten und vielen anderen Gegenständen benutzt. Das einfach geköperte, schwarz lackirte Lederpapier dient zum Schutz der Füsse bei Regenwetter. Gewöhnlich wird das Lederpapier in kleineren Bogen hergestellt, zuweilen aber auch in längeren Bahnen, wenn es beispielsweise zu Tapeten verwendet werden soll. Als Rohmaterial wird festes Gampipapier verwendet, und auch die in der Versuchsanstalt geprüften, eingangs erwähnten Proben enthielten ausschliesslich Gampifasern.

Ueber die Herstellung des Lederpapiers berichtet Rein in seinem trefflichen Werk über Japan Folgendes: Man breitet das Papier auf einem Brett aus, die glatte Seite nach oben, und bestreicht es mittels einer weichen Haarbürste mit verdünntem Reiskleister, dem etwas Kienruss zugesetzt ist. Dann hängt man den Bogen über wagerecht laufende Stangen und lässt ihn trocknen.

Der so gekleisterte und getrocknete Bogen wird dann geköpert, wobei er sich nach beiden Richtungen beträchtlich verkürzt. Dieses Köpern wird in einfachen Hebelpressen vorgenommen.

Die Papierbogen werden durch Besprengen angefeuchtet und dann, eine Stunde lang über einander geschichtet, dem geringen Druck einer Presse ausgesetzt, damit die Feuchtigkeit sich gleichmässig durch die einzelnen Lagen vertheilt. Gewissermaaasen als Form für das Kreppen dienen grosse, braune Katabogen aus dickem Papier, welche parallel streifig nach einer oder mehreren Richtungen gefurcht und in feuchtem Zustande sehr elastisch sind. Auf diesen Katabogen legt man einen Bogen des angefeuchteten Papiers, hierauf einen zweiten Katabogen, dann wieder einen Papierbogen und so fort, etwa zehn Wiederholungen, bis man mit einem Katabogen den Schluss macht. Auf diesen Stoss wird eine Walze gelegt und das Papier fest um dieselbe zu einem Cylinder gerollt, aus welchem die Walze beiderseits etwa 5 bis 6 cm hervorragen muss. Diesen Cylinder umwickelt man sodann, um ihm besseren Halt zu geben, mit einem Streifen Leinwand und bringt die umwickelte Walze in die Presse. Der Arbeiter drückt das Papier ruckweise 6- bis 10mal auf der Rolle zusammen, wodurch diese in der Richtung der Längsachse zusammengepresst wird. Darauf wird die Rolle aus dem Brett genommen, der Leinwandstreifen entfernt, die Bogen abgerollt und in derselben Weise abwechselnd wie vorher gelegt, aber so, dass die Papiere jetzt eine andere Lage gegen die Katabogen bekommen wie vorher; die weitere Bearbeitung ist genau wie beschrieben. Wenn dieses Verfahren 8- bis 10mal wiederholt worden ist, ist die Köperung fertig. Die Bogen werden nunmehr mit einem Anstrich eines trocknenden Oeles versehen und darauf in der Sonne zum gründlichen Trocknen aufgehängt. Nach vollständigem Trocknen erhalten sie einen Anstrich von Kleisterlösung, welcher gleichzeitig die Farbe beigemengt ist, die das Leder erhalten soll (Eisenoxyd, Auripigment, Indigo, Tusche u.s.w.). Zum Schluss erhält das Muster noch einen Lackanstrich und ist nun zur Verwendung fertig.

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