Titel: Die Hefner-Lampe der Actiengesellschaft Siemens und Halske.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 1 (S. 119–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi05_1

Die Hefner-Lampe der Actiengesellschaft Siemens und Halske.1)

In dem Maasse, wie das Bedürfniss nach Licht gestiegen ist, hat sich das Bedürfniss fühlbar gemacht, die Bestimmung und Messung der Lichtstärke einer Beleuchtungsquelle einfacher und handlicher bewirken zu können. Es ist deshalb erklärlich, dass die vorbenannte Firma, von der so viele Lichtquellen hergestellt werden, dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet.

In ihren Neuen Nachrichten beschreibt sie für weitere Kreise ihre Hefner-Lampe und knüpft daran eine kurze Anleitung zu dem Gebrauche derselben. Der Begriff der Hefner-Lampe ist durch den Beschluss des Verbandes deutscher Elektrotechniker und des deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern übereinstimmend in folgender Weise festgestellt worden.

„Als Lichteinheit dient die Leuchtkraft einer in ruhig stehender, reiner atmosphärischer Luft frei brennenden Flamme, welche aus dem Querschnitt eines massiven, mit Amylacetat gesättigten Dochtes aufsteigt, der ein kreisrundes Dochtröhrchen aus Neusilber von 8 mm innerem und 8,3 mm äusserem Durchmesser und 25 mm freistehender Länge vollkommen ausfüllt, bei einer Flammenhöhe von 40 mm vom Rande des Dochtröhrchens aus und wenigstens 10 Minuten nach dem Anzünden gemessen.“

Durch die Beschlüsse des Elektrikercongresses zu Genf im Jahre 1896 scheint die Einführung der Hefner-Kerze als internationale technische Einheit für die Lichtstärke gesichert. In Deutschland ist die Hefner-Kerze (HK) als Lichteinheit bereits thatsächlich eingeführt und zwar durch die übereinstimmenden Beschlüsse des Verbandes deutscher Elektrotechniker und des Vereins deutscher Gas- und Wasserfachmänner.

Die Lichtstärke der Hefner-Lampe zeigt sich abhängig von der umgebenden Luft. In der Nähe des normalen Barometerstandes ist die Aenderung der Lichtstärke ohne jede praktische Bedeutung. Auch die Aenderung der Lichtstärke mit der Feuchtigkeit kann meist unbeachtet gelassen werden. Dagegen wird durch eine Verminderung des Sauerstoffgehaltes der Verbrennungsluft die Leuchtkraft stark beeinträchtigt.

Als erste Grundbedingung für das Photometriren mit der Hefner-Lampe ist deshalb die Forderung hinreichend grosser, gut gelüfteter Räume aufzustellen.

Die von der Firma Siemens und Halske Actiengesellschaft gelieferte, in Fig. 1 im Schnitt dargestellte Hefner-Lampe hat folgende Einrichtung.

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Das Gefäss A dient zur Aufnahme des Amylacetats; es ist aus Messing oder Rothguss hergestellt und im Inneren verzinnt. Der Kopf B trägt in seinem Inneren das dochtführende Rohrstück a und das Triebwerk. Letzteres besteht aus zwei Achsen, über welche zwei gezahnte, in die Ausschnitte des Rohrstückes a eingreifende Walzen w und w1 geschoben sind. Seitlich von den Walzen und mit diesen fest verbunden sitzen die Zahnräder e und e1, diese können durch die beiden in sie eingreifenden, auf ein und derselben Achse b sitzenden Schrauben ohne Ende f und f1 in einander entgegengesetzter Richtung gedreht werden. Die Achse b endet in dem Knopf g, mit dessen Hilfe das Triebwerk in Bewegung gesetzt wird. Das dochtführende Rohrstück a ragt über die obere Platte des Kopfes B um etwa 4 mm heraus und trägt am herausragenden Ende aussen ein Gewinde, auf das die Hülse D aufgeschraubt werden kann. Dicht neben dem Rohrstück a befinden sich in der oberen Platte des Kopfes B zwei einander gegenüber liegende Oeffnungen von etwa 1 mm Durchmesser, die zur Zuführung der Luft an Stelle des verbrauchten Brennstoffes dienen.

Das Dochtrohr ist aus Neusilber ohne Löthnaht hergestellt; seine Länge beträgt 35 mm, der innere Durchmesser 8 mm, die Wandstärke 0,15 mm. Es wird von oben in das Rohrstück a bis an einen darin befindlichen Ansatz eingeschoben.

Das Flammenmaass, das zur Feststellung der richtigen Flammenhöhe (40 mm) dient, ist auf einem abnehmbaren, drehbaren und an jeder Stelle festklemmbaren Ring h befestigt, der auf die obere Platte des Kopfes B aufgesetzt wird.

Textabbildung Bd. 308, S. 120

Als Messvorrichtung dient entweder ein Flammenmaass nach v. Hefner-Alteneck oder nach Krüss (Fig. 2). Das Hefner'sche Flammenmaass (Fig. 1 und 2) besteht aus zwei in einander geschobenen Rohrstücken mit wagerechter, durch die Achse des Dochtrohres hindurchgehender Achse. Das innere Rohrstück ist der Länge nach durchschnitten und trägt ein wagerecht liegendes blankes Stahlplättchen q von 0,2 mm Dicke mit einem rechtwinkligen Ausschnitt. Die untere Ebene des Stahlplättchens soll 40 mm über dem oberen Rande des Dochtrohres liegen. Das Krüss'sche Flammenmaass (Fig. 2) besteht aus einem etwa 30 mm langen Rohrstück, dessen Achse ebenfalls wagerecht liegt und durch die Achse des Dochtrohres hindurchgeht. Das Rohrstück ist auf der dem Dochtrohr zugewandten Seite durch ein kleines Objectiv von etwa 15 mm Brennweite geschlossen, auf der entgegengesetzten Seite durch eine matte Scheibe, die von feinem Korn ist und dem Objectiv ihre matte Seite zuwendet. Die Scheibe trägt in ihrer Mitte eine wagerechte, schwarze Marke von nicht mehr als 0,2 mm Dicke. Das durch das Objectiv entworfene Bild der oberen Kante dieser Marke soll genau 40 mm über der Mitte des oberen Dochtrohrrandes liegen.

Textabbildung Bd. 308, S. 120

Die Lehre (Fig. 2) dient zur Controle der richtigen Stellung des oberen Randes des Dochtrohres, sowie derjenigen des Flammenmaasses. Wenn die Lehre über das Dochtrohr geschoben ist, so dass sie auf der Decke des Kopfes B fest aufsteht, so soll beim Hindurchblicken durch den in etwa halber Höhe der Lehre befindlichen Schlitz zwischen dem oberen Rande des Dochtrohres und der wagerechten Decke des inneren Hohlraumes der Lehre eine feine, weniger als 0,1 mm breite Lichtlinie sichtbar sein; ausserdem muss die Schneide oben an der Lehre bei Benutzung des Hefner'schen Flammenmaasses in der Ebene der unteren Fläche des Stahlplättchens liegen. Bei Benutzung des Krüss'schen Flammenmaasses muss die Schneide der Lehre in der oberen Kante der Marke des Flammenmaasses scharf abgebildet werden. Der Abstand zwischen dem oberen Dochtrohrrande und der Schneide der Lehre muss somit genau 40 mm betragen.

Sämmtliche Metalltheile der Lampe ausser dem Dochtrohr und dem Stahlplättchen des Hefner'schen Flammenmaasses werden mattschwarz gebeizt.

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Für diejenigen unserer Leser, welche sich über die Einzelheiten der Lichtmessungsfrage näher unterrichten wollen, sei bemerkt, dass die bei Siemens und Halske erschienene Druckschrift (Nr. 48 vom Februar 1898) über alle einschlägigen Fragen, insbesondere auch über die Vergleichung der bisher zur Verwendung gekommenen Lichteinheiten eingehend Auskunft gibt.

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